Gesundheitsgefährend

Warnung: Es kann zu allergischen Reaktionen kommen. Zahlfleischblutungen, Fingernagelausfall sowie Verlust des Haupthaares sind nicht auszuschließen. Unbedingt von Schwangeren und kleinen Kindern fernhalten. Vereinzelt können auch eine knabenhaft hohe Stimmlage und extreme Nasenbehaarung auftreten.

Ja, Ärzte und Apotheker warnen nicht ohne Grund vor der Verwendung von Plastik an Motorrädern. Ein Thema, das uns alle angeht und dessen Risiken für Leib und Leben gar nicht oft genug betont werden können. Nicht umsonst habt ihr so etwas wie das Pendant zur Apotheken-Umschau vor den Glubschern. Wir wollen halt, dass es euch gut geht und ihr gesund bleibt.

Vorbeugeuntersuchung

Kai erkannte bereits früh die Gefahren von vollverkleideten Mopeten und machte deshalb einen großen Bogen um die gesundheitsgefährdende Spezies. Ihm stand der Sinn eher nach klassischer Schluckimpfung, wobei ihm die in Frage kommenden zweirädrigen Arzneimittel dann auch schon wieder zu barock waren. Schöner Mist. Um aus diesem medikamentösen Schlamassel heraus zu kommen, wand er sich an Dr. Klaus, von der Berliner Strassenmeister-Klinik, der ihm was amtliches auf Spritze ziehen sollte - und das auch tat.

LMAA statt ABS

Dabei stand das Ausgangmaterial bereits fest und griffbereit in der Auffahrt: eine recht günstig geschossene Z 1000 aus den späten Siebzigern. Dem damaligen, von Prilblumen, Schlaghosen und fieser Franz Lambert Musik geprägten, Zeitgeist folgend, ein wilder Brocken von einem Moped - zwar frei von giftigem Plastik, trotzdem aber immer noch viel zu überladen für Kais Vorstellungen von einem bereiften Baseball-Schläger. Alles, was nicht unbedingt zum Fahren gebraucht wird, hatte nach Kais Vorstellungen nichts an seinem zukünftigen Fahrstuhl zu suchen. Im Zentrum sollte nebenwirkungsfrei der Motor stehen - alles andere wäre Nebensache.

Arznei macht frei

Was aber nicht heißt, dass hieraus eine Beliebigkeit in Sachen Komponentenwahl erwachsen wäre. Ganz im Gegenteil. Dass man, trotz massiver Reduktion so einen rollenden Eisenhaufen nicht auf das Kampfgewicht einer modernen 250er eindampfen kann, versteht sich von alleine. Da kannst du der Z solange du willst die Finger in die Vergaser-Rachen stecken - die Karre würgt sich nicht an die Dreizentner-Grenze heran. Was man aber machen kann ist, die verbleibenden Massen beweglicher zu gestalten.

Fett weg

Das führte in diesem Fall über zwei Pfade: Zum einen die von Krankenkassen unterstützte und geförderte Konzentration der Massen. Die kann man mit bloßem Auge erkennen, denn abseits des Vierzylinders herrscht derart gähnende Leere im Rohrrahmen, dass die Bauteile-Abstinenz den Betrachter fast schon glauben lässt, die Kiste könne so unterbesetzt gar nicht fahren. Ein Irrglaube, der insbesondere bei Plastik-Sucht befallenen Problempatienten, die eine Fortbewegung mit weniger als einem halben Dutzend Blackboxen, diversen Sensoren, ABS, ASD, Blutooth, Koffersystemen und Verkleidungen groß wie Carports extrem ausgeprägt ist. In solchen Fällen hilft nur der Gang zum Spezialisten und eine stark erhöhte Medikation.

Kopf statt Tropf

Auch wenn es der gemeine BMW K 1600 Passagier zwischen elektrisch verstellbarer Windschutzscheibe und beheiztem Koffer-Set nicht wahrhaben will: Mehr als ein bisschen Umgebungsluft, Treibstoff und Frühzündung sind zum Fahren nicht nötig. In echt, ey! Und so schnüffelt die Z ganz analog durch ungehemmte Filterelemente an Mutter Natur und gibt ihr auf der anderen Seite durch eine rustikale 4in2, komplett ohne Kat, Vorschalldämpfer und Sekundärluftsystem die aerosolen Leihgaben zurück. Übrigens, das da hinten rechts am Motor ist keine DVB-T Antenne, sondern ein Tretstock, mit dem der Motor angestiefelt wird. So eine Art mechanische App und das vorzeitliche Gegenstück zum Handy-Streicheln.

Rekonvaleszenz statt Demenz

Neben der reinen Amputations-Chirurgie zeichnet ein glückliches Händchen bei der Implantate-Auswahl für den hervorragenden Gesundheitsstatus unseres Patienten verantwortlich. Und die Brocken sind teilweise deutlich moderner, als sie auf den ersten Blick wirken. So stammt die nach alter Väter Sitte werkelnde Forke nicht aus einer Neander oder NSU, sondern hat ihren Ursprung in Suzukis 600er GSX-R, was zusammen mit den entsprechenden Vierschüssern und den Wave-Scheiben nicht nur für präzises Lenkverhalten sorgt, sondern auch das Anhaltevermögen um vierzig Jahre nach vorne bringt. Zusammen mit den Konis und der Kastenschwinge hinten, sorgt das Besteck zudem dafür, dass die Fuhre dichter an den Straßenbelag rückt, was wiederum den Schwerpunkt senkt und zusammen mit der etwas tieferen Sitzposition der Handlichkeit weitere Pluspunkte in die Krankenakte zimmert.

Diagnose: Feuchte Hose

Ziemlich schnell abgehandelt ist die Beschreibung des Bodyworks der Fuhre. Das gibt's nämlich irgendwie gar nicht, bzw. besteht lediglich aus dem Spitfass. Fender vorne Fehlanzeige und nach hinten hinaus ist da nur die spartanische Sitzbank, die auf dem heftig gekürzten und umgeschweißten Heckgestell ruht. Der Lackierer hatte nicht so richtig viel zu tun - genau gesagt gar nichts, denn die Tankfarbe war zum einen noch recht gut in Schuss und zum anderen deren Patina durchaus förderlich, so dass eine frische Pigment-Dusche ihn bestenfalls zum Fremdkörper degradiert hätte - den der Hobel dann vielleicht sogar mal spontan vor eine roten Ampel abgestoßen hätte. Und dann ist kein Arzt in der Nähe.

Eisen im Blut

Dass man bei dem Grundkonzept der Fuhre nicht mit irgendwelchen Masken, Bugspoilern oder zerklüfteten Heckteilen optisch grausame Tierversuche durchzuführen braucht, erschließt sich jedem Betrachter mit zwei gesunden Augen und intakten Geschmackrezeptoren stehenden Fußes. Wild geht aber zum Glück auch mal anders. Die Z ist ein amtlicher Keulenschwinger der derben Sorte. Gut, natürlich nichts für GFK-Abhängige, Plastik-Süchtige oder Menschen mit einer Überdosis Vollverkleidung auf dem Arbeitsunfähigkeits-Attest. Im Leben ist halt nichts ohne Risiken und Nebenwirkungen. Im Zweifel kann man immer noch die Packungsbeilage essen oder seinen Arzt oder Apotheker durchkauen. Hauptsache, gesund, sag ich immer.


TECHNISCHE DATEN

Built by:


Marke/Modell/Bj.: Kawasaki, Z1000 A1, Bj. 1977

Besitzer: Kai-Uwe Tank

Erbauer: Strassenmeister Motorcycles

Luftfilter: K&N

Krümmer/Auspuff: Speed Pro Moto GP Megacone

Heckrahmen: DIY Strassenmeister Motorcycles

Schwinge: Z 1000 Kastenschwinge

Federbeine: Koni

Gabel: GSX-R 600

Gabelbrücken: GSX-R 600

Lenker/Riser: LSL

Räder: Kawasaki Z1000B, LTD, US-Modell, 2,15x19 vorn, 3x16 hinten

Bereifung: Bridgestone Exedra 100/90/19 vorn, 140/90/16 hinten

Bremsscheiben: 320 mm EBC vorn, Z1000B hinten

Bremszangen: GSX-R 600 vorn, Z1000LTD hinten

Bremsleitungen: Stahlflex

Fußrastenanlage: Tarrozzi

Tank: Z 1000

Höcker/Sitzbank: Strassenmeister Motorcycles

Armaturen/Schalter: Original

Instrumente/Anzeigen: Motogadget Tiny

Scheinwerfer: Rund-Scheinwerfer

Blinker: Motogadget

Rücklicht: Shinyo

Lackierung: Originallack mit Patina

Danke an: Strassenmeister Motorcycles & Team und natürlich an die Dame an meiner Seite, die mich mein altes, neues Hobby in vollen Zügen ausleben lässt.


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