Das kleine Schwarze

An der Wand eine Bikini-Schönheit, aber in der Kiste landen mit einer vollschlanken Wuchtbrumme. So ähnlich machte Alex es mit Motorrädern. Umso unverständlicher, wo er doch – anders als Generationen von Männern mit eingeschränkter Anziehungskraft auf das andere Geschlecht – die freie Wahl hatte. Immerhin versuchte er gar nicht erst, den Brocken an seiner Seite in einen dunklen Minirock oder hautenge Leggings zu stopfen.

Denn wie er so mit seiner Yamaha XV 1700 über den Kyffhäuser schobberte („geht und schleift auch nicht sofort, ist nur anstrengend“), dabei schwitzte und am Ende trotzdem von beherzten 600er-Piloten außenherum überholt wurde, reifte ein Plan: Die ganzen Fighter sollten doch nicht umsonst seit Jugendtagen die Zimmerwände geziert haben. Es war höchste Eisenbahn, sich ein würdiges Sexobjekt in den Fuhrpark zu stellen.

Aasgeier

Ein knapper schwarzer Dress war gesetzt und die Basiswahl lag zumindest nahe: Als Kontrast zu dem vorhandenen Eisenhaufen musste natürlich etwas dynamisches her, und in seinem Heimatrevier war es kein Geheimnis sondern ein bei jeder Ausfahrt zu erkennender Fakt, dass man mit einer 600er besser unterwegs ist als mit einem an der 200 PS-Marke kratzenden Kilobrenner. Und wo er schon eine davon im Stall hatte, blieb er der Stimmgabel treu und sah sich nach einer Yamaha R6 um. Bald schob sich ein auf halbem Weg zum Straßenkämpfer in einer Scheune hängen gebliebenes Exemplar in den Fokus: nur 14.000 Kilometer gelaufen, bereits der Verkleidung beraubt und dem desolaten Gesamtzustand entsprechend billig. Dem Besitzer war es genau andersherum ergangen: Er wollte mal 'nen Fighter, ist dann aber auf den Chopper-Trip gekommen. Eigentlich müsste man sich ja mies fühlen, wenn man vom Leid anderer Leute profitiert...

Schmied sei Dank

Aber Alex fiel es leicht, diese Gedanken gar nicht erst zu haben. Er sackte das Ding ein und machte es zunächst rudimentär fit: Kette neu, Flüssigkeiten neu, Bremsen neu, Reifen neu, Vergaser neu – was es eben so braucht, damit sich ein Motorrad wieder wie ein Motorrad fühlt. Im Anschluss machte er sich dann sofort an das Unterfangen, das der Vorbesitzer nach der Verkleidungsdemontage gecancelt hatte und Alex schon viel eher in Angriff hätte nehmen sollen. Die Fighterisierung begann, und sie begann, wie so oft, mit dem Heckrahmen. Auch bei einem noch so knapp bekleideten Sportler ist das Sitzbrötchen für den Fighter-Bedarf eben eher ein viel zu langes Baguette. Und wenn sich wie im Falle dieser R6 das dazugehörige Fachwerk auch von Laienhand fehlerfrei abschrauben lässt, schnippelt man eben nicht am Serienteil herum, sondern angelt sich eine handvoll Stahlstreben und arrangiert diese in der idealen Form. Erst recht, wenn man wie Alex auch noch einen fähigen Schmied im Ort hat, er einem das Geraffel fachgerecht zusammen brät.

Profisport

Ein passender Heckrahmen setzt natürlich eine vorhandene Sitzgelegenheit voraus. Diese hatte sich Alex schon längst bei Street-Machines ausgeguckt, weshalb es ein ausgesprochen naheliegender Schritt war, den dortigen Zampano für die fällige GFK-Anpassung heranzuziehen. Nicht, dass Alex sich nicht gern die Finger schmutzig macht – aber was seine zeitlichen Möglichkeiten und diesbezüglichen Skills in Relation zu einem Vollprofi angeht, legte er einen erfrischenden Realismus an den Tag und überstelle Steffen die R6 sowie einen Notizzettel mit den Stichpunkten „Heckunterverkleidung und „Tankanschluss“. Sachen also, mit denen man den Thüringer nicht schocken kann, sodass alsbald eine R6 mit perfekt auf den drahtigen Leib geschneiderter Reizwäsche zurück in Alex' heimische Schrauberstube transferiert wurde.

Zieleinlauf

Dort hatte sich unterdessen neben einigen Dosen schwarzen Lacks auch ein veritabler Fundus an allerlei schnieken Anbauteilen eingefunden, den Alex nun vollendenderweise verbauen musste. Griffe, Hebel, Flüssigkeitsbehälter und was eben noch alles an einem erwachsenen Moped nicht fehlen sollte. Aus dieser Liste haben wir die Unterbodenbeleuchtung bewusst ausgeklammert. Über die Notwendigkeit eines Auspuffs herrscht hingegen wieder Einstimmigkeit – auch wenn dessen Ausprägung von Figheristi grundlegend anders gewünscht wird als von den Kittelträgern, die zwischen Straßenverkehrstöpfchen und Zurück-in-die-Werkstatt-Kröpfchen entscheiden. Um nicht in letzterem zu landen, wartete Alex mit dem Anbau des Fächerkrümmers und der, ohne Vorschalldämpfer eher Lärm umwandelnden als mindernden, Ixil-Flöten bis nach dem Abnahmetermin.

Aufgabenverteilung

So kündet jetzt das Geschrei der kompakten Drehorgel von seinem Kommen über den Kyffhäuser – und nicht mehr das, wenn auch spät einsetzende – Schaben der Trittbretter. Die Warrior durfte trotzdem an Bord bleiben, wenn sie auch zum Alltagsmotorrad herabgestuft wurde. Aber Einkaufen fahren und im Rushhour-Stau zu stehen sind ja auch ernstzunehmende Aufgaben, für die so ein 1700er Flacheisen sicherlich besser gerüstet ist als eine kleine, flinke Landstraßenfräse. Wenigstens das.


TECHNISCHE DATEN
Marke/Modell: Yamaha YZF-R6, Baujahr 2003
Erbauer: Steffen Unger/Street-Machines , Alex Preuß
Motor: Serie
Kühlflüssigkeitsbehälter: Eigenbau
Auspuff: Fächer-Krümmer mit angepasstem Ixil-Endtopf
Rahmen: Serie mit Eigenbau-Heckrahmen
Schwing: Serie
Gabel: Serie mit LSL-Brücke
Lenker/Riser: LSL
Hebel: V-Trec
Griffe: Rizoma
Spiegel: Highsider
Räder: Serie
vorn: 3,5x17 vorn, 5,5x17 hinten
Bremse: Serie, Eigenbau-Flüssigkeitsbehälter vorn Stahlflexleitungen
Höcker: Street-Machines
Kotflügel: Street-Machines
Bugspoiler: Street Machines
Instrumente/Anzeigen: Digi-Beast
Maske: Street-Machines
Blinker: ShinYo LED
Rücklicht: Street-Machines


Anzeige:


  • 01 R6 01 R6
  • 02 R6 02 R6
  • 03 R6 03 R6
  • 04 R6 04 R6
  • 05 R6 05 R6
  • 06 R6 06 R6
  • 07 R6 07 R6
  • 08 R6 08 R6
  • 09 R6 09 R6
  • 10 R6 10 R6
  • 11 R6 11 R6
  • 12 R6 12 R6
  • 13 R6 13 R6
  • 14 R6 14 R6
  • 15 R6 15 R6
  • 16 R6 16 R6
  • 17 R6 17 R6
  • 18 R6 18 R6
  • 19 R6 19 R6
  • 20 R6 20 R6
  • 21 R6 21 R6