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Bremer old´n´cool XS 1400

Wenn man etwas ungewöhnliches auf die Räder stellen will, ist die Auswahl eines extraordinären Basisgestühls der erste Schritt in die richtige Richtung. Mit Blade, Gixxer oder Bandit lassen sich schon aufgrund ihrer Verbreitung auf dem Sektor keine Kriege gewinnen. Dazu kommt noch die Hürde des zu frischen Geburtstages, was bei der TÜV-konformen Radikalisierung wie ein Findling den Weg zur offenen Glückseligkeit versperrt. Gerne greift der ambitionierte Bastler dann zu den altschulischen Karnivoren der frühen Achtziger. Die Zeit der Monsterbikes hält einiges an tauglichem Erbgut bereit. Neben Hondas Bol D´Or, Suzukis GS Modellen und Kawasakis Zetten führt Yamaha hier eher ein Schattendasein. Das liegt schlicht daran, dass im Zeichen der gekreuzten Stimmgabeln seinerzeit kaum konkurrenzfähiges und ansehnliches Material in den Schaufenstern stand.

XS in XL

Flaggschiff der Flotte war die XS 1.1, bzw. XS 1100. Länger als das Vorstrafenregister von Martin Semmelrogge, war sie selbst zu ihrer Zeit ein reiner Tourer in extra-extralarge. Kardanantrieb, Räder im Trennscheibenformat und eine Gabel in Spaghetti-Dimension wiesen das Monstrum als eher defensive Geradeaus-Schaukel aus. Fließende Linien suchte man beim Pfostendesign vergebens. Auf der Habenseite stand "lediglich" der kräftige und extrem zuverlässige Motor mit über einem Liter Hubraum, der Mike Hailwood in einer Werksvariante auf der Isle of Man sogar wiederholten Erfolg bescherte. Dennoch: Steht man vor dem originalen Serienmoped, ist einiges an Körperbeherrschung von Nöten, um das Frühstück nicht wieder rückwärts auszuwerfen. Nur ganz, ganz kranke Menschen würden hier zuschlagen und einen ambitionierten Umbau wagen. Und Soeren ist so ein Kranker... ein ganz Kranker.

Not und Tugend

Ursprünglich war seine mopetische Karriere jedoch ganz anders geplant. Nachdem er recht spät, anno 2003, die Bundes-Fahrerlaubnis am langen Band verliehen bekam, kratze er 4000,- Euro zusammen und begab sich auf die Jagd nach einem fahrbaren Untersatz. Bei einem Händler fand er denn auch modernes, sportliches Gerät und begab sich sofort auf eine Probefahrt. Von dieser kam er jedoch nicht wieder zurück - zumindest nicht in einem Stück - denn er parkte das Gefährt unsanft in der umliegenden Botanik. Die Schadensregulierung verschlang 3000 seiner angehäuften Euronen und sorgte fortan für ein äußerst überschaubares Restbudget und extrem mäßige Auswahlmöglichkeiten.

Money for nothing and the chicks for free

Mehr aus Verzweiflung, denn aus Überzeugung erwarb unser Held dann eine komplett originale XS1100. Gedacht nur für eine Übergangszeit, um dann dem Vater vermacht zu werden, welcher seinerseits ebenfalls eine Yamaha-Elfer pilotierte, vorgesehen als Ersatzteilspender. Der Zustand des Eisenhaufens war seinem Alter und der Preislage entsprechend. Schäbig, desolat und sehr überschaubar spaßbringend. Dennoch sprang recht schnell der Funken über und Sören entschied sich gegen die Notschlachtung. Stattdessen amputierte er das gesamte Plastikgerümpel und ersann einen knappen, sportlichen Höcker auf geändertem Rahmenwerk. Vorne assistierte künftig eine DE-Einheit. Schnell gingen ihm jedoch Pudding-Fahrwerk und vor allem die Bremsen mit ihrer fehlenden Effektivität auf die Prinzenrolle. Soeren dachte schon über das Anbringen eines Wurfankers nach, als er durch einen glücklichen Zufall auf Siggi stieß - seines Zeichens praktizierender XS-Virtuose.

Kein Alkohol ist auch keine Lösung

Nach einigen Kisten Bier und gegenseitigem Beschnuppern stand die Marschrichtung fest und die XS in Siggis Werkstatt. Soeren begann mit der Jagd nach tauglichem Fahrwerksequipement und ergatterte in diesem Zug eine Ducati 748 Hinterradschwinge mitsamt Brembo-Felge. Auch die Front sollte italienischen Akzent bekommen und spricht seither fließend Guzzi. Während sich der vordere Umbau noch relativ überschaubar aufwendig gestaltete, stand für das Heck eine kompliziertere Operation auf dem Krankenblatt. Der Kardan musste weg und ein Kettenantrieb her. Zwar gab es einen entsprechenden Umrüstsatz im Handel, dieser erlaubte aufgrund der Gehäusebedingungen des XS-Motors jedoch nur die Verwendung von 13er Ritzeln. Der daraus resultierende Durchmesser und die Fluchtlinie der Kette verhindern damit den Verbau von massiveren Schwingen. Und genau so ein Prachtstück sollte ja in Form der einarmigen 748er Einheit das Hinterrad führen.

Drucksache

Siggi hatte jedoch vor einigen Jahren für seine eigene XS eine andere Lösung ersonnen, die auch größere Ritzel erlaubte. Dazu schweißte er das Gehäuse im Bereich der Ausgangswelle auf und fräste es dann entsprechend aus. Das gefiel Soeren. Und noch vielmehr gefiel ihm bei der Besichtigung der Lösung der gesamte Motor. Der stammte aus einer ominösen Renn-XS aus Japan und hatte volle 1,4 Liter Hubraum, Doppelzündung, einen Werks-Zylinderkopf mit scharfen Nockenwellen und großen Ventilen. Das Leistungsdiagramm wies bereits ab 2500 Umdrehungen eklatante 90PS aus und die Drehmomentkurve stoppte erst bei weit über 140Nm. Die maximale PS-Zahl liegt im gleichen Zahlenumfeld. Soeren besorgte erneut einige Kisten Bier und nach dem Singen von schmutzigen Liedern und Tanzeinlagen auf der Werkbank konnte er Siggi zur Herausgabe des gesamten Motors zu einem äußerst kulanten Kurs bewegen. Das Thema Kettenumbau war somit elegant abgehandelt und adäquater Vortrieb garantiert. Während sich Siggi um die Fräs- und Schweißarbeiten kümmerte, schraubte Soeren die Dicke auf Diät wieder zusammen. Der Motor bekam noch einen Satz vollmechanische CR-Rundschieber vor die Nüstern und einen Edelstahlkrümmer in mattierter Optik mit Racingdämpfer vor den Kopf. Die TÜV-Hürde meisterte das ältliche Krad nach der Komplettierung mit Bravour und einem fett zufrieden grinsenden Prüfer. Gerade einmal 210kg vollgetankt blieben von den ursprünglichen 270 unterm Strich über. Zusammen mit dem modernen Fahrwerk und dem Ochsen von einem Motor, eine brisante Angelegenheit, die auch zum Vollstrecken taugt. Möge der Schub mit Euch sein.


TECHNISCHE DATEN

Modell: Yamaha XS1100

Besitzer: Soeren

Motor: 1400ccm, "leicht" modifiziert

Vergaser: 37er Keihin CR

Luftfilter: Offene Trichter

Auspuff: 4 in 1 Eigenbau

Rahmen: XS 1100 "leicht" modifiziert

Hinterradschwinge: Ducati 748

Federbein: Ducati 748

Gabel: Moto Guzzi

Gabelbrücken: Moto Guzzi

Räder: Brembo
vorn: 3,5/17
hinten: 5,5/17

Bereifung: Conti ROAD ATTACK
vorn: 120/70 ZR 17
hinten: 180/55 ZR 17

Lenker: ABM Superbike

Bremsen: Brembo
vorn: 4 Kolben, 320er Gußscheiben
hinten: 2 Kolben

Fußrastenanlage: Eigenbau
Tank: Original

Höcker: Eigenbau

Kotflügel: Carbon

Armaturen: Eigenbau

Instrumente: Motoscope mini

Lackierung: Malagutti, verde Metallic

Danke an: Siggi und das Bier


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