Zum Angrabbeln

Ein Gehäuse ohne Taster ist nichts weiter als die schlechte Karikatur eines Schweizer Käses. Damit aus dem Gehäuse eine funktionale Armatur wird, müssen die Löcher gefüllt werden. Vorzugsweise mit elektrischen Drücker-Kolonnen.

Der Klassiker, wie er auch in vielen Kauf-Gerätschaften zu finden ist. Wasserdichter Drucktaster mit 12mm-Einbaudurchmesser. Sehr guter Kompromiss zwischen Größe und Tastgefühl. Findet man auch ohne Hinschauen mit dem Daumen am Lenker und ist fast konkurrenzlos günstig abzugreifen. Zehnerpacks gibt es bereits für unter fünf Euronen



Neben den Kunststoff-Versionen gibt es auch solche aus verchromtem Messing – die oftmals und fälschlich als „Edelstahl“-Taster angepriesen werden



Wenn man dem „Edelstahl“ Taster jedoch z.B. auf der Drehbank die Haut abzieht, verschwindet die galvanische Schicht und das Messing kommt zum Vorschein. Von der Falsch-Labelung mal abgesehen, ist das komplett unproblematisch, im Gegenteil. Eigentlich ist Messing in diesem Zusammenhang sogar das bessere Material



Von den Abmessungen her sind beide Versionen nahezu identisch und vertragen bis zu 3 Ampere. Hupe und Anlasser-Relais kann man also durchaus direkt anschließen und sich für diese Funktionen Boxen oder Ansteuer-Relais sparen. Vorher natürlich unbedingt die jeweilige tatsächliche Stromaufnahme checken



Anatomisch unterscheiden sich die Geschwister jedoch stark. Äußerlich fällen sofort die Lötfahnen im Gegensatz zu den Schraubfüßen der Metallvariante auf. Auch innerlich sind sie abweichend konstruiert (wir haben die Dinger einfach mal zerschnitten). Das spielt jedoch keine kaufentscheidende Rolle. Wir setzen beide Typen seit Jahren erfolgreich ein und können für keinen von beiden negatives berichten. Auch die „Edelstahl-Taster“ kann man übrigens günstig schießen, im Zehnerpack für etwas über einen Zehner



Wenn es eine Nummer kleiner sein soll, hält der Markt auch hierfür taugliche Lösungen parat. Mit acht Millimeter Einbaudurchmesser deutlich kleiner, aber auch schwerer blind zu treffen. Benutzen wir sehr gerne für weniger oft gebrauchte Funktionen, wie z.B. Tacho, Fernlicht etc.



Die Achter kommen ebenfalls mit Löt-Fahnen daher – wobei auch die 12er mit den Schraubanschlüssen nach dem Lötkolben verlangen: die Kabelenden müssen vor dem Verschrauben unbedingt an den Enden verlöten werden, alles andere ist Mumpitz



Nur für komplett Durchgeknallte mit Uhrmacher-Genen: Micro-Taster. Diese Winzlinge sind tatsächlich ebenfalls wasserdicht und haben einen überraschen guten Druckpunkt



Ihre Größe verlangt natürlich nach einer gesonderte Armaturen-Form und filigranen Verkabelungs-Techniken



Drucktaster gibt es in verschiedenen Formen



… und auch als Kipp-Varianten, die entweder von Haus aus oder mit Kondom-Überzügen wasserdicht gemacht werden können. Für die Lenkermontage eher ungeeignet, aber an geeigneter Stelle platziert, können sie Funktionen übernehmen, die wir uns am Lenker sparen können. Z.B. Licht An/Aus oder Killschalter



Minimieren lässt sich der Taster-Bestand auch durch Automatiken. Licht An/Aus kann man sehr gut komplett schalterfrei erledigen – durch einfache Schaltungen oder Verzögerungs-Relais. Mehr dazu im Kapitel zum Thema



Taster machen nicht für alle Funktionen Sinn. Für Hupe und Anlasser schon, Blinker, Licht u.ä. sind jedoch von Haus aus nicht Taster-kompatibel und müssen durch Boxen oder Schaltungen entsprechend übersetzt werden

Wer den dazu notwendigen Schaltungsaufwand minimieren will, greift statt zu Tastern zu Druck-Schaltern. Sie sehen genauso aus, lassen sich ebenso bedienen, halten jedoch den Zustand auch nach dem Loslassen per Rastung – was Taster nicht können. Druck-Schalter gibt es ebenfalls in kompakter, wasserdichter und Armaturen-geeigneter Form



Die minimalste und wohl günstigste Version einer „Taster“ Steuerung: Zwei Druckschalter und ein lastunabhängiges x-beliebiges 0815-Blinkrelais. Mega-simpel zu Verkabeln: Vom Blinkrelais geht’s parallel zu den Tastern und von hieraus zu den jeweiligen Blinker-Seiten. Einmal Drücken: An. Beim wiederholten Drücken: Aus. Genau wie bei kostspieligen E-Boxen. Und ganz nebenbei bringt die Schaltung sogar noch eine Warnblinkanlage mit, denn wenn man beide Seiten aktiviert, blinkt‘s an allen vier Enden. Natürlich müssen die verwendeten Taster die Blinkerlast verkraften, hier geht es auch eher ums Prinzip



Selbst bei üppigen Armaturen bleiben wir materialseitig bei unter einem Zehner an finanziellem Aufwand. Dafür bekommt man nicht einmal solche Playmobil-Hoschies aus Plastik, die zudem noch karg und unpraktikabel bestückt sind



Die nächstbessere Ware verschlingt bereits einen mittleren zweistelligen Bereich. Dieses Highsider-Teil hier z.B. verlangt nach einem knappen Fuffi und bringt dafür gerade einmal zwei Taster mit, die auch nicht unabhängig belegt werden können, da nur ein Eingang vorhanden ist



Und nach einem Jahr fängt der Vogel auch noch das Gammeln an, weil es trotz des Preises nicht für VA-Schrauben gereicht hat



Markenware will nicht selten mit dem Doppelten ausgelöst werden und stellt dennoch selten mehr als drei oder vier Taster zur Verfügung. Selbermachen ist also nicht nur preislich, sondern auch in technischer Hinsicht eine solide Alternative




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