Der Fliegende Holländer

Neben guten Kenntnissen in Mechanik und Elektronik ist für den Bau eines straßentauglichen 500 PS Dragsters vor allem eines erforderlich: eine durchgebrannte Kopfdichtung

„Zuerst hielt ich Drag Racing für einen ziemlich dämlichen Sport“, meint Jereon, der Mann mit der schnellsten Yamaha XJR Europas – vielleicht sogar der Welt. Und irgendwie kann ich das, was er sagt, nachvollziehen: Zwölf Jahre fuhr der Niederländer Super Moto-Rennen, acht davon in der Europäischen Meisterschaft. Daß jemand mit diesem Background eine Motorsport, bei dem es „lediglich“ 400 Meter geradeaus geht, als ziemlich tumb empfinden muß, liegt in der Natur der Sache. Doch: „Eines Tages fuhr ich mit meiner XJR-Turbo zum Drag Race nach Drachten. Einfach nur als Zuschauer. Dort hat sich mir eine neue Welt eröffnet. Allesamt wahnsinnig nette Leute mit der gleichen Oktanzahl im Blut wie ich.“

Tiefer, härter, breiter Also packte Jereon seine neue Herausforderung an: Als erstes stand die Tieferlegung der frisch geschossenen XJR im Leistungsheft. Statt die Gabel einfach nur durchzustecken, verkürzte er die Cartridges. Auch die Stereodämpfer erfuhren eine Kürzung, außerdem lassen sie sich für ein härteres Setting im Renntrimm aufpumpen. Das macht Sinn, weil die dicke Yamaha ihres Straßendienstes nach wie vor nicht enthoben wurde. Zwar fährt Jereon seit der Eröffnung seine Tuningschmiede fast nur noch auf dem Strip, doch: „Meine Freundin nutzt das Motorrad öfter zum Brötchenholen.“

Kühlrippen & F1-Technik

Die größten Probleme bei dem luftgekühlten Triebwerk machen natürlich die enormen Temperaturschwankungen. Im Rennbetrieb verhindert Jereon Überhitzen mittels fetterer Gemischbildung, konservativer Zündverstellung und zusätzlicher Wassereinspritzung. Dazu entwickelte er sein eigenes Motormanagement mit 15 Sensoren, an das ein Data Logging-Sytem angeschlossen ist. Außerdem ist das Fahrzeug mit einer Videokamera ausgerüstet. Die Bilder liefern in Kombination mit GPS-Ortung sowie der anderen Daten detaillierten Aufschluß über den Fahrverlauf – genau wie in der Formel 1. Jeder noch so kleine Abschnitt der Quartermile kann so ausgewertet und dementsprechend ins Management eingriffen werden. Um den Kabelbaum möglichst schlank zu halten, wird übrigens CAN-Bus-Technologie eingesetzt, bei der Signale mehrerer Sensoren über eine Leitung geschickt werden. Willkommen im 21. Jahrhundert!

Mit einem Trockengewicht von über 250 Kilo katapultierte Jereon die XJR bereits in nur 8,5 Sekunden über die größten Tracks in Europa – ohne Wheeliebar oder Slicks wohlgemerkt.


Technische Daten
Modell: Yamaha XJR 1200
Erbauer: Jeroen
Motor: XJR 1314 ccm, K&N-Filter, Wiseco-Kolben, Carillo-Pleuel, größere Ventile, Ventilkanäle strömungsoptmiert, Garrett GT 30RS oder GT 35 RS Turbolader (Einsatz abhängig von Strecke), Ladeluftkühler, Ladedruck-Controller, Wassereinspritzung, Umbau auf Einspritzanlage mit komplettem Motormanagement und Data-Logging, Auspuffanlage Einzelanfertigung, Sekundärübersetzung 18-39 Zähne, Airshifter, gemessene Hinterradleistung über 500 PS, im Renneinsatz variiert die Leistung Gangselektiv von 350-400 PS (Turbo-Boost im 1. Gang 0,3 bar, 2. Gang 0,3 bar, 3. Gang 0,5 bar, 4. Gang 1,0 bar, 5. Gang 1,5 bar)
Rahmen: Yamaha XJR, modifiziert
Schwinge: Einzelanfertigung, um 30 mm tiefergelegt
Gabel: Serie, 40 mm verkürzt
Räder: Gale Speed Ultra Light
Instrument: AIM Strada Dashboard (mit CAN-Bus)
Bremsen: Serie, Wave-Scheiben
Lenker: Renthal Fatbar


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