dB-Eater
dB-Eater (!)
Besser-Esser



Er ist voll ausgefahren 15 Zentimeter lang, knüppelhart und meist leicht gekrümmt – das beste Stück des Mannes: sein dB-Eater. Ohne darf man nicht, weiß jeder. Was aber, wenn man's trotzdem macht? Was kostet der Spaß, was passiert vor Ort und mit was muss man rechnen? Nun, das liegt in erster Linie an euch selber.

Um es gleich vorweg zu sagen: Nach wie vor wird das Fahren ohne den Rüssel von Region zu Region unterschiedlich bewertet und sanktioniert. Insbesondere in verkehrsreichen Gebieten und während der Hochsaison wird drakonischer auf die Finger geklopft als im Herbst in der Pampa. Zudem ist die Rechtslage immer noch nicht eindeutig und tatsächlich massive Auslegungssache. Es gibt aber ein paar Parameter, die sind grundsätzlich gültig – und es ist gut sie zu kennen. Genau mit denen beschäftigen wir uns jetzt und hier.

The day, the StVZO died

Blicken wir erst einmal zurück. Vor 2007 war die Nummer recht einfach: 50 Doppelmark, drei stattliche Punkte in der Beate Uhse-Kartei und keine Weiterfahrt ohne Behebung des Mangels. Mit der halbgaren Einführung der FzV verschwand dieser beliebte Pauschalansatz, basierend auf dem ausgestorbenen §18 der StVZO spontan aus den Registern und damit auch als Handhabe. Theoretisch dürfte die Geschichte seitdem nur noch ein paar punktefreie Euronen Verwarngeld kosten. So einfach ist das allerdings leider nicht.

Verdoofte Boten

Denn je nach Auslegung kann man das Entfernen des Schnorchels auch auf andere Paragraphen übertragen. Immer wieder gerne genommen ist der Wischiwaschi-Paragraph 21 im Straßenverkehrsgesetz, der platt ausgedrückt besagt, dass jeder, der was Doofes oder Verbotenes macht bis zu 2000 Kracher loswerden kann – einfach weil er was Doofes oder Verbotenes macht.

Wer suchet, der findet

Auch das Fahren ohne Betriebserlaubnis sowie die Gefährdung des Straßenverkehrs findet man immer wieder in der polizeilichen Vorhalte. Und hier wird's dann schon interessanter. Die Nummer mit der Gefährdung ist nämlich nicht so einfach zu halten, denn wir sprechen hier nicht von blanken Reifen, kaputten Bremsen oder einem undichten Tank. Inwiefern eine möglicherweise erhöhte Lautstärke einen Unsicherheitsfaktor darstellt, dürfte schwer zu belegen sein. Noch prickelnder wird es beim Klassiker "Fahren ohne BE". Der Punkt trifft zweifelsohne zu und ist kaum wegzudiskutieren, da im betroffenen Vorschriftenwerk explizit die vorsätzliche und gezielte Manipulation der Abgasanlage als Kriterium aufgeführt wird – und genau diese liegt ja auch vor. Wirklich? Ist das so?

Erkennt inzwischen auch der letzte Dorf-SchuPo: Nur legal mit Einsatz



Kontrollverlust

Das ist gar nicht so leicht zu beantworten und zu beweisen. Zumindest nicht durch den Kontrolletti vor Ort und solange ihr nicht zugebt, gezielt ohne das Schnüffelstück gestartet zu sein oder das Teil plötzlich aus der Jackentasche zaubert. Beides ganz, ganz doofe Ideen. Denn damit habt ihr nicht nur selber den Beweis eures Vorsatzes erbracht, sondern müsst auch die Konsequenzen tragen. Und die sind sehr kostspielig und folgenreich. Nicht nur, dass die Gurke ggf. stehen bleiben muss oder gar sichergestellt wird, es hagelt auch Punkte und euch erwartet ein unangenehmes Prozedere in Sachen Wiedererlangung der BE. Einfach den Rüssel wieder Einschrauben reicht nämlich nicht.

Selbstanzeige

Denunziert ihr euch aber nicht selber, wird es sehr schwierig zu beweisen, dass ihr das Teil nicht einfach nur verloren habt. Der feine Unterschied: Dann liegt lediglich ein Defekt bzw. erhöhter Verschleiß vor, der natürlich behoben werden muss, aber lange nicht soviel Geld kostet und auch keine Punkte einfährt. Vergleichbar mit einem durchgerosteten Loch im Dosen-Auspuff.

Echt jetzt Herr Oberkommissar: Da hat mir wohl irgendein Motorradhasser zehn Zentimeter von meinem Rüssel abgeschnitten. Und dann auch noch so schlecht...



No way home

Kehrseite der Medaille: Auch in diesem Fall kann euch ggf. die Weiterfahrt untersagt werden, eine Sicherstellung ist aber eher unwahrscheinlich. Warum auch? Beweissicherung ist nicht notwendig, das Nichtvorhandensein auf Grund Verlustes könnt ihr gefahrlos eingestehen – die Abwesenheit als solche lässt sich ja eh nicht wegdiskutieren. Und ihr dürft natürlich auf keinen Fall in dieser Situation den "verlorenen" Eater aus der Tasche kramen. Also lieber Ersatz von einem Kumpel "bringen lassen". Das untermauert zudem die Glaubwürdigkeit eurer Aussage und kann später argumentativ dienlich sein.

Jäger und Sammler

Sollte der Ordnungsbeauftragte trotzdem die Kiste einsacken oder euch ans Zeug flicken wollen, gilt wie immer: Ruhe bewahren, höflich bleiben und ansonsten die Fresse halten. Ändern könnt ihr vor Ort sowie nichts daran, wohl aber für den weiteren Ablauf Punkte sammeln. Weist den Sheriff ausdrücklich darauf hin, dass keine Manipulation vorliegt, ihr den reinen Verlust als solchen bestätigt, dieser aber gleichzeitig nur eine Verschleißerscheinung darstelle und die BE nicht berühre. Äußert euren Einspruch gegen die Beschlagnahme, am besten vor Zeugen – viel mehr könnt ihr nicht machen. Das kann später aber Gold wert sein. Gebt auf keinen, aber auch auf gar keinen Fall irgendetwas zu. Ganz egal ob durch Druck, freundliches Geplänkel oder scheinbare kumpelhafte Ratschläge ausgelöst: Auf jeden Fall die Schnauze halten! Der Junge mit der hässlichen Mütze will euch nichts Gutes, er versucht euch lediglich Zugeständnisse zu entlocken und seine eigene Arbeit zu erleichtern. Denn habt ihr erst einmal etwas zugegeben, ist der Drops gelutscht. Dann spielt es nicht einmal mehr eine Rolle, ob der Vorwurf rechtmäßig und haltbar war oder nicht.

Verräterisches Loch. Dass hier was fehlt, rafft ausnahmslos jeder. Ob vorsätzlich entfernt oder verloren kann aber nicht mal ein Gutachter sicher entscheiden



Maniüulati

Das Manipulieren von Einsätzen, also das Aufbohren oder Kürzen, ist noch kritischer. Denn wenn die Schlingel sich auskennen, erkennen sie den Tatbestand recht fix. Leugnen nützt dann nix mehr, und den Vorsatz nachzuweisen habt ihr damit auch selber abgefrühstückt. Und dass euch der fehlende Teil gerade eben "weggerostet" ist, glaubt euch auch keine Sau. Logisch, gell?!

Disclaimer: Dieser Artikel stellt keinerlei Rechtsberatung oder juristische Auskünfte da (so etwas können und wollen wir gar nicht leisten), sondern ist lediglich Widerspielung selbt gemachter Erfahrungen in Glossenform. Für rechtsverbindliche Informationen konsultiert ggf. Fachanwälte oder juristische Auskunftstellen.


Lenkschloss
Lenkschloss
Der Schlossherr

Egal, ob man die Gabelbrücke einfach nur leerfegen oder auf einen anderes, etwa elektronisches Zündschloss umrüsten will: Ist das Krad serienmäßig mit einem kombinierten Lenk-/Zündschloss ausgestattet, fällt mit der Maßnahme automatisch die Möglichkeit der Arretierung der Lenkung weg. Das gleiche passiert auch in 99 Prozent aller Fälle eines Forken-Upgrades. Blöderweise handelt es sich bei der zwar völlig uneffektiven und eher symbolischen Absperrmöglichkeit um eine vom Gesetzgeber explizit vorgeschrieben Einrichtung, auf die genauso wenig verzichtet werden kann und darf, wie auf Rücklicht oder Bremse. Durch die Wegrationalisierung der Funktion wird also schnell mal die Eintragung des Umbaus gefährdet und auch die regelmäßige HU gegebenenfalls zum Glücksspiel.

Leck-Türe

Bevor wir uns in der sich anschließenden Toolbox mit alternativen Gegenmaßnahmen beschäftigen, werfen wir erst einmal einen Blick auf die dazu gehörigen Vorschriften, denn nur wer diese kennt kann konstruktive Lösungen herbei führen. Grundstein der Forderung nach der Diebstahlsperre ist wie so oft die gute alte Tante StVZO. In §38a, Absatz 2 schreibt sie vor, dass alle Mopeten jenseits des Kalibers von zweitaktenden Roll-Klos mit einer entsprechenden Sicherungseinrichtung versehen sein müssen.

Dieb-Stall

Das rührt allerdings weniger daher, dass sich Papa Staat Sorgen um euer Eigentum machen würde, als vielmehr aus einer ganz anderen Ecke. Es soll nämlich verhindert werden, dass jemand ungehinderten Zugriff auf eure Mühle hat und dann damit Mumpitz anstellt, also zum Beispiel den nächsten Kiosk überfällt, Omas in der FuZo platt möllert oder Kamikaze-Einsätze gegen Politessen fährt.

Lese-Schwäche

Nun mag sich geneigte Leser denken, dass sich eine solche Sicherung gegen Fremdbenutzung auch auf anderem Wege erzielen lässt. So gibt es inzwischen ausgezeichnete Kettenschlösser oder auch elektronische Vorrichtungen, die den Zweck um ein vielfaches effektiver erfüllen. Da hat der Lektor zwar Recht, aber leider auch die Rechnung ohne die EG gemacht. Die hat nämlich ziemlich präzise Vorstellungen davon, wie die Diebstahlsicherung auszusehen hat. Und bei genau diesen Vorgaben landet man, wenn man nach dem in §38a erwähnten "Anhang" fahndet. Der versteckt sich schlechterdings in der Richtlinie 93/33/EWG und sagt was Sache ist.

Vier Froinde

Akzeptiert werden insgesamt vier verschiedene Methoden, von denen drei nichts anderes als Varianten der bekannten Lenksperre sind. Interessant wird's dann aber bei Version 4, die alternativ auch eine Sperrung des Antriebs, statt der Lenkung erlaubt. Da schau mal einer guck! Im Folgetext der RiLi wird dies dann ergänzend aufgebröselt. Zu verhindern ist demzufolge per Mechanik, dass die Kiste entweder gelenkt oder bewegt werden kann.

Noie Wege

Das erschließt völlig neue Wege und lässt auch Installationen abseits des Lenkkopfs zu. Allerdings muss die Vorrichtung in jedem Fall fest am Krad angebracht sein. Der Weg über die "loses Zubehör" Eintragung ist seit geraumer Zeit nicht mehr realistisch umsetzbar, deshalb vernachlässigen wir diese theoretische Angelegenheit auch ganz bewusst. Schuld daran ist ebenfalls die EG-RiLi, die ausdrücklich fordert: "Die Sicherungseinrichtung muss Teil der Grundausstattung des Fahrzeugs sein." Grundausstattung heißt in diesem Fall nicht etwa "aufpreisfrei", sondern fester Bestandteil der Kiste. Lose mitgeführt fällt damit aus.

Kauf mir

Dennoch sind die aus diesem Sachverhalt resultierenden Möglichkeiten umfassend genug. Den Hebel ansetzen kann man z.B. an den Bremsscheiben, am Kettenrad oder sogar dem Ritzel. Erzeugt man hier eine arretierbare Sperrung, ist den Anforderungen der RiLi genüge getan. Es gibt sogar Fertiglösungen auf dem Markt, die sich für die Nummer eignen – oder man legt selber Hand an und baut sich für ein paar Euronen selber eine solche Unit – genau damit beschäftigen wir uns im passenden Workshop.

Stell her

Eins muss dennoch erwähnt werden: Die EWG-Vorschrift ist eigentlich nur für Fahrzeughersteller da und nicht für nachträgliche Umbauten gedacht. Denn nach wie vor sind technische Veränderungen Ländersache und nicht EG-weit einheitlich geregelt. In der Praxis zieht man inzwischen aber auch bei technischen Änderungen gerne die EG-RiLis heran, was zum Teil einfach daran liegt, dass seit deren Inkrafttreten kaum noch an länderspezifischen Varianten gewerkelt wird.

Schlosshund

Wenn ihr also euer originales Lenkschloss wegrationalisiert, eine den Vorgaben entsprechende Alternative verbaut und dem Prüfer eine Kopie der Richtlinie von dieser Seite vorlegt, hat er eine gute Basis, euch die Sache anzunehmen, was wiederum eure Aussichten dramatisch steigert. Das Schloss muss übrigens weder eine Bauartgenehmigung aufweisen, noch über Gutachten oder BE verfügen, das wird nirgends gefordert. Wie immer gilt natürlich auch hier: Vorher mit dem Kittel-Tier sprechen erspart hinterher tierisches Abkotzen.

StVZO §38a: Sicherungseinrichtungen gegen unbefugte Benutzung von Kraftfahrzeugen

(2) Krafträder und Dreirad-Kraftfahrzeuge mit einem Hubraum von mehr als 50 ccm oder einer durch die Bauart bestimmten Höchstgeschwindigkeit von mehr als 45 km/h, ausgenommen Kleinkrafträder und Fahrräder mit Hilfsmotor (§ 3 Absatz 2 Satz 1 Nummer 1 Buchstabe d der Fahrzeug-Zulassungsverordnung), müssen mit einer Sicherungseinrichtung gegen unbefugte Benutzung ausgerüstet sein, die den im Anhang zu dieser Vorschrift genannten Bestimmungen entspricht.

Richtlinie 93/33/EWG

Die Sicherungseinrichtung kann
Typ 1 allein und zwangsläufig nur auf die Lenkanlagen wirken;
Typ 2 zwangsläufig in Verbindung mit der Einrichtung zum Abschalten des Fahrzeugmotors auf die Lenkanlage wirken;
Typ 3 vorgespannt sein und in Verbindung mit der Einrichtung zum Abschalten des Fahrzeugmotors auf die Lenkanlage wirken;
Typ 4 zwangsläufig auf die Kraftübertragung wirken.

Allgemeine Vorschriften über den Bau und die Funktionsweise von Sicherungseinrichtungen:

zweirädrige und dreirädrige Kraftfahrzeuge mit Ausnahme von Kleinkrafträdern sind entsprechend den Bestimmungen dieses Richtlinienvorschlags mit einer Sicherungseinrichtung gegen unbefugte Benutzung auszurüsten; ist eine solche Sicherungseinrichtung an einem Kleinkraftrad angebracht, muss sie den Bestimmungen dieses Richtlinienvorschlags entsprechen; die Sicherungseinrichtung muss zum Lenken, Führen oder Vorwärtsfahren des Fahrzeugs außer Betrieb gesetzt werden; der Schlüssel kann nur dann abgezogen werden, wenn sich der Bolzen in der Verriegelungsstellung oder der Entriegelungsstellung befindet; die Sicherungseinrichtung muss Teil der Grundausstattung des Fahrzeugs sein; der Verriegelungsmechanismus muss mindestens 1.000 verschiedene Schließmöglichkeiten oder eine Anzahl umfassen, die der Gesamtzahl der pro Jahr hergestellten Fahrzeuge entspricht; der Kode von Schlüssel und Schloss darf nicht sichtbar sein; die Sicherungseinrichtung muss so beschaffen sein, dass während der Fahrt mit laufendem Motor ein unbeabsichtigtes Blockieren nicht möglich ist und die Lenk- oder Kraftübertragungsanlage nicht beschädigt werden kann.

Quellen: StVZO, www.europa.eu

Den Workshop zum Thema findet ihr HIER




Kennz.-Missbrauch
Kennz.-Missbrauch
Missbrauchsopfer

Kaum etwas ebnet euch leichter den Weg in eine Zukunft, die geprägt ist von der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel, entleerter Bankkonten und regelmäßigen Terminen beim Anwalt, wie das, was gemein hin als "Kennzeichenmissbrauch" bezeichnet oder als solcher ausgelegt wird.

Wie sensibel der Behörden-Clan auf die Nummer reagiert, zeigt sich schon alleine an dem Umstand, dass er nicht mal im handelsüblichen OWi-Katalog geregelt ist, sondern dessen Geltungsbereich überschreitet. Das liegt ganz einfach daran, dass es sich um eine Straftat handelt und automatisch ein Fall für den Staatsanwalt wird. Der Mann mit der Kelle stellt also nur fest und leitet weiter. Regulieren kann und darf er die Sache vor Ort nicht.

Das macht den Ortstermin aber nicht weniger brisant – ganz im Gegenteil. Denn auch, wenn er die Folgen nicht in der Hand hat, initiiert der Mützen-Mann den Handlungsstrang, stellt die Weichen und erhebt den Vorwurf. Der Kennzeichenmissbrauch ist meistens keine glasklare Angelegenheit. Er erfordert vielmehr eine ganze Reihe von notwendigen Voraussetzungen, die nachgewiesen(!) werden müssen – und zwar alle.

Außer das Exekutivorgan schafft es, euch dazu zu bewegen, die Sache umfänglich zuzugeben. In dem Fall ist es auch völlig unerheblich, ob der Tatbestand tatsächlich vorliegt oder gerechtfertigt ist. Ein eingeräumter Tatbestand wird mit eurem Eingeständnis automatisch real. Wir können es deswegen gar nicht oft genug sagen: Auf keinen, absolut keinen Fall irgendetwas vor Ort zugeben oder anerkennen – auch nicht teilweise. Mehr als grundlegende Angaben zur Person im Umfang der Einträge im Ausweis braucht und solltet ihr auf keinen Fall machen. Lasst euch nicht einlullen, auch nicht von einer vermeidlichen Verständnis- oder Kumpel-Masche. Der Typ in Uniform will euch bei einer Kontrollaktion nichts Gutes. Macht euch das klar, habt das immer vor Augen und handelt entsprechend. Seid höflich, aber schweigsam. Das gilt auch für scheinbar Offensichtliches.

Wer die suggestive Aussage "Das sieht ja mal geil aus mit dem steilen Nummernschild, so kommt der tolle Heckumbau auch besser zur Geltung" mit euphorischem Nicken oder gar verbalen Ausführungen reflektiert, dem gehört die Kelle um die Ohren gehauen. Unabhängig von seinem tatsächlichen Winkel, steht das Nummernschild natürlich nicht zu steil, niemals nicht. Und wer was anderes behauptet, muss das beweisen. Und vergesst um Himmelswillen auch gleich den Gedanken, ein Geständnis könnte strafmildernde Auswirkungen haben oder den Rennleiter dazu bewegen ein Auge zuzudrücken und Gnade vor Recht ergehen zu lassen.

Genau das Gegenteil ist der Fall. Und das kann im konkreten Fall Auswirkungen haben, die ihr vor Ort noch gar nicht überblicken könnt. Denn eine wichtige Komponente des Kennzeichenmissbrauchs ist der Vorsatz. Das heißt: Ihr habt etwas mit der Absicht gemacht, eine bestimmte Wirkung zu erzielen. Gebt ihr also die Kenntnis der zu schrägen Montage zu, habt ihr sogleich einen elementaren Teil der Beweisfindung selber geleistet. Also immer schön den Hals dicht lassen, dann kann's auch nicht reinregnen.

Schauen wir uns die Regelung zum Kennzeichenmissbrauch in seiner aktuelle Fassung vom 1.5.2014 mal an:

Straßenverkehrsgesetz

III. Straf- und Bußgeldvorschriften

§ 22 Kennzeichenmissbrauch

(1) Wer in rechtswidriger Absicht

1. ein Kraftfahrzeug oder einen Kraftfahrzeuganhänger, für die ein amtliches Kennzeichen nicht ausgegeben oder zugelassen worden ist, mit einem Zeichen versieht, das geeignet ist, den Anschein amtlicher Kennzeichnung hervorzurufen,

2. ein Kraftfahrzeug oder einen Kraftfahrzeuganhänger mit einer anderen als der amtlich für das Fahrzeug ausgegebenen oder zugelassenen Kennzeichnung versieht,

3. das an einem Kraftfahrzeug oder einem Kraftfahrzeuganhänger angebrachte amtliche Kennzeichen verändert, beseitigt, verdeckt oder sonst in seiner Erkennbarkeit beeinträchtigt,

wird, wenn die Tat nicht in anderen Vorschriften mit schwererer Strafe bedroht ist, mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Die gleiche Strafe trifft Personen, welche auf öffentlichen Wegen oder Plätzen von einem Kraftfahrzeug oder einem Kraftfahrzeuganhänger Gebrauch machen, von denen sie wissen, dass die Kennzeichnung in der in Absatz 1 Nr. 1 bis 3 bezeichneten Art gefälscht, verfälscht oder unterdrückt worden ist.


Fangen wir mal mit den drei aufgelisteten Tatbeständen unter 1. bis 3. an. Auf die Finger gibt's also was, wenn ihr z.B. an euren nicht angemeldeten Hobel mal eben das Kennzeichen von Muttis Fiat 500 oder gar ein selbstgebasteltes tackert, um damit eine Probefahrt zu unternehmen oder das Kennzeichen so angebaut wird, dass man es nicht sehen oder lesen kann, oder ganz weglasst. Gewürdigt wird die Nummer mit bis zu drei Punkten, optionalem Fahrverbot, hohem dreistelligen Strafbefehl nebst Anwaltskosten. Noch teurer wird's, wenn auch noch Urkundenfälschung ins Spiel kommt, was ganz fix gehen kann, denn das Kennzeichen ist Teil einer solchen.

Aus Neuss wird per Edding Nienburg. Ganz, ganz blöde Idee und teuer wie Sau



Aufmerksame Leser werden jetzt ins Grübeln kommen, denn eigentlich sind all diese Punkte auch als Ordnungswidrigkeiten katalogisiert und als solche preiswerter?! Richtig! Den ganz großen Unterschied macht die schnell zu überlesende erste Zeile hinter (1). Um den kriminellen Tatbestand zu erfüllen, ist es Voraussetzung, dass euer Handeln aus einer "rechtswidrigen Absicht" hervor geht. Und die muss entweder nachgewiesen – oder von euch zugegeben werden.

Fußt die den Vorschriften nicht entsprechende Montage auf Unwissenheit, einem unpräzisen Winkelmesser oder handwerklichem Ungeschick, beinhaltet das nicht automatisch eine rechtswidrige Absicht. Wir können, dürfen und wollen hier natürlich keinerlei Juristerei betreiben oder gar eine Rechtsberatung durchführen – euch aber für das Thema und sachdienliche Verhaltensweisen sensibilisieren. Sollte am Tatvorwurf festgehalten werden, geht deshalb auf jeden Fall zu einem geeigneten Anwalt und lasst den konkreten Sacheverhalt prüfen. So ein Beratungsgespräch kostet nicht die Welt und ist angesichts der drohenden Konsequenzen finanziell vernachlässigbar. Versucht euch um Gotteswillen nicht alleine an der Nummer!

Sieht zwar geiler aus als der Sternenkringel, ist aber nicht erlaubt und kann sogar als Urkundenfälschung gewertet werden. Für die Folgekosten könnt ihr auch gut zwei Wochen mit der ganzen Familie Urlaub in der Karibik machen



Aber präventiv könnt ihr einige Steine aus dem Weg rollen und Fallstricken ausweichen. So ist es z.B. eine ganz blöde Idee, auf die Kennzeichenbeleuchtung zu verzichten – und noch blöder: eine vorhandene ein- und ausschaltbar anzuschließen. Noch irrsinniger ist das Bekleben des Kennzeichens mit Reflex-Folien o.ä. – zumal der Voodoo-Mumpitz nicht mal funktioniert. Auch das Überkleben von TÜV- oder Zulassungsplaketten mit Toten-Kopf Stickern ist eher was für Gefahrensucher.

Während der Fahrt verstellbare Kennzeichenhalter können auch zu einem entsprechenden Vorwurf führen – das galt eine Zeit lang sogar für solche, die nur per Werkzeug und im Stand in der Neigung justiert werden können – was aber Humbug ist, denn nur durch die Verstellbarkeit lässt sich auch ein korrekter Winkel mittels Universalteilen erreichen. Nicht umsonst sind praktisch alle Nachrüsthalter mit BE verstellbar.

Unschlau darf auch das bis in die Horizontale Wegklappen des unteren Insignien-Abschnitts gelten. Und die absolute Königsklasse in Sachen Lappensuizid ist das kreative Umgestalten der Kombinationen, also z.B. per weißer Farbe aus einem "H" zwei "I" machen. Nicht lachen, alles schon vorgekommen!

Immer wieder gerne genommen: Abknicken des unteren Teils. Findet der Schutzmann gar nicht witzig. Und auch die Standartausrede "Hat mir wohl jemand auf dem Parkplatz abgeknickt" zieht nicht



Der Grad zwischen OWi und Straftat ist in diesem Kontext also ein ganz, ganz schmaler. Wie sicher ihr im jeweils konkreten Fall über diesen wandelt, habt ihr zum größten Teil selber in der Hand. Also beim Balancieren immer schön die Luft anhalten, dann fallt ihr lange nicht so tief.

Disclaimer: Dieser Artikel stellt keinerlei Rechtsberatung oder juristische Auskünfte da (so etwas können und wollen wir gar nicht leisten), sondern ist lediglich Widerspielung selbt gemachter Erfahrungen in Glossenform. Für rechtsverbindliche Informationen konsultiert ggf. Fachanwälte oder juristische Auskunftstellen.


Phon-Grenzwerte
Phon-Grenzwerte
Phonomenom



Man kann es gar nicht oft genug sagen: Seit die internette Verbreitungsmaschinerie für Halbwissen so richtig in Schwung gekommen ist, hat die Expansion von hanebüchenem Bullshit exponential zugenommen. ADS-kranke Spacken, deren real vorhandenes Fachwissen gerade einmal ausreicht, um ohne Blindenhund den Weg vom Klo zum Kühlschrank zu finden, referieren über Sachverhalte, die ihnen ebenso so fremd sind wie dem Papst ein vaginaler Multi-Orgasmus. Und weil ein Honk vom anderen abschreibt und dabei jedes Mal neuer Mumpitz unter den Teig gerührt wird, entstehen in Windeseile Flächenbrände der Unkenntnis, die zuweilen gefährliche Formen annehmen können. Seid deshalb bitte extrem vorsichtig, mit dem was ihr dort aufschnappt, spätestens am Straßenrand holt euch die Realität wieder ein, wenn euch die Kelle um die Ohren fliegt.

Vor dieser Welle der komprimierten Unkenntnis sind allerdings auch weder die Jungs von der Trachtengruppe noch die Kittelträger vom Stempelkommando gefeit, was zuweilen zu geradezu grotesken Szenen in der Verkehrskontrolle oder auf der Prüfanlage führen kann – vor allem, wenn beide Seiten gleich wenig Ahnung haben. Deshalb muss die Macht stark in euch sein, junge Padavane.

Loud, no doubt

Ein klassisches Paradebeispiel für das Szenario ist der wirre Humbug, der im Zusammenhang mit zulässigen Grenzwerten für Auspuffmusik zirkuliert und angewendet wird. Hauptgrund für die allgemeine Verwirrung ist die grassierende Fehlinformationsflut bezüglich des Themas gepaart mit irrwitzigen Interpretationsversuchen der recht komplexen Materie. Grund genug für uns, sich der Sache mal anzunehmen und sie wie gewohnt leicht verdaulich aufzumöbeln.

Altvorderer, die Papiere zum Z-Rahmen unsere ViruZ-Projektbikes. Eine der letzten Erstzulassungen nach nationalem (N) Verfahren. Zu den Werten sind im Kontrollfall also jeweils 26dB dazu zu addieren



Stereo

Wer schon mal einen Blick in seine Fahrzeugpapiere geworfen hat, wird festgestellt haben, dass dort gleich zwei Klangwerte hinterlegt sind: einmal das Stand- und zudem das Fahrgeräusch. Das zulassungstechnisch ausschlaggebende ist das Fahrgeräusch. Es wird im Zuge der Erteilung der Betriebserlaubnis sehr aufwändig ermittelt und muss den jeweils aktuell gültigen Normen und Grenzwerten entsprechen. Das blöde an der Sache: Es gibt keine Möglichkeit, diesen Wert abseits einer solchen Prüfanlage zu checken.

Nur ein paar Monate älter, aber bereits nach Nahfeldmessung (P) eingestuft. Mit 5dB Aufschlag sind's also 105dB, der etwas ältere Kollege bringt's noch auf derer 109



Ständer

Deshalb wurde das so genannte Standgeräusch eingeführt. Es bildet quasi eine ohne Messanlage reproduzierbare Light-Version der eigentlich relevanten Messung, die es Kontrollorganen im Alltag ermöglicht, abzuschätzen, ob ein Verstoß vorliegen könnte – mehr kann diese vereinfachte Form nicht leisten. Anders als das Fahrgeräusch unterliegt das Standgeräusch keinerlei Grenzwerten, was auf den ersten Blick seltsam klingt, unterm Strich aber logisch ist. Für seine Findung wird nach im Rahmen der BE-Prüfungen bestandener Fahrgeräuschmessung das Moped noch einmal im Stand bei einer bestimmten Drehzahl gegengemessen. Grundgedanke: Wird später an dem Auspuff herum gefummelt oder ein zu lauter montiert, steigt das Standgeräusch – und damit unweigerlich auch das Fahrgeräusch, so dass man von dem einen Sachverhalt auf den anderen schließen kann. Um notwendige Toleranzen (es ist halt nur ein Schätzverfahren) mit einzukalkulieren, hat man einen Zuschlag von fünf dB festgelegt, der auf den akut gemessen Wert addiert wird. So hat man einen recht verlässlichen Anhaltspunkt. Mehr aber auch nicht.

Ohne Vorsatz kein Popo voll

Denn sind sonst keine Manipulationen ersichtlich, wie z.B. ein nicht mehr vorhandener dB-Eater, ein erkennbar gekürzter oder leer geräumter Pott oder ähnliches, bewegt sich die Exekutive immer noch auf recht dünnem Eis. Die Standgeräuschmessung ist trotz ihrer grundsätzlich relativ einfachen Vorgaben immer noch sehr komplex und nahezu nicht rechtssicher durchzuführen. Es muss eine Einmessung und Eignungsprüfung des Messplatzes erfolgt sein, mindestens drei Messdurchläufe, die nur bestimmte Abweichungen erlauben (Details würden an dieser Stelle den Rahmen sprengen) sind Pflicht. Außerdem muss ein gezieltes Handeln seitens des Halters/Fahrers zu Grunde liegen, denn Verschleiß, missglückte Reparatur oder ein Unfallschaden vereiteln diesen Ansatz der Strafverfolgung gleich wieder. Die Beweislast liegt zudem beim Sheriff, nicht beim Angehaltenen.

Ganz wichtig: der Bestandschutz greift auch bei der Auspuff-Musik. Unbedingt aufpassen, dass euch bei technischen Änderungen die Werte nicht verschlimmbessert werden



Lesen bildet

Des Weiteren erfordert es schon einiges an echtem Fachwissen um überhaupt bestimmen zu können, ab wann der Eimer tatsächlich zu laut ist. Geht man in der Zeitlinie zurück, so dürfen Motorräder mit zunehmendem Alter immer lauter sein. Logisch, denn die Vorschriften werden in der Neuzeit natürlich immer strenger. Blöderweise spiegelt sich die erlaubte Lautstärke nicht in den reinen Zahlenwerten wieder. Ganz im Gegenteil. Wirft man einen Blick in die Tabelle der baujahrabhängigen Grenzwerte, so kann man schnell annehmen, dass neuere Hobel mehr Krach machen dürfen als alte, denn rein numerisch sind die Werte teilweise bei frischen Gemüse deutlich höher als bei altvorderem.

Alter schützt

Das täuscht jedoch. Denn man muss die Zahlen immer im Zusammenhang mit dem angewandten Messverfahren sehen, nur diese Kombination ist wirklich aussagekräftig. Das zu Grunde liegende Prozedere lässt sich ausschließlich aus dem der Ziffer im Fahrzeugschein beistehenden Kennbuchstaben ableiten. Und dessen Bedeutung sollte man, zumindest für den eigenen Hocker unbedingt parat haben und wissen was es bedeutet, will man nicht überrumpelt werden. Also bröseln wir die Dinger mal auf:

85er Baujahr, hier geht noch einiges, sogar offene Filter. 102dB sind bei der Nahfeldmessung zu unterbieten (97+5)



Oldie and Goldie

Ist der Stuhl vor dem 12.9.1966 in den Verkehr gekommen, trägt er ein D neben der Zahl. Das D steht für DIN und ist quasi ein Freibrief, denn weder TÜV noch Rennleitung sind in der Lage dieses inzwischen völlig veraltete Verfahren heute noch zu checken. Nach dem Stichtag wurden die Werte auf die heute noch aktiven dB umgestellt und der Buchstabe N eingeführt.

Obwohl mit über 25 Jahren fast schon ein Oldie, sind hier nur noch 94 dB (89+5) im Stand erlaubt. Gut zu sehen, wie sich die Fahrgeräuschwerte über die Jahre verringert haben



Na, Feld?

Der steht entgegen einem weit verbreiteten Irrglauben nicht für Nahfeldmessung, sondern für National. Nicht nur die Einheit, auch das Messverfahren selber wurde geändert und ab sofort aus sieben Metern gemessen, nicht mehr aus 20 wie nach alter Vorschrift. Das N tragen Mopeten im Schein, die bis zum 7.11.1980 das erste mal zugelassen wurden. Die reinen Zahlenwerte sind relativ niedrig, meist in den tiefen 80ern – aber auf Grund des ursprünglich angesetzten immensen Abstands zum Mikrophon ergibt sich real dennoch eine enorme phonetische Freiheit.

COC-Papier eines neuer Stuhls. Hier wird die Drehzahl für die Standgeräuschmessung vorgegeben, findet sich oft als Aufkleber auf dem Rahmen wieder



Reinhold Messner

Die liegt darin begründet, dass sowohl TÜV als auch Trachtengruppe alle Motorräder – völlig egal, welcher Erstzulassung und nach welcher Norm in den Verkehr gekommen – heute nach ein und demselben Verfahren vermessen. Die Differenz durch die Abweichungen vom eigentlich anzuwendenden Messverfahren wird durch entsprechende Toelranz-Aufschläge kompensiert. Pauschal beträgt dieser erst einmal für alle Messungen fünf dB. Je nach Alter des Hockers können aber noch weitere hinzukommen. So sind es bei der nationalen Richtlinie (N) derer satte 21. Macht zusammen mit den pauschalen fünf dB unterm Strich 26 dB, die auf den eingetragenen Wert oben drauf kommen. Hat ein entsprechendes Krad also beispielweise als Standgeräusch 83N eingetragen, bedeutet das in der Kontrolle einen Maximalwert von 83+21+5, also insgesamt amtliche 109 dB. Da geht schon was.

Im Originalrahmen durfte der ZRX-Motor unseres ViuzZ-Projektbikes maximal 97dB (91+5) Standgeräusch von sich geben. Im Z-Rahmen sind's dagegen umgerechnet 109, also 14 mehr. Sechs bB entsprechen etwa einer Verdoppelung, die Veralterung wirkt also sehr üppig. Bühnenangst vorm Mikro braucht man so keine zu haben



P wie Pullerei

Damit ist nach dem 7.11.1980 erstzulassungstechnisch jedoch Schluss. Denn mit dem Stichtag wurde die Nahfeldmessung eingeführt, deren Kennbuchstabe das P für Polizei trägt (klingt erst einmal unlogisch, ist aber so). Denn für genau den Verein wurde das Messverfahren maßgeschneidert und durch den Kennbuchstaben P kenntlich gemacht. Nahfeldmessung bedeutet auf der Straße: das Mikro wird je einen halben Meter zur Seite und nach hinten augestellt, die Kiste auf die entsprechende Drehzahl gebracht, der Wert im Display abgelesen, 5dB dazu addiert und das Resultat mit dem Eintrag im Schein abgeglichen. Das schafft man auch ohne Studium der Raketenwissenschaften. In den neuen Zulassungspapieren findet sich übrigens normalerweise nur noch ein Kennbuchstabe, wenn dieser von P abweicht. Steht nichts weiter daneben, gilt grundsätzlich: Wert + 5 dB als Schwelle zur Illegalität. Sind jedoch Zusatzbuchstaben (außer P oder E) eingetragen, muss man ihre Bedeutung kennen, damit man weiß, welche Toleranzen einem zustehen um nicht zu Unrecht ans Kreuz geschlagen zu werden. Denn die Zahlen alleine sind nur die halbe Miete – das findet auch Yoda.


Aufschlüsselung der Kennbuchstaben aus den Papieren:
D: steht für 'DIN-Phon' bei Baujahren bis 13.09.1966, heute kaum noch gegenprüfbar
N: steht für 'nationale Vorschrift' bei Baujahren bis 07.11.1980, Toleranzwert: Messergebnis plus 26 dB
P: wie 'Polizei'. Bedeutet, dass das Standgeräusch in einer Nahfeldmessung direkt ablesbar ermittelt werden kann, Toleranzwert: Messergebnis plus 5 dB
E: steht für 'EG-Richtlinie', ähnlich wie P, Toleranzwert: Messergebnis plus 5 dB

Disclaimer: Dieser Artikel stellt keinerlei Rechtsberatung oder juristische Auskünfte da (so etwas können und wollen wir gar nicht leisten), sondern ist lediglich Widerspielung selbt gemachter Erfahrungen in Glossenform. Für rechtsverbindliche Informationen konsultiert ggf. Fachanwälte oder juristische Auskunftstellen.


Kontrollen-Knigge
Kontrollen-Knigge
Kontrollverlust

Angesichts der anbrechenden Saison widmen wir uns dem damit gleichzeitig zündenden Schwerpunkt-Thema: Richtiges Verhalten bei Wegelagerei und Raubrittertum.

Denn eins steht so fest, wie das Amen in der Kirche: Mit Beginn des guten Wetters liegen sie wieder verstärkt hinter jedem zweiten Stein, lasern durch die Gegend wie eine Herde Romulaner auf Koks und messen, als gäbe es kein Morgen: die Marshalls von der Rennleitung. Der Erfolg ihres hinterhältigen Ansinnens hängt dabei ganz entscheidend von eurem eigenen Verhalten ab und kann zwischen "Gute Weiterfahrt" und der Zwangsverladung der Fuhre auf einen gelben Sattelschlepper entscheiden. Und da es immer noch genug Menschen gibt, die auch an Seminaren wie "Giftpflanzen am Geschmack erkennen" teilnehmen oder sich ins elektrische Brotmesser stürzen, checken wir mal den Status Quo anno 2018 und liefern euch ein paar Präventiv-Maßnahmen frei Haus.

Anhalter mitnehmen

Flatscht einem die Försterkelle vor's Visier, sollte man grundsätzlich auch anhalten. Hat man sich hierzu durchgerungen und die Abwägung der zu erwartenden Sachverhalte nicht zugunsten eines ignorierenden Weiterfahrens entschieden, ist bereits der nach Abnahme des Kopfputzes stattfindende Einstiegsdialog von elementarer Bedeutung. Regel Nummer eins: Bleibt höflich. Ihr müsst dem Schergen nicht die Poperze rosig küssen, aber ein neutraler Umgangston mit einer unverbindlichen Einstiegsgrußformel tut nicht weh und bestimmt mit über den Verlauf des sich nun Anschließenden. Auch wenn sie manchmal nicht so aussehen oder sich so verhalten: Aber die Typen unter den Mützen sind auch nur Menschen mit entsprechenden Reaktionen auf bestimmte Umgangsformen.

Tanztee

"Allgemeine Verkehrskontrolle" wird euch meist als erstes entgegenschallen, gepaart mit der Aufforderung Führerschein und Fahrzeugpapiere vorzuzeigen (einen Perso müsst ihr übrigens nicht dabei haben, dazu besteht in D keine Pflicht). Führt man diese nicht bei sich, kostet das pro Zettelwerk 'nen Zehner. Das tut nicht weh – kann aber insbesondere im Fall des Lappens blöde Konsequenzen haben. Seid ihr nämlich altersbedingt noch im Besitz einer rustikalen Fleppe, die nicht im Chip-Kartenformat vorliegt, ist eure Fahrerlaubnis nicht digital erfasst. Das heißt: Der Grünling kann lediglich im System abfragen, ob sie euch entzogen wurde und ein entsprechender Eintrag vorliegt – nicht aber, ob ihr überhaupt eine habt.

Fußweg

Und das wiederum kann dazu führen, dass ihr nicht weiterfahren dürft. Das ist noch nicht einmal böswilliges Verhalten seitens des Staats-Schergen – sondern geht kaum anders. Denn wenn der Mann mit der Kelle eurer Zusicherung glaubt "natürlich habe ich einen Lappen" – dem aber gar nicht so ist und ihr ein paar Kilometer später in einen Unfall verwickelt werdet, kommt der Kamerad in eine ziemliche Bredouille, weil er euch trotz Feststellung der Pappenlosigkeit hat weiterfahren lassen. Was lernen wir daraus: Chipkarten-Lappen kann man mal vergessen, ältere Versionen sollten sicherheitshalber am Mann sein. Von einer freiwilligen Umrüstung auf die aktuelle Version raten wir trotzdem ab, denn das Nichterfasstsein hat auch seine Vorteile.

Readers Digest

Hat der Kriminalkommissar nun die gewünschte Lektüre in Händen, kommt oftmals als nächstes: "Wissen Sie, warum wir sie angehalten haben?“ Wer daraufhin tatsächliche Vermutungen, die verkehrswidriges Verhalten implizieren artikuliert wie "Ich glaub' ich war etwas zu schnell" oder "Joa, die Karre ist etwas laut", gehört mit dem nächsten greifbaren Leitpfosten so lange verprügelt, bis Vernunft Einzug gehalten hat! Natürlich habt ihr nicht den Hauch einer Ahnung einer Idee einer Vorstellung, warum der Staatsdiener euren vollkommen vorschriftskonformen Ritt unterbrach! Denn nichts auf diesem Planeten ist dämlicher, als sich selber zu belasten, dem Grünling seine Arbeit abzunehmen und auch noch Zugeständnisse zu machen, die den Tatbestand des Vorsatzes ins Spiel bringen können. Die einzig autorisierte Antwort ist deshalb: "Nein, Herr Schutzmann, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen und habe ich mich auch schon gefragt." Ansonsten: Fresse halten oder notfalls Lügen bis sich die Balken biegen (solange man durch dadurch niemand anders fälschlich beslastet). Es gibt keinerlei Bonuspunkte für Selbstanzeiger oder "Einsichtige" und keinen Aufschlag für Lügenbolde. Und wen es nach Absolution für seine Schandtaten gelüstet, der kann ja nach der Kontrolle in der nächsten katholischen Autobahnkirche den Ortspädophilen zubeichten – aber niemals in der Kontrolle. Ermittlung, Feststellung und Beweisführung sind ganz alleine Aufgabe des Wachtmeisters. Also nehmt ihm nicht seinen Job weg, er hat nur den einen.

Name und Dienstgrad

Zurückhaltendes Verhalten gilt auch für Angaben zu eurer Person. Seid auch hier nicht übertrieben kommunikativ. Name und Anschrift müsst ihr angeben, damit verbaut ihr euch auch nichts. Diffizil kann es schon bei der gar nicht so seltenen Frage nach eurem Beruf werden. Denn auch der kann Auswirkungen auf den weiteren Verlauf haben. Wird jemand mit technischem Background etwa mit abgefahrenen Bremsen erwischt, wird das in der Tat anders sanktioniert als bei einem Bäcker oder Frisör. Auch die Position im Betrieb als solches kann Einfluss haben. Bleibt also so unverbindlich wie nur möglich. Statt "KFZ-Mechaniker" könnt ihr genauso gut "Angestellter bei Müller in Bumsdorf" sagen (muss natürlich stimmen). Wenn der Kontrolleur mehr wissen will, soll er das dann bitte selber ermitteln. Beendet die diesbezügliche Befragung einfach mit der höflichen Aussage, dass ihr im Moment nur gemäß eurer Mitteilungspflicht Auskunft erteilen wollt. Das ist euer gutes Recht, wird auch so akzeptiert und hat keinerlei negative Auswirkungen. Findet die Trachtengruppe vielleicht nicht prickelnd - aber die Strasse ist auch kein Dating-Portal.

Präventivmaßnahme

Ihr seht, noch bevor die Kontrolle als solche auch nur im Ansatz begonnen hat, kann man schon eine Menge falsch - oder eben richtig machen. Lasst euch auch nicht von pseudo-kumpelhaftem Verhalten einfangen. Die Jungs sind entsprechend geschult und versuchen nicht selten und oftmals mit Erfolg, durch Komplimente und verbalen Schulterschluss euren Redefluss anzuregen: "Tolle Maschine, steckt sicher 'ne Menge Geld und Arbeit drin, was?", "Ich fahre selber auch Motorrad". Wer jetzt losplappert... ich geh schon mal einen Leitpfosten holen! Klar, oder?!

Schwarmintelligenz

Wenn ihr in einer Gruppe unterwegs seid und zusammen herausgewunken wurdet, verfolgt die Kontrolle der jeweils anderen aufmerksam mit. Ihr könnt euch so später im Zweifel gegenseitig als Zeugen nützlich sein, falls nötig. Haltet Augen und Ohren offen. Werden technische Mängel aufgeschrieben, macht an Ort und Stelle Bilder sowohl von den Bauteilen und wenn's mit Krach in Verbindung steht auch von der Kontrollstelle und ihrem Umfeld. Das kann euch keiner verwehren – vermeiden solltet ihr aber unbedingt, die Kontrollettis frontal aufzunehmen – das dürft ihr ohne deren Einverständnis nämlich nicht. Sind ihre Gesichter aber nicht auf den Bildern zu erkennen, ist das problemlos und rechtskonform. Immer dran denken: Versäumnisse lassen sich später nicht mehr nachholen. Geht's um eindeutige Kleinigkeiten wie zu kleine Spiegel, fehlende Rückstrahler oder ähnliches bringt das natürlich nichts und ihr könnt es euch sparen. Denn eines muss jedem grundsätzlich klar sein: Ponyreiten kostet Geld – und ein bewusst freizügiger Umgang mit FzV und StVZO eben auch mal Punkte. Ist halt so.

Maulsperre

Unabhängig davon, ob die Geschichten die ermittelt wurden nun eindeutig oder eher zweifelhafter Natur sind: Gebt vor Ort nichts zu! Gar nie auf absolut keinen Fall nicht. Never! Dafür gibt es keinen Rabatt, Sonderbonus oder Schokoriegel. Ihr nehmt der Exekutive lediglich die Arbeit ab und euch selber jede Chance auf Einspruch oder andere lindernde Handlungsmöglichkeiten. Zudem kann es sogar passieren, dass die Sache doppelt so teuer wird, wenn euer Zugeständnis Vorsatz ableiten lässt. Das gilt im Zusammenhang mit Auspuffanlagen und Geschwindigkeitsvergehen in extrem empfindlichen Maße und könnt ihr selber kaum beurteilen. Das können nur Juristen. Und wer keinen Anwalt im Staufach mit sich führt, sollte sich die Option einer späteren Konsultation sichern. Insbesondere, weil dadurch nichts zum Schlechteren gerät. Später zahlen wird nicht teurer, und auch die möglichen Punkte vermehren sich nicht. Es kann sogar sein, dass sich die Vorwürfe "von alleine" reduzieren, weil der Mann vor Ort lediglich feststellt. Die Sanktionen werden von einer ganz anderen Stelle ausgerufen. Und es ist gar nicht so selten, das diese die OWis weniger drakonisch bewertet wie der Kamerad von der Exekutive.

Besser-Esser

Nach wie vor extrem heikel im Handling sind dB-Eater. Ich wünschte, ich könnte euch hier so etwas wie einen grundsätzlichern Leitfaden zu dem Thema an die Hand geben – aufgrund der in der Praxis sehr unterschiedlichen Handhabungen geht das aber nicht. Was in einem Fall die Lösung ist, kann an anderer Stelle zum Desaster verkommen. Der Klassiker unter dieses Szenarien ist das Mitführen des entnommenen Rüssels. Hintergedanke: Kommt man in eine Kontrolle, kann man wenigstens weiter fahren, nachdem man den Schnorchel wieder eingeschraubt hat. Das funktioniert auch tatsächlich in manchen Fällen und Regionen. In manchen.

Vorsatz im Nachsatz

Problem an der Sache: Damit wird gleichzeitig offensichtlich, dass ihr das Ding bewusst herausgeschraubt, also vorsätzlich gehandelt habt. Ausgefuchste Naturen argumentieren nun, dass der Mitgeführte lediglich Ersatz sei und natürlich einer eingeschraubt gewesen sei. Da der Spruch die letzten Jahre hinweg inflationäre Anwendung erfahren hat, zieht er vielen Ortes aber nicht mehr – mit richterlicher Deckung. Hat der Schutzmann dann auch noch schlechte Laune und fühlt sich verarscht, kann er angesichts der Manipulation im Extremfall die Karre auch noch sicherstellen lassen, da er ja begründeten Verdacht hat, dass auch sonst noch am Auspuff manipuliert wurde.

Alles verloren

Zieht man alternativ das Gegenteil durch, beharrt also auf dem Verlust und hat keinen Ersatz dabei, kommt der Vorsatz zwar nicht zum Tragen, dafür aber eure Schuhsohlen – nämlich auf dem Marsch nach Hause. Denn es kann sehr gut sein, dass euch die Weiterfahrt verweigert wird. Hier ist guter Rat also teuer. Anders sieht es aus, wenn nicht ihr selber, sondern ein Kumpel aus der Fahrgemeinschaft bei dem der Eater stets montiert ist, unerwarteten Ersatz für euch mit sich führt. Damit lässt sich der Umstand des akuten Verlustes mit einer Remontage vereinbaren, falls der Mann mit der Kelle auf Komplettierung besteht. Wenn besagter Kumpel zufällig Ersatz für Euch mit sich führt, entzieht sich das eures Einflussbereichs und ist lediglich ein glücklicher Zufall, den man euch kaum ankreiden kann. Unterm Strich bleibt die Sache aber immer uneindeutig. Und angesichts der diesbezüglichen Kontrolldichte, können wir auch nur dringend dazu raten, mit Rüssel auszugehen. Das gilt übrigens auch für den unbeliebten Rückstrahler. Zusammen mit Kollege Kennzeichenwinkel bilden die Furunkel die derzeitige Top 3 in den Charts der Verkehrskontrollen, die auch der letzte Provinz-Kellner auswendig rückwärts beherrscht. Und so gilt für Banküberfall, One-Night-Stand und Verkehrskontrolle gleichermaßen: Niemals ohne, immer gut vorbereitet sein, gegen alles widersprechen – und ansonsten: schön die Fresse halten.

Disclaimer: Dieser Artikel stellt keinerlei Rechtsberatung oder juristische Auskünfte da (so etwas können und wollen wir gar nicht leisten), sondern ist lediglich Widerspielung selbt gemachter Erfahrungen in Glossenform. Für rechtsverbindliche Informationen konsultiert ggf. Fachanwälte oder juristische Auskunftstellen.