Too drunk to fuck

aber nüchtern genug zum Bauen

Als ich Tukka das erste Mal in Helsinki auf einer Messe getroffen habe, war er bereits gegen Mittag voll wie die Rettungsboote der sinkenden Titanic. Das war am nächsten Tag auch nicht viel anders. Und was da vor dem angeheiterten Finnen stand, war nicht minder breit. Eine Kompressor-NOS-Bigbore Vmax mit einarmiger Hinter- und Vorderradführung, sowie richtig dicken Dingern im Echtcarbon-Kleidchen. Wer denkt da noch ans Poppen?

Auf die Frage, ob der Aufbau des Brutaloeisens nicht unheimlich teuer gewesen sei, schüttelt Tukka nur lässig den langhaarigen Kopf. Nein, Geld habe die Aktion kaum verschlungen. Das meiste ist im „Eine-Hand-wäscht-die-andere-Verfahren“ privat entstanden. Tukka ist praktizierender Hauselektriker und kennt eine ganze Menge Leute, die sowohl Maschinen, als auch Know-how haben, um ihn bei seinen grenzdebilen Kradplänen zu unterstützen. Erfreulicherweise haben ausgerechnet diese Personen durch die Bank marode Hausverkabelungen, so dass Tukka stets eine willkommenen Gegenleistung anbieten kann. Kohlefaser für Klingeldraht.

Leq mich am Arsch

Fertigteile sucht man an dem ganzen Krad vergebens. „Zubehör“ scheint im Sprachgebrauch des Finnen eine fehlende Vokabel zu sein. Was auch immer vom Auge des Betrachters gescannt wird ist handgefertigt. Los ging das Abenteuer vor einigen Jahren mit der fixen Idee seiner noch fast originalen Vmax ein strammes Doping zu verabreichen. Ein Volumex Kompressor bekam dazu den medikamentösen Auftrag in Kooperation mit einem Dell-Orto Vergaser. Per Rippenriemen vom linken Kurbewellenstumpf angetrieben, pumpt der Fön reichlich Gas in Richtung Einlässe und sorgt für amtliche Leistung. Um deren Betrag zu ermitteln wurde dann auch ein Prüfstand bemüht, der dem Triebwerk satte 156PS am Rad attestierte. Umso beachtlicher, als dass dieser Wert mit nur drei Zylindern erzielt wurde. Denn bereits nach dem ersten Probe-Run auf der Rolle hatten sich Pleuel und Kolben des ersten Zylinders mit einem letzten, lauten Gruß verabschiedet. Tukka nahm´s gelassen und wollte wegen so einer Lappalie den Lauf nicht abbrechen. Er lies einfach mit drei Pötten weiter messen. Ein paar Bierchen sorgten für die nötige Gleichgültigkeit und linderten den mechanischen Schmerz. Hier kann man nur die Weisheit Homer Simpsons zitieren: „Alkohol ist zugleich Ursprung und Lösung der meisten Probleme“.

Aller guten Dinge sind vier

Der Motor musste also auseinander und bekam bei der folgenden Revision Innereien von Carillo und JE spendiert, die sich bis heute tapfer schlagen. Knappe 200 PS drückt das Mäxchen auf die Rolle – ohne das NOS-System zu bemühen. Und bei dessen Gebrauch hat Tukka wenig Skrupel – die Lachgas-Buddel am Krad ist genauso schnell leer wie die Dose Bier in seiner Hand. Nachdem zwischenzeitlich konservative 240mm Gummi hinten auf passender Felge rotierten, verlangte es den Nordeuropäer nach mehr. Mehr Gummi, mehr Alu, mehr Bier – aber weniger Radführung. Folgerichtig wurde achtern eine kunstvolle Einarmschwinge erdacht und konstruiert, welche auch bei den derzeit montierten 36cm Profilautschuk die Verwendung des Kardans weiter gestattet. Vorne werkelt analog eine äußerst raffinierte Variante. Dank ausgeklügelter Geometrie und Gewichtsverhältnisse fährt das Ganze auch ausgezeichnet – sowohl geradeaus, als auch durch Kurven. Tukka pilotiert das Monster hemmungslos im Alltag und hat seit Fertigstellung bereits über 25.000km absolviert. Meist nüchtern wie er sagt. Sollen wir ihm Glauben schenken?!

Breakin´ the law

Als abgeschlossen betrachtet Tukka das Werk aber noch lange nicht. Während der Kronkorken von der nächsten Bierflasche gerissen wird, erzählt er von seinen Plänen den Rahmen umzustricken oder gar einen komplett eigenen zu bauen. Man darf bei der ganzen Aktion nicht außer acht lassen, dass in Sachen Zulassung von Umbauten Finnland noch einmal um einiges gestrenger und restriktiver ist, als Good ol´ Schörmänie. Was in Deutschland schon schwierig, ist in Finnland praktisch unmöglich. Das schert Tukka aber nicht, er macht einfach wozu er gerade Lust hat. Und solange es marode Hauselektriken in seinem Umfeld gibt und das Bier nicht alle wird, solange wird auch an der Max weiter geschraubt. Und es gibt verdammt viele defekte Kabel in finnischen Blockhäusern – und noch viel mehr Bier. Das ist mal sicher.


TECHNISCHE DATEN
Marke/Modell/Bj.: Yamaha V-Max Bj. 1986
Besitzer: Tukka Jukka
Erbauer: JL Meccanica / Yhtymän Miehet und Freunde
Motor: 1200ccm JE-Kolben, verminderte Verdichtung, Carillo Pleulsatz, verstärkte Motorbolzen, Dyna 2000 Zündung
Wasserkühler: Serie
Vergaser/Einspritzung: Volumex SCE Kompressor mit Dell-Orto ZX40 Vergaser, NOS System von JL Meccanica
Luftfilter: ITG
Krümmer/Auspuff: Hindle, JL Meccanica
Rahmen: Serie, modifiziert
Heckrahmen: Serie
Schwinge: JL Meccanica, Eigenbau-Kardanantrieb und -Wellen
Federbein/Umlenkung: White Power PDS, Hakal-Service Monoshock
Gabel: JL Meccanica-Einarm mit HPG Federbein
Gabelbrücken: JL Meccanica
Räder: Compomotive / JL Meccanica
vorn: 16x6
hinten: 18x11
Bereifung:
vorn: 200/60-16
hinten: 360/30-18
Lenker/Riser: Clipon Eigenbau
Bremsen: Nissin
vorn: 2x4-Kolben
hinten: 4-Kolben
Fußrastenanlage: OZZO-Racing
Tank: 2x5 Liter Eigenbau
Scheinwerfer: V-Rod / Yhtymänmiehet
Höcker/Sitzbank: Yhtymänmiehet Echtcarbon Eigenbau
Lufthutzen: Yhtymänmiehet
Seitendeckel: Yhtymänmiehet
Kotflügel: Yhtymänmiehet
Armaturen/Schalter/E-BOX: Laiho Engeneering
Lackierung: SK-Automaalaamo
Danke an: Kampiola Vetoakselit


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