Autodidakten

Kai und Marco waren schon lange ein Paar... nur in der Werkstatt, nicht auf dem CSD! Mit gekreuzten Maulschlüsseln, durchgeladenen Schlagschraubern sowie einer saftigen Ladung originalfeindlicher Ambitionen schraubten sie sich die enthusiastischen Flossen blutig. Bis sie beim Durchzählen der Räder ihrer Fluchtfahrzeuge plötzlich feststellten, dass da wohl irgendwie immer zwei zu viel dran waren.

Die zwei waren jahrelang fiesen Trickbetrügern aufgesessen, die ihnen glaubhaft machen wollten, Autos seien das angemessene Fortbewegungsmittel für Triebtäter ihres Kalibers. So ein Unfug. Kai hinterfragte als erster das verwirrende Dogma – mit der Erkenntnis, dass das asphaltierte Leben auf einer Spur vielleicht doch wesentlich mehr Sinn machen könnte.

K04

Das war anno 2004. Und so kam es, dass in dem Jahr nicht nur George Bush erneut zum König der U.S. of A. wiedergewählt wurde, die Frauenmannschaft des FFC Turbine Potsdam den Titel des DFB-Pokalsiegers der Damen einheimste und Scooter die Welt ungefragt mit einem neuen Kasper-Tecno Album drangsalierte – sondern auch eine bis zum Auswurf von Lebensmitteln hässliche ZXR den Besitzer wechselte.

Ei of the Tiger

Als "Tigerente" beschreibt Kai rückwirkend das Aussehen des hässlichen Wasservogels, den er zum Zwecke des Umbaus erlegt hatte. Eine Ansammlung unzusammenhängender Furunkel, ins Lackkleid einer gestreiften Unterhose aus der Sammlung von Hugo Egon Balder gezwängt – dafür aber für den Gegenwert eines halbvollen Eierkartons aus der biologischen Freilandhaltung zu haben. Kann man nicht viel verkehrt mit machen.

Blutspende

Doch, kann man. Nach einer ersten Obduktion des Leichnams, der Marco als assistierende Chirurg beiwohnte war man sich schnell einig: "Erschießt es, bevor es sich vermehrt!". Statt die Flinte auf das Tierchen zu richten oder sie ins Korn zu werfen, nahmen die beiden die Pepsi-Herausforderung an, zerlegten seine Überreste und besorgten sich präventiv eine zweite – ebenfalls desolate – Karre des gleichen Typs als Teilespender. Und es würde in der kommenden Zeit einiges zu spenden geben.

Entenjagdsaison

Als erstes wurde aber mal ausgesondert. Das fing mit der Verkleidung und den für diese Modell ebenso typischen wie unglaublich verstörenden Staubsaugerschläuchen des Ram-Airs die in den vorderen Tankabschnitt münden, an. Der Erfinder der Flexrohrpipelines sitzt übrigens seit 1991 wegen schwerem Drogenmissbrauchs in der Geschlossenen, wird in vier Monaten entlassen und fängt dann bei Vorwerk als Designer an. Hab ich zumindest gehört.

Langboot

Die folgenden Monate hatten nicht nur eine gründliche Überarbeitung des Fahrwerks – in deren Mittelpunkt die Montage einer vom Berliner Strassenmeister verlängerten Schwinge stand – zur Folge, sondern auch ein sich fast schon zu einer persönlichen Beziehung mit der Pizzaausfahrerin entwickelndes Fastfood Bestellverhalten. Wenn man den ganzen Tag schraubt, hat man halt keine Zeit sich selber zu bekochen.

Klangraum

Der frisch geschürfte Freiraum zwischen Hinterrad und Rahmen wurde anschließend einer diagonal verlaufenden Abgasanlage zur Verfügung gestellt, die in einen zweischüssigen Ixil-Pott der Sorte extraklein mündet. Optisch stützt das Ding den Höcker, technisch übernimmt den Job natürlich exklusiv der frisch gezimmerte Heckrahmen, der mit einem angepassten GFK-Sitzmöbel bespannt wurde.

Sorgentelefon

Dessen Montage gestaltete sich dank der maßhaltigen Sonderanfertigung relativ schmerzfrei, was man von seiner späteren Eintragung nicht behaupten kann. Wobei hier weniger tatsächlicher technischer Handlungsbedarf seitens des Prüforgans gesehen wurde, als vielmehr ein blödes kommunikatives Missverständnis vorlag. Einen Tag vor der Vollabnahme sprach Kai nämlich noch einmal sicherheitshalber fernmündlich mit dem Prüfer die durchgeführten Änderungen ab. Der Mann am Rohr wurde reichlich unentspannt, als Kai von seinen heckseitigen Modifikationen berichtete, die er aber lediglich fehlinterpretierte.

Mistverständnis

Das Gespräch endete mit einem profanen "Das geht so nicht", was Kai widerum dazu veranlasste, 14 Stunden vor dem finalen Ortstermin noch einmal die ganze Nacht durchzuschrauben und die angemahnten Hürden aus dem Weg zu laminieren. Als Marco seinen Kollegen morgens nach der unfreiwilligen Nachtschicht zwecks gemeinsamer Fahrt zur TÜV-Stelle abholte, sah Kai einer Mischung aus Catweazle auf Xtasy und einem Opossum mit elektrischem Lockenstab auf Stufe 3 im Arsch nicht ganz unähnlich. Fertig mit den Nerven aber auch den Korrekturen ging es zur Prüfanlage, wo man einem irritierten Kittelträger gegenüberstand, der plötzlich im Angesicht der spontanen und stolz präsentierten Last-Minute-Modifikationen nur meinte "Wieso haste das denn alles gemacht? Hätte ich dir doch eingetragen!". Kennt ihr diese Momente, wenn man plötzlich ganz, ganz müde wird und nur noch leise und still in sich hinein weint und ein unhörbares "Mutti" schluchzt? Das war genau so einer!

Warmreifer

Egal. Die Stempeltinte war noch feucht und warm, als Kai mal wieder die Schnellwahltaste für den Pizzadienst wählte und Marco damit begann den frisch getüvten Koffer wieder zu zerlegen. Denn es gebrach dem Stuhl noch an einer adäquaten Lackschicht. Da ein Tigerenten-Revival ausschied und Kai schon immer einen Fetisch für die krassen Farbkombinationen seiner Hot-Wheels Kollektion hegte, deklarierte er deren Layout zum umzusetzenden Schema. Quietschrote Fahrwerksteile kontrastieren fortan mit gelben Lackbrocken um die Wette. Wenn Kai mal von einem Auto umgemangelt wird, kann sich dessen Fahrer auf keinen Fall damit raus reden, er hätte das Krad nicht gesehen.


Am Ende stand aber nicht nur ein bunter Hund in der Werkstatt, sondern auch ein mittlerweile chronisch unterversorgter Schrauberkumpel. Der war nämlich immer noch ausschließlich zweispurig unterwegs, was schon alleine am Fehlen einer passenden Fahrerlaubnis für die radreduzierte Gattung lag. Aber Marco hatte während des Aufbaus der Kawa dermaßen Blut geleckt, dass er alles stehen und liegen ließ und sich anschickte, in Rekordzeit des Moped-Lappens habhaft zu werden. Schlaf wurde zur Nebensache erklärt. Die Suche nach einem Basiskrad zur Priorität. Für alles andere gab es den Pizza-Dienst.

Ente gut, alles gut

Die Schnitzeljagd endete eigentlich schon wieder bevor sie richtig begonnen hatte, denn in einer staubigen Ecke lagen ja noch die Gebeine der als Teileträger angeschafften zweiten Kawa. Präzise handelte es sich mehr um einen Torso als ein Krad. Rahmen, Motor, eine Schüssel voll rostiger Schrauben, mehr war von ihr nicht geblieben. Eigentlich ein Fall fürs Zusammenfegen und ab in die Tonne.

Reizstoffe

Aber zum einen sollte die Geschichte schon einigen schrauberischen Reiz haben und zum anderen war es nicht das blödeste, für sein eigenes Erstlingswerk auf die mit Kais Stuhl gesammelten Erfahrungen zurück greifen zu können statt in neue unbekannte Gewässer hinaus zu schwimmen. Also den nächsten Bonus-Block für Pizza-Lieferungen voll gemacht und ran an den Teig.

Kurzarbeit

Marcos Ambitionen in Sachen Radstandsverlängerung hielten sich eher in Grenzen, so dass er es beim normalen Fahrwerkssetup beließ. Nicht aber, ohne die Gräten komplett in grelles Gelb zu tauchen, denn als logische Konsequenz und Ausdruck der Verbundenheit sollte aus der Baustelle auf jeden Fall ein optischer Bruder von Kais Karre werden. Statt auf gleißendes Rot setzte Marco auf helles freundliches Lichtschwarz, was den Gesamteindruck vergleichsweise entschrillt. Bei der Maske griff er ebenfalls zu einem Klassiker, der Höcker sowie sein Tragwerk entstammen den eigenen Händen. Die formten auch den Auspuff, dessen Endtopf nur noch wenige Grad von der Vertikalen entfernt ist.

Brandschäden

Natürlich lief nicht immer alles glatt. Bei beiden Krädern spielten zwischenzeitliche Feuersbrünste eine entwicklungshemmende Rolle. Während Kai dem natürlichen Haarausfall mit einer Infusionsflasche, die für einen Probelauf in der Werkstatt den Job eines provisorischen Tanks übernahm spontan der Meinung war, so eine Selbstentzündung wäre doch mal 'ne ganz dufte Abwechslung und einiges an Haarpracht in stinkenden Rauch verwandelte, spielte sich Marcos Debakel mehr untenrum ab. Nein, er hat sich keine Schrittrasur mit der Schrubbscheibe verpasst, dafür aber die Rauchentwicklung des frisch mit Auspufftape umwickelten Krümmers fehlgedeutet. Denn dort gaste nicht das feuchte Gewickel langsam aus, sondern brennbare Ablagerungen auf dem Auspuff hatten sich entzündet. Scheiße passiert halt.

Nimm Zwei

Unnötig zu sagen, dass sich mit Inbetriebnahme der Mopeten der Werkstattschwerpunkt eklatant in Richtung Zweiräder verschoben hat. Inzwischen sind bereits einige andere Projekte durchs Rolltor geschoben worden. Mit Motorrädern ist es aber nun mal wie mit Frauen: Den ersten Fick vergisst Du nicht. Deshalb bleiben diese beiden Diven auch wo sie sind, der Sex war einfach viel zu gut und entgegen dem weiblichen Geschlecht stehen Motorräder dem Thema Polygamie deutlich aufgeschlossener gegenüber.


TECHNISCHE DATEN [schwarze]
Marke/Modell/Bj.:Kawasaki ZXR 750 1989
Besitzer: Marco
Erbauer: Marco und Kai
Wasserkühler:leicht modifiziert
Luftfilter: K&N
Krümmer/Auspuff: Modifizierte Orginalanlage mit Hurric Endtopf
Heckrahmen: Eigenbau
Gabelbrücken: ABM schwefelgelb gepulvert
Lenker/Riser: Fehling Typ LD9HD 970 mm
Griffe: ABM
Spiegel: Highsider mit Blinkern
Bremsleitungen: Stahlflex
Tank: Orginaltank mit geänderten Lufteinlässen
Höcker/Sitzbank: HC-Fighter modifiziert
Kotflügel: Eigenbau
Bugspoiler: Eigenbau
E-Box: Orginal mit komplett neu aufgebautem und angepasstem Kabelbaum
Instrumente/Anzeigen: Asura
Maske: MGM LM666
Blinker hinten: LED Rücklicht/-Blinker Einheit Dual
Lackierung: Ford Pantherschwarz mit Blauschimmer


TECHNISCHE DATEN [gelbe]
Marke/Modell/Bj.:Kawaski ZXR 750 H1 1989
Besitzer: Kai
Erbauer: Kai und Marco
Wasserkühler: modifiziert
Vergaser: Orginal mit Dynojet kit
Luftfilter: K&N
Krümmer/Auspuff: modifiziert mit IXIL Hyperlow Dualexit Endtopf
Heckrahmen: Eigenbau
Schwinge: verlängert um 180 mm (Strassenmeister Berlin)
Gabel: Orginal mit progressiven federn Rot gepulvert
Lenker/Riser: Spiegler
Griffe: Huppi Hellish-Bikes
Spiegel: Highsider mit Standlicht
Bremsflüssigkeitsbehälter: Rizzoma
Bremsleitungen:
vorn: TM Rennsport
hinten: Fischer
Höcker/Sitzbank: HC-Fighter modifiziert
Kotflügel: Eigenbau
Bugspoiler: Eigenbau
Armaturen/Schalter: Original
Instrumente/Anzeigen: Koso
Scheinwerfer: MT 03
Blinker: Kellermann
Rücklicht: Ghost
Lackierung: Schwefelgelb
Sonstiges: Bugspoiler ist beleuchtet, Hinterradabdeckung Spy-Rear von Street-Maschines


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