FZX 700 Fazer

FZX 700 Fazer (!)

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Der gute Rat

Vom Schieben und der Schwerkraft

Simpson ist ein hilfsbereiter Mensch. Wenn er kann, steht er mit Rat und Tat anderen gerne zur Seite - manchmal sogar ohne explizite Aufforderung. So trug es sich vor ein paar Jahren zu, dass er Zeuge einer Szene an einer Tankstelle wurde, in deren Verlauf ein Fighterfahrer mit Schlips und Kragen (jepp) sein Gefährt nach erfolgter Betankung nicht wieder zum Leben erwecken konnte. Nach einigem Georgel gab die Batterie den Geist und der Fahrer die Hoffnung auf. Er erkundigte sich am Tresen nach dem Vorhandensein eines Starhilfekabels, was Simpsons Neugier und Unterstützungsdrang weckte. "Schieb doch an den Rochen" schallte es dem Pannengeplagten entgegen. "Ist doch ein Vierzylinder, keine große Sache". Und siehe da - tatsächlich war die Umsetzung der Anweisung von Erfolg gekrönt und Simpson konnte sich entspannt, und gewiss ein gutes Tagwerk verrichtet zu haben, zurück lehnen. Jedoch nicht ganz folgenlos. Doch dazu später.

Schussverkauf - Wie aus der Pistole

Zum Bike: Gekauft hat Simpson seine ultraseltene Siebenhunderter bereits 1999. Nach einem Tripp ins Land der Baguettes, des Pernod und der organisierten Froschfußverspeisung stand das Objekt seiner Begierde fest. Ähnliche Gene wie die große Schwester Vmax, jedoch zierlicher und filigraner erweckte die Fazer auf Anhieb seine Begierde. Wieder in der bunten Republik angekommen trieb ihn die Suche durch die Ausstellungsräume diverser Gebrauchthändler. Nach langem Forschen fand sich ein vollständig originales, aus Florida importiertes Exemplar. Simpson zögerte nicht lange und zwang den Händler mit vorgehaltener EC-Karte zur Herausgabe des Fünfventilers.

Man ruft nur Schobbaa, Schobbaa, schon wird's dir kommen

Vom Äußeren des Gefährtes völlig angetan waren Umbaupläne für den neuen Eigner lange Zeit tabu, was ihn nicht ganz unerwartet zum Ziel für Hohn und Spott im Kreise seiner straßenkämpfenden Kumpanen machte. Auch nicht ganz unbegründet, denn mit dem fünfzehnzölligen und noch dazu schmalen Ballonreifen hinten, der gereckten Spagettigabel und dem schwülstigen Heck spielte sie doch eher in der Liga von Intrudern und Viragos, denn derer von Fireblades oder Gixxern. "Schobbaa" tönte es immer wieder, wenn Simpson auf einschlägigen Treffen apperierte. Und nach einer besonders traumatischen Erfahrung beim FOC Treffen in Bielefeld reichte es Simpson endgültig und er schmiedete solide Umbaupläne. Das gestaltete sich jedoch um einiges komplizierter als bei den üblichen Verdächtigen, denn der Zubehörmarkt für 700er Fazer ist an Fighterteilen etwa genauso gut gespickt, wie der Bundestag mit kompetenten Menschen. Der Griff in irgendwelche Regale schied also aus und Handarbeit war gefragt.

Für Besseresser

Hilfe fand Simpsons in verschiedenen Lagern. Der entscheidende Tipp für den Fahrwerksumbau kam aus Kassel, von den dort ansässigen Gummimalträtierern. Die Schwinge einer XJR wurde als kompatibel empfohlen und nachdem eine entsprechende herbei geschafft war, bestätigte sich die Theorie nach Umpressen der Lager auch in der Praxis. "Plug and play" statt "fuck and prey". Ein passendes Rad mitsamt Bremsanlage bescherte dem Heck fortan sportliche Siebzehn-Zoll Gummis in angemessener Breite. Schon besser. Für die Front wurde eine maskierte YZF-Gabel zwangsverpflichtet. Nachdem sie das Joch der Fazergabel eingedrückt bekam, spielt sie auch brav mit. Moderne Sechskolbensättel ergänzen die schwimmenden Bremsscheiben und sorgen für zeitgemäßes Besteck am modernen Tellerdurchmesser. So schmeckt das Lenken.

Rat und Tat - Zwei Welten prallen aufeinander

Das pummelige Heck passte nun so gar nicht mehr zum sportiven Fahrwerk und schrie laut nach Ersatz. An dessen Zeugungsprozess war der Schreihals denn auch aktiv beteiligt - per Spende eines GFK-Abdrucks als Basis für den neuen Hintern. Der Abdruck wurde solange mit hannoveraner Unterstützung beschnitten und ummodelliert, bis er den kritischen Blicken des Eigners entsprach und endgültig die "Schobbaa" Rufe verstummen lies. Nachdem nun alles am Krad vereinigt werden konnte, folgte zwangsläufig im Frühjahr 2005 die erste Probefahrt. Zumindest sollte sie es. Doch die altersschwache Batterie vermochte den Vierzylinder nicht zum Leben erwecken. Simpson erinnerte sich an den eigenen, eingangs erwähnten Pannentipp und suchte sein Heil im Anschieben des Gerätes. Der Motor sprang nach wenigen Metern auch willig ein, und Simpson im Karree, als sich spontan seine Jacke am Lenker verfing und den Zug von Bremse und Kupplung verhinderte. Loslassen kam aufgrund des frisch umgebauten Zustandes nicht in Frage und so schleppte die Fazer den ärmsten etliche Meter neben sich her durch die Botanik um dann schließlich der Schwerkraft nachgebend auf ihm zu landen. Simpsons Schulter hielt dabei als Schadensbremse her. Die Fazer blieb heile, die Schulter nicht. Aber irgendwas ist ja schließlich immer. Nach einige Wochen, ein paar Kilo Gips und vielen guten Ratschlägen konnte Simpson wieder auf die Fazer und beide auf die Strasse. Weiterhin hilfsbereit und hart gegen sich selbst - aber "Schobbaa" Rufe.

Technische Daten
Modell: Yamaha FZX 700 Fazer, Bj:86
Besitzer: SIMPSON
Auspuff: 4 in 1, Endschalldämpfer von IXIL
Hinterradschwinge: XJR 1300 poliert
Federbein: XJR1300
Gabel: USD YZF 750
Gabelbrücken: YZF 750
Räder:
vorn: YZF 750, 3,5"x17
hinten: XJR 1300, 5,5x17
Bereifung:
vorn:120/70ZR17
hinten:180/55ZR17
Bremsen:
vorn: FZR, 6 Kolben
hinten:XJR 1300 serie
Verkleidung: Flash
Höcker: Eigenbau
Seitendeckel: Serie poliert
Kotflügel: MGM
Instrumente:Sigma Sport
Lackierung: selbst gemischt

YZF Swamp Thing

YZF Swamp Thing

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DAS DING AUS DEM SUMPF

Celle liegt in Louisiana

Dr. Alec Holland, von Beruf Wissenschaftler, erleidet einen grobmotorischen Anfall und kontaminiert sich versehentlich mit einem selbstentwickelten Präparat zur Unkrautvernichtung. Das Resultat der ungeschickten Aktion: Statt sauberer Gehwegplatten eine dauerhafte Mutation zu einem Wesen - halb Mensch, halb Pflanze. Es zieht sich in die Sümpfe Louisianas zurück und versucht den notwendigerweise bösen Buben zu entkommen, die auf der Jagd nach seinem Geheimnis sind. So verläuft im groben die Handlung des Horrorklassikers, mehrfach in den Achtzigern verfilmt (unter anderem von Wes Craven) und auch als TV Serie aufgelegt.

Greenhorn

Manchmal liegt Louisiana auch mitten in Niedersachsen, genau gesagt in Celle - Dr. Alec heißt hier Marc. Auch Marc hat sich selber infiziert - wenn auch nicht aufgrund von ungeschickten Handbewegungen mit selbstgebrautem Gartenkultivierungselixier. Ganz im Gegenteil. Rasengenetische Forschungen hat Marc frühzeitig aufgegeben und sich statt dessen auf das erquickendere Gebiet der Mopedmanipulation verlegt. Der Bazillus, den Marc in sich trägt, ist hochgradig ansteckend, infektiös, unheilbar - und gutartig. Erste Anzeichen ließen sich bereits vor weit über anderthalb Dekaden feststellen, als nach der Anschaffung einer RD350 alsbald der Bastelwahn über Marc kam und ihn wie von einer fremden Macht getrieben dazu brachte, den Originalzustand zu verfremden. Heiliges Hiroshima! Es folgte eine FZR 600, die ebenfalls im hauseigenen Metalllabor verändert wurde, bis schließlich vor etwa einem Jahrzehnt eine drei Jahre alte YZF 750R erstanden wurde. Fast vollständig original.

Greenpeace

Wäre die Yamaha ein Tier, hätten sich bereits frühzeitig Robin Wood und Greenpeace maßregelnd eingeschaltet - derartig heftig und häufig wurden Versuche mit ihr angestellt. Anfangs nur mit gekürzten Plastikteilen und Sprühdosen Lackierung. Der Farbton entstammte der Palette eines französischen Kleinwagen-Fabrikanten und war ein satter Grünton - was auch sonst?! Leider war die Ausführung der Einfärbung nicht gerade optimal und die Struktur der Oberfläche (vorsichtig formuliert) "unglatt", so daß bei der Präsentation des Ergebnisses im Kollegenkreis eine optische Verwandtschaft zum mutierten Doc. Holland aus dem eingangs erwähnten Film attestiert wurde. Seither trägt die Yamaha den Namen "Swamp Thing" und wurde ihn nicht mehr los - vielmehr wurde er sogar Programm.

Green Day

Doch Marcs Tierversuche mit der YZF gingen weit über das Anmalen von GFK hinaus. Zwischenzeitlich wurde sie bereits nackig gefahren, bekam diverse Masken zur Probe aufgesetzt - unter anderem auch eine, aus einem Vorderradkotflügel gezimmerte. Magnesium-Felgen wurden montiert, der eigenen Sicherheit halber aber bald wieder entfernt. So mutierte das Ding aus Celle durch die verschiedensten Stadien bis der Trägervirus mit Beginn des neuen Millenniums endgültig dominant wurde und Marcs Treiben bestimmte. Ein Motor mit dem guten Liter Hubraum des größeren Schwester-Modells wanderte in die Deltabox. Später wurde das Aggregat noch mit 41 Millimeter messenden FCR-Vergasern versehen und innerlich aufgepäppelt. Derartig erstarkt war das grüne Ding bereit für das nun unweigerlich Kommende.

Green Bay

So tat sich optisch und fahrwerkstechnisch auch wieder Einiges: Ein Heckrahmen wurde passend zum auserwählten Höcker konstruiert und angebaut, eine zeitgemäße Zubehörmaske an die Gabel geschraubt und achtern eine auf sieben Zoll verbreiterte Felge eingehängt. Das Ganze ließ Marc dann noch kontrastreich schwarz und grün absetzen - professionell lackiert und mit einer selbstgebauten Underflooranlage versehen. Das Jahrtausend konnte damit zeitgemäß anbrechen... Aber wenn Marc das Skalpell ansetzt, dann immer unter dem strengen hippokratischen Eid der Fahrbarkeit: Der von der Natur vorgesehene Platz für das Monster ist eben die Straße und nicht eine Vitrine oder das Wohnzimmer. Rummelplatz-Ambiente findet man dementsprechend erst gar nicht an der grünen Kreatur - kein unnötiger Christbaumschmuck, keine Kirmisapplikationen oder Blendwerk. Statt dessen klare Linien und minimalistische Technik mit der Extraportion Bums. Ja, das Ding macht Spaß!

Greencard

Den bisher letzten großen Eingriff erfuhr die Yamaha im letzten Winter: Die hintere Felgendimension wuchs noch einmal an, während sich die Zahl der sie haltenden Schwingenarme halbierte. Darüber hinaus erschuf Marc einen neuen Schalldämpfer aus Edelstahl im Dreieckslook, der sich kaum harmonischer und eigenständiger an das Motorrad schmiegen könnte. Schalldämpfer - das ist Marcs ganz besonderes Steckenpferd. Sind doch die letzten zehn Jahre mit jeder Saison neue Abgasentsorger an das Krad gewandert. Fast ebensoviel Räder wie Krümmergeweihe zieren Marcs Werkstatt, so daß er inzwischen aus den verschiedensten Rad-Reifenkombinationen für jeweilige Einsatzzwecke wählen kann. Die Montage der aus dem Autozubehör stammenden Felgen erfolgt über einen eigens angefertigten Adapter, der neben Einpreßtiefe auch Bolzenzahl und Lochkreis ausgleicht - einarmige, grüne Monster gibt es also nicht nur in Comicverfilmungen... Möge Marc noch lange den bösen Buben entkommen und weiter seine metallurgischen Experimente durchführen. Scheiß auf Louisiana, es lebe Celle.

TECHNISCHE DATEN
Modell: YZF 750 R, Bj.'93
Motor: FZR 1000 (3LE), anno 2002 komplett überholt, Sechsgang-Getriebe, Yoshimura-Nockenwellen, Ventile abgedreht und nitriert, Kanäle überarbeitet und poliert, Kurbelwelle und Pleuel feinstgewuchtet und neu gebuchst, alle Lager und Dichtungen neu, Übermaßkolben, CNC-gefräste Motor-Adapterplatten (Alu), Motor lackiert, LKM-Zündbox, 750er Cup-Krümmer, (an 1000er Motor angepaßt und lackiert), Leistung: 156 PS und 123,5 Nm
Vergaser: 41er Keihin FCR
Luftfilter: umgebaute und angepaßte Airbox mit K&N-Filter
Rahmen: modifiziert und pulverbeschichtet, Emil Schwarz-Lenkkopflager, Eigenbau-Heckrahmen
Schwinge: RC 46, stark modifiziert, pulverbeschichtet
Gabel: voll einstellbare Gabel der SP-Version, White Power-Federn, lackierte Eigenbau-Cover-Rohre aus VA
Gabelbrücken: oben Spiegler, unten CNC-gefräste Eigenbau-Brücke mit Dreifach-Klemmung
Lenker: LSL-Stummelaufnahmen mit Micron-Lenkerhälften
Federbein: Öhlins, voll einstellbar (von OW01), hydraulische Federvorspannung
Bremsen: vorne voll schwimmende Braking Wave-Bremsscheiben, komplett Stahlflexleitungen (hinten in der Schwinge verlegt)
Räder: vorn 3,5" x 17" (aus Yamaha-Beständen) mit 120/70/17-Bereifung, hinten zweiteilige AEZ-Autofelge (8,5" x 18") mit 240/40/18-Bereifung
Höcker: MM Performance
Fußrasten: ABM
Tank: modifiziert mit seitlichen Ram-Air-Einlässen, integriertes DET100-Instrument
Sonstiges: Kellermann-Blinker, kleiner Scheinwerfer mit Eigenbau-Cover, GSG Mototechnik-Rücklicht, Eigenbau-Schaltereinheiten (Alu, gefräst, mit Mini-Tastern und im Lenker verlegte Kabel), Brems- und Kupplungspumpe lackiert, CNC-gefräste Mini-Ausgleichsbehälter (DOT 5-Füllung), Schaltblitz, Tellert-CTS-Schaltautomat, Kühler angepaßt (Anschlüsse vorne entfernt), Öl-Temperatur-Fühler direkt an Ölwanne verlegt, Wassertemperaturgeber an Leitung verlegt, modifizierter GfK-Fender, Eigenbau Schalldämpfer aus VA ("Delta"), pulverbeschichtete Alu-Griffe, Kurzhubgasgriff, Lenkungsdämpfer, wahlweise Macrolon- oder Carbon-Sitzplatte, seitliches Zündschloß mit Anlaß-Funktion, nahezu alle Schrauben gegen VA- oder Alu-Exemplare ausgetauscht, Gewicht vollgetankt und Fahrbereit: etwa 209 kg