Wiegersen 2006
Wiegersen 2006
Bürgerinitiativen, Kaffeesatz und Bier

In Wiegersen ist die Bevölkerung nicht nur wenig belastbar, sondern verfügt auch über einen ungeheueren Präventivbedarf. Okay – Anzeigen nach Veranstaltungen wegen Ruhestörung oder auch Schikanen durch Ämter oder Bürgermeister sind nichts Neues – gerne denken wir in diesem Zusammenhang z.B. an die minipimmeligen Amtsschimmel aus dem ostfriesischen Holtgast.

Doch in dem verschlafenen Nest zwischen Hamburg und Bremen, weiß man solch schildbürgerliches Treiben locker zu toppen. So mußten sich die Veranstalter im Vorfeld ungeahnten Irrsinn stellen. Ob „...denn wohl auch Schläger kämen?“ gehörte da noch zu den geringsten, der geäußerten Bedenken. Seitens der Staffel gutbürgerlicher Moralapostel traute man den Kradlern wohl einiges zu. Einige der Gehirnakrobaten ließen es sich denn auch nicht nehmen, quasi vorbeugend und mit offensichtlich hellseherischen Fähigkeiten bewaffnet, bereits zwei Tage vor Veranstaltungsbeginn Anzeigen wegen Ruhestörung zu erstatten. Wohlgemerkt, hatte zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal der Aufbau begonnen – oder auch nur ein Krad die kleine Einfältigkeit berührt. Der Austragungsort war noch eine komplett leere und unberührte Wiese. Aber Vorbeugen ist nun mal besser, als auf die Schuhe zu kotzen. Nicht ganz überraschend, gab es hier doch auch Initiativen gegen einen geplanten Modell-Segler-Flugplatz (drei Kilometer vom nächsten Wohnhaus entfernt), und zwar wegen des zu befürchtenden Fluglärms...

Das Treffen war sowohl werbetechnisch, als auch vom Umfang her bewußt familiär ausgelegt, was sich als weises und spaßträchtiges Konzept erwies. Weder Ausschreitungen noch Besitzverirrungen galt es zu beklagen. Dafür jedoch einiges an endverwerteten Pneus und durch Alkohol hingerichtete Gehirnzellen. Ob das im Nachhinein zur Gründung weiterer Bürgerinitiativen führte ist nicht überliefert. Wohl aber, das der Event viel zu früh von uns gegangen ist.


Vinstedt 2006
Vinstedt 2006
WELLNESS-WOCHENENDE VINSTEDT

Burnen auf der Beautyfarm

Dieser ganze Streß bringt einen noch um. Die ganze Woche nur knechten und dabei Hitze, Staub und mies gelaunte Chefs ertragen. Da leidet der Teint. Das zerrt an der Psyche. Nun kann man entweder ein Freizeitpark-Wochenende buchen und mit Gewalt versuchen, sich irgendwie inmitten tausender kasernierter Familien mit Brüllbälgern zu amüsieren - oder aber man schwingt sich in den Sattel, kämmt ein paar Igel und trabt ohne Gewalt nach Vinstedt. Bereits der Name der Veranstalter strahlt im voraus wohliges Vertrauen aus: "MC Brenner 83". Eine verbale Heizdecke. Schööön!

Hader und Zauder - Zwei Brüder geben Vollgas

Am zweiten Augustwochenende öffnete im nordischen Landkreis Uelzen die Wellnessoase für Gummisüchtige erneut (und inzwischen sehr routiniert) ihre Pforten. Man lud gestreßte und hautirritierte Schergen und ihre vernunftsresistenten Kumpanen zum Ausspannen. Aber auch wer schlichtweg "partysüchtig" unter "besondere Kennzeichen" im Personalausweis stehen hat, war hier genau richtig. Zahlreiche Menschen fühlten sich offensichtlich von diesem Angebot angesprochen, denn gleich mehrere Tausendschaften rotteten sich in diesen Tagen zum kollektiven Schöntrinken zusammen. Die Freizeitanlage der Schönheitsfarm lies für sie wie gewohnt keine Wünsche offen: Vom Pool über die mehrstöckige Brennanlage (mit quasi fest installiertem Klorollenabschußgerät mit 600 Kubik) bis hin zu Ausschankinstitutionen fürs äußere und innere Einreiben mangelte es an nichts. Außer am Eintritt: Der war nämlich wieder frei. Ja, so was gibt´s noch!

Burning down the house

Schlammpackungen wurden aufgrund des vorzüglichen Wetters kaum angelegt, dafür zeigte sich jedoch einiger Ehrgeiz bei der Behandlung offener Wunden im Leibesinneren mit mehrprozentigen Linderungsflüssigkeiten. Man war ja nicht zum Spaß dort. Feste Ergänzungsstoffe wurden erneut zum Teil vom Ernährungsberater seiner Majestät - Meister Bruno höchstpersönlich - dargereicht. Wer bereits dem "Brenn in den Mai" beiwohnte, weiß, was das bedeutet. Der "Paul Bocuse" der norddeutschen Frittenschmieden zeigte erneut keine Schwächen und versorgte auch Nichtdiabetiker und Unrekonvaleszente. Daher erneut ein großes "Danke" an Bruno - und ebenfalls an das gesamte Veranstalterteam. Wer bei Wikipedia den Suchbegriff "goile Paadie" eingibt, findet dort die Porträts der Ausrichter. Die Jungs verstehen halt ihr Handwerk.

Live is live - Opus, die mit viel Feuer

Es ist schon ziemlich paradox: Die Tatsache, daß die ganze Veranstaltung nicht als reinrassiges Fightertreffen ausgelegt ist, macht sie zugleich zum idealen Tummelplatz für Schlagringfreunde. Vinstedt ist halt anders - und gerade darin liegt auch der besondere Reiz dieser Festivität. Keine Autos auf dem Campground, humanste Preise und eine unauffällige Koordination ließen jeden Centerpark gehörig abstinken. Hinzu kam noch das umfassende Angebot mit Kabarett (!!), Spanferkel vom Holzgrill, Livebands (wobei die beeindruckenden Rammstein-Imitatoren von "Feuerengel" schon eine extra Erwähnung verdient haben) und vielem mehr. Selbst an die Kleinen wurde gedacht: Tagsüber gab es eine betreute Kindermalecke, damit Mutti und Pappi sich mal in Ruhe so richtig einsalben konnten.

Shakin´ Stevens - Schüttel dein Haupthaar, Stefan

So feierte man also im gemischten Rahmen mächtig entspannt und ausgelassen - ohne Berührungsängste. Bleibt nur zu hoffen, daß die Jungs und Mädels noch weit über das im kommenden Jahr anstehende große Jubiläum hinaus die Tore zur Wellnessfarm "Vinstedt" öffnen werden. Auch wenn man beim sonntäglichen Rundgang angesichts der vielen gerädert wirkenden Gestalten doch den einen oder anderen Zweifel am Erholungseffekt der Veranstaltung bekommen konnte. Aber so oder so gilt: Irgendwas ist schließlich immer, und wer schön sein will, muß eben auch mal leiden.

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