RAU 1127
RAU 1127
Fatman

1996 stand Mike der Sinn nach etwas Exklusivem für die Straße. Nach einigen Anstrengungen konnte er seine Hand auf einen Zentralrohrrahmen von „Rau-Bikes“ legen und den Besitzer mit viel Geld zur Herausgabe des nackten Fahrwerks zwingen. Ergänzt wurde das Geröhr durch eine Menge Gixxer- und taufrischer SRAD-Teile, die sich in der hauseigenen Werkstatt vorrätig fanden. Logisch, daß der Serienmumpitz nicht unangetastet ans Krad wandern konnte. Die Gabel bekam selbstgeschnitzte Brücken, die Rohre wurden kohlenstoffbeschichtet. Seinerzeit, anno ´96, eine noch äußerst aufwendige Angelegenheit, die nur von wenigen Betrieben angeboten wurde und an sich noch komplett Werksteams vorbehalten war.

König David, Harleys Sohn

Als Räder wurden anfangs verbreiterte Harley-Felgen verpflichtet, was sich jedoch schnell als äußerst problematisch erwies: Das für den Antrieb zuständige, hintere Pendant wird in Milwaukee bar jeder Ruckdämpfer ausgeliefert. Die schonende Anfahrfunktion übernimmt dort nämlich der Primärtrieb. Der gedopte 1127er Motor der Rau erwies sich jedoch als schlechter Spielkamerad und verbog in kurzen Intervallen entweder Radachsen oder sogar die gesamte Schwinge beim harten Gasgeben.

Geschenkt ist nicht geheuer

Die Zeit verging, Eigenbaueinarmschwinge und megafette Pelle wanderten in den Rahmen und das Ruckdämpferproblem wurde mit einer neuen Felge gefixt.

TECHNISCHE DATEN
Modell: Rau-GSX-R
Motor: GSX-R 1127
Ölkühler: 91er GSXR
Vergaser: Keihin FCR 41
Luftfilter: K&N
Auspuff: Millenium Shark, modifiziert
Rahmen: Rau
Schwinge: Eigenbau
Federbein: Öhlins
Gabel: SRAD, beschichtete Gleitrohre, Öhlins-Lenkungsdämpfer
Gabelbrücken: Eigenbau
Räder: vorn Fatboy, modifiziert, hinten Sonderanfetrigung
Bereifung: vorn 120/70 ZR17, hinten 360/30 ZR18
Bremsen: vorn 340er Braking-Scheiben, Stahlflexleitungen, hinten VFR-Scheibe und -Zange, Stahlflexleitung


On-Off 1100
On-Off 1100
DIE FIGHTGENOSSENSCHAFT

Irgendwann muß jeder mal raus aus seiner Haut und dem Alltagstrott. Mal Fünfe gerade sein lassen, auf den Pudding hauen, völlig abdrehen. Der Postbeamte verstellt dazu seinen Datumsstempel, der Bürofuzzi schmeißt Pfandflaschen in den Altglascontainer und der Durchschnittskradler kürzt unter infernalischen „Aanaarchiie“-Gebrülle den hinteren Spritzschutz um fünf Zentimeter. Was aber, wenn du von Berufswegen schon zwölf Stunden am Tag mit Ausrasten beschäftigt bist und seit zehn Jahren den ganz normalen Wahnsinn alltäglich praktizierst?

Ricola Schweizer Kradlerzucker

Es kam, wie es kommen mußte: An einem Abend, im Sternzeichen von Obstler und Met, wurde kurzerhand der kollektive Aufstand geplant. Einfach mal was „Extremes“ bauen. Alter Schwed...äh...Schweizer. Mit einem Faible für anglizistisches Rohrwerk ausgestattet, begann die Odyssee mit der Gestaltung des tragenden Gerüstes. Feinstes Alu wurde sorgsam in Form gebracht und zu einem Gitterrohrrahmen verschweißt. „Am Ende wird alles gut“ wußte schon Konfuzius – und hatte damit völlig recht. Denn die hinten abschließende (und ebenfalls in Eigenarbeit geschnitzte) Radhalterung wird dieser positiven Grundeinstellung im wahrsten Sinne des Wortes voll gerecht. Die Dimensionen dieses Brummers sind wirklich mehr als mächtig. Müssen sie auch sein, denn das ehrgeizige Ziel des Unterfangens sah nichts Geringeres als den fettesten Pneu auf Gottes runden Erdball für das Antriebsrad vor. Imposante 400 Millimeter mißt dieses in Handarbeit hergestellte Walzwerk.

Schweizer U(h)rwerk

Soviel Kautschuk will natürlich auch befestigt sein. Allerdings war dieses Unterfangen angesichts gängiger Felgengrößen alles andere als einfach. Mit 14,5 Zoll war die Grenze des Verfügbaren erreicht. Also wurde das sündhaft teure Ricks-Schüsselwerk zerschnitten und noch mal um mehr als einen Zentimeter verbreitert. Noch ein wenig mehr, und die Felge hätte eine eigenes Kanton mitsamt Postleitzahl bekommen. Es versteht sich von selbst, daß sich zu diesem Mammutsocken keine handelsübliche Frontpartie gesellen konnte. So wurde denn erst mal eine Gixxergabel aus ihren Brücken geprügelt und als Basis verpflichtet. Ein paar Riegel Toblerone später gesellten sich dann noch maßgeschneiderte, überbreite Brücken hinzu, die gemeinsam mit einem Satz prächtiger Coverrohre für würdig befunden wurden, in den Lenkkopf eingeführt zu werden. Geht doch. Hier halten sie das, was Otto Normal sonst hinten fährt: Knackige fünfeinhalb Zoll mißt die zweite Ricks-Felge, und der montierte Gummibezug kommt auf adäquate 18 Zentimeter.

TECHNISCHE DATEN Motor: Suzuki GSX-R 1100 (Bj.´90), Dynojet-Kit Ölkühler: GSG, modifiziert Auspuff: Eigenbau, Schüle-Krümmer Rahmen: Eigenbau Schwinge: Eigenbau Federbein: GSX-R 1100 (modifiziert) Gabel: GSXR 1100 Gabelbrücken: Eigenbau Räder: vorne 5,5“ x 17“, hinten 14,5” x 18” (auf 15” verbreitert) Bereifung: vorne Dunlop 180/55R17 (Slick), hinten Bunts 400/30R18 Lenker: Dragbar Bremsen: Suzuki GSX-R 1100 (modifiziert), Eigenbau-Bremsscheiben Fußrastenanlage: Firespeed, modifiziert Tank: Monocoque Maske: Eigenbau Kotflügel: X-Static, modifiziert Bugspoiler: Carcass, modifiziert Armaturen: Rebufini, modifiziert

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KMP Martin GSX-R
KMP Martin GSX-R
Nackter geht´s nimmer

Trickframer sind nach wie vor beliebt – und das, obwohl sie mittlerweile im Prinzip überflüssig geworden sind. Die notorische Instabilität asiatischer Krad-Gerippe ist schließlich schon seit geraumer Zeit Schnee von gestern. Warum finden alternative Konstruktionen von Spondon und Co. also noch immer so viel Anklang innerhalb der straßenkämpfenden Zunft? Die Antwort ist denkbar einfach: Die Dinger sehen einfach geil aus!

Der vernickelte Gitterrohrrahmen aus Chrom-Molybdän-Stahl ist ein waschechter Blickfang. Allein schon die sauber ausgeführten Hartlötnähte an der Federbeinaufnahme oder den Knotenblechen schmeicheln dem fachkundigen Auge. Eins war klar: So ein sportives Skelett muß deutlich sichtbar sein und darf unter keinen Umständen unter irgendeiner Form von Verkleidung verschwinden.

Auch in Sachen Motorisierung war die Entscheidung schnell gefallen: das 92er Aggregat einer GSX-R 1100 N. Und da man bei KMP nur sehr selten „de série“ sagt, wurde der Vierzylinder direkt mal ordentlich ins Gebet genommen. Der exakte Umfang der erfolgten Arbeiten ist ein wohlgehütetes Betriebsgeheimnis, aber die erkennbaren Komponenten sprechen für sich schon eine deutliche Sprache: Die Beatmung des Triebwerks erfolgt über eine ansehnliche Bank von Keihin-Flachschiebern vom Kaliber 41, die ihrerseits von einem selbstgedrehten Trichter-Quartett gekrönt werden. Am anderen Ende des Verbrennungsvorgangs werden die Gase hingegen durch Yoshimura Duplex-Krümmer mit einem Pärchen Interferenzrohre gejagt, bevor sie über einen ebenfalls von KMP gefertigten Winz-Pott in die Umwelt geblasen werden

Technische Daten: Modell: Moto Martin GSX-R 1100 „Projekt K“ Motor: Suzuki GSX-R 1100 N (Bj.´92), 41er Keihin FCR-Flachschieber, KMP-Trichter, Nology-Zündkabel Kühler: Automobil-Zubehör Auspuff: KMP, Yoshimura Duplex-Krümmer Rahmen: Moto Martin, modifiziert Schwinge: Ducati Monster S4R Federbein: Öhlins (hydraulische Federvorspannungsverstellung extern verlegt) Gabel: Marzocchi Gabelbrücken: Siino Lenker: MV Agusta F4-Stummel Bremsen: vorne Braking-Zange (4 Kolben, radial), Braking Felgen-Bremskranz, ISR-Bremszylinder, hinten Brembo-Zangen, ISR-Bremszylinder Räder: vorne Braking, hinten Triumph Speed Triple (modifiziert) Reifen: Dunlop, vorne 120/70 ZR17, hinten 200/50 ZR17 Fußrasten: KMP Armaturen: ISR Heck: Ducati 999 Frontfender: Ducati Monster (Carbon) Heckfender: ISR (Carbon)

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Bakker 1100
Bakker 1100
Der Bakker-Makker

Beständigkeit zahlt sich auf Dauer aus. Man braucht nicht jedem Trend hinterherlaufen. Irgendwann kommt alles von alleine wieder in Mode, man muss nur lange genug warten. Das wissen all diejenigen, die seit den Siebzigern ihre Schlaghosen und braunen Pullunder nicht ausgezogen haben.

Auch Detlef zeichnet unübersehbar eine ganz ähnliche Beharrlichkeit gegen temporäre Modeströmungen aus. Als Frühinfizierter trägt seine ultraseltene Bakker deshalb nach wie vor eine markant monströse Lampenfratze statt etwa Yamahas MT-03 Allerweltsgesicht. Um die letzte Jahrtausendwende war die Welt eben noch etwas anders gepolt.

Big Bang

Natürlich ist Detlef nicht auf der Bakker geboren worden, sondern trieb sich zuvor auf diversen anderen japanischen Straßenkreuzern mit möglichst vielen "R"s in der Typenbezeichnung herum. Zuletzt auf einer Gixxer der Modellreihe mit dem riesigen Aquarium vor den Scheinwerfern. Irgendwie konnte Detlef aber kein rechtes Faible für den trockenen Nacht-Angelsport entwickeln und baute das vollverkleidete Glasbodenboot deshalb kurzerhand um, was angesichts des seinerzeit just detonierenden Fighter-Urknalls in eine ziemliche Plastik-Kargheit mündete.

Alles außer gewöhnlich

Die exhibitionistische Druckwelle vermochte Detlefs Geschmackszentrum aber nur kurz in Aufruhr zu versetzen, denn mit Erreichen des stilistischen Ziels verpuffte gleichzeitig das Interesse an der nackten Tusse, schlicht in Ermangelung weiterer Herausforderungen oder lohnenswerter Zielsetzungen. Die Gixxer würde irgendwie halt immer bleiben was sie war: eine Gixxer.

Stricksachen

Da taten sich angesichts des ebenso plötzlichen wie unerwarteten Auftretens eines seltsamen Rohrgeflechts spontan ganz andere Perspektiven auf. Für die einen ein nicht zu Ende gedachter Ansatz eines postmodernen Weinregals, für andere ein Trick-Frame aus dem Mutterland des legalen Drogenkonsums: ein echter Bakker. Nein, Bakker ist kein Maler! "Brauner Bär" ist übrigens auch keine Umschreibung für kotbehaftete Vaginalbehaarung. Und die Menstruation ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Äh, wo war ich?!

Untouched

Bisher lediglich abseits jedweder Form von Straßenzulassung auf den Rennstrecken des alten Kontinents bewegt, ungeküsst von eines Prüfers Stempelkissen und noch nie der Last eines Zulassungskennzeichens ausgesetzt. Filigran, stabil, vernickelt. Geil aber illegal. Doofe Kombination für einen Hocker, wenn man nicht bei jeder Routinekontrolle von eben diesem runtergeschossen werden will.

R-Pressung

Statt die Straßenzulassung durch Entführung einer Rheinfähre oder Geiselnahme in einer Düsseldorfer Straßenbahn zu erpressen, entschied sich Detlef dafür einfach mal mit den zuständigen Bürokraten zu belabern, was man denn tun könnte um dem Missstand und potentiellen SEK-Einsätzen am Straßenrand präventiv Herr zu werden. Die Schlingel im Rathaus zeigten sich erfreulich wie auch unerwartet aufgeschlossen: basierend auf einer KBA-Anfrage (bei der man sich im Gegensatz zu einem AIDS-Test über ein positives Resultat den Schniedel wund freut) würde man der potentiellen Straßenlegalisierung wohlwollend entgegen sehen. Schau an!

Zettelwirtschaft

Waren die städtischen Büttel durchaus geneigt dem Rahmen Brief und Siegel an die Seite zu stellen, mussten "nur noch" die kitteligen Vasallen Senf und Segen dazu geben. Auch hier schloss man eine friedliche Lösung nicht pauschal aus, wollte aber, angesichts von Detlefs Plänen an Stelle des ältlichen Flachatmers einen moderneren Feinripper zwischen die eisernen Schlingen zu hängen, ein entsprechendes Artest vom Erzeuger sehen. Der zögerte auf Anfrage nicht lange, schließlich waren seine Rahmen für die Rennstrecke und damit für amtliche Leistungsausschläge auf der nach oben offenen Richterskala konzipiert worden. Unterschrift und Stempel drauf, ab dafür. Mit solchen Leuten kann man arbeiten.

Saft und Kraft

Und weil Freund Rahmenschmied nicht zimperlich mit seiner Unbedenklichkeit war, tat Detlef es ihm gleich und honorierte den Freibrief mit einem Doping auf 1,2 Liter Spielraum für einen Satz Schmiedekolben, ein renoviertes Zylinder-Dachgeschoss und ein paar andere Schweinereien, wie z.B. offene und umgejettete Vergaser.

Komplettiert mit Fahrwerksteilen aus dem Suzuki-Regal sowie reichlich Hilfe aus dem Freundeskreis und besagt dämonisch illuminiert, stand der Prügel eine geraume Zeit später fahrfertig da und einer ausgiebigen Teilnahme am Straßenverkehr nichts mehr im Wege. Das ist nun schon eine ganze Weile her. Modeströmungen kamen und gingen, die Detlef unbeeindruckt an sich vorüber ziehen ließ. Irgendwann kommt alles von alleine wieder, kein Grund für überhastetes Hinterherrennen.

TECHNISCHE DATEN Marke/Modell: Braun&Bögel Erbauer:Wolfgang Müller /Detlef Heidt Motor/Motortuning:Suzuki, GV73C, 1100ccm, Bj 90 Ölkühler: Autozubehör Vergaser: mit Dynojet-Kit Luftfilter: 4 Einzelluftfilter K&N Krümmer/Auspuff:Devil, Auspuff geleert und gekürzt Rahmen:Nico Bakker Gitterrohr Grandprix Rahmen, Chrom-Molybdänstahl, vernickelt, BJ 83 Schwinge: Nico Bakker mit Unterzug und oberem Umlenkbügel Federbein/Umlenkung: GSX-R 1100 Gabel: GSX-R 750 SRAD Gabelbrücken:MS-Bikes Lenker:Dragbar Hebel:original, modifiziert Spiegel:Gravehand Räder: GSX-R 750 SRAD vorn, GSX-R 1100, GV73C hinten Bereifung:Metzeler, 120/70-17 vorn, 180/55-17 hinten Bremsflüssigkeitsbehälter: Rizoma vorn, Gv73C hinten Bremsleitungen: Spiegler Stahlflex Fußrastenanlage:Menani Racer Tank:Nico Bakker, 26 Liter Alutank, mit Rennschotten Höcker/Sitzbank: MS-Bikes Kotflügel:MS-Bikes Armaturen/Schalter:GV73C Instrumente/Anzeigen:Acewell Blinker vorne:Hella Ochsenaugen Blinker hinten: verchrohmte Totenköpfe mit Blink,-Brems-Rücklichtkombination Lackierung: Metallic-Weiß

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Spondon 1216
Spondon 1216
Addict

Wenn aus Begehrlichkeiten unstillbares Verlangen wird, die Gedanken nur noch um das eine kreisen und der Abstand zwischen den Befriedigungsmomenten zur lebensbestimmenden Zeiteinheit wird, dann kann man langsam von einer Sucht sprechen.

Die muss dann möglichst schnell therapiert werden, damit der Betroffene sich nicht in seiner Begierde verliert und lebensfähig bleibt. Heiko kann über so was nur müde lächeln. Das Suchtstadium hat er schon lange hinter sich gelassen. Er hat bereits die nächsten Stadien erreicht: Besessenheit und Obsession. Der Point of no return ist längst überschritten. Heilung ausgeschlossen. Das Methadon, das ihn zurück in den bürgerlichen Normalzustand versetzen könnte, muss erst noch erfunden werden.

Rohrsucht

Heikos Droge besteht aus glänzenden Alurohren. Die zieht er sich aber nicht auf Spritze oder durch die Nase und bröselt sie sich auch nicht zusammen mit Tabak in Big-Size-Paper. Vielmehr schmuggelt er das Zeugs über dubiose Kanäle nach Großbritannien, wo sie in einer kleinen subversiven Küche erst verbogen und dann, heftige Wichsattacken auslösend miteinander verbraten werden. Europol führt das konspirative Labor in seinen Fahndungsakten unter dem Namen "Spondon".

Erstkontakt

Vierzehn Jahre ist es nun her, da kam Heiko das erste mal mit dem Stoff in Berührung und zeigte sofort Symptome. Schlaflosigkeit, fiebrige Alpträume, Tadder… Wie bei den meisten Junkies reichte aber auch bei Heiko das erwirtschaftete Einkommen nicht aus, um an das gewünschte Präparat zu gelangen. Um nicht in den Strudel der Beschaffungskriminalität gezogen zu werden, verbrachte er die kommenden Monate in erster Linie damit, zur Verfügung stehende Freizeit mit Nebenjobs auszufüllen, deren Ertrag ausschließlich der anstehenden Suchtbefriedigung zugeführt werden sollte.

Deal

Nach etwa einem Jahr war genügend Kies aktiviert, um nicht länger einen Affen schieben zu müssen. Die Flocken wurden zusammen mit einem präzise formulierten Auftrag an besagte Drogenküche transferiert, die sich sofort ans Werk machte, einen Rahmen nebst dazugehöriger Einarmschwinge zu synthetisieren und ihn nach erfolgter Fertigstellung an Heiko zu verschiffen. Der packte das Teil mit tattrigen Händen umgehend aus und machte sich mit der Unterstützung zweier hiesiger Strassendealer daran die Mopete im Rausch aufzubauen. Als gelernter Mann des teigverarbeitenden Gewerbes – und weil die Spondon auch noch quasi sein erster Umbau war, hätte ein Try-and-Error-Alleingang keinen Sinn gehabt.

Ausgleichsport

Nun ist Heiko aber nicht der Typ, der sich den Hocker in die Vitrine stellt und ihn nur Sonntagnachmittags zur nächsten Eisdeale bewegt, sondern die Fuhre bekommt genauso an die Fresse, wie jede StiNo-Karre. Wenn sie das nicht ab kann, hätte sie kein Motorrad werden dürfen. Der daraus entstehende unausweichliche Verschleiß machte zusammen mit dem Zahn der Zeit und dem Fortschritt auf dem Gebiet der technischen Gegebenheiten nach etwas über einem Jahrzehnt eine Überarbeitung des Hobels notwendig. Da Heiko inzwischen in die schlosserischen Künste eingeweiht war, konnte er diese Phase autonom durchexerzieren. Viel mehr als Rahmen und Schwinge blieben von der ersten Stufe nicht über.

Kraftakt

Da das Fahrwerk seinerzeit für die Familie der öligen Suzuki-Feinripper verschnitten worden war, blieb es bei einem Kameraden aus dem Clan. Der Schlingel bekam jedoch eine Doping-Kur der ganz feisten Sorte: 1.216 Kubik, oszillierend von hochverdichtenden Wiseco-Kolben bewandert, werden von einem hybriden Kopfsystem, bei welchem die Einlasswelle aus einer 11er Gixxer und die Auslasswelle aus einer Bandit stammen, eifrig befüllt. Gezündet wird über die Box einer GSX-R.

Kühlkammer

39er FCR-Flachschieber, deren Venturis durch nichts als offene Trichter von der gierigen Atmosphären-Nuckelei abgehalten werden, reichern das Gas mit Spritanteilen an. Da die wasserscheuen Motoren derartig gepimpt gerne mal hitzköpfig werden, was nicht nur ungesund, sondern auch leistungshemmend ist, wurde ein sekundärer Ölkühler montiert, der den schwarzen Saft wohlig temperiert, bevor er in das Obergeschoss sickert (siehe zu dem Thema auch unsere Toolbox in Fighters 10/2015). Der verdingte Radiator residiert unauffällig und lasziv verankert hinter der Batterie im Rahmendreieck. Ein in Sachen Belüftungseffizienz oftmals unterschätztes Plätzchen, denn das rotierende Hinterrad sorgt für deutlich mehr Wind im Karree, als man meinen mag.

Leicht macht Metall

Fahrwerkstechnisch setzte Heiko ebenfalls auf eine umfassende Frischzellenkur, obwohl sich auch heute wohl noch die meisten nach dem, was er in dem Zuge raus warf, die Finger lecken würden: Eine Hayabusa-Gabel in CNC-Brücken, zusammen mit amtlichen PVM-Dreispeichern ist jetzt nicht unbedingt der Kategorie Sondermüll zuzuordnen. Trotzdem wollte Heiko nicht mehr mit den Teilen spielen. Ersatz kam in Form einer Kilogixxer-Forke mit radialen PVM-Monoblock-Zangen, in geschmeidigen Billet-Brücken hängend, ergänzt durch ein Paar filigrane Felgen und Gabelfüße des selben dreibuchstabigen Herstellers. Streng genommen sind's insgesamt eigentlich sogar drei Räder, denn Heiko hat für Situationen, in den nachhaltiges Auftreten verlangt wird, noch eine alternative 8,25" breite Felge mit 240er Pneu parat liegen, während er im fahrdynamischen Alltagsbetrieb auf die 6,25er setzt.

Schrumpfaktion

Waren vor fünfzehn Jahren Höcker im Container-Format noch State-of-the-Art (wir hatten ja nichts anderes), ist der montierte Nachfolger von einer deutlich schlankerer Silhouette geprägt. Beibehalten hat Heiko die grundsätzliche Integration des Schornsteins in das Sitzmöbel. Der Schlot findet seinen Ausgang nun allerdings seitlich, statt wie bei Höcker 1.0 nach hinten raus. Ein ähnliches Schicksal erfuhr auch das der Sitzgruppe vorgelagerte Spritarsenal. Das wird zwar nach wie vor, genau wie sein Vorgänger von oben befüllt, ist aber viel filigraner und Dank des tunneligen Layouts luftiger als das bauchige Elternteil der ersten Stufe.

Moderne Armaturen, Schalter und ein frisches Cockpit komplettieren die zweite Auflage von Heikos Wunderdroge. Dass er selbst mit Waffengewalt nicht von seiner Obsession abzubringen, muss wohl kaum extra betont werden. Die Lage ist tatsächlich noch viel schlimmer, denn der Besessene hat sich inzwischen einen zweiten Freudenspender des Typs ins Haus geholt. Warum selbst erfahrene Exorzisten kapitulieren und was sich Heiko sonst noch so in den Kaffee rührt, erfahrt ihr in einer der anstehenden Ausgaben.

TECHNISCHE DATEN Besitzer, Erbauer: Spondon-Heiko Motor/Motortuning: Wiseco-Kolben, 1.216ccm, 11er Einlass-Nockenwelle, CDI von GSX-R 1100 Ölkühler:Setrab Vergaser:Keihin FCR 39 Luftfilter:offene Trichter Krümmer/Auspuff: Yoshimura Rahmen:Spondon Schwinge: Spondon Mono Federbein: Öhlins Gabel: GSX-R 1000 K2 mit gefrästen PVM Gabelfüßen Gabelbrücken: Bike Perfpormance Lenker/Riser: Renthal Edelstahl Hebel:PVM Griffe: CNC, Gasgriff Yoshimura rollengelagert Spiegel: Zubehör mit gedrehtem Arm Räder:PVM 10 Speichen, 3,5x17 vorn, 6,25x17 (Zweitfelge 8,25x18) hinten Bereifung: 120/70ZR17 vorn, 200/50ZR17 (Zweitfelge 240/40ZR18) hinten Bremsscheiben: PVM 320 vorn, Spondon/Honda RC30 hinten Bremszangen: PVM radial 4-Kolben Monoblock Bremsflüssigkeitsbehälter: Brembo Bremsleitungen: Goodridge (geschraubete Anschlüsse, poliert) Fußrastenanlage:Rairotec Professional Tank: Spondon Tunneltank Höcker: Bimbo, modifiziert Kotflügel: Ducati 1098 modifiziert Armaturen/Schalter:PVM Brems-(20mm) und Kupplungspumpe (16mm), WMD Taster E-Box:WMD Instrumente/Anzeigen: Motogadget mini Scheinwerfer: Lenis Blinker:Kellermann vorn, Shin-Yo hinten Rücklicht: Highsider mono mit gedrehten Fassungen Lackierung: Airbrush

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Spondon Hayabusa
Spondon Hayabusa
Geschmackssache

Rückblickend gab es in den letzten 50 Jahren so einige Trends, die aus heutiger Sicht mindestens irritierend, eher verstörend und zuweilen grotesk abstoßend wirken. Schlaghosen aus braunem Cord, rosa Frottee-Schweißbänder oder BMW C1 Kabinenroller – manche Sachen sind so scheiße, dass sie selbst Mülltonnen wieder ausspucken. Über den meisten der brutalen Netzhautattacken liegt inzwischen das Tuch der Vergessenheit. Ein Segen!

Man muss schon ziemlich einen an der Waffel haben und mit überdurchschnittlicher Weitsicht und Leidensfähigkeit ausgestattet sein, wenn man sich ausgerecht solche Geschmacksverirrungen aussucht, um aus ihnen etwas Ansehnliches zu machen. Die Modells für Victorias-Secrets Unterwäsche-Katalog werden ja auch nicht im Heim für adipöse und verhaltensauffällige Akne-Blagen rekrutiert.

Notdurft

Manchmal bleibt dir aber auch gar nichts anderes übrig. Vor allem, wenn die Stimmen in deinem Kopf zu einem ausgewachsenen Männerchor anwachsen und dir ständig ein und das selbe Lied ins ZNS brüllen. Dann wird aus Wunsch erst Verlangen, dann Obsession und am Ende elementarer Lebensbestandteil wie Nahrung, Schlaf oder vermehrungsfreier Geschlechtsverkehr. Wie wir aus Ausgabe 08 dieses Jahrgangs wissen, ist Heiko ein Besessener der ganz schlimmen Sorte. Er hat schon lange nicht mehr die Wahl. Seine DNS besteht aus Aluminiumrohren und seine Chromsomen sind weder X noch Y-förmig, sondern filigrane und kunstvoll verschweißte Gitterkonstruktionen.

Wiederholungstäter

Wie uns besagte Ausgabe verriet, befindet sich bereits ein entsprechendes Gefährt in seinem Besitz, welches Heiko alleine auf Dauer aber irgendwie nicht reichte. Und als er mal wieder in Sachen englischer Rahmenkunst in nördlichen Gefilden auf Fortbildungsreise unterwegs war, wurde er Zeuge des Aufbaus eines Tierchens mit Hayabusa-Herz. Also jenem Reaktor, der wohl am ehesten als direkter Erbe der legendären 1135er EF Motoren gelten darf und dessen Tugenden weiter führt, wie kein anderer Suzuki-Vierzylinder. Schussfest, hubraumstark und mit deftigem Punch ab Standgas, ein Bulle von einem Triebwerk mit dem man auch problemlos Kleinlaster zu sportwagen-ähnlichen Fahrleistungen verhelfen kann.

Mit Deckelprägung

Sind die 1300er im serienmäßigen Yoghurt-Becher Layout weit verbreitet, wie auch günstig zu schießen, verkehren sich diese Eigenschaften ins Gegenteil, wenn sie statt des T-Bone Rahmens feines Brit-Rohr umschließt. Das musste auch Heiko recht schnell erfahren und sein gerade erst aufgekeimten diesbezüglichen Wünsche relativ schnell wieder ad acta legen – denn nachproduziert wurden die Rahmen schon lange nicht mehr – und wer einen hatte würde ihn auch nach Waterboarding, Zahnwurzeln-Anbohren oder zehn Stunden alleine mit Furz Kay One in eine Telefonzelle eingesperrt nicht herausgeben.

Hirngesänge

Das interessierte blöderweise die Stimmen in Heikos Kopf recht wenig. Im Gegenteil. Sie wurden weiterhin immer lauter, bis er seine Umgebung kaum noch zwischen den zu Geschrei angeschwollenen "Du brauchst es, also hol es dir"-Gesängen wahrnehmen konnte. Entsprechend erfreut registrierte Heiko deshalb eines Tages die ihm zugetragen Kunde einer zum Verkauf stehenden Kiste genau des gesuchten Schnittmusters. Wie sich zeigte, handelte es sich exakt um das Exemplar, welches ein paar Jahre zuvor den infektiösen Virus in sein Hirn gepflanzt hatte. Inzwischen war aus der damaligen Baustelle ein kompletter Hocker geworden – leider mit optisch eher zweifelhaftem Erscheinungsbild. Das Ding sah aus, als wäre sein Design von der Chrystal-Meth-Gruppe des örtlichen Kindergartens ersonnen worden. Quietschbunt, der Motor gelb, die Lackteile in knalligem Rot, alles munter mit Asi-Stickern aus dem ATU-Regal für Golf-Prolos zugekleistert und gekrönt von einem Auspuff, der selbst die verbissensten "Das Heck-muss-höher"-Trolls schlagartig verstimmen ließ. Die Zwillingsflöten waren dermaßen hoch montiert und mit zusätzlichen Extensions versehen, dass selbst die Basketball-Mannschaft der Rennleitung zur Kontrolle der eingesetzten dB-Eater ohne Trittleiter nicht hinein sehen konnte. Fahrten in der Stadt waren lebensgefährlich, da man ständig riskierte mit dem Auspuff an die Oberleitung der Straßenbahn zu geraten und per Stromschlag getötet zu werden. Eigentlich hätten am Austritt Blinklichter montiert werden müssen, wie es bei Industrieschornsteinen vorgeschrieben ist, um tief fliegende Flugzeuge vor der Gefahrenstelle zu warnen. Die Dinger waren so unglaublich hoch, dass sich zuweilen selbst im Sommer Schnee auf ihren Gipfeln befand.

Innere Werte

Dafür war der Ofen in technischer Hinsicht jedoch vom Feinsten. Achtkolben-Bremszangen, eine doppelte Lachgasanlage sowie eine ganze Menge feinster Alu-Beschläge zierten Stuhl. Zudem hatte die Karre (wohl aus obigen Gründen) kaum das Einfahralter überschritten und nur ganz, ganz wenige Meilen auf dem Digital-Tacho. Heiko zögerte nicht lange, plünderte das Konto mit seinen Ersparnissen, packte diese in einen Umschlag und fuhr 600 Kilometer Richtung Norden um das Teil live zu besichtigen. Nach einigem Hin- und Her konnte er den Verkäufer tatsächlich davon überzeugen seine mitgeführten Habseligkeiten als Auslösesumme zu akzeptieren. Das wurde mit Sicherheit auch durch den Umstand begünstigt, dass trotz der Seltenheit des Modells es eine optisch sehr verstörende Wirkung entfaltete und abgesehen von den ein Paar Autoscooter-Betreibern keine weiteren Interessenten vorhanden waren. Wer haut schon für einen Hobel den Gegenwert eines neuen Kompaktwagens auf den Tresen, wenn er, bevor an einen Auftritt in der Öffentlichkeit auch nur zu denken ist, das Gerät erst einmal komplett neu aufbauen muss? Die Antwort ist ziemlich einfach: Heiko! Niemand sonst.

Jack the Ripper

Der Hallodri riss den Stuhl auch sofort auseinander, bis nur noch der blanke Rahmen in der Laube baumelte, entsorgte alles Prunkwerk und Lametta, das er nicht behalten wollte (was aus dem Auspuff wurde, ist nicht überliefert) und begann nach eigenem Gutdünken mit der Rekonfiguration. Als erstes wurde der Motor von seiner gelben Oberfläche befreit und in eine beruhigendes Schwarz getaucht, so dass die folgenden Arbeiten ohne Sonnebrille und im Hellen angegangen werden konnten.

Breitensport

In Sachen Fahrwerk bestand eigentlich nicht viel Handlungsbedarf. Was sollte schon an Stelle der insulanischen Einarmschwinge die hintere Radführung übernehmen können ohne einen gewaltigen Rückschritt zu verursachen?! Für vorne fand Heiko hingegen eine Antwort auf die Frage und steckte statt der Busa-Forke die einer K6 Kilogixxer hinein und bestückte sie mit radialen Sätteln aus dem Custom-Bereich sowie einem Schmiedrad der besonders filigranen Sorte. Für hinten gab's einen fetten Kollegen aus dem gleichen Haus dazu, der wahlweise gegen ein ebenfalls parat liegendes und noch breiteres Exemplar für 240er Pellen betrieben werden kann.

Börsencrash

Der Verkauf des ursprünglichen Heckrahmens mit seinen massiven Schalldämpfer-Klemmen brachte auf Grund seiner schieren Masse fast den dotierten Preis für Roh-Alu ins schwanken. Der Neuaufbau des Sektors könnte nicht gegensätzlicher zu seinem Vorgänger sein: nur noch ein einzelner Pott, kräftig gekürzt und in den Tiefen des Höckers verborgen. Fast unsichtbar, nur durch seinen seitlichen Austritt überhaupt in Erscheinung tretend. Und auch das neu angefertigte zuführende Rohr bleibt trotz seiner Freiluft-Präsenz unplakativ. Dezenz statt Demenz.

Vergangenheitsbewältigung

Offensichtlich immer noch paralysiert vom ursprünglichen Kaufzustand, wagte sich Heiko anfangs nicht einmal an die Montage einer Maske heran und überlies den Job statt dessen einem Paar Mig-Scheinwerfern. Nachdem sich das erlittene Trauma langsam gelegt hatte, wurde final aber doch wieder auf GFK-Ware umgesattelt. Während der Schwerpunkt der Maßnahmen auf Abbauen und Weglassen beruhte, wurden die paar Brocken die unbedingt sein mussten handverlesen und penibelst selektiert. Seien es die CNC-Brücken, die Billet-Armaturen mitsamt solchen Leckereien wie dem rollengelagerten Grasgriff oder die umfassenden Stahlflex-Leitungen des Motors.

Von dem feuerroten Spielmobil ist nicht mehr viel geblieben – und selten konnte man derartig inbrünstig ausrufen: Gott sei Dank! Frottee-Schweißbänder kann man abstreifen, C1-Roller hinterm Haus verbrennen – aber aus dem Ursprungs-Verbrechen dieser Spondon einen amtlichen Stuhl zu zaubern, war alles andere als einfach.

TECHNISCHE DATEN Marke/Modell/Bj.:Spondon Suzuki Hayabusa Erbauer: Spondon-Heiko, Hackel Motor:GSX-R 1300 Hayabusa (2000) Wasserkühler: Hayabusa Ölkühler: Hayabusa Einspritzung: Hayabusa Luftfilter: Hayabusa Krümmer/Auspuff: Akrapovic mit Yoshimua Endtopf (gekürzt) aus Carbon Rahmen:Spondon Heckrahmen:Spondon/Eigenbau Schwinge: Spondon Federbein/Umlenkung: Öhlins Gabel: GSX-R 1000 k6 Gabelbrücken: Bad Triple Lenker/Riser: Renthal edelstahl Hebel: Magura Griffe: CNC, Gasgriff Yoshimura rollengelagert Spiegel: Zubehör Räder:PVM 6 Speichen, 3,5x17 vorn, 6,25x17 hinten (Zweitfelge PVM 3 Speichen geschraubt 8,25x18) Bereifung: 120/70ZR17 vorn, 200/50ZR17 hinten (Zweitfelge 240/40/18) Bremsscheiben: Braking Wave 310mm vorn, Spondon/Honda RC30 hinten Bremszangen: Spiegler radial 4 Kolben (Hardcore Walz Design) vorn, 4 Kolben Nissin hinten Bremsflüssigkeitsbehälter: Brembo Bremsleitungen: Goodridge (geschraubte Anschlüsse, poliert) Fußrastenanlage:Rairotec professional Tank: Spondon Höcker/Sitzbank: Bimbo modifiziert Kotflügel: Megatec modifiziert Armaturen/Schalter: Magura Brems- (20mm) und Kupplungspumpe (16mm), Taster Maske/Scheinwerfer: Megatec modifiziert, umgebaut auf LED-Scheinwerfer Blinker:Kellermann vorn, Motogadget hinten Rücklicht: mono mit gedrehten Fassungen Lackierung: freundliches schwarz Danke an: Hackel, der mir mit Rat und tat zur Seite stand und Klaus, der die Elektrik minimiert hat

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Rau 900
Wir Kinder vom Bahnhof O

Immer wieder werden junge Frauen von der glitzernden Welt des funkelnden Geschmeides verführt. Dem augenscheinlichen Zauber des schnellen Glücks verfallen, geraten sie nicht selten auf die schiefe Bahn. Dies ist die tragische Geschichte von Silke O. aus N. in S nahe der E., die ihr Leben auf einer solchen fristet.

Schlemil

Schon in frühen Tagen, kurz nach Erwerb der Fahrerlaubnis, verfiel Silke der Motorradsucht und wurde von einem lokalen Dealer an die Knicker-Nadel gebracht. Die Einstiegsdroge reichte Silke aber schon bald nicht mehr. Auf einer subversiven Zusammenkunft anno 2006 erlag sie den Verlockungen einer spontanen Offerte. Eine 900er Rau wart zum Verkauf feil geboten. Ein paar Bier und eine Probefahrt später hatte sich Silke dann auch nicht mehr im Griff, schleppte den Hehler in eine dunkle Ecke und machte die Sache dingfest.

Graf Koks

Den ursprünglichen Aufbau des Langeisens hatte vor etlichen Jahren Steffen von Street Machines erledigt. Die erigierte Abgasanlage nebst überlanger JMC-Schwinge sind wohl die markantesten Insignien des seltenen Objektes, die Silke auch erhalten wissen wollte. Lediglich die Sitzhöhe war ihr zu luftig, so dass in Kooperation mit lokalen Unterweltgrößen über eine Erniedrigung nachgedacht wurde. Während Silke noch am überlegen war, wurde in einer konspirativen Garage der Höcker bereits in drei Ebenen zerschnitten und provisorisch auf den filigranen Heckrahmen getaped um einer Probesitzung gewachsen zu sein. Gute zehn Zentimeter tiefer residiert nun der Pilotin Gesäß und schafft im gleichen Maß bessere Standverhältnisse vor der roten Ampel.

Drugstore

Die noch relativ serienmäßige Elektrik wurde auf Entzug gesetzt und musste einer extrem verkürzten Kabelbaumeinheit nebst Tasterschaltung und E-Box weichen. Die Armaturen durchzucken jetzt nur noch überschaubare Steuerströme, was den benötigten Kabelquerschnitt extrem schrumpfen ließ. Gleichzeitig wurde der ramponierte Tank wieder in Form gebracht, die Kampfspuren aus den Motordeckeln entfernt und neue Lenkerendenblinker von Kellermann passend zu den aus Alu hergestellten Griffen montiert.

Viele bunte Bilder

Auf einer der ersten Fahrten ereilte Silke unerwartet die Kelle des Gesetzes. Zwar keine Drogenfahnder, wohl aber übermotivierte Verkehrsschergen. Insbesondere die lange Schwinge hatte es dem Staatsbediensteten angetan, was zu einem geschichtsträchtigen Dialog führte. „Ganz schön lange Schwinge...“ – „Jo.“ „Und die Kette ist ja auch ganz schön lang.“ – „Jo, macht Sinn bei ´ner langen Schwinge, oder?!“. Nach ein paar Aufklärungseinheiten in Sachen Motorradanatomie trollte sich der Kontrolleur ebenso griesgrämig wie unbefriedigt. Silke konnte ihre Kurierfahrt fortsetzen.

TECHNISCHE DATEN Marke/Modell/Bj.: RAU CBR 900 RR 2000 Erbauer: Basis Street Machines, Phase 2 Eigenleistung Motor: CBR 900 RR SC33 Wasserkühler: CBR 900 RR Vergaser: Keihin Krümmer/Auspuff: CBR 900 RR–Krümmer, SHARK-Dämpfer, Zwischenrohr Eigenbau Rahmen: RAU PSS verchromt Schwinge: JMC Pro Street Federbein/Umlenkung: CBR 900 RR, Höherlegungskit Gabel: GSX- R 750 Gabelbrücken: oben ABM modifiziert, unten GSX-R 750 Räder:
vorn: CBR 900 RR
hinten: DEGET 6.75 Lenker/Riser: LSL Dragbar Bremsen:
vorn:GSX-R 750, Stahlflex
hinten:CBR 900 RR, Stahlflex Fußrastenanlage: Gimbel zurückverlegt Tank: RAU Maske: X-Treme Faktor Höcker/Sitzbank: SM 1 modifiziert Kotflügel: SPY Bugspoiler: MBD Armaturen: NISSIN-Pumpen, F-Box, Titax Brems- und Kupplungshebel, 4-fach Revolvertaster

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Mortagua #7
Mortagua #7
Alive!

Der zombifizierte halbtote Zeitgenosse von heute bettet seine Plauze nach Feierabend auf dem vollgefurzten Sofa von Möbel-Willi, schiebt sich eine Tiefkühlpizza in den Kauschacht, zappt durch das televisionäre Banalitätenkabinett, streichelt sein Smartphone und tauscht im Hackfressenbuch sterbenslangweilige Details seiner existenziellen Ödnis mit anderen, noch langweiligeren Couch-Mumien aus. Das ganze nennt er dann "Leben".

Und auch wenn der Anteil der lebenden Untoten exponential ansteigt, gibt es zum Glück immer noch notorische Querulanten, die in einer fernen Zukunft, auf ihrem Sterbebett liegend, auf mehr als Twitter-Follower oder erklickte Facebook-Freunde zurückblicken können. Einer von der ganz schlimmen Sorte ist Carlos, dem geneigten Leser als "Mortagua-Fighter" bekannt. Der konspirative Triebtäter hat nicht nur auf sehr sympathische Art und Weise richtig heftig einen an der Waffel, sondern versteht es auch noch, seine ausgewachsene Normalitäts-Psychose zu kanalisieren und in extreme Motorrad-Unikate umzusetzen.

Master of Desaster

Dabei bleibt er seiner grundlegenden Stilistik durch die Bank treu, ohne sich jedoch in einer endlosen Widerholungsschleife zu verfangen oder gar auf der Stelle zu treten – sonst könnte er auch gleich beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen anfangen. Und so ist auch seine siebte Kreation sofort dem Meister zuzuordnen, markiert aber dennoch einen neuen Meilenstein in seiner kreativen Evolutionsreihe. Zwei Jahre lang hat der im Zivilleben als Glaser arbeitende Handwerker täglich zwischen zwei und vier Stunden nach Feierabend in seiner Werkstatt verbracht, um das zu bauen, was ihm im Kopf herumspukte. Wobei "Werkstatt" eigentlich der falsche Begriff ist. Wer schon einmal Bilder von dem spartanischen und erz-chaotischen Verließ gesehen hat, das dem ludolphschen Haufenprinzip folgend organisiert ist, fragt sich unweigerlich, wie in so einem Trümmerfeld solche Früchte reifen können. Sollte in der Bude einmal ein Regal umkippen, kann man Carlos nur mit einer Lawinenhundestaffel wiederfinden. Aber der Bengel kommt klar.

Brot und Stiere

Wie gewohnt basiert auch die neueste Kreation wieder auf einem eher unspektakulären Luft/Öler der Butter-und-Brot Liga. Ein alter 750er Triebling bildet die fast schon biedere Basis für das Projekt. Mehr als eine Grundüberholung und frische Gasfabriken mit K&N Vergasern bekam der Vierer nicht an Zuwendung spendiert, so dass er wie zu Zeiten seines Stapellaufes etwas über 100 Pferde auf die Koppel schickt, die munter am Rad, bzw. der Getriebeausgangswelle zerren. Hier findet sich dann auch schon das erste mortaguaeske Gimmick: Die Bremsscheibe rotiert einträchtig und kraftschlüssig neben dem Ritzel und überträgt ihre von einer Zweikolbenzange initiierten Kräfte nicht direkt, sondern per Kette auf das Hinterrad.

Sinnflut

Technisch gesehen ist das durchaus sinnvoll, werden so die ungefederten Massen reduziert – aus Mortaguas Perpektive aber nicht der Hauptgrund für die Konstruktion. Viel wichtiger war es, auf diese Art und Weise die Baugruppen an der Narbe zu reduzieren um die Umsetzung der einseitigen Radaufhängung umzusetzen. Dabei handelt es sich nicht um eine Schwinge im klassischen Sinne. Hier dreht sich kein Hebelarm um eine nahe der Getriebeausgangswelle gelegenen Lagerstelle, vielmehr bewegt sich die Radachse, einem Fahrstuhl nicht unähnlich, an Gleistangen die zwischen zwei mächtigen Profilen aufrecht stehend montiert sind auf und ab. Zwei ebenfalls parallel verbaute Federbeine sowie ein Teleskopdämpfer gleichen Farbahnunebenheiten aus und versteifen die Geschichte zusätzlich. Konstruktiv so etwas wie eine einseitige Interpretation der nachkrieglichen Geradwegfederung.

Krad mit Rad

Auf der maßgeschneiderten Felge rotiert ein 160er Pneu mit 17 Zoll Durchmesser. Narbe und Speichen sind Frästeile, die mit einem Felgenring verschweißt wurden. Vorne geht es nicht weniger aufwendig zur Sache. Auch hier wurde auf eine Radführung nach alter Väter Sitte zurück gegriffen: Eine geschobene Schwinge, wie sie auf Grund ihres langen Nachlaufes und der Trennung von Lenk- und Federkräften gerne bei Gespannen zum Einsatz kommt, hält das Rad auf Kurs. Ein Stumpf mit ordentlichem Durchmesser sorgt trotz Einseitigkeit für kippelfreien Lauf. Zwei gegenüberliegende Schwimmsättel verbeißen sich, an mächtigen Trägern montiert in die einzelne Bremsscheibe und lassen den auf dem Eigenbaurad residierenden Sechzehnzöller wimmern. Von dessen Geschrei bekommt man allerdings nicht allzu viel mit - zumindest solange der Motor läuft. Denn viel mehr als eine Umleitung der infernalischen Arbeits-Äußerungen leisten die vier Slash-Cut Rohre nicht. Das Leben ist kein Kindergeburtstag und Carlos mag es gerne zünftig.

Kein Herz für Dealer

Natürlich sind nicht nur die Radhalter selbst geschnitzt, sondern auch der sie verbindende Stahlrohrrahmen, der für die Umsetzung des Gesamtkonzepts unabdingbar ist. Und auch das vornehmlich aus Blechplatten gedengelte Bodywork ist Eigenbau. Das bezieht sowohl Fender, als auch Tank, Höcker und die Sitzplatte mit ein und zieht sich über Lenker, Armaturen, Fußrasten und Träger weiter. Würde mich nicht wundern, wenn an der nächsten Kiste auch Reifen und Treibstoff Eigenbau sein werden, denn viel mehr an nicht selber hergestellten Teilen findet sich kaum mehr am Moped.

Es tut einfach gut zu sehen, dass es noch Menschen gibt, die noch mehr zu Stande bringen als Faulgase in die Atmosphäre zu entlassen und spastisch mit dem Daumen über kleine Bildschirme zu wischen. Leben ist, was du draus machst.

Bilder: Custom Forever


Spondon 1100
Spondon 1100
Für Fortgeschrittene

Mit Edelware à la Spondon sollte man kein Schindluder treiben – und darunter fällt im Zweifelsfall auch, so einen erlesenen Spezialrahmen nicht um jeden Preis ins eigene Heimwerker-Paradies zu zerren und dort mit Hausmitteln zu schänden. Wie lohnenswert es sein kann in professionelle Hilfe zu investieren, kann Sascha bestätigen. Der Niedersachse ließ nämlich nur ausgewiesene Fachleute mit Gespür für einspurige Geilheiten an seine britische Rohrskulptur…

The long road

Um eine erfolgreiche Evolution sicherzustellen wagte sich der Norddeutsche Richtung Südosten – so weit, bis er bei Street Machines wieder auftauchte und Steffen den Zossen überließ, mit der unmissverständlich Aufforderung, ihn standesgemäß zu vollenden. Den Ritt nahm Sascha in der beruhigenden Gewissheit auf sich, dass er für so ein Unterfangen die für ihn goldrichtige Adresse ansteuerte.

Sachdienliche Bauweise

Steffen ließ die englische Lady erst mal auf sich wirken und schickte sie mit verschiedenen Höcker-Optionen auf den Laufsteg. So verlockend es auch war, einen Sitz aus eigener Produktion zu verankern – am Ende machte doch der bewährte Martek Style-Hintern als gefälligste Variante für dieses Bike das Rennen. Also tat Mister SM, wovor viele andere zurückschrecken: Er rückte dem piekfeinen Rohrrahmen zu Leibe, um ihn für den schlanken Höcker in Form zu bringen, was bei dem ziemlich breit bauenden Spondon-Heckträger ein durchaus erheblicher Eingriff ist. Einen gestandenen Schrauber lässt das aber kalt – der befasst sich lieber mit der Frage, wie man die Elektronik da noch sinnvoll unterbringen kann und lässt die Lösung in die neue Heckrahmen-Konfiguration gleich noch mit einfließen.

Leistungsnachweis

Die nächste Frage betraf wie so oft die Auspuffführung. Den Zuschlag bekam die massenzentrierte Under-Engine-Version, wofür Steffens vorrangigste Arbeit im Erschaffen eines Zwischenrohrstummels lag, damit die einzelne BSM-Tröte zuverlässig den Job ursprünglichen GSX-R-Kanonenrohre erledigen kann. Zu guter Letzt ging es dann wieder mal um den Funkelfaktor: Neben der Feinstaub-Pipeline wollte allerhand Kleinkram (Motordeckel, Armaturen, Fußrasten etc.) auf Hochglanz gebracht werden, und der Lacksatz macht dieser Bezeichnung auch erst Ehre, wenn er nicht mehr im Arbeitsanzug, sondern im feinen Ausgeh-Blau auftrumpft. Damit hatte sich die Sache dann vorerst und Sascha konnte sich mit der wohltuenden Bestätigung auf der Ladefläche seines Transporters, dass man wertvolle Sachen im Zweifel in kundige Hände geben sollte, auf die weite Reise gen Nordwesten machen.


TECHNISCHE DATEN Marke/Modell: Spondon Suzuki 1100, Baujahr 1998 Motor: Suzuki GSX-R 1100 Ölkühler: Setrab Vergaser: GSX-R 1100 mit Dynojet-Kit Luftfilter: K&N Duplex Auspuff: GSX-R 1100 mit Street Machines-Zwischenrohr und BSM-Dämpfer Rahmen/Heckrahmen: Spondon Schwinge: Spondon Federbein/Umlenkung: Öhlins Gabel: Suzuki GSX-R 1100 mit Covern Gabelbrücken: Sonderanfertigung Räder: PVM, 3,5“x17“ vorn, 6“x17“ hinten Bereifung: 120/70 ZR17 vorn, 200/50 ZR17 hinten
Lenker: Dragbar Bremsen: GSX-R 1100 W vorn, Brembo hinten Fußrastenanlage: Lucas Tank: Spondon, modifiziert Scheinwerfer: CNC Höcker: Martek-Style Kotflügel: Street Machines

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Martek 1200 Turbo
Martek 1200 Turbo
Blut und Eisen

Markus steht auf Motorräder – da gibt´s mal nichts dran zu rütteln. Bedingt durch diesen nicht kurierbaren Befall von Kradseuche, hatte er inzwischen wohl schon mehr Zweiräder und Exoten zwischen den Schenkeln als Dolly Buster lange, schwarze Alabasterprengel im Mund.

Per glücklichem Zufall fand sich eines Tages eine Martek mit GSX-R Herz. Verschraubt, als wäre Stevie Wonder Werkstattmeister gewesen mit der Laufkultur einer Rüttelplatte – und genauso leistungsarm. Dennoch fuhr Markus das Gefährt eine Zeit lang im desolaten Kaufzustand, besuchte diverse Treffen und verrauchte einige Reifen. An einem verregneten Abend saß er wie gewohnt vor dem PC, und wurde nach dem Lesen der elektronischen Tagespost mit all ihren Fickelfilmchen und Juxmails von der Langeweile übermannt. Linderung fand er bei Google durch das unkoordinierte Eingeben von willkürlichen Suchbegriffen mit fatalen Folgen. „Turbo“ und „GSX-R“ ergaben zusammen in das harmlose Suchfeld eingetragen nach Absendung der Abfrage das initiale Ergebnis: Das Video einer abgasgeladenen Gixxer mit imposanten Fahraufnahmen. Heilige Scheiße – her damit! Die drei Minuten im MPEG-Format veränderten Markus Weltanschauung nachhaltig und unheilbar.

Power to the Erbauer

Der ausgelutschte Antriebsstrang der Martek war für den Zweck jedoch nicht mehr zu gebrauchen - und so wurde der Einfach- und Haltbarkeit zur Liebe kurzfristig ein fabrikneuer Banditmotor organisiert. Nachdem die Aufladungsarbeiten im groben fertig waren, begann Markus mit dem Umbau des Fahrwerks. Unterstützung fand er dabei dankenswerter Weise bei seinem Bruder Michel, der neben Know-How und Handwerkskunst auch die nötige Ur-Ruhe mitbrachte, um das Projekt sauber wachsen und reifen zu lassen.

Make Tea, not love

Zwischenzeitlich ging die Ruhe jedoch zum Teufel und die beiden Brüder sich im Streit wiederholt an die Wäsche, wenn Uneinigkeit über Lösungen und Details bestand. Fliegende Schraubenschlüssel und lautes Gefluche machten aus den freundlichen Gesichtern Hasskappen und drohten mehrmals das ganze Vorhaben zum Scheitern zu bringen. Vorbeigehende Passanten hielten ihren Bälgern mit hochrotem Kopf die Ohren zu und selbst Straßenköter trauten sich nicht an das Garagentor zu pinkeln angesichts des heraus dringenden Radaus. Blut ist jedoch dicker als Rhabarbersaft, so daß sich die Zwei nach ein paar kräftigen Gefechten doch wieder zu Friedensverhandlungen an der Werkbank einfanden und weiter machten. Nach insgesamt flockigen 400 Stunden Arbeit und gut 100 Stunden Zoff waren alle Buchsen und Halter gefräst, der Tank umgeschweißt, das Fahrwerk erstellt und montiert, sowie das Heck gestrickt.

Finale Grande

Abschließend ging es zum noch TÜV-Termin auf die extra angemietete Teststrecke im ostfriesichen Tief-Land. Nach dessen Abschluß hätte der Prüfer fast unwissentlich sein Leben vorzeitig ausgehaucht, nachdem er Helm und Handschuhe mit Schleifnieten auf den frisch lackierten Tank knallte. Lediglich die Tatsache des noch ausstehenden Stempels vermochte seine Gattin vorm Schicksal des Alleinerziehertums bewahren.

TECHNISCHE DATEN Marke/Modell/Bj.: MARTEK TURBO 2002 Erbauer: MICHAEL UND MARKUS Motor: SUZUKI GSF 1200 modifiziert Ölkühler: SUZUKI Vergaser: MODIFIZIERT Luftfilter: K+N AM LADER Rahmen: MARTEK Heckrahmen: EIGENBAU Hinterradschwinge: MARTEK Federbein: BITURBO Gabel: GSXR 750/K4 OPTIMIERT SCHWARZ NITIERT Gabelbrücken: BKG SONDERANFERTIGUNG Räder: BRAKING
vorn: 3,50-17
hinten: 6,00-17 Bereifung: MICHELIN PILOT POWER
vorn: 120/70-17
hinten: 180/55-17 Bremsen:
vorn: BRAKING 3200MM WAVE ABM VIERKOLBEN RADIAL
hinten: BRAKING 230MM 1 KOLBEN BREMBO Fußrastenanlage: Lucas Tank: MARTEK MIT HAFER ALU TANKDECKEL Verkleidung/Maske/Scheinwerfer: INFINITY HALTER GSG Kotflügel: EIGENBAU Armaturen: ABM-RADIAL Instrumente: MOTOGADGET

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Moto Martin 1216
Moto Martin 1216
Alterserscheinung

„Mit jedem Jahr, das ich älter werde, werden die Umbauten extremer und die Sache mit dem TÜV immer unwichtiger.“

Wir sind natürlich tief erschüttert und können diese Aussage von Ulf gar nicht gutheißen – aber wo er Recht hat, hat er Recht. Ulf gehört dieses Sahnestück von Martin, das er in mühevoller und zeitaufwendiger Klein- und Großarbeit über die Jahre hat reifen lassen.

Black and White

Natürlich ist die Schwarz-weisse Schönheit nicht Ulfs Erstlingswerk. Er fährt und schraubt sich bereits seit Jahrzehnten durch den Hamburger Raum und hat dabei schon einige Etappen hinter sich. Nach anfänglichen Eskapaden auf verkleideten Rennpferden brachte er diese Gattung Mitte der Neunziger endgültig zur Abdeckerei und machte sich auf die Suche nach Ersatz für die vollverschalten Racer. Anfangs wußte er nicht so recht wohin mit sich und dem Geraffel. Verkleidungslos sollte es schon sein, aber die seinerzeit angebotenen Nakedbikes entsprachen mit ihrem pummeligen Auftritt kaum seinen Vorstellungen. Daß Dicke unbekleidet nicht jedermanns Sache sind, weiß man spätestens nachdem man mit Dirk Bach in der Sauna war.

Bausparkasse

Wenn sich nichts Passendes sowie Fertiges findet, muß man es eben bauen. Und als Ulf dann auch noch eines der ersten Fighters-Magazine in die öligen Finger bekam, war die Birne geschält und der Weg bestimmt. Vornehmlich mit den üblichen Verdächtigen trieb er die kommenden Jahre seine wilden Spiele. Reihenweise verloren Gixxer ihre Plastikmäntel und bekamen im Gegenzug immer breitere Räder mit immer wuchtigeren Reifen spendiert, gerne auch mal auf Einarmschwingen. Mit der Zeit verlor diese Spezies aber mehr und mehr an Attraktivität für Ulf, der sich nach exklusiverem Material sehnte. Dabei spielten weniger pseudoelitäre Gedankengänge die erste Geige, als vielmehr pragmatische Beweggründe. Alleine die Seltenheit und die altersbedingten Möglichkeiten in Sachen Zulassung der ins Visier genommenen Arten, waren Grund genug hier aufzusatteln.

Zentralorgan

Zentralrohrrahmen waren Ulf nicht filigran genug. So sondierte er das Angebot an Gitterrohrkonstrukten und schoß sich recht fix auf französisches Material von Martin ein. Unerfreulicherweise erwies sich die Jagd auf brauchbares und bezahlbares Gerät dieser Marke als nicht ganz einfach. Das Erlegen von kopffüßigen Kellerasseln in der Nordmole von Waikikki ist dagegen der reinste Abendspaziergang. Als Ulf dann auch noch nach etwa einem Jahr Suche ein gutes Angebot durch die Lappen ging, wurde das Vorhaben erst einmal wieder ad Acta gelegt...

Zwangspause

... bis sich zwei Lenze später an gleicher Stelle erneut ein scheues Reh auf der Böschung zeigte. Diesmal zögerte Ulf nicht lange, griff zur ganz großen Kelle, trat aus dem Wald und semmelte dem französischen Paarhufer eins mit der EC-Karte über. Den erlegten Torso warf Ulf in den Laster und brachte ihn ins heimische Schlachthaus. Zu zerlegen gab es an dem Kadaver aber nicht viel, denn außer dem Rahmen selber gehörte so gut wie nichts zum Kaufumfang. Das war Ulf aber nur recht, denn was die Komponentenwahl anging, hatte er ganz konkrete Vorstellungen. Und genau die wurden ihm noch zum Verhängnis und zögerten die Fertigstellung ein ums andere Mal heraus. Ulf kümmerte sich nämlich einen Scheiß darum, ob die erwählten Brocken an den Rahmen paßten, sondern legte nur Wert darauf, daß sie ihm gefielen. Man muß nicht viel Vorstellungskraft besitzen, um sich auszumalen, was für ein Akt es alleine war, die 200er Pelle auf der sechszölligen Felge mittig in den Rahmen zu spannen, der ursprünglich für einen 130er konzipiert wurde. Die ZRX Schwinge war da auch keine große Hilfe, denn ihre Montage war ebenfalls alles andere als eine Wurfpassung.

Wiedervereinigung

So wurde Teil um Teil umgeschweißt, modifiziert oder auch auf Links gedreht, bis sich so etwas wie ein Motorrad abzeichnete. Als Triebwerk verpflichtete der Hanseat einen Banditmotor, der aber vor dem Einbau noch ins Fitneßstudio mußte. 1216ccm, eine Kopfüberarbeitung sowie feinjustierte Steuerzeiten plus Yoshimura-Nockenwellen und RS-Vergaser helfen dem Vierzylinder mächtig aus dem Quark und sorgen für erbaulichen Schub.

Tankstelle

Etwas oberhalb dieser Baustelle kristallisierte sich eines der Hauptprobleme des Aufbaus heraus: das Spritfaß. Ein ansehnlicher Kandidat war nicht zu finden oder preislich in Regionen einer Nacht mit den New York Giants im führenden Blow-Job Bunker der Stadt – Schampus inklusive. Hier kehrte Ulf dann zu seinen umbauerischen Wurzeln zurück und verdingte den Benzinbehälter einer GSX-R 1100 W, der natürlich beim ersten Anhalten kein Stück paßte. Verantwortlich für das Ungemach war die Unterseite der Blechblase, welche mittels mehrerer kastenförmiger Geschwüre das Volumen opulent hält. Diese Auswüchse sahen nicht nur völlig dämlich aus, sondern gingen auch mit Vergasern und Zylinderkopf des Bandit-Herzens auf Kollisionskurs.

Fundamental

Ulf schnitt der Blechblase kurzerhand den gesamten Boden vom Leib und fertigte einen neuen planen an, der nicht nur optisch einiges an Pluspunkten brachte, sondern auch für genügend Freiraum zum Kraftwerk sorgt. Den seitlichen Abschluß zum Rahmen übernehmen im vorderen Bereich eigens angefertigte Blechstreifen. Alternativ wäre auch eine Tankverbreiterung des Behälters in Frage gekommen, den Ansatz verwarf Ulf aber bereits im ersten Planungsstadium, da er die gewonnene schlanke Linie nicht wieder verlieren wollte. Nachdem abschließend die Ducatigabel nebst Eigenbaucovern montiert und mit LSL-Lenkereien versehen war, ging es ans farbliche Finish des Rohwerks. Ulf entschied sich für weiße Lackteile und verpaßte dem normalerweise in blinkendem Nickel erstrahlenden Rahmen einen Pulverüberzug in matter Shrinkle-Optik. Inzwischen hat das Gesamtwerk auch den Segen des TÜVs bekommen, auch wenn Ulf das gar nicht mehr so wichtig ist, wie wir ja aus seinem Eingangsstatement wissen. „Aber schaden tut´s auch nicht“.

TECHNISCHE DATEN Marke/Modell/Bj.: Moto Martin Bj.85 Erbauer: Ulf Jacobsen Motor: Bandit 1216er Wiseco, modifizierter Zylinderkopf, erhöhte Verdichtung, feinjustierte Yoshimura-Nockenwellen mit verstellbaren Rädern Ölkühler: RACIMEX mit Flexleitungen Vergaser: Mikuni Flachschieber RS 38 Luftfilter: K&N Krümmer/Auspuff: Speed Products, Ixil X-treme Rahmen: Martin GSX 1100 E, gecleant und modifiziert, Eigenbaumotorhalteplatten, Umbau auf schraubbaren Heckrahmen Heckrahmen: Eigenbau Alu, schraubbar Schwinge: ZRX 1200 modifiziert und verstärkt für Cantilever-Anlenkung Federbein/Umlenkung: WP modifiziert Gabel: Ducati Monster mit Eigenbau-Covern Gabelbrücken: GSX-R 1000 Räder: Yamaha R1 modifiziert
vorn:3,5x17
hinten:6x17 Bereifung: Metzeler Sportec
vorn: 120/70ZR17
hinten: 200/50ZR17 Lenker/Riser: LSL Sport Match Bremsen:
vorn: R1/ZX12 R
hinten: R1/GSXR 1000 Fußrastenanlage: Rairotec, schwarz eloxiert Tank: GSX-R 1100 W, modfiziert Maske/Scheinwerfer: Yamaha MT03, Halter Eigenbau Höcker/Sitzbank: Big Shorty, Sitzkissen Krokodilleder Kotflügel: Eigenbau Bugspoiler: Motorbike Armaturen/Schalter/E-BOX: Bandit 1200 Instrumente/Anzeigen: Fahrradtacho Lackierung: Weiß, matt Sonstiges: 520er Racingkette, Kettenrad Einzelanfertigung, kurz übersetzt

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Mortagua #8
Mortagua #8
Status Quo vadis

Eine der elementaren Eigenschaften unseres Tätigkeitsfeldes ist der Umstand, dass wir täglich und notorisch mit krankem Scheiß zu tun haben. Dadurch verschiebt sich das, was man als "normal" empfindet elementar. Denn Normalität ist unterm Strich nichts weiter als der Durchschnitt des Erlebten. Was Klapphelmfahrer dazu bringt die GSG-9 anzurufen und einen Sondereinsatz auszulösen, ist für uns Alltag.

Das ist nicht nur bei uns so. Für Boxer ist es völlig normal, ihrem Gegenüber die Kauleiste zu massieren, für Juweliere ist der Umgang mit Diamanten nichts Besonderes und Urologen empfinden es als die normalste Sache der Welt, Mitmenschen an die unrasierten Klöten zu packen. Der Auslösereiz, der nötig wird, um jemanden innerhalb seines jeweiligen Refugiums aus der Reserve zu locken oder in Erstaunen zu versetzen, muss folgerichtig um ein Vielfaches größer ausfallen, als bei Menschen außerhalb der Sphäre.

Die Fischerchöre

Es braucht deshalb schon einiges, damit uns das Monokel von der Nase taumelt. Das ist ganz normal, wenn du in fast 20 Jahren Vollzeittätigkeit schon so ziemlich alles gesehen hast, was mit zwei hintereinander angeordneten Rädern machbar ist. Es gibt da jedoch einen Portugiesen, der es jedes Mal schafft, durch das bloße Zusenden von Bildern der Resultate seiner letzten Kopfgeburten eine chorales "Holy motherfucking Shit" in den Redaktionsräumen erschallen zu lassen.

Space-Koks

Der gelernte Glaser mit dem unglaublichen Gespür für Formen und Farben schafft es jedes mal aufs neue, sich ganz dicht an den Ereignishorizont des bekannten Schrauberuniversums heranzuschrauben und die Binsenweisheit, man könne das Rad nicht neu erfinden, ad absurdum zu führen. Ich habe keine Ahnung, welche Drogen er sich unters Frühstücksmüsli rührt, aber ich will da auch was von.

Labsal

Sind die Kisten alleine in optische Hinsicht Skulpturen, vor die du dich stundenlang hinhocken kannst um wenigstens einen Bruchteil ihrer Ausstrahlung und Formensprache zu erhaschen, wird die Nummer um eine weitere Potenz eindrucksvoller, wenn man a) mal die Ludolpheske Werkstätte gesehen hat, in der die Mopeten in Ein-Mann-Handarbeit entstehen und sich b) vor Augen hält, dass der Lümmel die Kisten ganz normal im Alltagsbetrieb durch die Gegend kutschiert – und das alles andere als schonend.

Deutschland, deine Schubladenkinder

Unweigerlich lösen seine Kreationen die ewig-eintönige "Kein-TÜV-nicht-fahrbar" Winsel-Sonate aus, geboren aus einer Mischung von Neid, Missgunst und der Erkenntnis der eigenen Unfähigkeit der Interpreten. Angestimmt von den ewig kleingeistigen urdeutschen Schubladoholikern. Aber wen interessiert das schon?! Zum Glück ist der Tellerrand dieser Engstirnigen und Kleinkarierten nicht das Ende der Welt, sondern nur das ihres eigenen geistigen Horizonts. Also drauf geschissen!

Basejumping

Wie gehabt, hat sich Mister Mortagua wieder eine ölige Suzuki als Basis gegriffen – allerdings nicht mehr als den Motor übrig gelassen – und selbst der ist rundherum neu verdeckelt und umgemuddelt worden. Auf gekauftes Zubehör verzichtet der sympathische Bengel sowieso grundsätzlich – so auch bei seiner neuesten Schöpfung. Und wie immer hat er insbesondere in Sachen Radführung erneut konstruktiv auf begnadete Art Weise mit dem Vorschlaghammer auf die Sahne geklopft.

Rahmenlos durch die Nacht

Einen klassischen Rahmen hat die Fuhre nicht. Vielmehr besteht ihr Tragwerk aus einem Profil-Rückgrad, einem Heckausleger sowie zwei Formteilen, welche die Zylinder umfassend die Unterzüge ersetzen. Der Motor ist mittragend montiert. Vorne führt ein Achsschenkel das sechs-speichige Rad. Über eine Schubstange werden Lenkimpulse eingesteuert, die von einem zusätzlichen Dämpfer werden. Gefedert wird über ein vor dem Motor stehendes Zentralfederbein. Träger, Schenkel und Anlenkung sind Eigenentwicklung – logisch, wo will man so etwas auch kaufen?

Hintenrum

Extrem Tricky fällt auch die hintere Schwinge aus. Man muss schon sehr genau hinsehen, um die Sache zu durchblicken. Denn auf den ersten Blick scheint das Rad keinerlei Verbindung zum Rahmen zu haben und nur von der Kette gehalten zu werden. Das ist natürlich eine, durchaus gewollte Täuschung. Tatsächlich sitzt die Felge auf einem Boomerang-Träger, der sich an je einem Arm ober- und unterhalb des Achsniveaus abstützt. Diese Ausleger sind wiederum am Rahmen drehend gelagert, so dass ein bewegliches Parallelogramm mit stabiler Längsführung entsteht. Bewegungsausgleich und Dämpfung übernehmen zwei Federbeine zwischen unterem Arm und Rahmen. Da der Radträger zwischen Felge und Kettenrad (von dem er auch noch verdeckt wird) steckt sowie schwarz lackiert ist und leicht für eine Radspeiche gehalten werden kann, erscheint das Rad freischwebend.

Tubular Bells

Den für diese Lösung notwendigen Heckrahmen hat der Normalitätsallergiker aus dicken Rohren gezimmert, deren Flankenbereiche durch eine Quertraverse miteinander verbunden sind. Das sich darüber befindliche runde Fass mit der Seitenverglasung (an dieser Stelle konnte Mortagua endlich mal seinen Lehrberuf durchblitzen lassen) ist übrigens kein Aquarium, damit er Dieter (sein bengalischer Zwerg-Killerkarpfen) mit auf Tour nehmen kann – nein, das ist der Sprittank.

Industriegebiete

Der übliche Platz für die Oktansuppe war bereits vom Rahmenrückgrad belegt, so dass die Verlegung notwendig wurde. Problem an der Sache: Da wo der Tank nun sitzt, residieren eigentlich die Vergaser. Die wurden kurzerhand eine Etage höher angesiedelt und verpassen dem Fahrer bei demontierter Abdeckung einen vierfach Blowjob. Loses Kleingeld ist vor Fahrtantritt besser aus den vorderen Taschen zu entnehmen.

Wer sich lieber einen pusten statt blasen lässt, kann sich an den vier Auspuffrohren verdingen. Diese ragen – Mortagua-typisch – im extremen Salami-Cut seitlich an den Zylindern vorbei ins Freie wo sie ihrer Umgebung die Flötentöne beibringen. Normal ist das alles auf jeden Fall nicht. Und ich möchte lauthals und wild ejakulierend anfügen: Gott sei Dank!

Bilder: by Mortagua

Technische Daten:

Erbauer: Carlos Rodrigues
Rahmen: Eigenbau mit Profil-Armen
Heckrahmen: geschraubt, Eigenbau
Schwinge: Parallelogramm Einarmschwinge Eigenbau
Gabel: Achsschenkellenkung, Eigenbau
Motor: GSX-R 1100, modifiziert
Vergaser: Mikuni Gleichdruck, versetzt, auf Eigenbau Ansaugbrücke
Tank: Eigenbau
Aufpuff: Vier in nichts Eigenbau

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RAU Vmax
RAU Vmax
Seven of Nine

Spätesten seit das Raumschiff Voyager im Star Treck-Universum unterwegs war, wissen wir, dass humanoide Borg-Drohnen mit großen Hupen eine äußerst ansehnliche und nicht weniger seltene Sache sind. Aber El Barto beherbergt etwas in seiner Garage das noch einmal eine ganze Nummer geiler und beträchtlich rarer ist.

Nicht "Seven of Nine", sondern "One of Five" wäre der mathematisch korrekte Terminus für diese Rau mit VMax-Warp-Kern, denn es wurden gerade einmal fünf dieser Rahmen für den ungewöhnlichen Antrieb gebaut. Laut Els Nachforschungen ist einer der fünf inzwischen nicht mehr existent, ein zweiter befindet sich in seinem Bekanntenkreis im Aufbau und die anderen zwei sind im sequenziellen Einsatz. Die Wahrscheinlichkeit, einmal auf ein Schwestermodell im Straßenverkehr zu stoßen, ist damit geringer als einem dreiköpfigen Alien an der Wursttheke bei Tengelmann zu begegnen.

Logbuch des Captains

Los ging die Geschichte an einem gewöhnlichen Tag anno 2008. El saß am Schreibtisch, den Computer vor und ein eiskaltes Sixpack neben bzw. teilweise in sich. In einem nicht ganz unbekannten Onlineauktionshaus stieß er auf die Fragmente der Rau, die sich im Stadium eines Rolling-Chassis befanden und vom Vorbesitzer in die Freiheit entlassen werden sollten. Nachdem der Rest der sechs kleinen Flaschen-Freunde verhaftet war, hatte El den richtigen Pegel um mit einem Tastendruck seinem Kaufinteresse Nachdruck zu verleihen. Ein kleiner Klick für die Maus, ein großer Schritt für El - denn der war ab diesem binären Impuls Eigner einer Rau-Max.

Mission Farpoint

Ein paar Wochen später holte El die Baustelle nach Hause und begann mit der Bestandsaufnahme. Erste Zweifel an der Bestimmung des angefangenen Aufbaus kamen auf als er feststellen musste, dass sich keinerlei elektrische Komponenten am Gerippe befanden - und auch offensichtlich nirgends Platz dafür vorgesehen war. Scheinbar wollte der Voreigner den Vierer im Zentralrohrrahmen im Wohnzimmer deponieren und nicht auf der Straße bewegen. Egal, "so ein bisschen Elektrik kann ja nicht so schlimm sein" dachte sich El, der in Sachen Kradumbau alles andere als unbeleckt war und machte sich ans Werk.

Das unentdeckte Land

Rückblickend musste El seine Einschätzung wieder revidieren. "So ein bisschen Elektrik" kann eben doch schlimm sein. Sogar sehr schlimm. Und so verschlang die Verkabelung des Monstrums deutlich mehr Zeit als eingeplant war. Ebenfalls mit vollständiger Abwesenheit glänzte die Gemischaufbereitung des Motors. Von Vergasern keine Spur, dafür aber eine Eintragung in den Papieren, welche die legale Verwendung von hochkarätigen TDMR-Fallstromflachschiebervergasern erlaubte. Und da die Juwelen schon einmal in den Papieren standen, wollte El der Sache auch in der Praxis gerecht werden und besorgte sich einen Satz der gespreizt angeordneten, mechanischen Gemischfabriken.

Nemesis

Eine Auspuffanlage befand sich zwar bereits beim Kauf schon am Moped, deren Endtöpfe waren aber zu groß, viel zu laut, deutlich zu schwer und sahen drastisch zu Scheiße aus. Nach ihrer Amputation montierte El einen Satz schlanker Shark-Tröten, die sich elegant an den Höcker schmiegen. Ein paar Zentimeter weiter unten versieht die wohl ansehnlichste Kardanschwinge des bekannten Universums ihren Dienst. Ein mächtiger Brocken Leichtmetall wurde zum einarmigen Radhalter umgeformt, in dessen Corpus eine Welle die erzeugte Motorkraft an das Hinterrad weiter gibt. Die Federung übernimmt ein direkt angelenktes Wilbers-Federbein, welches extra für diesen Job hergestellt wurde.

Der Fluch des Khan

Weiter vorne unterstützt eine Upside down-Gabel das Kaschieren von Fahrbahnunebenheiten und sorgt dafür, dass die Fuhre deutlich besser fährt als es ihr Stammbaum auf den ersten Blick vermuten lässt. Sicher, beim Rangieren machen sich die üppigen Dimensionen und nicht unbedeutenden Massen bemerkbar, ist aber einmal der Bereich der Schrittgeschwindigkeit verlassen, wird das Fahrzeug erstaunlich agil und taugt sogar dazu, sportliche Straßenfeger modernster Machart in ihre Schranken zu weisen. Dabei hilft die bärige Kraftentfaltung des Vau-Vier engagiert mit und sorgt dafür, dass zu jedem Zeitpunkt und bei jeder Drehzahl mehr als ausreichend verwertbare Leistung am Pneu zerrt. Das einzige Problem, welches El mit der Rau-VMax plagen dürfte, ist die Tatsache, dass etwas noch exklusiveres zu finden kaum noch möglich sein wird. Es sei denn, er stößt im Supermarkt doch noch mal auf Seven of Nine.

TECHNISCHE DATEN
Marke/Modell: RAU-Max
Erbauer: El Barto
Motor: VMax
Wasserkühler: PSS-RAU
Vergaser: TDMR 40 Flachschieber
Luftfilter: K&N
Krümmer/Auspuff: MAB Krümmer mit Shark Track Carbontöpfen
Rahmen: RAU VMax Zentrahlrohrrahmen
Schwinge: BBR-Einarm mit Kardan
Federbein: Wilbers
Gabel: USD
Gabelbrücken: PSS-RAU gefräst und eloxiert
Räder:
vorn: 3,5x17
hinten: 6,0x17
Bereifung:
vorn: 120-70ZR17
hinten: 190-55ZR17
Lenker/Riser: LSL eloxiert
Bremsen:
vorn: Brembo
hinten: Brembo
Fußrastenanlage: MFW eloxiert
Tank: PSS-RAU Alutank mit angepaßten VMax Lufthutzen
Scheinwerfer: Zubehör
Höcker/Sitzbank: Angepaßter R6 Höcker mit R1 LED Rücklicht
Kotflügel: Zubehör
Kühlerblende: RAU
Armaturen/Schalter/E-BOX: WMD Box mit eloxierten WMD Tastern
Instrumente/Anzeigen: Motogadget
Lackierung: freundliches Schwarz

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Spondon R1
Spondon R1
Der Tanker

So ein Tank ist grundsätzlich eine feine Sache. Man kann astrein Sprit reinmachen, ihn prima lackieren, und als Bindeglied zwischen Lenkkopf und Sitzbank macht er auch eine gute Figur. So ein Tank kann aber auch schnell Quelle und Ursprung für ungeahnte Aggressionen, cholerische Wutausbrüche und strafrechtlich bedenkliche Gedankengänge sein. Michael kennt da was von und war kurz davor sich "Ich töte für Tanks" groß auf den Rücken tätowieren zu lassen.

Triebstoff

Dabei hatte Michis Spritbehälter noch nicht einmal rumgezickt oder durch üble Passform auf sich aufmerksam gemacht, sondern startete seine unpflegliche Karriere durch bloße Abwesenheit. Im Falle eines Großserienmopeds leicht mit einem kleinen dreistelligen Betrag zu korrigieren, sieht die Sache bei einem Sonderfahrwerk anglophiler Herkunft schon anders aus. Ursprünglich hatte Michael zu Beginn der Geschichte ja einen Tank. Um diesen herum spannte sich sogar ein komplettes, bestens funktionierendes Motorrad vom Typus Yamaha R1, das dazu noch super lief. Die Welt hätte so schön sein können, wenn nicht Michaels komplett mit Unvernunft kontaminierter Bruder eines Tages mit einem spontan erworbenen Alugeflecht auf den Hof gekommen wäre. "Hier hast Du, bau' was draus!", waren die kargen Worte zum anspruchsvollen Unterfangen. Genauso gut hätte er auch eine Handvoll Kabel auf die Werkbank pfeffern können mit dem lapidaren Auftrag, daraus einen Fluxkompensator zu löten.

Leicht gesagt

Mit der unerträglichen Leichtigkeit des Seins sowie zwei handwerklich überaus begabten Händen ausgestattet, zuckte Michael jedoch keine Sekunde, sondern nahm das Spondon-Fahrwerk mit einem quittierenden "Okay, mach ich" entgegen. Reden ist Silber, Schrauben ist Gold. Dummerweise gebrach es dem Basismaterial jedoch an eingangs angesprochenem Spritbehälter. Der Vorbesitzer hatte ihn auf Grund einer kleinen Beule dem Altmetall übergeben und wurde dafür hoffentlich mit Sackhaarausfall, Zahnfleischbluten und zehn Wochen wässrigem Spritz-Durchfall bestraft. Vermutlich der Typus Mensch, der auch PKWs wegen vollen Aschenbechern aussortiert. O tempora, o mores!

Schwarzmaler

Während Michael begann, die R1 komplett zu zerlegen, gab er schon mal die Herstellung eines alternativen Leichtmetall-Tanks in Auftrag. Das Rohrfahrwerk unterzog er währenddessen einer ausführlichen Schwarzarbeit - zumindest in farblicher Hinsicht. "Schon aus Prinzip, weil alle anderen ihren Rahmen polieren", musste der metallische Glanz einem Überzug weichen, der dunkler ist als der Blick ins Arschloch eines nachtaktiven Schwarzbären während einer Mondfinsternis - mit innen verspiegelter Sonnenbrille auf der Nase. Neben der individualisierenden Komponente sprach auch der insgesamt deutlich dezentere Auftritt für diese gestalterische Gangart. Ohne die blinkenden Aluschlangen ist die Spondon nicht mehr so offensichtlich als solche erkennbar und verströmt ein angenehm riechendes Understatement.

Nudelsieb

Nach der ungemein kurzen (zumindest wenn man überlegt, wie lange der Halleysche Komet für einen Zyklus braucht) Wartezeit von einem Jahr war dann doch "schon" der bestellte Tank da. "Was lange währt, wird endlich gut", ist zwar ein netter Gedanke, in diesem Fall trifft "lang vermisst, schnell gefüllt und dolle pißt" die Sache eher. Das Formteil zeigte sich löchriger als das Nudelsieb von Anatolis Pasta-Puff und konnte den teuren Lebenssaft ebenso wenig bei sich behalten wie die Kandidatinnen von Germanys next Flop-Model ihr Mittagessen. Nur, dass Michael dem Tank dafür nicht mal den Finger in den Hals stecken musste. Die leichtmetallische Drecksau verteilet das gute Super Plus einfach so unbeauftragt über Rahmen und Motor. Also wieder runter mit dem Teil und zurück damit zum Nacharbeiten.

Amok-Gelüste

Mittlerweile hatte Michael die widerspenstige Gabel unter Mithilfe von BKG in den Lenkkopf bekommen und sich der Peripherie des Motors gewidmet. Der Luftfilterkasten wollte in seiner ursprünglichen Form nicht mitspielen und musste entsprechend geändert werden. Nicht ganz unproblematisch zeigte sich auch die Elektronik, da alleine der Umbau auf einen Zubehörtacho die Wegfahrsperre stinkig machte und diese sich vehement dem Fahrdrang des Eigners entgegen stellte. Nach ein paar tiefgreifenden Änderungen war auch die Nummer abgefrühstückt, und der Bau ging in die finale Phase. Das war nach inzwischen fast drei Jahren auch bitter nötig, denn Michael stand kurz davor in psychologische Behandlung überantwortet zu werden. Als Vollblutkradler machte ihn die abstinente Zeit mächtig zu schaffen und überschritt langsam den Grad, ab welchem man bereit ist Geiseln zu nehmen.

Final Countdown

Nach einer ganzen Reihe von Anläufen und Ausläufen sollte nun alles gut sein. Der Tank war nachgearbeitet und versiegelt, der Termin zur TÜV-Abnahme in greifbarer Nähe und der Sommer klopfte erneut an die Garagentür. Blöderweise war das dem Spritfass aber scheißegal und es zeigte sich auch nach drei Jahren nicht wirklich kooperativ. Michael hatte inzwischen die Schnauze gestrichen voll und sich einen neuen Behälter geordert. Sollte demnächst etwas von "Tankerunglücken" in der Bild zu lesen sein, so wird sich hinter der Schlagzeile wohl Michaels Reaktion auf das nächste Debakel verstecken. Kann man nur hoffen, dass er dann keinen Zugang zu scharfen Waffen hat. Amokläufe sind schon aus weit geringeren Anlässen erwachsen.

TECHNISCHE DATEN
Marke/Modell/Bj.: Spondon R1, BJ 2006
Erbauer: Michael
Motor: Yamaha R1 RN 12
Luftfilter: Serie modifiziert
Krümmer/Auspuff: Krümmer Serie geändert und Auspuff Eigenbau
Rahmen: Spondon
Heckrahmen: Eigenbau
Schwinge: Spondon
Federbein/Umlenkung: Federbein Wilbers, Umlenkung Serie
Gabel: Serie mit Gabelcover
Gabelbrücken: BKG
Räder: Braking
vorn: 3,5 x 17
hinten: 6.00 x 17
Bereifung: Michelin Pilot Power
vorn: 120/70ZR17
hinten: 190/50ZR17

Lenker/Riser: Lenker ABM
Bremsen: Serie mit Stahlflex schwarz ummantelt
Fußrastenanlage: Gilles
Tank: Eigenbau aus Aluminium
Scheinwerfer: Zubehör
Höcker/Sitzbank: Höcker MGM HE999, Sitzbank Eigenbau
Kotflügel: MGM für R1
Instrumente/Anzeigen: Acewell mit Wegfahrsperre
Lackierung: Rahmen schwarz seidenmatt und Lacksatz schwarz glänzend mit Spondon-Schriftzug
Sonstiges: Rizoma-Griffe, Kellermann-Blinker, Rizoma-Kennzeichenhalter und Lenkerendenspiegel

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