MTNT-07

MTNT-07 (!)

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Deine Spuren im Sand

Die Zeiten, in denen man den Tauglichkeitswert einer Basismopete für amtliche Umbauten an den schnöden Zahlen ihres Hubraum ablesen konnte sind vorbei – und Mittelklasse-Hocker inzwischen viel mehr als reine Wegwerfhaufen für Fahranfänger. Aktuelle Derivate entwickeln richtig saftigen Punch, sind amtlich ausgestattet – und vor allem bezahlbar.

Es kann also durchaus Sinn machen, einfach mal zu checken, ob das Budget nicht besser in einen etwas kleineren, dafür jüngeren Eimer gesteckt werden sollte, statt sich auf einen ausgelutschten Hecht aus dem Kreis der üblichen Verdächtigen zu versteifen. Vor allem, wenn man am Ende etwas auf der Veranda stehen haben will, das sich nicht nur durch Lackfarbe und Kennzeicheninschrift von anderen Fahrstühlen unterscheidet.

Schlangenwesen

Wer zudem vornehmlich im wilden Kurvengetümmel sein Heil sucht, wird den Gewichtsvorteil von bis zu zwei Zentner schnell zu schätzen und in akuten Grinsefaktor umzumünzen wissen. Yamahas MT-07 ist das Paradebeispiel dieser neuen und stürmischen Kleintier-Gattung – und zudem mit ca. 6,7K für ein Neuvehikel angenehm geschmeidig in der Anschaffung. Grund genug für uns, mal so ein Gerät im Zuge einer Projektbike-Serie auf die Hebebühne zu wuppen und zu schauen, was da so geht. Also hieß es für uns mal wieder: Volle Kanne, Hoschies! Nur weil der Nager ein kleiner ist, bedeutet das nämlich nicht, dass er unter Welpenschutz stünde oder wir Zurückhaltung walten lassen würden. Das biologische Kindchenschema funktioniert bei uns nicht. Wir versohlen auch Niedlichkeiten den Hintern. Und zwar deftig.

Kleine Fische

Zu Beginn des Projekts waren ursprünglich geplant: Eingriffe ins Fahrwerk sowie optische Maßnahmen an Front und Heck. Die Tankpartie dazwischen sollte eigentlich erhalten bleiben. Dass das so nicht funktionieren würde, zeigte sich recht schnell, als wir beim Strippen feststellen mussten, dass sie gar keine richtige war, sondern vielmehr ein Sammelsurium aus vielen kleinen miteinander verstöpselten Verkleidungsstückchen, die zudem auch noch aus eingefärbtem ABS gefertigt sind, so dass Anlaminieren ebenfalls nicht möglich sein würde. Ein Austausch des Tanks selber schied ebenfalls aus, da dieser anatomisch mit nichts anderem auch nur ansatzweise kompatibel ist. Das geht ja gut los.

Monogam

Notgedrungen fiel die Entscheidung auf den kompletten Neubau des Bodyworks nach Monocoque-Art. Dadurch konnten auch gleich noch die Proportionen verschoben und die Sitzposition beeinflusst werden. Das Monocoque haben wir direkt auf das nackige Mopedgerüst laminiert, ohne den Umweg einer Negativ-Form. Hinten kam ein MV-Agusta Heck als Basis zum Einsatz, von dem jedoch nicht sonderlich viel übrig geblieben ist. Die Werkstatt sah während der Arbeiten am Einteiler monatelang aus wie eine kolumbianische Koks-Fabrik. Weißer Staub wohin man nur sah oder fasste. Allabendliches Ausblasen sämtlicher Organöffnungen mit dem Kompressor und eine GFK-Lunge waren unausweichlich. Badewasser wie frischer Mörtel. Immer wieder wurde nachlaminiert, geändert, geschliffen, gesägt, gestaubt, gejuckt. Das Teil sollte am Ende ohne wildes Gespachtel auskommen. Und das dauert halt. Nicht zuletzt, weil auch noch der Auspuff durchs Heck verlegt werden sollte, was nach Fertigstellung des Monocoques direkt zu Drecksorgie 2.0 führte.

3.0

Die Maske entstand nicht weniger aufwändig aus einem 0815-Rohteil. Form und Größe wurden radikal verändert und zwei legale LED-Scheinwerfer eingelassen sowie das Teil strukturell verstärkt, so dass es mit einer einzelnen Befestigung am Unterkiefer formstabil an der Gabel hängen kann. Der Maskenträger ist gleichzeitig auch verstellbarer Lenkanschlag für die eingehängte ZX-10R Gabel, die mit dem MT-Joch bestückt im Lenkkopf herumoxidiert.

Schwebezustand

So schwebt die Maske nicht nur optisch frei vor der Forke herum, sie ist auch mit nur zwei Schrauben innerhalb einer Minute demontierbar. Mehr Zeit verschlingt auch der Abbau des Monocoques nicht. Nur drei Schrauben sind zu lösen, dann liegt das Teil komplett am Boden. Da zudem keinerlei weitere Anbauteile, Schalter oder Verbraucher an ihm befestigt oder im Weg sind, müssen nicht einmal Steckverbindungen gelöst werden. Der Strip einer originalen MT-07 dauert etwa zehn bis 20 Mal so lange.

Stangenware

Am Rahmen mussten wir nicht viel ändern. Lediglich 15 Zentimeter wurden amputiert, das war's auch schon. Das Gestell ist ab Werk bereits dermaßen knackig, dass keine elementaren Eingriffe oder Beschneidungen nötig waren. Maseltov! Für das Monocoque haben wir ein paar rahmenfeste Stempelaufnahmen gefertigt, damit das Fahrergewicht nicht nur auf den erwähnten drei Schraubpunkten lastet. Außer der kleinen Starterbatterie tummelte sich nach einer Verlegung der elektrischen Komponenten nichts mehr unter dem Sitzbereich, so dass der dortige Raum für die angedachte Verlegung des Auspuffs genutzt werden konnte.

Doppelplusgut

Die doppelläufige Ixil-Kanone ragt nun seitlich aus dem Heck hinaus. Die Verlegung haben wir mittels eines eng anliegendes, aus Rohrstücken geschweißtes Zwischenrohr umgesetzt. Dieses schmiegt sich so lasziv an die statt der originalen verbauten Ducati-Einarmschwinge, dass man zwischendurch immer mal wieder nachsehen muss, ob einer der beiden schwanger ist. Dank der räumlich engen Verkuppelung ist das aufgepflanzte sechszöllige Triumph-Hinterrad nach Lösend er Zentralmutter frei abnehmbar. Etwas tricky war der Schwingeneinbau in Sachen Federung, da einerseits kein Platz für eine orthodoxe Umlenkung war, wir jeden Kubikzentimeter für den Auspuff brauchten und das Federbein bei der MT zudem liegend über dem Getriebe montiert ist. Gelöst haben wir die Geschichte mit viel Messerei und geometrischer Datensuche per Aftermarket-Federbein einer VT600, welches von der Schwinge direkt gegen den Rahmen gedrückt wird – und seinen Job unerwartet hervorragend macht.

Vordergründig

Vorne steckt ebenfalls ein 1050er Speed-Triple Rad in der Kawa-Gabel, befeuert von einer CBR 1000 RR-Bremsanlage. Die musste im Zuge der ersten Fahrten jedoch eine Scheibe hergeben – die Bremsleistung war einfach viel zu heftig für den Dreizentner-Stuhl. Beim kleinsten Zug am Hebel drohte ein sofortiger Salto-Mortale. Der durch unsere Umbauten nochmals um ca. 50 Millimeter verringerte Radstand und die um den gleichen Wert nach vorne gewanderte Sitzposition wirken dem auch nicht gerade entgegen. Der verbliebene Rotor reicht dicke aus, um die paar Kilo im Zaum zu halten.

Altschulisch

Für die Lenkaufgabe haben wir uns bei Rizoma mit einer klassischen Dragbar eingedeckt, die ein herrlich direktes Gefühl zum Vorderrad aufkommen lässt und dank selbstgedrehter Adapter (welche auch gleich noch die Kellermann Blinker diebstahlsicher aufnehmen) zehn Zentimeter zusätzliche Breite verpasst bekam. Trotz wildestem Teilemix hat der Kutter bereits auf der ersten Proberunde erstklassig funktioniert. Mit dem kurzen Radstand und knackiger Übersetzung macht der kräftige Twin auch im Zweiten beim normalen Beschleunigen gerne Männchen – Stoppies sind mit dem Bonanza-Rad sowieso kein Problem. Mit gerade einmal 150 Kilogramm und dem Hammer-Fahrwerk kann man mit dem Stuhl problemlos Slalom um die Kerzen auf einer Geburtstagstorte fahren.

Damit machen wir einen dicken grünen Haken unter unser 2015er Projekt-Bike und bedanken uns artig bei unseren Partnern, die uns tatkräftig unterstützt haben. Operation Mittelklasse gelungen, Patient bebt. Auf zum nächsten Krankenbett.

TECHNISCHE DATEN Marke/Modell/Bj.: Yamaha MT-07, EZ 2014 Krümmer/Auspuff: Ixil Komplettanlage mit Eigenbau-Zwischenrohr ins Heck verlegt Heckrahmen: gekürzt Schwinge: Ducati 848 mit Narbenadapter Federbein: VT600 Zubehör Gabel: Kawasaki ZX10-R Gabelbrücken: ZX-10-R mit MT-Joch Lenker/Riser: Rizoma mit Eigenbau-Adaptern Räder: Triumph Speed Triple 1050 Bereifung: Metzeler M7RR vorn: 120/70ZR17 hinten: 190/50ZR17 Bremsscheiben:
vorn: EBC
hinten: Ducati Bremszangen:
vorn: CBR 1000 RR
hinten: Brembo Bremsleitungen: Stahlflex Tank/Höcker/Sitzbank: Eigenbau GFK-Monocoque mit gedengelten Alu-Covern Kotflügel: Street-Machines, modifiziert Bugspoiler: Zubehör Instrumente/Anzeigen: Minitacho Maske/Scheinwerfer: Eigenbau mit LED-Scheinwerfern Blinker vorne: Kellermann BL 2000 Blinker hinten/Rücklicht: Kellermann Rombus Sonstiges: Crashpads, Kellermann Blinker-Relais, Tankdeckelblende mit Magnetverschluss, Kühlerschutz, Luftfilterkastenseitenteile Eigenbau


GSX 1400 Turbo

GSX 1400 Turbo

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