LAUBSAUGER

750er Dirt Devil mit großem Herz

Als Kawasaki seinerzeit die ZXR 750 auf den Markt schmiß, konnte man Dutzende von Interessenten dabei beobachten, wie sie bei den Händlern den Marken-Schriftzug vom Tank knibbelten, weil sie eine Umetikettierung vermuteten. Aufgrund der beiden dicken Schläuche, die sich wie zwei Staubsaugerrohre von der Verkleidung durch den Tank in den Luftfilterkasten erschlossen, hätte die grüne Kiste nämlich eher von Vorwerk oder Progreß sein müssen. Heilige Scheiße. Wer hatte da nur den Designern LSD in den Milchshake getan? Zum Glück gab es die Fuhre nicht in Blau – ansonsten hätten sich durchaus Assoziationen zu den wuchtigen Tankfahrzeugen aufgetan, mit denen für gewöhnlich Dixi-Klos geleert werden. Nicht auszudenken, wie oft man den arglos abgestellten 750ern da wohl vor den Bug gekotet hätte. Doch auch so war die Kreation eher zum Schließmuskelöffnen. Nur eine ausgeprägte Peristaltik am hinteren Verdauungstraktabschluß konnte da Schlimmeres verhindern.

Saugen ohne Beutel

Vor zehn Jahren geriet Thommie günstig an solch einen ungeliebten Haufen Kradmaterial. Nachdem er aber aufgrund der abführenden Optik kaum mit dem Kauf von Hakle Feucht hinterher kam, und die Abnutzung des Flachspülers langsam das Monatsbudget zu sprengen drohte, entschied Thommie nach vier Wochen, dem Desaster ein Ende zu bereiten. Los ging es seinerzeit jedoch nicht mit Klorollenhalter und Seifenspender, sondern per Superbike-Lenkereinheit und einem kurzen Heckteil aus dem Zubehör. Da Thommie das Vernunft-Gen vollständig von der Natur vorenthalten wurde, führte sein schonungsloser Umgang mit der Chimäre ein paar Wochen später leider zum verfrühten Ableben des Gebläses, äh Motors.

Der schnellste Feger der Welt

Um aus der Not eine Tugend zu machen, besorgte sich der gelernte Lackierer das deutlich kräftigere Herz einer ZX-9R in Bochum und baute die Einheit in den Straßenfeger ein. Bereits bei den ersten Erweckungsversuchen erwies sich der Einkauf jedoch als tiefer Griff ins Klo. Das Aggregat verweigerte vehement den Rundlauf und erinnerte akustisch eher an eine Mulinette, die versucht, M12-Schrauben zu zerkleinern. Also wieder raus mit dem Block und auf die Deponie damit. Um das Rüsseltier doch endlich wieder auf die Strasse bringen zu können, besorgte sich Thommie anschließend kurzerhand ein zerlegtes 750er Puzzle, das er erst zu einem funktionstüchtigen Triebsatz zusammensetzte und dann in den Rahmen einfügte.

Mehr Tierversuche

In den kommenden Jahren mußte die Kawa als Versuchstier für so manche fixe Idee herhalten. Mal komplett gestrahlt, dann wieder vollständig mit Unterbodenschutz überzogen. Ein Jahr poliert und schnieke lackiert, mal mild, mal wild. In den acht Lenzen machte die Dreiviertel ZXR so auch insgesamt acht optische Metamorphosen durch. Zwischenzeitlich spielte Gevatter Zufall dem Thommie doch noch eine gesunde 900er Pumpe in die geschickten Hände. Bevor sich auch nur der Hauch einer Staubschicht auf dem Kleinod ansammeln konnte, begann schon die Operation in der heimischen Klinik. Bereits im Aufwachraum zeigten sich verheilte Nähte, gesunde Atmung und spontane Reflexe. Nicht ganz unschuldig daran ist ein Viererpack Vitamintabletten von Keihin, in 41er Dosierung verabreicht. Damit außerdem die Verbrennungsrückstände nicht wie ein Furz in die leere Badewanne klingen, stellte Dr. Thommie eine Akrapovic-Prothese plus Cobra-Katheter zusammen, was sich als mächtig effektiv heraus stellte.

Plaquetten

Angesichts der extrem kurzen Abschnitte zwischen den Umbauetappen entschied Thommie, daß die Eintragerei der Teile erst einmal zurückstehen müsse – gegen die Häufung konnte er einfach nicht zum Amt rennen. Kurioserweise gab es in den ganzen acht Jahren keinerlei Probleme mit TÜV oder Rennleitung. Artig wurde trotz der nicht ganz unerheblichen Abweichungen vom Originalzustand im dualen Turnus der teure Aufkleber aufs Nummerschild gepappt. Nun ja, so ganz dann doch nicht immer. Zumindest bei der letzten Vorführung erlitt der Inschänöör dann doch während der Prüfung einen ausgewachsenen Anfall von Reizüberflutung und wollte angesichts von Menge und Umfang der Eingriffe in der Tat die positive Entlassung verneinen. Allerdings hatte der gute Mann zu diesem Zeitpunkt unvorsichtigerweise schon die Plakette auf die Hecktafel geklebt. Nach kurzer Diskussion, einem knapp entgangenen Herzanfall im Kittel und dem erfolgreichen Entreißen der Fahrzeugpapiere durch unseren Recken entfleuchte dieser dem kaiserlichen Verließ mit qualmendem Reifen. Zwar war weder der Schein abgestempelt, noch ein Prüfbericht ergangen, aber der Freundschafts-Patch auf dem Schild reichte ihm aus, und so waren wieder zwei Jahre gewonnen. 2001 ging Thommie in die Selbständigkeit und gründete mit „Missile Customs“ eine innovative, handwerkliche Kradschmiede im Osten der Republik. 2005 verkaufte er dann die Kawasaki an Michael, der als erstes mal die Eintragerei nachholte. Was er beruflich macht konnten wir nicht in Erfahrung bringen – aber Staubsaugervertreter oder Dixiwagenchauffeur scheiden wohl aus.


TECHNISCHE DATEN
Modell: Kawasaki ZXR 750 (Bj.´92)
Motor: Kawasaki ZX9R (Bj. ´97)
Wasserkühler: Serie
Vergaser: Keihin FCR 41
Luftfilter: offene Trichter
Auspuff: Akrapovic-Krümmer mit Cobra-Endtopf
Rahmen: ZXR 750
Schwinge: ZXR 750
Federbein: Suzuki GSX-R SRAD 750
Gabel: ZXR 750
Gabelbrücken: ZXR 750
Räder: vorne 3,5“ x 17“, hinten 6,5“ x 17“
Bereifung: vorne 120/70/17, hinten 200/50/17
Lenker: LSL Sportmatch
Bremsen: ZXR 750
Fußrastenanlage: RST
Tank: ZXR 750
Höcker: Einzelanfertigung (Missile Customs)
Armaturen: ZXR 750
Instrumente: Motogadget
Lackierung: Missile Customs


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