Nordhausen 2010
Nordhausen 2010
Germany, twelve points

Während Lena Meier-Getrud, oder wie die postpubertäre Grunzdole heißt, die tumben Massen vor den Flimmerkisten von Oslo aus narkotisierte, gab es nahe Nordhausen deutlich angenehmere Klänge zu vernehmen. Was ist schon elendiges Pop-Geplärre gegen den detonieren Kanon sich unter lautem Geknalle auflösender Reifen?

Mein Oma hat immer gesagt: „Junge, wenn Du was zu Meckern hast, dann gleich raus damit.“ Und deshalb beginne ich die Retroperspektive mit der gebotenen und unausweichlichen Kritik an dem Event: Warum zum Teufel lagen nirgends Adoptionsanträge aus? Das muß nächstes Mal anders sein! Ich hatte schon überlegt, mich mit Zeltheringen am Tresen festzupflocken. Denn auch, wenn die NDH-Fighter nach zehn Jahren Existenz zum ersten Mal ihr Treffen ausgerichtet haben, hat es sich gleich in den elitären Reigen der kostbaren Kleinode katapultiert, die einem dieses unbezahlbare „Zu-Hause-Gefühl“ unter die Deckhaut treiben. Von Null auf Eins in den Regionalcharts, quasi.

Die Steilpaßvorlage hat die angereiste Hundertschaft dann auch locker im Fallrückzieher angenommen und ihn amtlich reingemacht. Daß man nicht nur Reifen und Heckteile, sondern auch durchaus mal ein Getriebe nebst Schwinge auf der Platte himmeln kann, demonstrierte im Eifer des Gefechtes ein eher unbekannter Protagonist aus Thüringen. Verdientermaßen wurde er für die Pionierleistung ausgezeichnet. Wer kann, der kann. Bleibt nur noch der Wunsch nach zwei Dingen: Zum einen nach einer Wiederholung des geschmeidigen Spektakels. Und zum anderen nach den unvermeidlichen Adoptionsanträgen. Denn eins steht mal fest: Noch so´ne Nummer und ich geh freiwillig nicht wieder nach Hause!

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Ludwigslust 2010
Ludwigslust 2010
Haut VS. Asphalt

Trommelbremsen kennt jeder. Scheibenbremsen sind inzwischen vertrauter Standard, aber mit der radialen Jochbeinbremse war ich bis zu diesem Wochenende nicht vertraut. Und auch, wenn es ausführliche Vorführungen dieser neuen Verzögerungsvariante gab, so denke ich nicht, daß sich dieses Prinzip auf industrieller Ebene durchsetzen wird.
Was dafür gerne Schule machen darf, ist die gemütliche Runde des Straßenkrieges 2010. Idyllisch im Wald gelegen, mit Grillhütte, Brennplatte und Faxenmeile versehen, idealer Austragungsort für die Spiele ohne Grenzen. Auch ohne allzu ausgeprägte prophetische Gaben kann man erahnen, daß insbesondere die asphaltierte Strecke am Rande des Areals geradezu magnetische Anziehungskraft entwickelte und dabei zur eher unfreiwilligen Erfindung eingangs erwähnter Bremstechnik führte. Aber so ist das mit Erfindungen. Die meisten verdanken wir der militärischen Forschung. Zum Glück auch die des großflächigen Pflasters. Wenn ihr jetzt denkt: „Was hat der Idiot geraucht? Was labert der da?“, dann wart ihr zur richtigen Zeit am falschen Ort.

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