Addict

Wenn aus Begehrlichkeiten unstillbares Verlangen wird, die Gedanken nur noch um das eine kreisen und der Abstand zwischen den Befriedigungsmomenten zur lebensbestimmenden Zeiteinheit wird, dann kann man langsam von einer Sucht sprechen.

Die muss dann möglichst schnell therapiert werden, damit der Betroffene sich nicht in seiner Begierde verliert und lebensfähig bleibt. Heiko kann über so was nur müde lächeln. Das Suchtstadium hat er schon lange hinter sich gelassen. Er hat bereits die nächsten Stadien erreicht: Besessenheit und Obsession. Der Point of no return ist längst überschritten. Heilung ausgeschlossen. Das Methadon, das ihn zurück in den bürgerlichen Normalzustand versetzen könnte, muss erst noch erfunden werden.

Rohrsucht

Heikos Droge besteht aus glänzenden Alurohren. Die zieht er sich aber nicht auf Spritze oder durch die Nase und bröselt sie sich auch nicht zusammen mit Tabak in Big-Size-Paper. Vielmehr schmuggelt er das Zeugs über dubiose Kanäle nach Großbritannien, wo sie in einer kleinen subversiven Küche erst verbogen und dann, heftige Wichsattacken auslösend miteinander verbraten werden. Europol führt das konspirative Labor in seinen Fahndungsakten unter dem Namen "Spondon".

Erstkontakt

Vierzehn Jahre ist es nun her, da kam Heiko das erste mal mit dem Stoff in Berührung und zeigte sofort Symptome. Schlaflosigkeit, fiebrige Alpträume, Tadder… Wie bei den meisten Junkies reichte aber auch bei Heiko das erwirtschaftete Einkommen nicht aus, um an das gewünschte Präparat zu gelangen. Um nicht in den Strudel der Beschaffungskriminalität gezogen zu werden, verbrachte er die kommenden Monate in erster Linie damit, zur Verfügung stehende Freizeit mit Nebenjobs auszufüllen, deren Ertrag ausschließlich der anstehenden Suchtbefriedigung zugeführt werden sollte.

Deal

Nach etwa einem Jahr war genügend Kies aktiviert, um nicht länger einen Affen schieben zu müssen. Die Flocken wurden zusammen mit einem präzise formulierten Auftrag an besagte Drogenküche transferiert, die sich sofort ans Werk machte, einen Rahmen nebst dazugehöriger Einarmschwinge zu synthetisieren und ihn nach erfolgter Fertigstellung an Heiko zu verschiffen. Der packte das Teil mit tattrigen Händen umgehend aus und machte sich mit der Unterstützung zweier hiesiger Strassendealer daran die Mopete im Rausch aufzubauen. Als gelernter Mann des teigverarbeitenden Gewerbes – und weil die Spondon auch noch quasi sein erster Umbau war, hätte ein Try-and-Error-Alleingang keinen Sinn gehabt.

Ausgleichsport

Nun ist Heiko aber nicht der Typ, der sich den Hocker in die Vitrine stellt und ihn nur Sonntagnachmittags zur nächsten Eisdeale bewegt, sondern die Fuhre bekommt genauso an die Fresse, wie jede StiNo-Karre. Wenn sie das nicht ab kann, hätte sie kein Motorrad werden dürfen. Der daraus entstehende unausweichliche Verschleiß machte zusammen mit dem Zahn der Zeit und dem Fortschritt auf dem Gebiet der technischen Gegebenheiten nach etwas über einem Jahrzehnt eine Überarbeitung des Hobels notwendig. Da Heiko inzwischen in die schlosserischen Künste eingeweiht war, konnte er diese Phase autonom durchexerzieren. Viel mehr als Rahmen und Schwinge blieben von der ersten Stufe nicht über.

Kraftakt

Da das Fahrwerk seinerzeit für die Familie der öligen Suzuki-Feinripper verschnitten worden war, blieb es bei einem Kameraden aus dem Clan. Der Schlingel bekam jedoch eine Doping-Kur der ganz feisten Sorte: 1.216 Kubik, oszillierend von hochverdichtenden Wiseco-Kolben bewandert, werden von einem hybriden Kopfsystem, bei welchem die Einlasswelle aus einer 11er Gixxer und die Auslasswelle aus einer Bandit stammen, eifrig befüllt. Gezündet wird über die Box einer GSX-R.

Kühlkammer

39er FCR-Flachschieber, deren Venturis durch nichts als offene Trichter von der gierigen Atmosphären-Nuckelei abgehalten werden, reichern das Gas mit Spritanteilen an. Da die wasserscheuen Motoren derartig gepimpt gerne mal hitzköpfig werden, was nicht nur ungesund, sondern auch leistungshemmend ist, wurde ein sekundärer Ölkühler montiert, der den schwarzen Saft wohlig temperiert, bevor er in das Obergeschoss sickert (siehe zu dem Thema auch unsere Toolbox in Fighters 10/2015). Der verdingte Radiator residiert unauffällig und lasziv verankert hinter der Batterie im Rahmendreieck. Ein in Sachen Belüftungseffizienz oftmals unterschätztes Plätzchen, denn das rotierende Hinterrad sorgt für deutlich mehr Wind im Karree, als man meinen mag.

Leicht macht Metall

Fahrwerkstechnisch setzte Heiko ebenfalls auf eine umfassende Frischzellenkur, obwohl sich auch heute wohl noch die meisten nach dem, was er in dem Zuge raus warf, die Finger lecken würden: Eine Hayabusa-Gabel in CNC-Brücken, zusammen mit amtlichen PVM-Dreispeichern ist jetzt nicht unbedingt der Kategorie Sondermüll zuzuordnen. Trotzdem wollte Heiko nicht mehr mit den Teilen spielen. Ersatz kam in Form einer Kilogixxer-Forke mit radialen PVM-Monoblock-Zangen, in geschmeidigen Billet-Brücken hängend, ergänzt durch ein Paar filigrane Felgen und Gabelfüße des selben dreibuchstabigen Herstellers. Streng genommen sind's insgesamt eigentlich sogar drei Räder, denn Heiko hat für Situationen, in den nachhaltiges Auftreten verlangt wird, noch eine alternative 8,25" breite Felge mit 240er Pneu parat liegen, während er im fahrdynamischen Alltagsbetrieb auf die 6,25er setzt.

Schrumpfaktion

Waren vor fünfzehn Jahren Höcker im Container-Format noch State-of-the-Art (wir hatten ja nichts anderes), ist der montierte Nachfolger von einer deutlich schlankerer Silhouette geprägt. Beibehalten hat Heiko die grundsätzliche Integration des Schornsteins in das Sitzmöbel. Der Schlot findet seinen Ausgang nun allerdings seitlich, statt wie bei Höcker 1.0 nach hinten raus. Ein ähnliches Schicksal erfuhr auch das der Sitzgruppe vorgelagerte Spritarsenal. Das wird zwar nach wie vor, genau wie sein Vorgänger von oben befüllt, ist aber viel filigraner und Dank des tunneligen Layouts luftiger als das bauchige Elternteil der ersten Stufe.

Moderne Armaturen, Schalter und ein frisches Cockpit komplettieren die zweite Auflage von Heikos Wunderdroge. Dass er selbst mit Waffengewalt nicht von seiner Obsession abzubringen, muss wohl kaum extra betont werden. Die Lage ist tatsächlich noch viel schlimmer, denn der Besessene hat sich inzwischen einen zweiten Freudenspender des Typs ins Haus geholt. Warum selbst erfahrene Exorzisten kapitulieren und was sich Heiko sonst noch so in den Kaffee rührt, erfahrt ihr in einer der anstehenden Ausgaben.


TECHNISCHE DATEN
Besitzer, Erbauer: Spondon-Heiko
Motor/Motortuning: Wiseco-Kolben, 1.216ccm, 11er Einlass-Nockenwelle, CDI von GSX-R 1100
Ölkühler:Setrab
Vergaser:Keihin FCR 39
Luftfilter:offene Trichter
Krümmer/Auspuff: Yoshimura
Rahmen:Spondon
Schwinge: Spondon Mono
Federbein: Öhlins
Gabel: GSX-R 1000 K2 mit gefrästen PVM Gabelfüßen
Gabelbrücken: Bike Perfpormance
Lenker/Riser: Renthal Edelstahl
Hebel:PVM
Griffe: CNC, Gasgriff Yoshimura rollengelagert
Spiegel: Zubehör mit gedrehtem Arm
Räder:PVM 10 Speichen, 3,5x17 vorn, 6,25x17 (Zweitfelge 8,25x18) hinten
Bereifung: 120/70ZR17 vorn, 200/50ZR17 (Zweitfelge 240/40ZR18) hinten
Bremsscheiben: PVM 320 vorn, Spondon/Honda RC30 hinten
Bremszangen: PVM radial 4-Kolben Monoblock
Bremsflüssigkeitsbehälter: Brembo
Bremsleitungen: Goodridge (geschraubete Anschlüsse, poliert)
Fußrastenanlage:Rairotec Professional
Tank: Spondon Tunneltank
Höcker: Bimbo, modifiziert
Kotflügel: Ducati 1098 modifiziert
Armaturen/Schalter:PVM Brems-(20mm) und Kupplungspumpe (16mm), WMD Taster
E-Box:WMD
Instrumente/Anzeigen: Motogadget mini
Scheinwerfer: Lenis
Blinker:Kellermann vorn, Shin-Yo hinten
Rücklicht: Highsider mono mit gedrehten Fassungen
Lackierung: Airbrush


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