Kontrollverlust

Angesichts der anbrechenden Saison widmen wir uns dem damit gleichzeitig zündenden Schwerpunkt-Thema: Richtiges Verhalten bei Wegelagerei und Raubrittertum.

Denn eins steht so fest, wie das Amen in der Kirche: Mit Beginn des guten Wetters liegen sie wieder verstärkt hinter jedem zweiten Stein, lasern durch die Gegend wie eine Herde Romulaner auf Koks und messen, als gäbe es kein Morgen: die Marshalls von der Rennleitung. Der Erfolg ihres hinterhältigen Ansinnens hängt dabei ganz entscheidend von eurem eigenen Verhalten ab und kann zwischen "Gute Weiterfahrt" und der Zwangsverladung der Fuhre auf einen gelben Sattelschlepper entscheiden. Und da es immer noch genug Menschen gibt, die auch an Seminaren wie "Giftpflanzen am Geschmack erkennen" teilnehmen oder sich ins elektrische Brotmesser stürzen, checken wir mal den Status Quo anno 2018 und liefern euch ein paar Präventiv-Maßnahmen frei Haus.

Anhalter mitnehmen

Flatscht einem die Försterkelle vor's Visier, sollte man grundsätzlich auch anhalten. Hat man sich hierzu durchgerungen und die Abwägung der zu erwartenden Sachverhalte nicht zugunsten eines ignorierenden Weiterfahrens entschieden, ist bereits der nach Abnahme des Kopfputzes stattfindende Einstiegsdialog von elementarer Bedeutung. Regel Nummer eins: Bleibt höflich. Ihr müsst dem Schergen nicht die Poperze rosig küssen, aber ein neutraler Umgangston mit einer unverbindlichen Einstiegsgrußformel tut nicht weh und bestimmt mit über den Verlauf des sich nun Anschließenden. Auch wenn sie manchmal nicht so aussehen oder sich so verhalten: Aber die Typen unter den Mützen sind auch nur Menschen mit entsprechenden Reaktionen auf bestimmte Umgangsformen.

Tanztee

"Allgemeine Verkehrskontrolle" wird euch meist als erstes entgegenschallen, gepaart mit der Aufforderung Führerschein und Fahrzeugpapiere vorzuzeigen (einen Perso müsst ihr übrigens nicht dabei haben, dazu besteht in D keine Pflicht). Führt man diese nicht bei sich, kostet das pro Zettelwerk 'nen Zehner. Das tut nicht weh – kann aber insbesondere im Fall des Lappens blöde Konsequenzen haben. Seid ihr nämlich altersbedingt noch im Besitz einer rustikalen Fleppe, die nicht im Chip-Kartenformat vorliegt, ist eure Fahrerlaubnis nicht digital erfasst. Das heißt: Der Grünling kann lediglich im System abfragen, ob sie euch entzogen wurde und ein entsprechender Eintrag vorliegt – nicht aber, ob ihr überhaupt eine habt.

Fußweg

Und das wiederum kann dazu führen, dass ihr nicht weiterfahren dürft. Das ist noch nicht einmal böswilliges Verhalten seitens des Staats-Schergen – sondern geht kaum anders. Denn wenn der Mann mit der Kelle eurer Zusicherung glaubt "natürlich habe ich einen Lappen" – dem aber gar nicht so ist und ihr ein paar Kilometer später in einen Unfall verwickelt werdet, kommt der Kamerad in eine ziemliche Bredouille, weil er euch trotz Feststellung der Pappenlosigkeit hat weiterfahren lassen. Was lernen wir daraus: Chipkarten-Lappen kann man mal vergessen, ältere Versionen sollten sicherheitshalber am Mann sein. Von einer freiwilligen Umrüstung auf die aktuelle Version raten wir trotzdem ab, denn das Nichterfasstsein hat auch seine Vorteile.

Readers Digest

Hat der Kriminalkommissar nun die gewünschte Lektüre in Händen, kommt oftmals als nächstes: "Wissen Sie, warum wir sie angehalten haben?“ Wer daraufhin tatsächliche Vermutungen, die verkehrswidriges Verhalten implizieren artikuliert wie "Ich glaub' ich war etwas zu schnell" oder "Joa, die Karre ist etwas laut", gehört mit dem nächsten greifbaren Leitpfosten so lange verprügelt, bis Vernunft Einzug gehalten hat! Natürlich habt ihr nicht den Hauch einer Ahnung einer Idee einer Vorstellung, warum der Staatsdiener euren vollkommen vorschriftskonformen Ritt unterbrach! Denn nichts auf diesem Planeten ist dämlicher, als sich selber zu belasten, dem Grünling seine Arbeit abzunehmen und auch noch Zugeständnisse zu machen, die den Tatbestand des Vorsatzes ins Spiel bringen können. Die einzig autorisierte Antwort ist deshalb: "Nein, Herr Schutzmann, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen und habe ich mich auch schon gefragt." Ansonsten: Fresse halten oder notfalls Lügen bis sich die Balken biegen (solange man durch dadurch niemand anders fälschlich beslastet). Es gibt keinerlei Bonuspunkte für Selbstanzeiger oder "Einsichtige" und keinen Aufschlag für Lügenbolde. Und wen es nach Absolution für seine Schandtaten gelüstet, der kann ja nach der Kontrolle in der nächsten katholischen Autobahnkirche den Ortspädophilen zubeichten – aber niemals in der Kontrolle. Ermittlung, Feststellung und Beweisführung sind ganz alleine Aufgabe des Wachtmeisters. Also nehmt ihm nicht seinen Job weg, er hat nur den einen.

Name und Dienstgrad

Zurückhaltendes Verhalten gilt auch für Angaben zu eurer Person. Seid auch hier nicht übertrieben kommunikativ. Name und Anschrift müsst ihr angeben, damit verbaut ihr euch auch nichts. Diffizil kann es schon bei der gar nicht so seltenen Frage nach eurem Beruf werden. Denn auch der kann Auswirkungen auf den weiteren Verlauf haben. Wird jemand mit technischem Background etwa mit abgefahrenen Bremsen erwischt, wird das in der Tat anders sanktioniert als bei einem Bäcker oder Frisör. Auch die Position im Betrieb als solches kann Einfluss haben. Bleibt also so unverbindlich wie nur möglich. Statt "KFZ-Mechaniker" könnt ihr genauso gut "Angestellter bei Müller in Bumsdorf" sagen (muss natürlich stimmen). Wenn der Kontrolleur mehr wissen will, soll er das dann bitte selber ermitteln. Beendet die diesbezügliche Befragung einfach mit der höflichen Aussage, dass ihr im Moment nur gemäß eurer Mitteilungspflicht Auskunft erteilen wollt. Das ist euer gutes Recht, wird auch so akzeptiert und hat keinerlei negative Auswirkungen. Findet die Trachtengruppe vielleicht nicht prickelnd - aber die Strasse ist auch kein Dating-Portal.

Präventivmaßnahme

Ihr seht, noch bevor die Kontrolle als solche auch nur im Ansatz begonnen hat, kann man schon eine Menge falsch - oder eben richtig machen. Lasst euch auch nicht von pseudo-kumpelhaftem Verhalten einfangen. Die Jungs sind entsprechend geschult und versuchen nicht selten und oftmals mit Erfolg, durch Komplimente und verbalen Schulterschluss euren Redefluss anzuregen: "Tolle Maschine, steckt sicher 'ne Menge Geld und Arbeit drin, was?", "Ich fahre selber auch Motorrad". Wer jetzt losplappert... ich geh schon mal einen Leitpfosten holen! Klar, oder?!

Schwarmintelligenz

Wenn ihr in einer Gruppe unterwegs seid und zusammen herausgewunken wurdet, verfolgt die Kontrolle der jeweils anderen aufmerksam mit. Ihr könnt euch so später im Zweifel gegenseitig als Zeugen nützlich sein, falls nötig. Haltet Augen und Ohren offen. Werden technische Mängel aufgeschrieben, macht an Ort und Stelle Bilder sowohl von den Bauteilen und wenn's mit Krach in Verbindung steht auch von der Kontrollstelle und ihrem Umfeld. Das kann euch keiner verwehren – vermeiden solltet ihr aber unbedingt, die Kontrollettis frontal aufzunehmen – das dürft ihr ohne deren Einverständnis nämlich nicht. Sind ihre Gesichter aber nicht auf den Bildern zu erkennen, ist das problemlos und rechtskonform. Immer dran denken: Versäumnisse lassen sich später nicht mehr nachholen. Geht's um eindeutige Kleinigkeiten wie zu kleine Spiegel, fehlende Rückstrahler oder ähnliches bringt das natürlich nichts und ihr könnt es euch sparen. Denn eines muss jedem grundsätzlich klar sein: Ponyreiten kostet Geld – und ein bewusst freizügiger Umgang mit FzV und StVZO eben auch mal Punkte. Ist halt so.

Maulsperre

Unabhängig davon, ob die Geschichten die ermittelt wurden nun eindeutig oder eher zweifelhafter Natur sind: Gebt vor Ort nichts zu! Gar nie auf absolut keinen Fall nicht. Never! Dafür gibt es keinen Rabatt, Sonderbonus oder Schokoriegel. Ihr nehmt der Exekutive lediglich die Arbeit ab und euch selber jede Chance auf Einspruch oder andere lindernde Handlungsmöglichkeiten. Zudem kann es sogar passieren, dass die Sache doppelt so teuer wird, wenn euer Zugeständnis Vorsatz ableiten lässt. Das gilt im Zusammenhang mit Auspuffanlagen und Geschwindigkeitsvergehen in extrem empfindlichen Maße und könnt ihr selber kaum beurteilen. Das können nur Juristen. Und wer keinen Anwalt im Staufach mit sich führt, sollte sich die Option einer späteren Konsultation sichern. Insbesondere, weil dadurch nichts zum Schlechteren gerät. Später zahlen wird nicht teurer, und auch die möglichen Punkte vermehren sich nicht. Es kann sogar sein, dass sich die Vorwürfe "von alleine" reduzieren, weil der Mann vor Ort lediglich feststellt. Die Sanktionen werden von einer ganz anderen Stelle ausgerufen. Und es ist gar nicht so selten, das diese die OWis weniger drakonisch bewertet wie der Kamerad von der Exekutive.

Besser-Esser

Nach wie vor extrem heikel im Handling sind dB-Eater. Ich wünschte, ich könnte euch hier so etwas wie einen grundsätzlichern Leitfaden zu dem Thema an die Hand geben – aufgrund der in der Praxis sehr unterschiedlichen Handhabungen geht das aber nicht. Was in einem Fall die Lösung ist, kann an anderer Stelle zum Desaster verkommen. Der Klassiker unter dieses Szenarien ist das Mitführen des entnommenen Rüssels. Hintergedanke: Kommt man in eine Kontrolle, kann man wenigstens weiter fahren, nachdem man den Schnorchel wieder eingeschraubt hat. Das funktioniert auch tatsächlich in manchen Fällen und Regionen. In manchen.

Vorsatz im Nachsatz

Problem an der Sache: Damit wird gleichzeitig offensichtlich, dass ihr das Ding bewusst herausgeschraubt, also vorsätzlich gehandelt habt. Ausgefuchste Naturen argumentieren nun, dass der Mitgeführte lediglich Ersatz sei und natürlich einer eingeschraubt gewesen sei. Da der Spruch die letzten Jahre hinweg inflationäre Anwendung erfahren hat, zieht er vielen Ortes aber nicht mehr – mit richterlicher Deckung. Hat der Schutzmann dann auch noch schlechte Laune und fühlt sich verarscht, kann er angesichts der Manipulation im Extremfall die Karre auch noch sicherstellen lassen, da er ja begründeten Verdacht hat, dass auch sonst noch am Auspuff manipuliert wurde.

Alles verloren

Zieht man alternativ das Gegenteil durch, beharrt also auf dem Verlust und hat keinen Ersatz dabei, kommt der Vorsatz zwar nicht zum Tragen, dafür aber eure Schuhsohlen – nämlich auf dem Marsch nach Hause. Denn es kann sehr gut sein, dass euch die Weiterfahrt verweigert wird. Hier ist guter Rat also teuer. Anders sieht es aus, wenn nicht ihr selber, sondern ein Kumpel aus der Fahrgemeinschaft bei dem der Eater stets montiert ist, unerwarteten Ersatz für euch mit sich führt. Damit lässt sich der Umstand des akuten Verlustes mit einer Remontage vereinbaren, falls der Mann mit der Kelle auf Komplettierung besteht. Wenn besagter Kumpel zufällig Ersatz für Euch mit sich führt, entzieht sich das eures Einflussbereichs und ist lediglich ein glücklicher Zufall, den man euch kaum ankreiden kann. Unterm Strich bleibt die Sache aber immer uneindeutig. Und angesichts der diesbezüglichen Kontrolldichte, können wir auch nur dringend dazu raten, mit Rüssel auszugehen. Das gilt übrigens auch für den unbeliebten Rückstrahler. Zusammen mit Kollege Kennzeichenwinkel bilden die Furunkel die derzeitige Top 3 in den Charts der Verkehrskontrollen, die auch der letzte Provinz-Kellner auswendig rückwärts beherrscht. Und so gilt für Banküberfall, One-Night-Stand und Verkehrskontrolle gleichermaßen: Niemals ohne, immer gut vorbereitet sein, gegen alles widersprechen – und ansonsten: schön die Fresse halten.


Disclaimer: Dieser Artikel stellt keinerlei Rechtsberatung oder juristische Auskünfte da (so etwas können und wollen wir gar nicht leisten), sondern ist lediglich Widerspielung selbt gemachter Erfahrungen in Glossenform. Für rechtsverbindliche Informationen konsultiert ggf. Fachanwälte oder juristische Auskunftstellen.





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