Wild Boys

Wenn zwei Generationen aufeinander treffen, kommt es unweigerlich zu Spannungen und Reibereien. Auslöser ist meist die unzähmbare, wilde Fraktion, in deren Altersstufe Vernunft und Besonnenheit nicht sonderlich ausgeprägt sind. Ihnen geht es nur um den puren Spaß, sie kümmern sich nicht um Morgen und rebellieren gegen alles und jeden. Und dann gibt es da noch ihre Kinder...

Achim und Norman, ersterer Vater des zweiten, fanden Motorräder lange Zeit irgendwie doof. Achim einfach pauschal und Norman auf Grund seines temporären Irrglaubens, Cabrios wären die deutlich geileren Sommerfahrzeuge. Gut, es gibt auch Menschen die der Meinung sind, in einem SUV mit 200 Sachen auf der linken Spur einer leeren Autobahn zu fahren hätte was mit Fahrdynamik zu tun. Und manche Menschen verwechseln auch Pudelkacke mit Nougatschokolade.

Scheunenfund

Erfreulicherweise ereilte Norman nach kurzer Zeit der Fehlleitung wieder die Einsicht und kurz darauf ein Kollege, der von einem Scheunenfund wusste, der doch genau das richtige für den endlich wieder ambitionierten Kradisten sein müsste. Als Norman in besagter Scheune aufschlug, bekam sein frisch aufgekeimter Enthusiasmus erst mal schön einen mit dem Vorschlaghammer aufs Maul. Gut, das Ding stand in einer Scheune, soweit war die Bewerbung des Hockers schon mal korrekt. Und gefunden hat er auch was. Norman konnte nur nicht genau sagen was. Mehr als ein im Rahmen herum rostender Motor lag dort nämlich nicht im Heu und die Frage nach den Restteilen beantwortete der Anbieter mit einem optimistischen "die müssen hier eigentlich irgendwo rumliegen" während er gleichzeitig auf eine dem ludolphschen Haufenprinzip folgende Trümmerbergkette deutete. Das erwies sich jedoch schnell als geschönte Schutzvermutung, denn die Suche nach den fehlenden Brocken endete mit der Feststellung, dass da wohl ein schwarzes Loch in der Scheune gewesen sein muss, welches die Teile in eine andere Dimension entrissen hatte. Wir haben begründete Zweifel an dieser Theorie.

Exhumierung

Norman nahm Rahmen und Motor dennoch mit, die sich als Überreste einer GSX 1100 F heraus stellten, besorgte sich die notwendige Peripherie für einen Probelauf auf der Werkbank und flutete die Vergaser aus einem improvisierten Tank. Und welch Glückes Geschick: Der Vierzylinder säuselte bereits beim ersten Reanimationsversuch los als wäre er gestern noch über die Teerwälder Mitteldeutschlands getollt. Keine Frage: Das Ding durfte bleiben. Und so komplettierten Norman und Achim die Karre provisorisch und nicht minder hässlich zu einem fahrenden Gestühl, so das Norman erst einmal was zum Fahren hätte.

Leasingfahrzeug

Daraus wurde jedoch nichts. Das lag nicht daran, dass der Zossen gezickt hätte, sondern vielmehr an Achim. Denn immer wenn Norman Zeit und Muße hatte die Elfer zu pilotieren, war der Platz in der Garage, wo sie eigentlich stehen sollte, leer. Achim (O-Ton nach der Wiederbelebung: "Wie kann man mit so einem Schweineeimer nur fahren wollen?") hatte nämlich irgendwie das Fieber gepackt und saß fast jede freie Minute auf der Suzuki und grinste sich dabei das Gesicht faltig.

Notwehr

Um doch mal selber auf seinem eigenen Krad fahren zu können, griff Norman zum Äußersten und schlug in vom Gericht bestätigter Notwehr hart und präzise zu. Bei einem Gebrauchtmopedhändler an der holländischen Grenze. Dort zerrte er eine originale RC36 aus dem Zweiradwald, hatte sein Erzeuger doch immer wieder durchblicken lassen, dass "was mit Einarmschwinge" genau nach seinem Geschmack wäre. "Nimm das!" rief Norman und überreichte seinem Vater zum 50. die Beute des Streifzugs.

Ente gut alles gut

Eigentlich könnte die Geschichte an dieser Stelle beendet werden, denn jeder hatte ja jetzt sein eigenes Moped. Und wenn sie nicht gestorben sind, fahren sie auch heute noch glücklich und zufrieden durch die Gegend. Am Arsch. An dieser Stelle reißen wir Aschenputtel mal den Schlübber vom Arsch, stecken ihr den lügenden Pinnoccio in den Schritt und lassen Märchen Märchen sein. Die Realität gestaltete sich nämlich ganz anders.

Baustellenfahrzeuge

Denn sowohl Achim als auch Norman merkten ebenso zeitnah wie synchron, dass Seriengeraffel ungefähr so spannend ist, wie der Twitteraccount von Boris Becker. Kurioserweise war es der ältere der beiden, den der Hafer am meisten stach und der das Startsignal für fatales Treiben gab. Schnell nistete sich Achim in der Werkstatt seines Nachwuchs ein und erklärte die VFR zum experimentellen Familienprojekt, das sofort, umfassend und radikal umzubauen sei.

Gut gekleidet

Norman leistete nur wenig Widerstand, dafür aber eine Menge Arbeit, was ihm dank seines KFZ-Backgrounds nicht sonderlich schwer fiel. Nachdem die Honda komplett zerlegt und der Motor überholt und eingestellt war, bekam dieser eine satte Kelle weiße Farbe aufs Gehäuse, während der Rahmen in helles, freundliches Lichtschwarz getaucht wurde. Nach einer ausgiebigen Shopping-Tour in Sachen GFK Haute Couture lag ein ansprechendes Bodywork parat, das jedoch noch angepasst werden musste. Denn so oft auch die Schwinge der 750er als Organspende zum Einsatz kommt, so selten ist ein komplett gefightertes Exemplar der VFR auszumachen – was sich eben auch in einem praktisch nicht vorhandenen Pool an passenden Teilen nieder schlägt.

Parallelwelten

Für das dynamische Duo war das aber mehr Reiz denn Hürde, und so wurde nicht nur ein Heckrahmen aus der Luft gezaubert, sondern auch gleich noch die erstandenen Universalteile umlaminiert und angepasst. Und nicht nur die. Denn Achim war der Tank der Honda "irgendwie zu spackig", so dass für den Spritbunker nebenbei noch eben ein Cover entstand, welches dem Oktanboiler mehr optisches Gewicht und wuchtigere Linien verpasst. Eine amtliche Brechstange zur Fahrtrichtungsbestimmung, das Reduzieren des Instrumentariums auf einen Minimaltacho sowie einen Ixil-Endpott später zeigte sich der einstige Kofferträger von seiner wilden Seite und macht nebenbei deutlich, dass er zu wesentlich mehr zu gebrauchen ist, als lapidare Plünderstätte für Fireblade-Umbauten auf Einarmschwinge.

Southstage

Nachdem der VFR-Umbau abgeschlossen und Achim zufrieden war, stellte Norman die nun unübersehbaren Defizite seines eigenen Untersatzes fest und läutete Runde zwei im Familiengericht ein. Also Honda von der Bühne und rauf mit der Suzuki. Die wollte erst einmal auf vernünftiges Fahrbesteck umgesattelt werden. Dazu besorgte sich Norman die Gabel einer 11er R, musste jedoch schon bei der ersten Anprobe feststellen, dass hier wesentlich mehr als nur "alte raus, neue rein" nötig war. Aus der Baustelle wurde ein richtiges Drama, vor dessen gutem Ende eine ganze Menge Arbeit stand. Rückwirkend betrachtet eher was für Menschen mit positiver Krebsdiagnose.

Van achtern

Nachdem auch hinten die Felge der R ihren Platz gefunden hatte, kümmerte sich das Gespann um die Optik der Zossens. Bei der Auswahl der Teile merkt man unweigerlich, dass hier der gleiche Gen-Pool vorliegt, denn Norman schöpfte seine Grundlagen aus dem selben Brunnen wie Achim schon zuvor. Und auch das Vorgehen und die Ausgestaltung ist auffällig ähnlich. Ein leer gefegtes Cockpit, ebenfalls mit einem dezenten Tacho versehen, hält den Arbeitsbereich des Chauffeurs clean und auch Steuerstange nebst Bestückung selbiger sowie der Abgasrüssel sind direkte Verwandte.

Rahmenbedingungen

Natürlich ist auch der Heckrahmen wieder innerfamiliäres Eigenwerk und das GFK-Gestühl nicht einfach drauf geklatscht, sondern aufwendig den Gegebenheiten der F angepasst worden. Und auch bei der Farbwahl geht es prinzipiell konform zu. Kein vielfarbiger Schnickschnack oder Brimborium, dafür kräftige aber harmonische Farbkontraste hüben wie drüben, lediglich ein paar dezente 3D-Applikationen hüben wie drüben.

Family Business

Unterm Strich sind hier zwei eigenständige Fighter erwachsen, denen sowohl die ungewöhnliche Basis als auch die schlüssige Umsetzung gemein ist. Man muss nur die Generationsgrenzen überschreiten und die wilde Hälfte im Zaun halten – das weiß jetzt auch Norman.


TECHNISCHE DATEN GSX 1100F
Erbauer: Norman Kegler
Motor: 1127
Vergaser: Suzuki GSX-R 1100r GV73C
Krümmer/Auspuff: Remus mit Exil Shorty
Heckrahmen: Eigenbau
Schwinge: GSX1100F
Federbein/Umlenkung: GSX1100F
Gabel: GSX1100R GV73C
Gabelbrücken: Spiegler (für GSX1100R)
Räder: 3,5X17 GSX-R vorn, 5,5x17 GSX-R hinten
Bereifung: Michelin Pilot Power 2CT, 120/70 ZR17 vorn, 180/55 ZR17 hinten
Lenker/Riser: 86er Lucas Dragbar
Bremsen: GSX-R 1100 GV73C
Fußrastenanlage: selbstgedrehte Rasten, Brems- und Schalthebel
Tank: original mit aufgearbeitetem Totenkopf
Bugspoiler:Baluracing stark modifiziert
Armaturen/Schalter/E-BOX: GSX-R 1100 Gv73C
Instrumente/Anzeigen: DannMoto
Lackierung: Schwarz matt mit Candy orange
Sonstiges: selbstgedrehte Alugriffe passend zu den Rasten, Zündschloss ins Heck verlegt, Kellermann Blinker (Lenkerenden und Rückleuchten )




TECHNISCHE DATEN Honda VFR 750 F RC36/1
Erbauer:Achim Kegler
Ölkühler: entfernt
Krümmer/Auspuff: original mit Ixyl Shorty
Heckrahmen: Eigenbau
Räder: 3,5x17 vorn, 5,5x17 hinten
Bereifung: Michelin Pilot Power 2CT, 120/70 ZR17 vorn, 180/55 ZR17 hinten
Lenker/Riser: Fehling Dragbar 91cm
Tank: Eigenbau auf original Plattform
Instrumente/Anzeigen:Koso DB-Serie
Lackierung : Weiß und Schwarz matt
Sonstiges: Kellermann Rückleuchten mit Blinker und Bremsfunktion , Überlaufbehälter Eigenbau , Umrüstung auf 180er Hinterreifen, Lenkerenden Eigenbau, Sitzpolster Eigenbau


Anzeige:


  • 01 VFR-GSX-F Doppel 01 VFR-GSX-F Doppel
  • 02 VFR-GSX-F Doppel 02 VFR-GSX-F Doppel
  • 03 VFR-GSX-F Doppel 03 VFR-GSX-F Doppel
  • 04 VFR-GSX-F Doppel 04 VFR-GSX-F Doppel
  • 05 VFR-GSX-F Doppel 05 VFR-GSX-F Doppel
  • 06 VFR-GSX-F Doppel 06 VFR-GSX-F Doppel
  • 07 VFR-GSX-F Doppel 07 VFR-GSX-F Doppel
  • 08 VFR-GSX-F Doppel 08 VFR-GSX-F Doppel
  • 09 VFR-GSX-F Doppel 09 VFR-GSX-F Doppel
  • 10 VFR-GSX-F Doppel 10 VFR-GSX-F Doppel
  • 11 VFR-GSX-F Doppel 11 VFR-GSX-F Doppel
  • 12 VFR-GSX-F Doppel 12 VFR-GSX-F Doppel
  • 13 VFR-GSX-F Doppel 13 VFR-GSX-F Doppel
  • 14 VFR-GSX-F Doppel 14 VFR-GSX-F Doppel
  • 15 VFR-GSX-F Doppel 15 VFR-GSX-F Doppel
  • 16 VFR-GSX-F Doppel 16 VFR-GSX-F Doppel
  • 17 VFR-GSX-F Doppel 17 VFR-GSX-F Doppel
  • 18 VFR-GSX-F Doppel 18 VFR-GSX-F Doppel
  • 19 VFR-GSX-F Doppel 19 VFR-GSX-F Doppel
  • 20 VFR-GSX-F Doppel 20 VFR-GSX-F Doppel
  • 21 VFR-GSX-F Doppel 21 VFR-GSX-F Doppel
  • 22 VFR-GSX-F Doppel 22 VFR-GSX-F Doppel
  • 23 VFR-GSX-F Doppel 23 VFR-GSX-F Doppel
  • 24 VFR-GSX-F Doppel 24 VFR-GSX-F Doppel
  • 25 VFR-GSX-F Doppel 25 VFR-GSX-F Doppel
  • 26 VFR-GSX-F Doppel 26 VFR-GSX-F Doppel
  • 27 VFR-GSX-F Doppel 27 VFR-GSX-F Doppel
  • 28 VFR-GSX-F Doppel 28 VFR-GSX-F Doppel
  • 29 VFR-GSX-F Doppel 29 VFR-GSX-F Doppel
  • 30 VFR-GSX-F Doppel 30 VFR-GSX-F Doppel
  • 31 VFR-GSX-F Doppel 31 VFR-GSX-F Doppel