Das Blech

An der Bar, an der Bar, ja was machen die da? Da fliegt mir doch das Blech weg. Was Spliff zur NDW-Hochzeit in schwarze Vinyl-Teller ritzte, ist für Rene das absolute Schreckens-Szenario. Denn wenn seiner 12er das Blech weg fliegt, bleibt nicht mehr viel stehen. Das komplette Bodywork ist nämlich nicht aus GFK laminiert, sondern metallurgische Handarbeit.

Ohne Gimmick

Den Anstoß zu dieser Laune der Natur gab Fritz, Kumpel und Lackierer von Rene, der unbedingt ein Krad in seiner bis dahin schon recht üppigen Sammlung stehen haben wollte, mit dem auch Batman auf Joker-Jagd gehen würde. Ein bisschen Stealth, gerne total überkandidelt und völlig krank lautete die ausgegebene Devise. Rene war genau der richtige Mann für die Umsetzung solcher vernunftbefreiten Marschbefehle. Bewaffnet mit einer entsprechenden Werkstatt, enormen Fingerspitzengefühl, das selbst Domteuere von YPS-Urzeitkrebsen vor Neid erblassen lässt sowie einem Restgehalt NDW aus Kindheitstagen im Blut. Dann konnte die Sache ja steigen.

Déjà Vu

Oder auch nicht, denn bis dahin war außer der antiseptischen Grundidee nichts weiter vorhanden – nicht mal ein Motorrad. Und da sowohl Feldstudien als auch empirische Eigenerfahrung gezeigt hatten, dass sich ein solches am leichtesten umbauen lässt, wenn es denn da ist, machten sich die zwei auf, dem Gebrauchtmarkt das Fürchten zu lehren. Zur Debatte standen ausschließlich Großkaliber mit hohem Adrenalin-Output. Supersportler waren zu zierlich und nervös, blieben also nur Langstreckenbomber vom Schlage einer Hayabusa oder ZZR 1400. Den Zuschlag erhielt eine Zwölfer-Kawa, die mit dem wohl am derbsten reißenden Kessel ihrer Gattungsklasse aufwarten kann.

Verbaut

Blöderweise aber auch mit der für Umbaupläne wohl unzuträglichsten Anatomie, die je ein japanisches Fließband verlassen hat. Wer so eine Zwölfer schon mal aus ihrer Schale gepellt hat, weiß was ich meine. Ein Geschwür von einem Tank, das sich bis unter den Fahrer-Arsch erstreckt. Praktisch null Chancen den Heckausleger durch eine Eigenkonstruktion sinnvoll zu ersetzen sowie ein Multifunktionsrahmen, der gleichzeitig die Airbox bildet. Die Dinger haben schon mehr Umbauer in den Wahnsinn getrieben als der Bushidos ausgefüllter Pisa-Test-Fragebogen Gymnasiallehrer.

Der rote Hugo hängt tot im Seil

Eine angefangene Baustelle war schnell für kleines Geld gefunden und gefühlt noch einmal die selbe Summe in Papp-Bögen, Spliff-Kassetten und Blechtafeln investiert worden. Aus den drei Sachen entstand in den folgenden sechs Monaten das Unsagbare. Da der Plan in erster Linie die umfassende Neueinkleidung des Hockers vorsah, noch dazu in sehr üppiger Umsetzung, fielen zumindest die technisch notwendigen Vorarbeiten recht überschaubar aus. Das lag nicht zuletzt an den munteren Genen, welche die Kawa von Haus aus mitbrachte. USD-Gabel, fette Bremsen, ordentliches Radwerk. Alles Punkte auf der Haben-Seite.

Carbonara

Nun, zumindest letzteren Punkt bewertete Rene dann doch etwas anders. Auch wenn 200mm Gummi alles andere als Trennscheibenformat sind mit dem man Angst haben muss, in Innenstädten in die Schienen von Straßenbahnen zu geraten und nicht wieder heraus zu kommen, war ihm das deutlich zu dünn. Deshalb wanderte die Felge zu einem entsprechenden Fachbetrieb, wo ihr die Hammelbeine lang gezogen wurden, bis 33 Zentimeter profilierten Kautschuks zwischen ihre Hörner passten. Dass die leichtmetallerne Waschmaschinen-Trommel auch mit einem Presslufthammer nicht mehr zwischen die Arme der Serien-Schwinge zu bugsieren war, ist weniger überraschend.

Mach die Beine breit

Statt zu versuchen, die vorhandene Schwinge in einen Gynäkologen-Stuhl zu hängen und der mit der pränatalen Methode des Spreizens und Pressens ihre Gebärmutter in eine für die neue Felge ausreichend begattungsfähige Breite zu bringen, streckte Rene erneut seine Fühler aus und fand tatsächlich ein Exemplar, welches bereits entsprechend umgemuddelt war. Genauere Angaben zu Herkunft und Modifikationsweg kann Rene nicht liefern – die hatte selbst der Verkäufer nicht im Ärmel. Scheiß drauf – passt und hält.

Puzzle Royal

Jetzt nur noch eben den Heckrahmen kastrieren und modifizieren – und dann konnte die große Schippelorgie endlich beginnen. Im ersten Anlauf bestanden die einzelnen Segmente aus denen sich die Baugruppen zusammenfügen nur aus Pappe. Der Weg über solche Schablonen, insbesondere, da vollkommen frei Hand und direkt am Krad geschneidert vereinfachte die Formfindung drastisch. Am Ende hockte Rene vor ein paar hundert kantigen Teilen, die selbst den Goldmedaillengewinner der Ravensburger-Puzzle-Festspiele in den Wahnsinn und zum verzweifelten Verzehr von Eigenexkrementen getrieben hätten.

Red kein Blech

Nachdem jedes einzelne Teil in Blech umgesetzt war, entspannte sich die Situation jedoch nicht unbedingt. Denn anders als Pappe hat dünnes Blech die doofdreiste Eigenschaft sich beim Verschweißen zu Verziehen und Wellen zu werfen - finden Haarspraynutzerinnen vielleicht geil, Schrauber aber nicht. Und so folgte auf jeden verbindenden Arbeitsschritt auf dem Fuße ein solcher in Sachen Nachrichtung und In-Form-Kloppung. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen.

Komm, Plex

Es vereinfachte die Sache auch nicht unbedingt, dass die auserkorenen Formen kaum komplexer und verschachtelter hätten ausfallen können und ausnahmslos jedes Kleinteil für den Hobel auf diesem friemeligen Weg entstand. Nicht mal Maske oder Fender sind gekauft oder GFK-miniert und selbst die Kühlerblende ist ein mega-komplexes ultra-aufwendiges Konstrukt mit Zwangsjackenpotenzial wegen Nervenzusammenbruch beim Bauen. Da macht auch der Lenker keine Ausnahme. Auf den ersten Blick ein Frästeil, handelt es sich bei ihm um eine verkleidete Fehling-Dagbar in Seemöven-Spannweite – ein Motogadet-Tacho ist eingelassen.

Farbqual

Im Kontrast zum Bodywork-Armageddon steht dann wieder die getroffene Farbwahl. Auch wenn Fritz als Lackierer eigentlich die komplette Palette offen stand, entschied er sich für Matt-Schwarz-unmetallic-candyless-antihell. Steht dem Bat-Mobil ja auch gut zu Gesicht. Und wie dieses, fährt die 12er trotz ihrer Radikalität ausgesprochen gut und wird auch als Reisegefährt zu einschlägigen Zusammenkünften sowie im Alltagsbetrieb massiv genutzt. Da fliegt mir glatt das Blech weg!


TECHNISCHE DATEN
Marke/Modell: Kawasaki ZX-12R, Bj. 2001
Erbauer: Rene Eichler
Wasserkühler: Serie mit Eigenbauverkleidung
Luftfilter: K&N
Krümmer/Auspuff: Serienkrümmer mit Akrapovic Endpott
Heckrahmen: gekürzt
Schwinge: Eigenbau
Gabelbrücken: oben ABM
Gabelcover: Eigenbau
Lenker: Fehling 980mm
Hebel: Billet
Griffe: Progrip Spiegel: Highsider
Räder: 3,5x17 vorn, 11x17 hinten
Bereifung: 120/70ZR17 vorn, 330/30VR17 hinten
Bremsscheiben: Serie, lackiert
Bremszangen: Serie, lackiert
Bremsflüssigkeitsbehälter: Serie, lackiert vorn, ABM hinten
Bremsleitungen: Stahlflex
Fußrastenanlage: Serien, modifiziert
Tank: Serie
Höcker/Sitzbank: Monocoque
Kotflügel: Eigenbau
Bugspoiler: Eigenbau
Instrumente/Anzeigen: Motogadget
Maske/Scheinwerfer: Eigenbau
Blinker/Rücklicht: Highsider


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