Umbau
Umbau
Basis für diesen Umbau war eine latent gruselige GSX-R 750. Viel über geblieben ist nicht.

Endzustand
Endzustand
Dark Forces

Also als erstes mal komplett zerlegen die bereifte Furunkel. Und bereits bei der ersten oberflächigen Bestandsaufnahme zeigte sich eindrucksvoll, dass von dem Vogel wohl nicht ganz viel über bleiben würde. Der noch originale Heckrahmen musste ab, die spiddelige Gabel raus, fetteres Radwerk rein und der Lacksatz ging mal gar nicht. Schließlich wollten wir das Teil am Ende der Aktion ja verlosen - und da durfte natürlich auf keinen Fall halber Krams unters lesende Volk geschmissen werden, Ehrensache.

Motoriken

Ursprünglich sollte der verbaute Motor auch zukünftig für Vortrieb sorgen, war er doch bereits gegen den eines der raren, ultrakurzhubigen Nachfolgeaggregate ausgetauscht worden. Seltsames Spiel auf der Getriebeausgangswelle mahnte jedoch einen tieferen Blick in die Eingeweide der Drehorgel an und förderten übermäßig geputzte Zähne zu Tage. Tribut an alkoholgeschwängerte Brennplattenauftritte. Das konnte so natürlich nicht bleiben. Statt nur das Getriebe zu wechseln, haben wir lieber gleich den gesamten Block zum Briefbeschwerer degradiert und an seiner statt ein 12er Banditenherz montiert. Ein halber Liter mehr Hubraum kann ja nix schaden, gell?!

Organverpflanzungen

Munter durch die Gegend transplantiert wurde auch am Fahrwerk: Die entrissene Telegabel bekam einen Nachfolger aus Kawas ZX-12R Reihe. Die hat nicht nur so ziemlich den längsten im gesamten Tierreich, sondern bringt auch gleich noch radiale Stopper mit in die Beziehung, die wir mit Wave-Scheiben aufgedonnert haben. Für die Kontaktaufnahme zum Rahmen sorgen maßgeschnitzte Alubrücken, deren Layout bewusst dezent ausgefallen ist. Oben drauf sitzt ein Multiinstrument, gelenkt wird über unendlich verstellbare High-End Stummel, an denen Taster Ströme per zugehöriger Relais und einem Kellermann R3 Tausendsassa schalten und verwalten.

Hand und Fuß

So gediegen die Patscher untergebracht sind, so wohl fühlen sich auch die Füße des Reiters. Edles Aluminium dient als Stiefelablage und hilft bei der spielfreien Gangselektion. Zwar gab es keine konkret angedachte Anlage für unser Modell, wir haben aber mittels Adaptern einen Satz, der eigentlich für eine dreizylindrige Engländerin gedacht war an den Rahmen getackert. Ein passender Hydro-Pott nimmt das Bremsfluid auf. Ein einmaliges Ensemble, so wie vieles an diesem Stuhl. Direkt passendes oder unbearbeitetes Zubehör findet sich kaum am Krad, statt dessen eine Menge Einzelanfertigungen und modifizierte Perlen. Sollte ja schließlich ein Unikum werden und das geht eben nicht mit Instant-Ware oder Tütensuppen aus dem Fertigkost-Regal.

Körperwelten

Damit's ganz hinten schön luftig bleibt, übernimmt ein selbsttragender Kastenheckrahmen die unsichtbare Aufnahme des RS 250-Höckers. Der Tank ist aufwendig verzinnt und gecleant. Sicken und Belüftungstower wurden entfernt und statt den Sitzplatz an das Spritfass anzupassen, sind wir einfach mal den umgekehrten Weg gegangen und haben das Ende des Bottichs anschlussfreudig modifiziert. Ein mega Aufwand, den man auch nur auf den zweiten Blick sieht, aber warum einfach wenn es auch umständlich geht? Lackiert ist die Fuhre im nautischen Design.

Sound of Silence

Unnötig viel Arbeit haben wir uns auch mit dem Auspuff gemacht. Statt es bei einer etablierten Zubehöranlage zu belassen, haben wir uns zwei Flöten, die normalerweise an einer CBR 600 RR Dienst tun besorgt, diese umgeschweißt und mittels eines Yoshi-Verteilers asymmetrisch einseitig übereinander montiert. Das gibt nicht nur eine gierige Optik, sondern sorgt auch für angemessenen Gasdurchsatz. Sind die Posaunen alleine noch relativ karg mit Volumen gesegnet, zeigen sie sich im Tandem als durchaus atmungsaktiv. Findet natürlich auch der Motor voll geil. Vor allem, weil auf der Lungenseite ebenfalls nichts hinderliches zwischen ihm und der Atmosphäre steht. Dank der ältlichen EZ waren die offenen Filter zulassungstechnisch eine zu nehmende Hürde – und sind deshalb auch vorsätzlich und mit voller Absicht skrupellos montiert worden.

Light extralight

Natürlich geht´s auch lichttechnisch extravagant zur Sache: Achtern signalisieren Kombilaternen dem nachfolgenden Verkehr was Ambach ist.. Ein Facetten-Scheinwerfer sorgt für Fernlicht, während sein DE-Kollege Abblendstrahlen absondert. Klassische Glühbirnentechnik ist damit am gesamten Krad nicht vorhanden. Entsprechend modern wird auch gestartet: Eine LiFePo4 Batterie liefert kompakte Ströme ohne großen Platzanspruch. Durch die Minimalelektrik ist es sogar möglich geworden, den Platz unterm Höcker ausschließlich für Umgebungsluft zu reservieren – dort herrscht nämlich komplette Leere. Steuergerät und Nology-Zündspulen hocken unterm Tank, ebenso wie die Relais und Kabelstränge.

Kompakt, Klasse!

Es ist nicht viel dran an dem Geschoß, aber das was wir für den kommenden Neubesitzer verbaut haben, ist ausnahmslos Oberliga. Und so sind neben ein bisschen Rest-Alu vom Hauptrahmen auch nur noch die Papiere von 1988 übrig geblieben. Alles andere ist taufrisch und auf der Höhe der Zeit. Das ermöglicht eine Kombination aus zeitgenössischer Technik und gleichzeitig legeren Umgang mit Zulassungsverordnungen. So kommt das Teil legal mit einem einzelnen Spiegel aus, darf noch kräftig intonieren und ist frei von jedweder E-Kennzeichnungspflicht oder Abgasvorschriften. Nicht die blödeste Kombination für einen Fighter.

Finale Grande

Und damit der ganze recht wild zusammen gewürfelte Kram auch reibungslos funktioniert und alles legal zugeht, hat sich zum Schluss Klausi von Strassenmeister-Motorcycles aus Berlin den Stuhl für die Endarbeiten gegriffen und in Rekordzeit ganze Arbeit geleistet. Setup, Elektrik, Finish und nicht zuletzt TÜV-Abnahme nebst Eintragungen gehen auf sein Konto.

TECHNISCHE DATEN Marke/Modell/Bj.: GSX-R 7/12, EZ. 88 Motor: Bandit 1200 Ölkühler: Bandit 1200 Vergaser: Bandit 1200 Luftfilter: offene Einzelfilter Krümmer/Auspuff: Bandit/Yoshimura, 2*Ixil X55 Rahmen: GSX-R 750 modifiziert Schwinge: GSX-R 1100 Federbein/Umlenkung: GSX-R, Bandit Gabel: ZX-12R Gabelbrücken: CNC Lenker: mehrfach verstellbare Stummel Räder: ZX-12R vorn, Bandit 1200 hinten Bereifung: 120/70ZR17 vorn, 180/55ZR17 hinten Bremsscheiben: Wave vorn, Bandit 1200 hinten Bremszangen:ZX-12R vorn, GSX-R 750 hinten Fußrastenanlage: Zubehör mit Eigenbau-Adaptern Tank: GSX-R 1100, stark modifiziert Höcker/Sitzbank: RS250 Replica mit Eigenbausitz Kotflügel: Eigenbau VA, einseitige Aufhängung Sonstiges: Kurzhubgasgriff, LiFePo4 Akku, GSX-R 750 Blackbox