Marc und Bein

Marc kaufte die Vmax 2005 in völlig originalem Zustand von einem Rechtsverdreher. Das Gerät war lückenlos checkheftgepflegt und hatte so gut wie nichts gelaufen. So brachte er das Teil nach Hause, bestellte Kofferträger und Fransenjacke sowie Topcase und Windschild, montierte eine üppige Spritzschutzverlängerung und drosselte den V4 auf versicherungsgünstige 78 PS.

Und wenn ihr den Scheiß jetzt geglaubt habt, lest ihr uns definitiv noch nicht lange genug. Wobei die Geschichte bis zu der Stelle mit den Kofferträgern tatsächlich so abgelaufen ist. Marc hat sich die Yamaha tatsächlich nur für einen Zweck vor die Tür gestellt: Sie umfassend umzubauen. Und nicht irgendwie, sondern in einem ganz speziellen Stil. Es sollte schon ordentlich was passieren an dem Monstrum, aber die originalen Linien mußten wiedererkennbar erhalten bleiben. Nach demselben Credo arbeiten auch erfolgreiche Designer wie Chip Foose. Sie verbessern das Vorhandene und setzen neue Akzente ohne den Charakter der Basis zu pervertieren.

Man at work

Kurioserweise ist diese Vorgehensweise oftmals drastisch mehr Arbeit, als eine radikale Wesenveränderung. Die Yamaha stand noch nicht ganz in der Werkstatt, da verlor sie auch schon den Bodenkontakt und wurde über Flaschenzüge am Topmast aufgeknüpft. Sie hatte sich zwar nicht der Meuterei schuldig gemacht, wohl aber der vorsätzlichen Biederhaftigkeit. Und da verstand Marc keinen Spaß und hängte den Delinquenten höher. Da der Vogel nun schon einmal den Boden unter den Füßen verloren hatte, packte Marc die Gelegenheit beim Schopf, die Vmax bei den Rädern und diese dann in einen Karton.

Weites Land

Statt auf wilde Zubehörfelgen zurückzugreifen, verschickte Marc die originalen Gußteile, um sie verbreitern zu lassen. Und zwar amtlich und mit Stempel. Mit sechs Zoll fällt das vordere Ergebnis breiter aus, als bei vielen Motorrädern die Hinterradfelge. Diese ist bei Marc gar auf monströse zwölfeinhalb Zoll angewachsen und nimmt bequem einen 300er Socken auf. Selbst technisch eher unbedarften Naturen dürfte klar sein, daß die Räder nicht so einfach wieder ins originale Fahrwerk paßten. Für vorne verpflichtet Mark Teleeinheiten aus einer Kilogixxer, die aber im Serientrimm auch wenig willig waren, sich mit dem fetten 180er Pneu anzufreunden. Breitere Brücken mußten her!

Not und Tugend

Unerfreulicherweise hielt der Zubehörmarkt aber nichts Passendes parat. Deshalb griff sich Marc ein Handbuch, kochte drei Kannen Kaffee und brachte sich mal eben CAD-Programmierung im autodidaktischen Schnellverfahren bei. Quasi als Gesellenstück sprangen dabei die benötigten Gabelbrücken nebst Cover sowie die ausgeklügelte Verlängerung der Gixxereinheiten heraus. Hinten geriet die Angelegenheit deutlich diffiziler, denn Marc wollte auf keinen Fall auf den Kardan verzichten. Und auch wenn der gelernte Industrieelektroniker, der auch noch über einen Mechanikermeistertitel verfügt, vor keiner Klippe die Segel streicht, geriet er bei den Kreuzgelenken und dem Wellenverlauf an seine Grenzen.

Aufbauhilfe Süd

Deswegen sollte die Vmax aber nicht auf den breiten Gummi verzichten. Denn wenn man etwas nicht selber kann, reicht es auch, wenn man jemanden kennt, der es kann. Und so pilgerte Marc mit der Yamaha unterm Arm ins entfernte Bayern und suchte Rat und Tat bei einem Spezialisten. Dort wurde das Problem dann dauerhaft und professionell gelöst, so daß Marc die Walze einbauen und mit Motorleistung beaufschlagen konnte. Nicht viel weniger aufwendig gestaltete sich die Verlegung der Auspuffanlage. Denn was nach Originaltröten aussieht, hat mit diesen so wenig gemein wie Uschi Glas mit der Wahl zur Miss Universum.

Super Dickmanns

Bedingt durch die nun mächtig in die Breite gegangene Heckpartie mußte die „4in2“ kräftig die Beine spreizen, um den Bock weiterhin zwischen die warmen Schenkel klemmen zu können. Hierzu zerschnitt Marc das Geröhr, als wolle er ein neues Puzzle für Ravensburger entwickeln, baute passende Zwischenstücke und verschweißte das Ganze am Ende wieder – jedoch nicht ohne auch ausführlich am Klangbild der Anlage zu feilen. Die Fuhre stand nach zweieinhalb Jahren Bauzeit dann endlich auf ihren mächtigen Rädern und Marc vor dem nächsten Problem. Denn um das Gefährt legal auf der Straße bewegen zu können, mußte die ganze Angelegenheit noch TÜVlichen Segen erlangen. „Ja Herr Wachtmeister, die Vmax hat serienmäßig 300mm Reifenbreite“, erschien Marc nämlich bei aller Argumentationskunst nicht als dauerhaft erfolgversprechend.

Enemy mine, vertrauter Feind

Nach einigen erfolglosen Anläufen und mehreren Epilepsieanfällen unter den Prüfern in der näheren und weiteren Umgebung fand Marc dann nach glücklicher Internetrecherche den Mann seines Vertrauens. Ausgestattet mit der Lizenz zum Stempeln, und dazu noch selber begeisterter Vmax-Pilot, hatte der Inschenjöör keine Berührungsängste mit dem heftigen Strickwerk. Kompetenz küßt Begeisterung. Scheiß auf Mezzo-Mix. Eine Probefahrt und einen übersichtlichen Obolus später war die Sache im Kasten und der Umbau in den Papieren. Und auch wenn Marc mit dem Ergebnis mehr als zufrieden ist, noch einmal würde er solch eine Aktion nicht durchziehen. Dazu hat er auch gar keine Zeit mehr, denn mit der Geburt seiner Tochter hat sich bereits das nächste Vollzeitprojekt manifestiert – auch wenn dieses wohl keine Schuhe in Größe 300 bekommen wird.


Technische Daten
Modell: Yamaha Vmax
Motor: Serie
Wasserkühler: Serie, modifiziert
Ölkühler: Serie
Luftfilter: K&N
Auspuff: Serie, modifiziert
Rahmen: Serie (mit Verstrebung)
Schwinge: Sonderanfertigung
Federbein: Koni
Gabel: GSX-R 1000 K2, Eigenbauverlängerungen, Eigenbaucover
Gabelbrücken: Eigenbau
Räder: Serie, verbreitert, vorne 6“ x 18“, hinten 12,5“ x 18“
Reifen: Avon Venom, vorne 180/55R18, hinten 300/30R18
Bremsen: vorne GSX-R 1000 K2, hinten Serie
Lenker: Dragbar
Höcker: Eigenbau
Armaturen: 48 Digital / Nissin
Instrumente: Serie
Sonstiges: Eigenbau-Fender und -Kühlerblende, Gabelcover, Stahlflex-Leitungen, Glow-Scheinwerfer


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