Turbo/NOS Rocket

Turbo/NOS Rocket (!)

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Gibt es ein Leben vor dem Tod?

Mit 50 hast du die meisten Flausen raus aus dem Kopf. Nach der Maloche kehrst Du zurück in dein verklinkertes Eigenheim, das du noch weitere 20 Jahre abbezahlen wirst. Nach dem Schritt durch die furnierte Eingangstür wirst Du erst von deiner über die letzten Jahre zur Miss Tilly mutierten Gattin in geblümter Kittelschürze und rosanen Gummihandschuhen angenervt begrüßt und anschließend von deiner eigenen Brut überfallen, die dich abwechselnd deines Seelenfriedens und großer Teile deines Gehaltes beraubt. In der Garage steht eine silberne Familienkutsche von Opel, und nachdem du die Attacken deiner Sippschaft überlebt hast, geht es raus in den Garten, Rasen mähen und Unkraut zupfen. Eigentlich bist du schon lange tot – du hast es nur noch nicht gemerkt.

Von diesem Horrorszenario ist Pascal erbaulicherweise weiter entfernt als die Erde vom Merkur, einzig die Altersliga stimmt. Um diese sicher ermitteln zu können, müsste man Pascal allerdings durchsägen und seine Ringe zählen – denn weder äußerlich, noch vom Verhalten her erfüllt er das Klischee des reifenden Mittelstands-Untoten. Das spiegelt sich auch –und gerade – in seinem Fuhrpark wieder, der jedes Jahr mindestens einmal in heftige Rotation versetzt wird. So war es auch zur Vollendung des fünften Lebensjahrzehntes geplant.

Born dead

Für das anstehende Projekt hatte er recht unbescheidene Wünsche. Ein Gitterrohrrahmen sollte es sein, kombiniert mit einarmiger Hinterradführung und amtlichen Socken. Dazu eine Portion Punch, mit der groben Kelle eingeschenkt und in allen Lebenslagen mindestens soviel Leistung, wie mit aller Gewalt geht. Mit Fred fand sich ein sowohl kompetenter als auch ausreichend benagelter Mitstreiter, der Pascal auf seinem Weg begleiten wollte. Bevor jedoch an die ersten Schritte gedacht werden konnte, musste erst mal eine Basis her. Beim Motorvolumen gilt nach wie vor: Hubraum ist durch nichts zu ersetzen – außer durch noch mehr Hubraum. Und so griff sich Pascal eine originale und erst 5000 Kilometer gelaufene Triumph Rocket mit über zwei Litern Kolbenspielplatz.

Raumschiff

Nachdem der Chopper, Cruiser – oder wie man den barocken Haufen auch immer nennen will – komplett zerlegt war, machte sich Fred an die Umsetzung von Pascals Fahrwerkswünschen. Im CAD-Verfahren entstand das gitterige Rahmenlayout erst im Computer und dann auf der Schweißbank, und das Resultat kann es ganz locker mit jedem After Market-Geschmeide aufnehmen. Passend wurde gleich noch ein Satz herrlicher Gabelbrücken geschnitzt sowie achtern der Kardan so modifiziert, dass eine Speed-Triple Felge ins Geläuf passt. Spielt diese grundsätzlich mit ihren sechs Zoll Breite in der oberen Liga der Straßenrocker, reichte ihre lichte Weite für die Pläne der fantastischen Zwei nicht aus. Nach ein paar Schnitten ins runde Gemächte sowie der Anfertigung breiterer Schüsseln, wuchs das Ausmaß des Pneuhalters an, wie der frisch gelutschte Schniedel von Boris Becker in der Besenkammer und erlaubte letztendlich den Einsatz eines amtlicheren Gummis. Im Gegensatz zum Tennis-Dödel, der ja bekanntermaßen auf ein solches verzichtete. Das Ergebnis ist bekannt.

Allzeit breit

280 Millimeter Gummi rotieren fortan im Heck, was angesichts der Dimensionen des Gesamtprügels nicht mal überdimensioniert wirkt. So eine Rocket ist halt kein Bonanza-Rad. Und wenn in die viertaktenden Pedale getreten wird, zerrt Gevater Physik eben mächtig am Kautschuk. Damit der nicht so alt wie Pascal wird, entschloss sich das Duo Infernale, die Druckverhältnisse in den Brennräumen nicht exklusiv der schwachbrüstigen Atmosphäre zu überlassen. Ein ordentlicher Garret-Turbo, angesteuert über einen Eigenbau-Krümmer verdichtet harmlose Umgebungsluft, die, angereichert mit zündwilligem Super Plus jedem Ansaugtakt eine Detonation folgen lässt mit der man in seiner Freizeit auch leicht vom Aussterben bedrohte Spezies vom Planeten fegen könnte. So man denn Neigung und Zeit dazu hat.

Enforcer

Um auch letzte Zweifel Pascals auszuräumen, der sich offenbar immer noch nicht sicher war ob er mit dem bis dahin angerichteten Ensemble zügig genug im Verkehrsfluss mitschwimmen würde können, montierte man aus Sicherheitsgründen noch ein Lachgas-System, das mit einem üppigen Shot bei Bedarf noch mal eine beruhigende Schippe oben drauf legt. Kann ja sein, dass man an der Ampel plötzlich neben einem Nitro-Funny-Car, einer Cruise-Missile oder einem klingonischen Bird of Prey steht und keinen Bock hat, auf den kommenden vierhundert Metern abzustinken. Sorgen, die wir alle nur zu gut kennen und auch teilen.

Grab the Flag

Dass Pascal und Fred sich eine gewisse Markentreue ins Lastenheft schrieben, ist kaum zu übersehen. Neben den Rädern stammt auch das Bodywork aus dem Hause Triumph. Eine 1050er spendete den Tank, der Höcker thront normalerweise auf einer filigranen 675er Daytona – macht aber auch auf der Rocket einen schlanken Fuß. Lediglich die Lampe kommt unübersehbar aus einem anderen Haus. Armaturen und Bremsen wurden von Beringer bezogen, während die Informationsarbeit von Koso erledigt wird, unterstützt durch eine Ganganzeige von Datatool. Inzwischen sind zwei Jahre Bauzeit ins Land gezogen – angesichts des Umfangs der Aktion nicht verwunderlich. Spricht man die beiden auf die zu erwartende Leistungsausbeute an, so werden ohne NOS etwa 250-280 Ponys angepeilt, mit eingesetztem Spaßgas sollen es gar knapp 400 werden. Das jedoch unter Vorbehalt, denn die Abstimmungsarbeiten sind noch nicht abgeschlossen. Was am Ende der Prüfstand auch immer aufs Papier kritzeln mag – hier steht definitiv eine der coolsten Möglichkeiten, seinen 50. Geburtstag zu feiern. Mögen noch viele weitere folgen und Pascal weiterhin der Nagel tief im Neokortex stecken. Langweilige Heckenpenner haben wir genug auf dem Planeten.

TECHNISCHE DATEN Marke/Modell/Bj.: Triumph Rocket, Bj. 2005 Besitzer: Pascal Motor: 2,3L Hubraum, Garrett Turbo, Ansaugkrümmer Triumph Center, Samco Silikon Turbo-Schläuche, Ladeluftkühlung MVS Venturi, Ölleitungen Aviation, NOS-Kit, Kraftstoffpumpe und -Regler, Eigenbau-Öltank Einspritzung: modifiziert Luftfilter: JR offen Krümmer/Auspuff: Triumph-Center mit Dan-Moto Schalldämpfer Rahmen: Triumph-Center Stahlrahmen Triumph-Center Heckrahmen: Daytona 675 Schwinge: Triumph-Center Federbein/Umlenkung: WP KTM RC8 Gabelbrücken: Triumph-Center Vorderrad: Speed Triple 955 Hinterrad: Speed Triple 955 verbreitert Bereifung:
vorn: 120/70ZR17
hinten: 280/50VR18 Lenker/Riser: Rizoma Bremse vorn: Beringer 6-Kolben Bremszangen auf Aeronal Scheiben
Bremse hinten: Speed Triple 955 Fußrastenanlage: Rizoma Tank: Speed Triple 1050 modifiziert Verkleidung/Maske/Scheinwerfer: MT-03 Höcker/Sitzbank: Daytona 675, Rutko Sitzpolster Kotflügel: Speed Triple 1050 modifiziert Armaturen/Schalter/E-BOX: Behringer, Tastschalter, M-Lock Instrumente/Anzeigen: Koso RS Dyno





xXx Daytona

xXx Daytona

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KONSEQUENZ

Keine Kompromisse

Konsequenz findet sich in vielen, verschiedenen Ausprägungsstufen. Da machen Mopeten und ihre Treiber keine Ausnahme. Insbesondere im Lager der Oldtimerfetischisten nimmt das Streben nach Konsequenz schon mal Züge an, die dem Wahnsinn nicht ganz unähnlich sind. Da werden schon mal diverse Dichtflächen vorsätzlich ramponiert, um dem Klassikerpathos durch austretende Schmiermittel gerecht zu werden. Und manchmal kommt es sogar ganz dicke: Dann werden obendrein die Waschbetonfliesen in der Auffahrt feinsäuberlich mit Ölflecken verziert - und Frauchen bekommt gelegentlich nachts mit Barttrimmer und Nasenhaarschneider eine Greta-Garbo-Gedächtnis-Frisur verpaßt, damit auch bei der Kopulation das NSU-Max-Feeling aufkommen kann. Jetzt noch ein paar Bombenkrater im Vorgarten buddeln, den Computermonitor gegen einen Schwarz-Weiß Fernseher gewechselt, und das altertümliche Szenario ist komplett.

Keine halben Sachen

Maik fährt ein englisches Eisen und ist dabei nicht weniger konsequent. Auch wenn er sich nicht hauptsächlich von Haggis ernährt, nicht vorsätzlich nur auf der rechten Fahrbahnseite zu reisen pflegt und unsere Kanzlerin auch niemals "Queen Merkel" nennt, so legt er doch eine natürlich gewachsene Konsequenz höchster Ausprägung an den Tag. Außenstehende konnten sich hiervon auf der letzten Fighterama überzeugen, wo der Kasseler Wahnsinnsbraten die aktuelle Umbaustufe seiner ehemals als "Daytona" aus dem britischen Hinkley vom Band gelaufenen Lady zur Schau stellte. Nach kurzer Akklimatisierung absorbierte Maik das Messeleben derartig konsequent, daß er auch auf seinen Tages- und Abendausflügen ins Rheinberger Umland in Supermärkten, Diskotheken und auch öffentlichen Verkehrsmitteln auf Messepreise bestand. Der Knaller ist dabei, daß er von den völlig verblüfften Bütteln diese Sonderkonditionen obendrein auch noch bekam - Hut ab dafür! Gerüchteweise soll zwar Alkohol im Spiel gewesen sein, aber auch das darf als klare Insignie für die zwingende Umsetzung gelten.

Keine halben Sachen

Nicht weniger unbeirrt und resolut ging (und geht) Maik die Metamorphose seiner motorisierten Insellady an. In seinen Besitz wechselte die vollverkleidete Engländerin zum Jahrtausendwechsel. Die Plastikfront riß Maik mit flinken Händen vom Gerüst, und verbannte sie auf Dauer ins Lager. Und wenn schon abbauen, dann auch richtig. Die 955er verlor also ihre Integrität und der Rahmen im Abschluß seinen Lack. Der war Maik schlichtweg zu langweilig und wurde nach dem Strahlen gleich dreimal für den glänzenden Effekt gepulvert. Dem selbst gebauten Heckteil und dem Tankdeckel widerfuhr das gleiche feine Schicksal. Ursprünglich sollte auch der Scheinwerfer dieses mehrschichtige Finish erhalten, doch das Gehäuse des Aluminiumexponats überlebte schon den ersten Strahlgang nicht mehr und strich vorzeitig die Segel. Maik hatte allerdings weder Zeit noch Lust, sich lange mit dem leichtmetalligen Weichei herumzuärgern, und so kam vorerst ein lackiertes Ersatzstück an die Gabel.

Atemwegserkrankung

Apropos Lack: Dieser wurde extra für Maik von seinem Kumpel Markus angemischt und aufgetragen. Die bei diesem Anblick aufkommende exstatische Begeisterung wurde allerdings schon kurz darauf wieder deutlich gemindert. Als Schalldämpfer hatte Maik nämlich ursprünglich einen herrlichen, sauber gekürzten Pott seiner vorher gefahrenen CBR 600 vorgesehen (und auch montiert). Wie sich jedoch bereits auf der ersten größeren Fahrt heraus stellte, war dieser mit den Abgasmassen und Druckverhältnissen des Tommy-Triebwerkes schlichtweg überfordert. Das Teil gab daher bei Knallgas plötzlich seinen Job auf und verließ seinen angestammten Platz schlagartig und unaufgefordert. Aber der Topf kam nicht weit. Die Front des gerade überholten LKW stoppte den Flug des ungewöhnlichen Geschosses, und die Achslast des Lastkahns gab ihm den Rest. Der kaltverformte Ex-Schalldämpfer konnte nur noch zerstört geborgen werden und setzte die Fahrt im Rucksack fort. Es kam, wie es kommen mußte: Einige Kilometer später zog ein Kommando der Rennleitung die nun frei ausatmende Tripple aus dem Verkehr. Die Ortung wurde nach Angaben der grün-weißen Wegelagerer per Hörmuschel vorgenommen: "Wir haben dich fünf Minuten früher gehört, als gesehen!"

Sie haben da was verloren

Aber Maik blieb wieder mal konsequent und mit der bereits erwähnten unnachgiebigen Überzeugungskraft machte er den Schergen des Königs umgehend klar, daß seine Situation so fern der Heimat ja wohl keine andere Möglichkeit bereit hielte, als eben ungedämpft weiter zu fahren. Den Beamtem in den Werder-Bremen-Farben blieb somit wenig übrig, außer kräftig zu schlucken, eine Mängelkarte für die übermäßige Geräuschentwicklung auszustellen und Maik eine gute Heimfahrt zu wünschen. Zu Hause angekommen, wanderte dann vorübergehend wieder eine Originaltrompete ans Krad, bis unser Natural-Born-Thriller später eine selbst entwickelte Lösung mit gekürzten Shark-Pötten ersann und verbaute. Das Ganze sitzt gut plaziert unter dem Höcker von Street Machines und oberhalb der polierten, auf sieben Zoll angewachsenen Hinterradfelge. Das harmoniert, das paßt zusammen. Genau so, wie die Tribal-Lackierungen mit dem Candyfarbkleid im xXx-Design einhergehen. Wichtiges Detail am Rande: Das Wortspiel der Insignie gab hierbei den Ausschlag für die Verwendung des dreifachen X - und nicht der gleichnamige Film mit Vin "die Pläte" Diesel. Den findet Maik nämlich einfach nur doof, denn der gute Vin ist ihm einfach nicht konsequent genug. Wen wundert`s?!

TECHNISCHE DATEN
Modell: Triumph Daytona T595 (Bj.1997)
Besitzer: Maik
Motor: Serie, schwarz lackiert

Luftfilter: K&N
Auspuff: Eigenbau mit gekürzten Shark-Töpfen
Rahmen: Serie (dreifach pulverbeschichtet), Eigenbau-Heckrahmen
Schwinge: Serie, poliert
Federbein: Serie, Dämpfer lackiert, Feder dreifach pulverbeschichtet
Gabelbrücken: ABM/Serie
Räder: vorne Serie (Stern lackiert, Bett poliert), hinten auf 7" verbreitert (Stern lackiert, Bett poliert)
Bereifung: vorne 120/70/17, hinten 210/30/17
Lenker: LSL Streetbar
Fußrastenanlage: Lucas, poliert
Tank: Serie, Deckel dreifach pulverbeschichtet
Verkleidung: Haha!
Höcker: Street Machines SM-1
Kotflügel: Eigenbau
Instrumente: Acewell, dreifach pulverbeschichtet
Lackierung: by Markus
Sonstiges: Motordeckel poliert, Triumph Speed Triple-Lufthutzen, Stahlflexleitungen

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