Katana 750

Katana 750

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Old Stuhl

Unverhofft kommt oft. Spanne war schon lange auf der Suche nach so richtig altem Scheiß. "Meine Knicker war ja nun auch nicht gerade neumodisch, aber ich wollte etwas noch älteres" fasst er sein Vorhaben rückblickend zusammen. Und nachdem sich spontan eine Gelegenheit bot, packte er diese am Schopf, sein Konto bei der EC-Karte und das Eis am Stiel.

Anno 2005 brachte ein verzweifelter Mensch die sterblichen Überreste einer 750er Katana zu Spanne in dessen Halle. Weitestgehend original, aber in das üble Gewand der eher zweifelhaft schönen Speer-Plastik gehüllt, sollte ihr Leben eingehaucht und der Fehlerteufel ausgetrieben werden. Nach der Bestandsaufnahme blieb jedoch nur die letzte Ölung mit gebrauchtem 20W50. Es funktionierte einfach nichts. Motor platt, Rahmen verrostet, Elektrik marode, alle Versch(l)eißteile fratze und das Ganze dann eben auch noch ansehnlich wie Costa Cordalis nach dem Abschminken.

Reh-Cycling, Hirsche wieder flott machen

Den Weg in die Schrottpresse wendete Spanne durch den spontanen Mitleids-Aufkauf der rollenden Mülldeponie ab und erklärte sie Ruine zur Basis des angesponnenen Unterfangens. Was Form und Ausführung des Umbaus anging, hatte er schon recht konkrete Vorstellungen und mit Freund Zufall auch einen mächtigen und willigen Verbündeten. Dieser spielte ihm denn auch gleich einen Satz hübsche Fischer-Felgen in die schmierigen Schrauberhände - praktischerweise gleich mitsamt passender Bereifung. Das ging ja gut los.

Rhein damit zwischen Weser und Elbe

Der Einbau der runden Schätzchen zeigte sich jedoch weit entfernt von Plug and Play. Ursprünglich erschaffen, um die dünnen Achsen des 80er-Jahre-Fahrwerks in die Lager zu nehmen, stießen die Narben schnell auf die harte Realität von Spannes Umbaumaßnahmen. Dieser hatte nämlich inzwischen die Gabel einer Hayabusa in den Lenkkopf der GSX gesteckt und wollte partout nicht auf deren dicke Hohlachse verzichten. Nach diplomatischen Verhandlungen an der Drehbank und zerspanender Intervention passten die Rotatoren dann schlussendlich.

Mach dich lang

Wer lang hat soll auch lang schwingen lassen. Nach einem prüfenden Griff ins Gemächte entschied Spanne deshalb, dass nur eine Einheit in Übergröße angemessen das Hinterrad führen konnte. Nahe Münster ließ er sich deshalb eine GSX-R Schwinge entsprechend umwerkeln. Neben der Monate von Verlängerungen mitsamt stattlichen Führungsschlitten wurde auch gleich der Umlenkungsmumpitz entfernt und Aufnahmen für Stereofederbeine angebraten. Auf die wollte Spanne aufgrund der klassischen Optik keinesfalls verzichten. Wohl aber auf das labberige Gewabbel der originalen Einheiten. Handfesten Ersatz fand er bei White Power. Hier fertigte man passende Stücke nach seinen Vorgaben, so dass weder Fahrverhalten noch Komfort unter dem langen Hebelarm zu leiden haben. Der Arsch fährt eben mit.

Motorschlachtfest

Eine der ersten Stationen nach Fertigstellung war das jährliche Pflichtexerzieren auf dem Kasernenhof in Wulften. Den wiederholten, rauchenden Stechschritt quittierte der Motor jedoch wenig erfreulich mit beleidigtem Ableben. Die Heimfahrt musste das Feuerschwert in Folge als Passagier antreten. Nun ist so ein Triebwerkskollaps an sich schon ätzend genug. Aber eine ganze Ecke übler trifft Dich der Blitz, wenn er kurz vor einer geplanten Reise einschlägt. So in diesem Fall geschehen, denn nur wenige Wochen später sollte die Isle of Men in Angriff genommen werden. Da die Strecke zum Schieben einfach zu lang war, musste in einem Kraftakt der Schaden behoben werden. Nach kurzer Suche fand unser Lüneburger Streiter im südlichen Teil der Republik. Dort schlummerte ein passendes Motörchen, welches Spanne flugs wach küsste, nach Hause schaffte und gegen den zerbröselten Sorgenfall austauschte. Gerade noch rechtzeitig zum Reiseantritt. Seitdem versieht das Alteisen brav seinen Dienst - und macht auch strammes Exerzieren willig mit.

TECHNISCHE DATEN
Marke/Modell/Bj.: Suzuki Katana GSX 750 S
Erbauer: Spanne
Motor: GSX 750
Vergaser: GSX/R 1100
Luftfilter: K&N
Krümmer/Auspuff: Motad 4in1
Rahmen: GSX 750 S modifiziert
Hinterradschwinge: Kasuduc
Federbeine: WP
Gabel: Hayabusa 2003
Räder: Fischer dreiteilig
vorn: 3,5x17
hinten: 5,5x18
Bereifung:
vorn: 120/70R17
hinten: 180/55R18
Lenker: ABM, Lackiert
Bremsen:
vorn: Billet 6Kolben
hinten: Irgendwas von Suzuki
Fußrastenanlage: RRT GSXR1000
Tank: GSX 750 S
Höcker/Sitzbank: Speer 2 Mann
Instrumente/Anzeigen: keine
Lackierung: VW grau metallic Pearl
Sonstiges: ISR Pumpen und Kupplungshebel


GSX-R Jens

GSX-R Jens (!)

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Der Jensenmann - Kill´em all

Jens ist ein Mann knüppelharter Prinzipien. Wenn er einmal eine Entscheidung getroffen hat, dann kann man ihn weder mit Geiselnahmen, Waffengewalt, noch Attentatsandrohungen in Richtung Genitalbereich von seinem Weg abbringen. Und so hat er auch sein Vorhaben, eine komplett originale Knicker auf die Beine zu stellen und diese artgerecht schonend als Neo-Klassiker zu behandeln, konsequent und unerbittlich durchgezogen.

Gut, der Wahrheitsgehalt der Einleitung ist nur geringfügig höher als der einer typischen Pressemitteilung von Christian Wulff. Das liegt aber weniger daran, dass Jens labil geworden wäre oder vorgehabt hätte sich als Bundespräsident zu verdingen, sondern vielmehr an der Tatsache, dass in seiner Stammhirn-Rinde ein fieser Parasit nistet, der jedweden Anflug von Vernunft im Keim erstickt. Aktiv wird der Bazillus vor allem, wenn Zweiräder im Spiel sind. Kuren und Heilungsversuche schlugen bis dato allesamt fehl und der behandelnde Arzt vermerkte unlängst untherapierbar auf der Krankenakte des Patienten.

Teile-Splatter

Dabei standen die Vorzeichen dieses Mal gar nicht so schlecht. Nachdem Jens bisheriger Hobel mehr leiden musste als Costa Cordalis im RTL-Jungelcamp, fing die vierzylindrige Mimose langsam das Zicken an und drückte ihren Unmut durch latente Arbeitsverweigerung aus. Was also lag näher, als sich einen zweiten Ofen zu bauen, der, stets pfleglich behandelt und im unangetasteten Originalzustand, dem Begriff Zuverlässigkeit neue Bedeutung einhauchen würde? Für schmales Bares wurde denn auch alsbald eine zerlegte Knicker, verteilt auf diverse Umzugskartons, aufgetan und nach Hause getragen, wo die Restaurierung ihren Lauf nehmen sollte.

Keine Ausnahme ohne Regel

Bevor das Rolling Chassis auf eigenen Beinen stehen konnte, gab es jedoch schon die erste kleine Abweichung vom ursprünglichen Plan. Ein unvorsichtig im Regal deponierter TL-1000 Radsatz machte auf sich aufmerksam und gab nicht eher Ruhe, bis er in die Aufbaupläne mit einbezogen war. Blöderweise passte die vordere Felge aber ebenso wenig in die Gabel wie Mola Adebisi in die Ku-Klux-Klan Jahreshauptversammlung. Um die Abweichung von der Serienoptik durch die notwendigen Folgeeingriffe so gering wie möglich zu halten, entschloss sich unser ehrgeiziger Schrauber auf die sonst übliche USD-Gabel zu verzichten und stattdessen auf ein konventionelles Pferd zu setzen. Eine Speed-Triple Forke empfahl sich als gute Wahl, sowohl in optischer, als auch technischer Hinsicht, denn die Teleskopeinheit zählt wohl zu den besten, die es unter den nach orthodoxem Strickmuster arbeitenden gibt.

Der Segen der Serie

Der Rest der Brocken wanderte dann tatsächlich so an den Hocken, wie er Mitte der Achtziger bei Suzuki vom Band lief. Selbst die Lackierung entsprach dem Auslieferungszustand. Jens hatte es geschafft. Obwohl ihn seine versammelten Kumpels abwechselnd verspottet, ausgelacht und mit Zwangseinweisung bedroht hatten, blieb er der anvisierten Linie treu und zog sie unerbittlich durch. Zumindest bis zur ersten Probefahrt. Die Sonne lachte, der Lack glänzte aber Jens war deprimiert. Der brave Eimer passte so gar nicht zu seinem ungestümen Reiter und hatte auf diesen in etwa die stimulierende Wirkung einer Aufbauanleitung für Ikea-Keller-Regale. Und die Nummer mit dem schonenden Umgang war nach einer Blitz-Behandlung mit Eigen-Adrenalin, diversen Brennplattenbesuchen, sowie reichlich Straßen-Faxen auch schneller Geschichte als die Jungfräulichkeit von Salma Hayek beim Nacktbesuch im Strafgefangenenlager der nekropädophilen Einzelhäftlinge in Sing-Sing, Abteilung Sadomaso-Sodomie.

Motorik

Spätestens an dieser Stelle brach das Krankheitsbild vollends auf. Jens packte Prospekte und Kompromisse bei Seite und holte stattdessen die Flex aus dem Schrank. Die ganz große. Als erstes dran glauben musste der Heckrahmen. Im Bruchteil eines Augenblicks großzügig amputiert förderte das Teil, genau wie jedes ihm folgende, die Stimmung des Protagonisten und erleichterte sowohl dessen Gemüt, als auch das Lebendgewicht der Knicker. Der Motor war inzwischen so leistungsinkontinent, als hätte er eine Familienpackung Granufink Pipifax geschluckt und schrie nach umfassender Überholung  in allen bekannten Sprachen dieses Planeten.

Parallelwelten

Während Jens sich anschickte, die Mopete optisch und fahrwerkstechnisch auf Vordermann zu bringen, flog der Baustelle ein Ersatzmotor zu, welcher sich nach dem Öffnen und genauerer Betrachtung als verkappte Drehbank heraus stellte. Zumindest ließ die mit Spänen gefüllte Ölwanne diesen Schluss zu und eliminierte damit sämtliche Hoffnungen auf einen einfachen Triebwerkswechsel. Da ein Benagelter aber selten allein kommt, fanden sich im näheren Umfeld flugs weitere latent wahnsinnige Personen, die bei der Rehabilitierung des Hubkolbers halfen. Wissend um den Geisteszustand von Jens, ging es beim Aufbau des Trieblings nicht darum, das letzte Pferdchen zu erwecken, sondern die vorhandenen Gäule widerstandfähig und robust zu machen. Ein leichtes Leben würde sie nämlich nicht erwarten.

Vollwertkost

Soviel Jens auch abbaute, so wenig kam wieder ans Krad. Die minimalistische Abgaskloake z.B. leistet den Verbrennungsrückständen nur wenig Widerstand, was sowohl dem frühen Baujahr, als auch einer gesunden mir-doch-egal Mentalität des Eigners in Sachen StVO geschuldet ist  was auch die Abwesenheit eines Tachos erklärt. Ähnlich asketisch gestaltet sich der Heckrahmen, auf welchem eine modifizierte Honda-Sitzbankabdeckung nun ihren Dienst als Höcker versieht. Zusammen mit den beiden Bates-Scheinwerfern, die man in der vorliegenden Konfiguration sonst nur von Triumphs Trippeln kennt, ergibt das ein extrem eigenständiges Antlitz.

Sold out

Gekauftes Zubehör ist an der Mopete seltener als Menschen mit einem IQ jenseits der Zimmertemperatur in den Vorrunden von DSDS Das meiste stammt aus der heimischen Grabbelkiste oder wurde handgefertigt, wobei Jens bei der Umsetzung bewusst darauf achtete, dass man das auch sehen kann. Es wäre ja auch kein Schwein auf die Idee gekommen, Mike Tyson während seiner aktiven Zeit in einen rosa Rock zu stecken und ihm Liedschatten und Lippenstift aufzusetzen. Gut, die Geschichte mit der unangetasteten Originalität ist irgendwie auf der Strecke geblieben. Das kann man aber leicht mit zwei Worten aus dem englischen Sprachraum kommentieren: Who cares?

TECHNISCHE DATEN
präsentiert von:
Marke/Modell/Bj.: Suzuki GSX-R1100 Bj.87
Besitzer: Jens B.
Erbauer: Jens von B
Ölkühler: Simek
Vergaser: Serie
Luftfilter: K&N Einzelluftfilter
Krümmer/Auspuff: Krümmer Serie mit modifiziertem MZ Schalldämpfer und Schlagring ABE
Rahmen: Serie
Heckrahmen: Eigenbau
Schwinge: Serie
Federbein/Umlenkung: Wilbers
Gabel: Triumph Speed-Triple
Gabelbrücken: Speed-Triple
Räder: TL1000
vorn: 3,5x17
hinten: 6x17
Bereifung:
vorn: 120/70 ZR17
hinten: 190/55 ZR17
Lenker/Riser: Triumph Stummelschellen mit modifizierter Alu-Streetbar
Bremsen:
vorn: Speed Triple
hinten: GSX-R
Fußrastenanlage: Serie modifiziert
Tank: Serie
Scheinwerfer: 5 ¾ Bates-Doppel, Scheinwerferkappen
Höcker/Sitzbank: Eigenbau aus Honda Sitzbankabdeckung
Kotflügel: SpeedTriple
Armaturen/Schalter/E-BOX: Kupplungspumpe FZR 1000 Bremspumpe aus Grabbelkiste
Instrumente/Anzeigen: nur Drehzahlmesser
Lackierung: Minus-Zwei-Grad Scheunenlackierung aus der Dose
Danke an: Steffen, SFT99, die S-burger, den Nachbarn, Maczka-ÖL(Rohrbiegerei), Nickel (Elektrik) ,dem öligen Uwe (Motor) und der Braugold-Brauerei