ZX-12R

ZX-12R (!)

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Gewalttäter

Christopher ist ein bescheidener und besonnener Mensch mit einem sehr vernünftigen Kredo: „Fahre niemals schneller, als es mit aller Gewalt geht“. Kann man so stehen lassen.

Charles Manson Racing-Team

Eine solch gediegene Lebenseinstellung verlangt natürlich nach geeignetem Support-Material. Softchopper oder anderes Gedöns für Wachkomatiker bringen den ambitionierten Adrenalin-Jockey in etwa so weit wie die Wasserpistole den Bereitschaftspolizisten am 1. Mai in der Hafenstraße. Will man keine Gefangen machen, braucht man zum Einen eine mächtig großkalibrige Waffe und zum Anderen viel Platz für Munition. Den dafür benötigten Freiraum erzielt man nach wie vor am effektivsten durch das Weglassen von unnötigem Plunder.

Enforcer

Christopher ist schon lange kein Neuling mehr auf dem Gebiet des militanten Straßenkampfes und tummelt sich seit einem guten Jahrzehnt am oberen Ende des Hubraum- und Leistungs-Schlachtfelds. Neben Kilogixxern und XXen befanden sich auch japanische Jagdfalken in seinem Besitz – vortrefflich geeignet, um so ziemlich alles unterhalb der Schubkraft von Pershing-Zwos im Verkehr wegzuschnupfen. Trotzdem kam keine rechte Freude auf, denn die besagten Karnivoren waren ihm allesamt deutlich zu langweilig. Nicht, daß 200 PS von der Kapazität her latent unaufregend wären, wohl aber deren Entfaltung. Wer schon einmal Hayabusa gefahren ist, weiß was gemeint ist. Die Dinger ziehen zwar ordentlich an den Armen, sind dabei aber so untückisch, dass man die Geräte durchaus im Fahrschulbetrieb einsetzen könnte.

Adrenalinspritze

In so einer prekären Situation ist gutes Rad teuer. Wäre da nicht ein eher zufälliges Aufeinandertreffen Christophers mit einem Exemplar aus Kawasakis ZX-12R-Reihe gewesen. Von der Papierform her zwar dem Suzuki-Projektil unterlegen, in der Abgabe der Vortriebs dennoch eine andere Liga. Deutlich vehementer setzt der Schub ein, stürmen die Pferde auf die Koppel, werden die Hände beim Fluten der Kanäle feucht, tritt ein fettes Grinsen auf die Gesichtshaut des Piloten. Diese Sekunde, wo du meinst, Thor persönlich würde aus den Wolken seinen Hammer in deinen Rücken sausen lassen wie Tiger Woods sein Neuner-Eisen beim Abschlag an Loch Drei. Für einen kurzen Moment fühlst du deine Augäpfel gegen die hintere Schädelwand klatschen. Das ist der Augenblick, der Kraft von Brutalität unterscheidet. Und wenn Christopher bloß Kraft gewollt hätte, wäre er eine Buddel Ketchup kaufen gegangen.

Geht ab!

Der Ankauf eines Basiskrads war nach dieser Erfahrung nichts weiter als reine Formsache – die Entscheidung, das Gerät von seiner üblen Staubsaugeroptik zu befreien, ebenso. Der Prügelknabe wurde flugs aus der Haut gepellt und sein Skelett einer Obduktion unterzogen. Dabei trennte sich der praktizierende Metallurge gleich mal von Rädern, Bremsen, Gabel, Heckrahmen, Sitzmöbel und jeder Menge anderem Plunder. Komplettiert wurde der verbliebene Torso dann schrittweise mit aktuellerem Geschmeide.

Taktische Implantate

Statt auf Organe aus dem Kawasaki-Umfeld zurückzugreifen, schnappte sich Christopher ihm vertraute Prothesen aus dem Hause mit dem dicken „S“ im Logo. Gleich mehreren Kilogixxern der Baujahre 2005 bis 2008 wurden via Feldamputation Teile ihrer Körpers geraubt. Neben dem Vorderrad stammen auch Gabel und Bremsanlage aus einem Exemplar dieser Supersportler-Gattung, was neben einer amtlichen Gewichtsreduktion auch funktionalen Fortschritt einziehen ließ. Natürlich passte der Radhalter nicht Plug`n`Play in den Steuerkopf des Dickschiffs, sondern musste zu seinem neuen Glück gezwungen werden. Nachdem Erpressung und Nötigungsversuche keinen nachhaltigen Erfolg zeigten, ging Christopher den Weg über die Fräsbank und strickte einen Satz passende Brücken, deren oberes Exemplar auch gleich noch für die Aufnahme eines Rundinstrumentes von Koso vorbereitet wurde. Ein Paar Bremsscheiben von Braking komplettieren mit einem ausgemusterten Triumph-Scheinwerfer nebst RSV-Fender das vordere Multi-Kulti-Abteil.

Heck-Meck

Die Gestaltung des hinteren Decks verlief noch eine Spur spartanischer. Da bei der 12er der Benzintank hauptsächlich unterhalb der Auflagefläche des Fahrer-Gesäßes residiert, bestimmte Christopher das voluminöse Fass kurzerhand zum Höckerfundament. Lediglich ein filigranes Konstrukt aus etwas schmerzhaftem Stahlrohr und ein paar Augenverschraubungen verlängern die minimalistische Lösung nach hinten und münden in einem handlaminierten Höcker klassischer Prägung. Noch fix ein Rücklicht aus der Grabbelkiste eingepasst und gut. „Mehr Heck braucht kein Mensch“ meint der junge Wilde und beantwortet Fragen nach der Bequemlichkeit des Möbels mit einem ähnlichen Gesichtsausdruck, wie ihn Homer Simpson an den Tag legt, wenn man diesen auf die gesundheitsschädliche Wirkung von Duff-Bier anspricht. Soll noch mal jemand sagen es gäbe keine blöden Fragen...

Kernkraft

Zwar blieb das Kraftwerk der Zwölfer innerlich unangetastet, doch tummeln sich in seiner Umlaufbahn ein paar durchaus beachtenswerte Trabanten. Neben der fast schon unvermeidlichen Auspuffanlage von Akrapovic bleibt das Auge des Betrachters wie angenagelt an dem mächtigen Wasserkühler hängen. Das Teil stammt aus einer Langstrecken-Rennmaschine und verschlang einen nicht unbeträchtlichen Posten aus dem Umbau-Budget. Da dieses auf Grund der ansonsten extrem geizigen Teileanschaffungen noch nicht sonderlich malträtiert war, konnte sich der Schrauber das Goodie gönnen ohne seine Schwiegermutter verkaufen zu müssen – was er ungeachtet der finanziellen Notwendigkeit trotzdem gerne getan hätte, jedoch am Veto seiner Frau scheiterte. Neben dem unbestritten heftigen optischen Effekt macht der Radiator auch technisch Sinn – wenn man sich auf dem Asphalt bewegt wie unser Protagonist es zu tun pflegt. Halbes Gas ist wie halb besoffen. Macht beides nicht glücklich und ist die pure Verschwendung von Rohstoffen. Eine Angelegenheit, die Christopher nicht ertragen kann – und dank seines neuen Eisens auch nicht länger muß.

TECHNISCHE DATEN Marke/Modell/Bj.: Kawasaki ZX-12R, Bj. 2002 Besitzer: Christopher
Wasserkühler: Endurance-Series Kühler aus einer 750er Renngixxer Vergaser/Einspritzung: ZX-12R Krümmer/Auspuff: Akrapovic, GSX-R 1000, modifiziert Rahmen: modifiziert Heckrahmen: Minimal-Eigenbau Federbein: GSX-R 1000 K07 Gabel: GSX-R 1000 K08 Gabelbrücken: Eigenbau Gabelbrücken: GSX-R 1000, stark modifiziert Vorderrad: GSX-R 1000 Bremsscheiben: Braking Wave Lenker/Riser: GSX-R 1000 Scheinwerfer: Speed Triple Höcker/Sitzbank: Eigenbau als Tankverlängerung Kotflügel: Aprilia RSV 1000 Instrumente/Anzeigen: Koso Lackierung: Orange Lamborghini Murcielago

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ZXR-ZZR 1100

ZXR-ZZR 1100

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Restekiste

Für unser aktuelles ViruZ-Projekt haben wir bekanntermaßen eine komplette ZRX 1100 gekauft, von der wir außer dem Motor aber so gut wie nichts gebrauchen konnten. Statt die Überbleibsel für ein Ei und ein Butterbrot nervtötend auf irgendwelchen Internet-Basars zu verhökern, haben wir die Brocken einer ambitionierten Seele überlassen, die aus den Abfällen einen auf den ersten Blick harmlos wirkenden, aber übelst gelaunten Sleeper auf die Pellen gestellt hat. Gesamtkosten: ein Ei und ein Butterbrot.

Wer in Sachen Kawas der 90er nicht ganz so sattelfest ist, wird die dem Projekt innewohnende Leistung und den Umbauumfang nicht sofort erspähen: im rustikalen ZRX-Rahmen schlummert nun der Motor einer ZZR 1100, die nicht nur nach damaligen Begriffen ordentlich Dampf auf den Kesseln hat, sondern auch dem Fallstrom-Prinzip folgende Vergaser mitsamt Kopf. Deshalb passt der Motor eigentlich überhaupt nicht in den Doppelschleifenrahmen. Denn dessen Oberzüge sind dem Brennstoff-Ensemble im Weg. Normalerweise steckt der Triebsatz in einem ihn umlaufenden Aluprofil, welches ihn seitlich umschließt und nach oben genug Luft lässt. Aber nicht nur der Rahmen selber steht im Weg – auch der Tank passt nicht zur Gemisch-Etage.

Baukasten und Bauklötze

Der Einbau des Motors selber war erst einmal kein Problem, schließlich basiert er wie alle seine Verwandten auf dem 900R-Urvater und ist familienintern wunderbar kompatibel was die Rumpfabmessungen und Montagestellen angeht. Das beschriebene Problem mit den Gasfabriken hat Klaus dergestalt gelöst, dass er statt am Rahmen herumzubraten (schließlich sollte die Karre von vorne herein TÜV gekommen und auch zum Transport von liebgewonnenen Familienagehörigen genutzt werden) eine Airbox konstruiert hat, welche den Rahmen im neuralgischen Bereich umschließt. Den dafür nach oben hin nötigen Raum gewann der Konstrukteur nicht per Einmarsch in Polen, sondern durch Umschweißen der Unterseite des Spritfasses sowie einer neuen Ausrichtung des Bottichs im hinteren Sektor. Das Teil sitzt dort nun etwa zehn Zentimeter höher als normal, was neben funktionaler Notwendigkeit auch optisch-dynamische Vorzüge mit sich bringt. Den entstandenen Zwischenraum hat der Erbauer ausgeglichen und entsprechende Anschlüsse gebaut.

Was nicht passt wird passend gemacht

Das Fahrwerk ist ein Mix, dessen Mischungsverhältnis sich an dem guten alten Low-Budget-Credo: "Was man hat, muss man nicht kaufen" orientiert: Da waren zum einen noch einige aus einer ZZR-Schlachtung vorhandenen Komponenten wie Gabel, Räder und Bremsen, die direkt eingestöpselt wurden. Die Schwinge bekam vor ihrer Montage eine satte, 15 Zentimeter betragende, Verlängerung plus Unterzug und die Federbeinaufnahmen wurden so positioniert, dass sie das Heck liften und trotz seiner Doppelsitzigkeit nicht nach Reisebus-Abteil aussehen lassen. Scheinwerfer, Yoshi-Type Tüten, Spiegel und Instrument gab's für 'nen schmalen Euro vom Restemarkt und die einfarbige Lackdusche mit dem angedeuteten Airbox-Schema vom Kumpel.

Unter Tausend

Unterm Strich hat der Zossen den dreistelligen Kostenbereich knapp nicht verlassen, mit seinen 160 Pferdchen fast 50 Prozent mehr Fleisch auf den Rippen als normale ZXRs, dürfte damit zu einer der stärksten straßenzugelassenen in der BR of D zählen und taugt in seiner optischen Zurückhaltung fulminant, um Gebückten in Papageienkombis auf ihren Rennfeilen das Fürchten zu lehren – vorzugsweise mit besetztem Sozius. Da werden so manche Psychiater demnächst Überstunden machen müssen.

TECHNISCHE DATEN Marke/Modell/Bj.:Kawasaki ZRXZZR 1100 Erbauer: Klaus, der Strassenmeister Motor: Kawasaki ZZR 1100 Wasserkühler: ZZR 1100 Kühlflüssigkeitsbehälter: Strassenmeister Ölkühler: ZZR 1100 Vergaser: ZZR 1100 Luftfilter: Airbox Strassenmeister Krümmer/Auspuff: ZZR 1100 Yoshi Rahmen: ZRX 1100 Schwinge: ZZR 1100, 150mm länger und mit Unterzug Federbein/Umlenkung: ZZR 1100 Gabel: ZZR 1100 Gabelbrücken: ZZR 1100 mit Superbikeumbau Lenker/Riser: LSL für dicke Lenker Hebel: ZZR 1100 Spiegel: zu klein Räder: ZZR 1100, 3,5x17 vorn, 5,5x17 hinten Bereifung: 120/70 17 vorn, 180/55 17 hinten Bremsscheiben: ZZR 1100 Bremszangen: ZZR 1100 Bremsleitungen: Stahlflex Fußrastenanlage: ZRX 1100 Tank: ZRX, stark modifiziert und angehoben Höcker/Sitzbank: ZRX 1100 modifiziert Kotflügel: ZZR 1100 Blinker: Mini LED Rücklicht: LED Danke an: meine Frau die sagte, wir könnten einen bequemen Zweisitzen gebrauchen

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ZXR 750/900

ZXR 750/900

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LAUBSAUGER

750er Dirt Devil mit großem Herz

Als Kawasaki seinerzeit die ZXR 750 auf den Markt schmiß, konnte man Dutzende von Interessenten dabei beobachten, wie sie bei den Händlern den Marken-Schriftzug vom Tank knibbelten, weil sie eine Umetikettierung vermuteten. Aufgrund der beiden dicken Schläuche, die sich wie zwei Staubsaugerrohre von der Verkleidung durch den Tank in den Luftfilterkasten erschlossen, hätte die grüne Kiste nämlich eher von Vorwerk oder Progreß sein müssen. Heilige Scheiße. Wer hatte da nur den Designern LSD in den Milchshake getan? Zum Glück gab es die Fuhre nicht in Blau – ansonsten hätten sich durchaus Assoziationen zu den wuchtigen Tankfahrzeugen aufgetan, mit denen für gewöhnlich Dixi-Klos geleert werden. Nicht auszudenken, wie oft man den arglos abgestellten 750ern da wohl vor den Bug gekotet hätte. Doch auch so war die Kreation eher zum Schließmuskelöffnen. Nur eine ausgeprägte Peristaltik am hinteren Verdauungstraktabschluß konnte da Schlimmeres verhindern.

Saugen ohne Beutel

Vor zehn Jahren geriet Thommie günstig an solch einen ungeliebten Haufen Kradmaterial. Nachdem er aber aufgrund der abführenden Optik kaum mit dem Kauf von Hakle Feucht hinterher kam, und die Abnutzung des Flachspülers langsam das Monatsbudget zu sprengen drohte, entschied Thommie nach vier Wochen, dem Desaster ein Ende zu bereiten. Los ging es seinerzeit jedoch nicht mit Klorollenhalter und Seifenspender, sondern per Superbike-Lenkereinheit und einem kurzen Heckteil aus dem Zubehör. Da Thommie das Vernunft-Gen vollständig von der Natur vorenthalten wurde, führte sein schonungsloser Umgang mit der Chimäre ein paar Wochen später leider zum verfrühten Ableben des Gebläses, äh Motors.

Der schnellste Feger der Welt

Um aus der Not eine Tugend zu machen, besorgte sich der gelernte Lackierer das deutlich kräftigere Herz einer ZX-9R in Bochum und baute die Einheit in den Straßenfeger ein. Bereits bei den ersten Erweckungsversuchen erwies sich der Einkauf jedoch als tiefer Griff ins Klo. Das Aggregat verweigerte vehement den Rundlauf und erinnerte akustisch eher an eine Mulinette, die versucht, M12-Schrauben zu zerkleinern. Also wieder raus mit dem Block und auf die Deponie damit. Um das Rüsseltier doch endlich wieder auf die Strasse bringen zu können, besorgte sich Thommie anschließend kurzerhand ein zerlegtes 750er Puzzle, das er erst zu einem funktionstüchtigen Triebsatz zusammensetzte und dann in den Rahmen einfügte.

Mehr Tierversuche

In den kommenden Jahren mußte die Kawa als Versuchstier für so manche fixe Idee herhalten. Mal komplett gestrahlt, dann wieder vollständig mit Unterbodenschutz überzogen. Ein Jahr poliert und schnieke lackiert, mal mild, mal wild. In den acht Lenzen machte die Dreiviertel ZXR so auch insgesamt acht optische Metamorphosen durch. Zwischenzeitlich spielte Gevatter Zufall dem Thommie doch noch eine gesunde 900er Pumpe in die geschickten Hände. Bevor sich auch nur der Hauch einer Staubschicht auf dem Kleinod ansammeln konnte, begann schon die Operation in der heimischen Klinik. Bereits im Aufwachraum zeigten sich verheilte Nähte, gesunde Atmung und spontane Reflexe. Nicht ganz unschuldig daran ist ein Viererpack Vitamintabletten von Keihin, in 41er Dosierung verabreicht. Damit außerdem die Verbrennungsrückstände nicht wie ein Furz in die leere Badewanne klingen, stellte Dr. Thommie eine Akrapovic-Prothese plus Cobra-Katheter zusammen, was sich als mächtig effektiv heraus stellte.

Plaquetten

Angesichts der extrem kurzen Abschnitte zwischen den Umbauetappen entschied Thommie, daß die Eintragerei der Teile erst einmal zurückstehen müsse – gegen die Häufung konnte er einfach nicht zum Amt rennen. Kurioserweise gab es in den ganzen acht Jahren keinerlei Probleme mit TÜV oder Rennleitung. Artig wurde trotz der nicht ganz unerheblichen Abweichungen vom Originalzustand im dualen Turnus der teure Aufkleber aufs Nummerschild gepappt. Nun ja, so ganz dann doch nicht immer. Zumindest bei der letzten Vorführung erlitt der Inschänöör dann doch während der Prüfung einen ausgewachsenen Anfall von Reizüberflutung und wollte angesichts von Menge und Umfang der Eingriffe in der Tat die positive Entlassung verneinen. Allerdings hatte der gute Mann zu diesem Zeitpunkt unvorsichtigerweise schon die Plakette auf die Hecktafel geklebt. Nach kurzer Diskussion, einem knapp entgangenen Herzanfall im Kittel und dem erfolgreichen Entreißen der Fahrzeugpapiere durch unseren Recken entfleuchte dieser dem kaiserlichen Verließ mit qualmendem Reifen. Zwar war weder der Schein abgestempelt, noch ein Prüfbericht ergangen, aber der Freundschafts-Patch auf dem Schild reichte ihm aus, und so waren wieder zwei Jahre gewonnen. 2001 ging Thommie in die Selbständigkeit und gründete mit „Missile Customs“ eine innovative, handwerkliche Kradschmiede im Osten der Republik. 2005 verkaufte er dann die Kawasaki an Michael, der als erstes mal die Eintragerei nachholte. Was er beruflich macht konnten wir nicht in Erfahrung bringen – aber Staubsaugervertreter oder Dixiwagenchauffeur scheiden wohl aus.

TECHNISCHE DATEN Modell: Kawasaki ZXR 750 (Bj.´92) Motor: Kawasaki ZX9R (Bj. ´97) Wasserkühler: Serie Vergaser: Keihin FCR 41 Luftfilter: offene Trichter Auspuff: Akrapovic-Krümmer mit Cobra-Endtopf Rahmen: ZXR 750 Schwinge: ZXR 750 Federbein: Suzuki GSX-R SRAD 750 Gabel: ZXR 750 Gabelbrücken: ZXR 750 Räder: vorne 3,5“ x 17“, hinten 6,5“ x 17“ Bereifung: vorne 120/70/17, hinten 200/50/17 Lenker: LSL Sportmatch Bremsen: ZXR 750 Fußrastenanlage: RST Tank: ZXR 750 Höcker: Einzelanfertigung (Missile Customs) Armaturen: ZXR 750 Instrumente: Motogadget Lackierung: Missile Customs

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Z 1170 Turbo

Z 1170 Turbo

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Einfach geil!

Fragt man Martin danach, wie es zum Aufbau dieser Boden-Boden-Rakete kam, lautet die einfache Antwort: "Ich hatte einfach Bock, mal ein richtig geiles Moped für die Straße zu bauen."

Die Marschrichtung ergab sich dabei ziemlich unspektakulär während einer Garageninventur. Von einer für seinen persönlichen Renndragster als Teilespender in Sachen Triebwerk gekauften Unitrack oxidierte immer noch der Rahmen in einer staubigen Ecke herum und drängte sich als Basis damit quasi auf. Nicht nur die zulassungstechnisch relevante Gnade der frühen Geburt oder die klassische Linie waren alleine entscheidend, auch die für Martins konspirative Pläne notwendige gute Änderbarkeit des metallischen Geröhrs sprach ein gewichtiges Wort mit. Stahl lässt sich halt leichter schweißen als Alu. Und schweißen würde Martin so einiges müssen. Das stand mal fest.

Der Schweiß ist heiß

Und Martin fing deshalb auch gleich mal mit der Braterei an. Achtern sollte unbedingt ein Einarmer von Ducati das Hinterrad zu Boden drücken, was direkt mal zwei Baustellen aufwarf: Zum einen die komplett abweichende Anlenkung des Federbeins gegenüber dem Original und zum anderen die von den Ducati-Ingenieuren bei der Entwicklung sträflich vernachlässigte Passgenauigkeit in den UT-Rahmen. Da die Ducati-Schwinge keine klassische Umlenkung im Keller trägt, sondern das Federbein direkt aufsattelt, musste der Rahmen untenrum zwar nicht groß umgestrickt werden, dafür aber eine Aufnahme für das Federbein im ersten Stock erhalten. Ein zu den neuen Verhältnissen passendes Federbein lies sich Martin bei Wilbers klöppeln, nachdem er den dazu nötigen Fragebogen im Umfang eines Hartz IV-Antrags ausgefüllt hatte. Das Ergebnis ist dafür umso schlichter und hochgradig funktional.

Arsch ab

Das sollte auch der Heckrahmen sein, der deswegen einfach mal komplett in Richtung Curt Cobain geschickt wurde – wenn auch nicht durch die Kraft einer Schrotflinte, sondern ganz konservativ mit der Flex. Der von Street-Machines georderte Höcker kam mit deutlich weniger Tragwerk aus, welches Martin in unsichtbarer Form unter das Sitzmöbel an den Rahmen tackerte. Ergänzt wird das Chassis am Bug durch die Front einer Kilogixxer mitsamt radialer Bremsanlage und in die obere Brücke eingelassenem Motogadget-Zentralinstrument.

Keine große Sache

Das lief alles soweit sehr geschmeidig und war für Martin auch kein großes Ding, kann er doch auf reichlich Erfahrung im Umbau von ähnlichen Gefährten bis hin zu Eglis und kompletten Eigenbauten für den Dragstrip zurück greifen. Damit die Nummer nicht aus dem Ruder liefe und der schlichten Einfachheit halber, änderte Martin den Hauptrahmen im Anschluss so um, dass ein öliges Gixxer-Triebwerk hinein passte und auch kurz darauf eingehängt wurde. Nachdem sich Martin nach mehrmaligem Begutachten der Kombination beinahe den Unterkiefer ausgegähnt hätte, zog er auf ärtzliches Anraten seines Kieferorthopäden die Notbremse und den Suzuki-Motor wieder aus dem Fahrgestell, schweißte alles zurück auf Anfang und besorgte sich einen GPz-Motor.

Fundstücke

Bei dessen Einbau fiel es Martin wie Schuppen aus den Haaren, dass irgendwo noch ein ältlicher Turbosatz für eben so einen Reaktor herum liegen müsse, der vor etlichen Jahre ausgemustert wurde, weil er auf der Viertelmeile schlicht nicht mehr konkurrenzfähig gegenüber den massiv aufkommenden Hayabusa-Turbos war. Für die Landstraße sollte er aber wohl noch reichen.

Durchgeladen

Krümmer, Wastegate und sogar der Lader selber waren noch vorhanden und wurden mit ein paar Eigenbauteilen sowie einem modifizierten HSR-40 Mikuni komplettiert und das ganze dann in den Rahmen gehängt – nur um sogleich wieder extrahiert zu werden. Grund für die Entwicklung war jedoch keine Inkompatibilität oder erneute Langeweile, sondern im Gegenteil der Wille nach mehr. Und da Martin nicht nur einen gut sortierten Garagefundus, sondern auch ein paar hemmungslose Menschen in seinem Umfeld sein Eigen nennt, brachte er den Motor zu einem Spezi, der fließend MRD spricht. Also jenen Schweizer Turbomotor, der dem hier entstehenden Prügel anatomisch sehr ähnlich ist.

Drucksachen

Und während Martin sich weiter am Fahrwerk austobte, Peripherie und Lacksatz komplettierte, wurde anderen Orts der Kawa Motor auf Links gedreht und mit verschweißter Kurbelwelle, Turbo-Nockenwellen, Schmiedekolben, Außenölung und Lock-Up Kupplung versehen. Schon im Grundsetup, basierend auf dem der erwähnten MRD-1, drückte der Motor solide 180 Ponies bei konservativen 0,5 Bar Ladedruck aus dem Getriebeausgangslager, was sich je nach Gusto über das Wastegate leicht weiter nach oben schrauben lässt. Auf Grund des nassen Prinzips belässt es Martin jedoch meist bei der halben Zusatzatmosphäre, weil darüber hinaus das Gemisch-Handling einiges an Aufwand erfordern würde.

Das Raus-Rein Prinzip

Nachdem der renovierte Motor wieder an der heimatlichen Burg war, verfrachtete ihn Martin erneut ins Fahrwerk – nur um ihn nach kurzer Endkontrolle und letzten Detailanpassungen wieder zu extrahieren, auf dass die versammelten Brocken nun mittels Farbpistole und Polierscheibe auch optisch auf die Höhe der Zeit gebracht werden konnten. Die abschließende Endmontage war kein großes Ding mehr, wohl aber das Stricken des Kabelbaums, bei dessen Umsetzung sich Martin glücklicherweise auf einen weiteren Kollegen stützen konnte. Und selbst die TÜV-Abnahme verlief frei von Brechdurchfall, so dass Martins Vorhaben "einfach mal ein richtig geiles Straßenmoped zu bauen" final abgeschlossen werden konnte. Nicht auszudenken, wenn der Kerl mal "was richtig Wildes" auf die Räder stellen will. Wir sind dann auf jeden Fall wieder zur Stelle.

TECHNISCHE DATEN Marke/Modell/Bj.:Kawasaki GPZ 1100 Erbauer:Martin Motortuning:ATP Steuerkettenspanner, Turboladerkit, Kurbelwelle verschweißt, außenliegende Ölleitungen, 1170ccm MTC Kolben, Turbowellen MTC, Egli Ölwanne, Egli Ölpumpe, 180ps bei 0,5bar, Lockup Kupplung, Dyna 2000 Zündung Vergaser:Mikuni/HSR40 Luftfilter:K&N Krümmer/Auspuff:ATP/Eigenbau Rahmen:GPZ geändert Heckrahmen:Eigenbau Schwinge:Ducati Einarmschwinge modifiziert Federbein:Wilbers Gabel:Suzuki GSX-R 1000 Gabelbrücken:Suzuki/ABM Hebel:ISR Griffe:RAM Räder: Ducati 916 Bereifung: 120/60/17 vorn, 180/60/17 hinten Bremsscheiben: Lucas vorn, Ducati hinten Bremszangen: Radial 4Kolben vorn, Brembo hinten Bremsflüssigkeitsbehälter:ISR vorn, Brembo hinten Bremsleitungen: Stahlflex Fußrastenanlage:ABM Tank:Z900 geändert Höcker/Sitzbank:Streetmaschines SM5 Kotflügel:Ducati geändert Armaturen/Schalter:ISR

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Z 1000 Monster

Z 1000 Monster

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Sekt für die Nutten!

Bescheidenheit und Zurückhaltung zeichnen den Tugendhaften aus. Enthaltsamkeit und Keuschheit ebenfalls. Und wer auf solchen Pfaden wandelt ist wohlgelitten und reinen Herzens. Wer aber lieber die Ballkönigin auf den Abtanz knallen will und Testosteron am liebsten aus der großen Buddel säuft, der sollte den pseudomoralischen Quatsch ganz schnell wieder vergessen und Hackengas geben.

Bring your daughter to the slaughter

Als Basis wurde eine leidlich herunter gerittene Z 1000 verpflichtet, deren Motor zwar "frisch aufgebaut" sein sollte, aber in etwa so unrund lief, wie Phillip Rösler (wer war das noch mal?!) redet. Darüber konnte aber geflissentlich hinweg gesehen werden, denn bei der geplanten Aktion würde sowieso keine Schraube auf der anderen bleiben. Während ein Teil der konspirativen Schrauber-Kommune sich am Triebwerk verdingte, widmete sich der Rest dem ältlichen Fahrwerk. Auf dessen OP-Plan standen ganz oben der Umbau auf einen Reifen im Waschbetonfliesenformat, der Verlust eines Schwingenarmes und der Umbau amtliches Gabel- und Radwerk.

One 4 all

Für den heckseitigen Teil der Aufgabe rekrutierten die Jungs einen saftigen Einarmer. Das mit einer Zwischenwelle ausgestattete Ungetüm erlaubt die Verwendung extremer Schüsseln, ohne dass der Reifen aus der Fahrzeugmitte fällt wie Rex Guildo aus dem offenen Badezimmerfenster. 30 Zentimeter Gummi spannen sich lasziv über die zehneinhalb Zoll breite Hinterradfelge und sorgen beim nachfolgenden Verkehr für therapiebedürftige Minderwertigkeitskomplexe.

Eat the rich

Der Motor ist nicht weniger üppig, und sein Aufbau gestaltete sich deutlich aufwendiger, als man angesichts der sauberen Optik vermuten mag. Nach der kompletten Revision der inneren Organe, galt es im ersten Schritt die Kompression aus den Kesseln zu nehmen. Dickere Fußdichtungen, sowie eine Aluminium-Kopfdichtung aus dem GPz-Segment sind hier hilfreiche Gesellen. APE-Stehbolzen halten den Kopf in Position und tragen den erhöhten Verbrennungsdrücken Rechnung.

Velo Rotrex

Diese kommen nicht von ungefähr, sondern aus dem Rotrex Schneckenlader, der im Prinzip wie ein mechanisch angetriebener Turbo funktioniert. Statt der Abgasschaufel versetzt die Kurbelwelle über einen äußerst erbaulichen Riementrieb die kalte Seite in Rotation und verdichtet im derzeitigen Trimm die Frischgase auf noch gut verdauliche 0,8 Bar. Statt den Luftstrom durch die originalen Vergaser zu pusten, entschieden sich die engagierten Mannen dazu den Benzinanteil über ein Einspritzsystem zeitgemäß beizusteuern. Vollständig digital geregelt, zuverlässig wie die Benzinpreiserhöhung zum Sommerferien-Beginn und dazu erfreulich kompakt von den Maßen, eine solide Entscheidung. Hugh!

First Blood

Nachdem das Rolling Chassis grob fertig und der Motor für erste Probeläufe zusammengebaut war, ging es zum ersten Mal auf den Prüfstand. Der enorme Verbrennungsdruck katapultierte eine Kerze nebst Gewinde aus ihrem Sitz, die Kopfdichtung packte die Zahnbürste ein und marschierte Richtung Friedhof vor und einige weitere kleinere Neben-Debakel sorgten in Summe dafür, dass der frisch revidierte Hubkolber wieder auf die Werkbank und erneut auseinander musste. Scheiße ist nun mal da um zu passieren. Also fix den Arsch abgewischt und neu aufgebaut den Zampano.

Second try

Der zweite Anlauf zeigte sich deutlich erbaulicher. Noch lange nicht perfekt, aber schon mal ganz munter, konnten auf dem Prüfstand 180 muntere Ponys zusammengetrieben werden, die mit 140 Nm an der Kurbelwelle hebeln. Der Ablauf der Triebwerksarbeiten war durchaus symptomatisch für den gesamten Umbau, denn so richtig auf Anhieb klappen wollte nichts. Das lag jedoch nicht daran, dass es den Baumeistern and handwerklicher Begabung gebrochen hätte – ganz im Gegenteil. Zu diesem Zeitpunkt konnte die Crew bereits auf ein üppiges Arsenal hochkarätiger Umbauten auf Kawabasis zurückblicken. Viel mehr fand das Übel seinen Ursprung in Komplexität und Radikalität der Maßnahmen für die es kein vorgefertigtes Schnittmuster gab.

Hand- und Radwerk

Realtiv konservativ geht es im Vergleich zum Rest des Ofens an dessen Front zu. Eine stark modifizierte SRAD-Gabel steckt in CNC-Brücken und klemmt ein viereinviertel Zoll breites Rad zwischen seine polierten Schenkel. Beringer Sechsschüsser verbeißen sich in die montierten 320er Flame-Bremsscheiben, unter Druck gesetzt von Pumpen des Zangen-Herstellers, die sich ob ihrer geschmeidigen Form auch astrein als dekorativer Halsschmuck machen würden. Das alles ist mit viel Liebe zum Detail verarbeitet worden, was sich z.B. daran zeigt, dass wirklich jede einzelne verbaute Schraube an der Drehbank angephast wurde. Lieblose Kompromisse sucht man erfreulicherweise vergebens.

TECHNISCHE DATEN Marke/Modell/Bj.: Kawasaki Z 1000 Bj. 1977 Motor: 1075 ccm Kompressor, Alu-Kopfdichtung, doppelte Fußdichtung, reduzierte Kompression, APE-Stehbolzen, Rotrex Charger Vergaser/Einspritzung: Digitales Motormanagement mit Kronenburg Einspritzung Luftfilter: K & N Einzelluftfilter Krümmer/Auspuff: Marving Racing Rahmen: Serie modifiziert Schwinge: CNC Einarmschwinge Federbein/Umlenkung: Eigenbau mit Technoflex Gabel: GSXR-750 SRAD Gabelbrücken: CNC Räder: CNC
vorn: 4,25x18
hinten: 10,5 x18 Bereifung:
vorn: Metzler 130x18
hinten: Metzler 300x18 Lenker/Riser: Streetbar Bremsen: Beringer 6 Kolben Sättel und Pumpe vorn: 320 Flame Scheiben hinten: 220er Flame Scheibe Verkleidung/Maske/Scheinwerfer: Doppelscheinwerfer CNC Kotflügel: Chrom, Halterunen Eigenbau Armaturen/Schalter/E-BOX: Serie modifiziert Instrumente/Anzeigen: Digital Cockpit Sonstiges: sämtliche Schrauben per Hand abgedreht

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ZX-12R XTrem

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Das Blech

An der Bar, an der Bar, ja was machen die da? Da fliegt mir doch das Blech weg. Was Spliff zur NDW-Hochzeit in schwarze Vinyl-Teller ritzte, ist für Rene das absolute Schreckens-Szenario. Denn wenn seiner 12er das Blech weg fliegt, bleibt nicht mehr viel stehen. Das komplette Bodywork ist nämlich nicht aus GFK laminiert, sondern metallurgische Handarbeit.

Ohne Gimmick

Den Anstoß zu dieser Laune der Natur gab Fritz, Kumpel und Lackierer von Rene, der unbedingt ein Krad in seiner bis dahin schon recht üppigen Sammlung stehen haben wollte, mit dem auch Batman auf Joker-Jagd gehen würde. Ein bisschen Stealth, gerne total überkandidelt und völlig krank lautete die ausgegebene Devise. Rene war genau der richtige Mann für die Umsetzung solcher vernunftbefreiten Marschbefehle. Bewaffnet mit einer entsprechenden Werkstatt, enormen Fingerspitzengefühl, das selbst Domteuere von YPS-Urzeitkrebsen vor Neid erblassen lässt sowie einem Restgehalt NDW aus Kindheitstagen im Blut. Dann konnte die Sache ja steigen.

Déjà Vu

Oder auch nicht, denn bis dahin war außer der antiseptischen Grundidee nichts weiter vorhanden – nicht mal ein Motorrad. Und da sowohl Feldstudien als auch empirische Eigenerfahrung gezeigt hatten, dass sich ein solches am leichtesten umbauen lässt, wenn es denn da ist, machten sich die zwei auf, dem Gebrauchtmarkt das Fürchten zu lehren. Zur Debatte standen ausschließlich Großkaliber mit hohem Adrenalin-Output. Supersportler waren zu zierlich und nervös, blieben also nur Langstreckenbomber vom Schlage einer Hayabusa oder ZZR 1400. Den Zuschlag erhielt eine Zwölfer-Kawa, die mit dem wohl am derbsten reißenden Kessel ihrer Gattungsklasse aufwarten kann.

Verbaut

Blöderweise aber auch mit der für Umbaupläne wohl unzuträglichsten Anatomie, die je ein japanisches Fließband verlassen hat. Wer so eine Zwölfer schon mal aus ihrer Schale gepellt hat, weiß was ich meine. Ein Geschwür von einem Tank, das sich bis unter den Fahrer-Arsch erstreckt. Praktisch null Chancen den Heckausleger durch eine Eigenkonstruktion sinnvoll zu ersetzen sowie ein Multifunktionsrahmen, der gleichzeitig die Airbox bildet. Die Dinger haben schon mehr Umbauer in den Wahnsinn getrieben als der Bushidos ausgefüllter Pisa-Test-Fragebogen Gymnasiallehrer.

Der rote Hugo hängt tot im Seil

Eine angefangene Baustelle war schnell für kleines Geld gefunden und gefühlt noch einmal die selbe Summe in Papp-Bögen, Spliff-Kassetten und Blechtafeln investiert worden. Aus den drei Sachen entstand in den folgenden sechs Monaten das Unsagbare. Da der Plan in erster Linie die umfassende Neueinkleidung des Hockers vorsah, noch dazu in sehr üppiger Umsetzung, fielen zumindest die technisch notwendigen Vorarbeiten recht überschaubar aus. Das lag nicht zuletzt an den munteren Genen, welche die Kawa von Haus aus mitbrachte. USD-Gabel, fette Bremsen, ordentliches Radwerk. Alles Punkte auf der Haben-Seite.

Carbonara

Nun, zumindest letzteren Punkt bewertete Rene dann doch etwas anders. Auch wenn 200mm Gummi alles andere als Trennscheibenformat sind mit dem man Angst haben muss, in Innenstädten in die Schienen von Straßenbahnen zu geraten und nicht wieder heraus zu kommen, war ihm das deutlich zu dünn. Deshalb wanderte die Felge zu einem entsprechenden Fachbetrieb, wo ihr die Hammelbeine lang gezogen wurden, bis 33 Zentimeter profilierten Kautschuks zwischen ihre Hörner passten. Dass die leichtmetallerne Waschmaschinen-Trommel auch mit einem Presslufthammer nicht mehr zwischen die Arme der Serien-Schwinge zu bugsieren war, ist weniger überraschend.

Mach die Beine breit

Statt zu versuchen, die vorhandene Schwinge in einen Gynäkologen-Stuhl zu hängen und der mit der pränatalen Methode des Spreizens und Pressens ihre Gebärmutter in eine für die neue Felge ausreichend begattungsfähige Breite zu bringen, streckte Rene erneut seine Fühler aus und fand tatsächlich ein Exemplar, welches bereits entsprechend umgemuddelt war. Genauere Angaben zu Herkunft und Modifikationsweg kann Rene nicht liefern – die hatte selbst der Verkäufer nicht im Ärmel. Scheiß drauf – passt und hält.

Puzzle Royal

Jetzt nur noch eben den Heckrahmen kastrieren und modifizieren – und dann konnte die große Schippelorgie endlich beginnen. Im ersten Anlauf bestanden die einzelnen Segmente aus denen sich die Baugruppen zusammenfügen nur aus Pappe. Der Weg über solche Schablonen, insbesondere, da vollkommen frei Hand und direkt am Krad geschneidert vereinfachte die Formfindung drastisch. Am Ende hockte Rene vor ein paar hundert kantigen Teilen, die selbst den Goldmedaillengewinner der Ravensburger-Puzzle-Festspiele in den Wahnsinn und zum verzweifelten Verzehr von Eigenexkrementen getrieben hätten.

Red kein Blech

Nachdem jedes einzelne Teil in Blech umgesetzt war, entspannte sich die Situation jedoch nicht unbedingt. Denn anders als Pappe hat dünnes Blech die doofdreiste Eigenschaft sich beim Verschweißen zu Verziehen und Wellen zu werfen - finden Haarspraynutzerinnen vielleicht geil, Schrauber aber nicht. Und so folgte auf jeden verbindenden Arbeitsschritt auf dem Fuße ein solcher in Sachen Nachrichtung und In-Form-Kloppung. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen.

Komm, Plex

Es vereinfachte die Sache auch nicht unbedingt, dass die auserkorenen Formen kaum komplexer und verschachtelter hätten ausfallen können und ausnahmslos jedes Kleinteil für den Hobel auf diesem friemeligen Weg entstand. Nicht mal Maske oder Fender sind gekauft oder GFK-miniert und selbst die Kühlerblende ist ein mega-komplexes ultra-aufwendiges Konstrukt mit Zwangsjackenpotenzial wegen Nervenzusammenbruch beim Bauen. Da macht auch der Lenker keine Ausnahme. Auf den ersten Blick ein Frästeil, handelt es sich bei ihm um eine verkleidete Fehling-Dagbar in Seemöven-Spannweite – ein Motogadet-Tacho ist eingelassen.

Farbqual

Im Kontrast zum Bodywork-Armageddon steht dann wieder die getroffene Farbwahl. Auch wenn Fritz als Lackierer eigentlich die komplette Palette offen stand, entschied er sich für Matt-Schwarz-unmetallic-candyless-antihell. Steht dem Bat-Mobil ja auch gut zu Gesicht. Und wie dieses, fährt die 12er trotz ihrer Radikalität ausgesprochen gut und wird auch als Reisegefährt zu einschlägigen Zusammenkünften sowie im Alltagsbetrieb massiv genutzt. Da fliegt mir glatt das Blech weg!

TECHNISCHE DATEN Marke/Modell: Kawasaki ZX-12R, Bj. 2001 Erbauer: Rene Eichler Wasserkühler: Serie mit Eigenbauverkleidung Luftfilter: K&N Krümmer/Auspuff: Serienkrümmer mit Akrapovic Endpott Heckrahmen: gekürzt Schwinge: Eigenbau Gabelbrücken: oben ABM Gabelcover: Eigenbau Lenker: Fehling 980mm Hebel: Billet Griffe: Progrip Spiegel: Highsider Räder: 3,5x17 vorn, 11x17 hinten Bereifung: 120/70ZR17 vorn, 330/30VR17 hinten Bremsscheiben: Serie, lackiert Bremszangen: Serie, lackiert Bremsflüssigkeitsbehälter: Serie, lackiert vorn, ABM hinten Bremsleitungen: Stahlflex Fußrastenanlage: Serien, modifiziert Tank: Serie Höcker/Sitzbank: Monocoque Kotflügel: Eigenbau Bugspoiler: Eigenbau Instrumente/Anzeigen: Motogadget Maske/Scheinwerfer: Eigenbau Blinker/Rücklicht: Highsider

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Z 1000 B

Z 1000 B

19 Fotos

Gesundheitsgefährend

Warnung: Es kann zu allergischen Reaktionen kommen. Zahlfleischblutungen, Fingernagelausfall sowie Verlust des Haupthaares sind nicht auszuschließen. Unbedingt von Schwangeren und kleinen Kindern fernhalten. Vereinzelt können auch eine knabenhaft hohe Stimmlage und extreme Nasenbehaarung auftreten.

Ja, Ärzte und Apotheker warnen nicht ohne Grund vor der Verwendung von Plastik an Motorrädern. Ein Thema, das uns alle angeht und dessen Risiken für Leib und Leben gar nicht oft genug betont werden können. Nicht umsonst habt ihr so etwas wie das Pendant zur Apotheken-Umschau vor den Glubschern. Wir wollen halt, dass es euch gut geht und ihr gesund bleibt.

Vorbeugeuntersuchung

Kai erkannte bereits früh die Gefahren von vollverkleideten Mopeten und machte deshalb einen großen Bogen um die gesundheitsgefährdende Spezies. Ihm stand der Sinn eher nach klassischer Schluckimpfung, wobei ihm die in Frage kommenden zweirädrigen Arzneimittel dann auch schon wieder zu barock waren. Schöner Mist. Um aus diesem medikamentösen Schlamassel heraus zu kommen, wand er sich an Dr. Klaus, von der Berliner Strassenmeister-Klinik, der ihm was amtliches auf Spritze ziehen sollte - und das auch tat.

LMAA statt ABS

Dabei stand das Ausgangmaterial bereits fest und griffbereit in der Auffahrt: eine recht günstig geschossene Z 1000 aus den späten Siebzigern. Dem damaligen, von Prilblumen, Schlaghosen und fieser Franz Lambert Musik geprägten, Zeitgeist folgend, ein wilder Brocken von einem Moped - zwar frei von giftigem Plastik, trotzdem aber immer noch viel zu überladen für Kais Vorstellungen von einem bereiften Baseball-Schläger. Alles, was nicht unbedingt zum Fahren gebraucht wird, hatte nach Kais Vorstellungen nichts an seinem zukünftigen Fahrstuhl zu suchen. Im Zentrum sollte nebenwirkungsfrei der Motor stehen - alles andere wäre Nebensache.

Arznei macht frei

Was aber nicht heißt, dass hieraus eine Beliebigkeit in Sachen Komponentenwahl erwachsen wäre. Ganz im Gegenteil. Dass man, trotz massiver Reduktion so einen rollenden Eisenhaufen nicht auf das Kampfgewicht einer modernen 250er eindampfen kann, versteht sich von alleine. Da kannst du der Z solange du willst die Finger in die Vergaser-Rachen stecken - die Karre würgt sich nicht an die Dreizentner-Grenze heran. Was man aber machen kann ist, die verbleibenden Massen beweglicher zu gestalten.

Fett weg

Das führte in diesem Fall über zwei Pfade: Zum einen die von Krankenkassen unterstützte und geförderte Konzentration der Massen. Die kann man mit bloßem Auge erkennen, denn abseits des Vierzylinders herrscht derart gähnende Leere im Rohrrahmen, dass die Bauteile-Abstinenz den Betrachter fast schon glauben lässt, die Kiste könne so unterbesetzt gar nicht fahren. Ein Irrglaube, der insbesondere bei Plastik-Sucht befallenen Problempatienten, die eine Fortbewegung mit weniger als einem halben Dutzend Blackboxen, diversen Sensoren, ABS, ASD, Blutooth, Koffersystemen und Verkleidungen groß wie Carports extrem ausgeprägt ist. In solchen Fällen hilft nur der Gang zum Spezialisten und eine stark erhöhte Medikation.

Kopf statt Tropf

Auch wenn es der gemeine BMW K 1600 Passagier zwischen elektrisch verstellbarer Windschutzscheibe und beheiztem Koffer-Set nicht wahrhaben will: Mehr als ein bisschen Umgebungsluft, Treibstoff und Frühzündung sind zum Fahren nicht nötig. In echt, ey! Und so schnüffelt die Z ganz analog durch ungehemmte Filterelemente an Mutter Natur und gibt ihr auf der anderen Seite durch eine rustikale 4in2, komplett ohne Kat, Vorschalldämpfer und Sekundärluftsystem die aerosolen Leihgaben zurück. Übrigens, das da hinten rechts am Motor ist keine DVB-T Antenne, sondern ein Tretstock, mit dem der Motor angestiefelt wird. So eine Art mechanische App und das vorzeitliche Gegenstück zum Handy-Streicheln.

Rekonvaleszenz statt Demenz

Neben der reinen Amputations-Chirurgie zeichnet ein glückliches Händchen bei der Implantate-Auswahl für den hervorragenden Gesundheitsstatus unseres Patienten verantwortlich. Und die Brocken sind teilweise deutlich moderner, als sie auf den ersten Blick wirken. So stammt die nach alter Väter Sitte werkelnde Forke nicht aus einer Neander oder NSU, sondern hat ihren Ursprung in Suzukis 600er GSX-R, was zusammen mit den entsprechenden Vierschüssern und den Wave-Scheiben nicht nur für präzises Lenkverhalten sorgt, sondern auch das Anhaltevermögen um vierzig Jahre nach vorne bringt. Zusammen mit den Konis und der Kastenschwinge hinten, sorgt das Besteck zudem dafür, dass die Fuhre dichter an den Straßenbelag rückt, was wiederum den Schwerpunkt senkt und zusammen mit der etwas tieferen Sitzposition der Handlichkeit weitere Pluspunkte in die Krankenakte zimmert.

Diagnose: Feuchte Hose

Ziemlich schnell abgehandelt ist die Beschreibung des Bodyworks der Fuhre. Das gibt's nämlich irgendwie gar nicht, bzw. besteht lediglich aus dem Spitfass. Fender vorne Fehlanzeige und nach hinten hinaus ist da nur die spartanische Sitzbank, die auf dem heftig gekürzten und umgeschweißten Heckgestell ruht. Der Lackierer hatte nicht so richtig viel zu tun - genau gesagt gar nichts, denn die Tankfarbe war zum einen noch recht gut in Schuss und zum anderen deren Patina durchaus förderlich, so dass eine frische Pigment-Dusche ihn bestenfalls zum Fremdkörper degradiert hätte - den der Hobel dann vielleicht sogar mal spontan vor eine roten Ampel abgestoßen hätte. Und dann ist kein Arzt in der Nähe.

Eisen im Blut

Dass man bei dem Grundkonzept der Fuhre nicht mit irgendwelchen Masken, Bugspoilern oder zerklüfteten Heckteilen optisch grausame Tierversuche durchzuführen braucht, erschließt sich jedem Betrachter mit zwei gesunden Augen und intakten Geschmackrezeptoren stehenden Fußes. Wild geht aber zum Glück auch mal anders. Die Z ist ein amtlicher Keulenschwinger der derben Sorte. Gut, natürlich nichts für GFK-Abhängige, Plastik-Süchtige oder Menschen mit einer Überdosis Vollverkleidung auf dem Arbeitsunfähigkeits-Attest. Im Leben ist halt nichts ohne Risiken und Nebenwirkungen. Im Zweifel kann man immer noch die Packungsbeilage essen oder seinen Arzt oder Apotheker durchkauen. Hauptsache, gesund, sag ich immer.

TECHNISCHE DATEN
Built by:

Marke/Modell/Bj.: Kawasaki, Z1000 A1, Bj. 1977
Besitzer: Kai-Uwe Tank
Erbauer: Strassenmeister Motorcycles
Luftfilter: K&N
Krümmer/Auspuff: Speed Pro Moto GP Megacone
Heckrahmen: DIY Strassenmeister Motorcycles
Schwinge: Z 1000 Kastenschwinge
Federbeine: Koni
Gabel: GSX-R 600
Gabelbrücken: GSX-R 600
Lenker/Riser: LSL
Räder: Kawasaki Z1000B, LTD, US-Modell, 2,15x19 vorn, 3x16 hinten
Bereifung: Bridgestone Exedra 100/90/19 vorn, 140/90/16 hinten
Bremsscheiben: 320 mm EBC vorn, Z1000B hinten
Bremszangen: GSX-R 600 vorn, Z1000LTD hinten
Bremsleitungen: Stahlflex
Fußrastenanlage: Tarrozzi
Tank: Z 1000
Höcker/Sitzbank: Strassenmeister Motorcycles
Armaturen/Schalter: Original
Instrumente/Anzeigen: Motogadget Tiny
Scheinwerfer: Rund-Scheinwerfer
Blinker: Motogadget
Rücklicht: Shinyo
Lackierung: Originallack mit Patina
Danke an: Strassenmeister Motorcycles & Team und natürlich an die Dame an meiner Seite, die mich mein altes, neues Hobby in vollen Zügen ausleben lässt.

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ZXR Doppel

ZXR Doppel

38 Fotos

Autodidakten

Kai und Marco waren schon lange ein Paar... nur in der Werkstatt, nicht auf dem CSD! Mit gekreuzten Maulschlüsseln, durchgeladenen Schlagschraubern sowie einer saftigen Ladung originalfeindlicher Ambitionen schraubten sie sich die enthusiastischen Flossen blutig. Bis sie beim Durchzählen der Räder ihrer Fluchtfahrzeuge plötzlich feststellten, dass da wohl irgendwie immer zwei zu viel dran waren.

Die zwei waren jahrelang fiesen Trickbetrügern aufgesessen, die ihnen glaubhaft machen wollten, Autos seien das angemessene Fortbewegungsmittel für Triebtäter ihres Kalibers. So ein Unfug. Kai hinterfragte als erster das verwirrende Dogma – mit der Erkenntnis, dass das asphaltierte Leben auf einer Spur vielleicht doch wesentlich mehr Sinn machen könnte.

K04

Das war anno 2004. Und so kam es, dass in dem Jahr nicht nur George Bush erneut zum König der U.S. of A. wiedergewählt wurde, die Frauenmannschaft des FFC Turbine Potsdam den Titel des DFB-Pokalsiegers der Damen einheimste und Scooter die Welt ungefragt mit einem neuen Kasper-Tecno Album drangsalierte – sondern auch eine bis zum Auswurf von Lebensmitteln hässliche ZXR den Besitzer wechselte.

Ei of the Tiger

Als "Tigerente" beschreibt Kai rückwirkend das Aussehen des hässlichen Wasservogels, den er zum Zwecke des Umbaus erlegt hatte. Eine Ansammlung unzusammenhängender Furunkel, ins Lackkleid einer gestreiften Unterhose aus der Sammlung von Hugo Egon Balder gezwängt – dafür aber für den Gegenwert eines halbvollen Eierkartons aus der biologischen Freilandhaltung zu haben. Kann man nicht viel verkehrt mit machen.

Blutspende

Doch, kann man. Nach einer ersten Obduktion des Leichnams, der Marco als assistierende Chirurg beiwohnte war man sich schnell einig: "Erschießt es, bevor es sich vermehrt!". Statt die Flinte auf das Tierchen zu richten oder sie ins Korn zu werfen, nahmen die beiden die Pepsi-Herausforderung an, zerlegten seine Überreste und besorgten sich präventiv eine zweite – ebenfalls desolate – Karre des gleichen Typs als Teilespender. Und es würde in der kommenden Zeit einiges zu spenden geben.

Entenjagdsaison

Als erstes wurde aber mal ausgesondert. Das fing mit der Verkleidung und den für diese Modell ebenso typischen wie unglaublich verstörenden Staubsaugerschläuchen des Ram-Airs die in den vorderen Tankabschnitt münden, an. Der Erfinder der Flexrohrpipelines sitzt übrigens seit 1991 wegen schwerem Drogenmissbrauchs in der Geschlossenen, wird in vier Monaten entlassen und fängt dann bei Vorwerk als Designer an. Hab ich zumindest gehört.

Langboot

Die folgenden Monate hatten nicht nur eine gründliche Überarbeitung des Fahrwerks – in deren Mittelpunkt die Montage einer vom Berliner Strassenmeister verlängerten Schwinge stand – zur Folge, sondern auch ein sich fast schon zu einer persönlichen Beziehung mit der Pizzaausfahrerin entwickelndes Fastfood Bestellverhalten. Wenn man den ganzen Tag schraubt, hat man halt keine Zeit sich selber zu bekochen.

Klangraum

Der frisch geschürfte Freiraum zwischen Hinterrad und Rahmen wurde anschließend einer diagonal verlaufenden Abgasanlage zur Verfügung gestellt, die in einen zweischüssigen Ixil-Pott der Sorte extraklein mündet. Optisch stützt das Ding den Höcker, technisch übernimmt den Job natürlich exklusiv der frisch gezimmerte Heckrahmen, der mit einem angepassten GFK-Sitzmöbel bespannt wurde.

Sorgentelefon

Dessen Montage gestaltete sich dank der maßhaltigen Sonderanfertigung relativ schmerzfrei, was man von seiner späteren Eintragung nicht behaupten kann. Wobei hier weniger tatsächlicher technischer Handlungsbedarf seitens des Prüforgans gesehen wurde, als vielmehr ein blödes kommunikatives Missverständnis vorlag. Einen Tag vor der Vollabnahme sprach Kai nämlich noch einmal sicherheitshalber fernmündlich mit dem Prüfer die durchgeführten Änderungen ab. Der Mann am Rohr wurde reichlich unentspannt, als Kai von seinen heckseitigen Modifikationen berichtete, die er aber lediglich fehlinterpretierte.

Mistverständnis

Das Gespräch endete mit einem profanen "Das geht so nicht", was Kai widerum dazu veranlasste, 14 Stunden vor dem finalen Ortstermin noch einmal die ganze Nacht durchzuschrauben und die angemahnten Hürden aus dem Weg zu laminieren. Als Marco seinen Kollegen morgens nach der unfreiwilligen Nachtschicht zwecks gemeinsamer Fahrt zur TÜV-Stelle abholte, sah Kai einer Mischung aus Catweazle auf Xtasy und einem Opossum mit elektrischem Lockenstab auf Stufe 3 im Arsch nicht ganz unähnlich. Fertig mit den Nerven aber auch den Korrekturen ging es zur Prüfanlage, wo man einem irritierten Kittelträger gegenüberstand, der plötzlich im Angesicht der spontanen und stolz präsentierten Last-Minute-Modifikationen nur meinte "Wieso haste das denn alles gemacht? Hätte ich dir doch eingetragen!". Kennt ihr diese Momente, wenn man plötzlich ganz, ganz müde wird und nur noch leise und still in sich hinein weint und ein unhörbares "Mutti" schluchzt? Das war genau so einer!

Warmreifer

Egal. Die Stempeltinte war noch feucht und warm, als Kai mal wieder die Schnellwahltaste für den Pizzadienst wählte und Marco damit begann den frisch getüvten Koffer wieder zu zerlegen. Denn es gebrach dem Stuhl noch an einer adäquaten Lackschicht. Da ein Tigerenten-Revival ausschied und Kai schon immer einen Fetisch für die krassen Farbkombinationen seiner Hot-Wheels Kollektion hegte, deklarierte er deren Layout zum umzusetzenden Schema. Quietschrote Fahrwerksteile kontrastieren fortan mit gelben Lackbrocken um die Wette. Wenn Kai mal von einem Auto umgemangelt wird, kann sich dessen Fahrer auf keinen Fall damit raus reden, er hätte das Krad nicht gesehen.


Am Ende stand aber nicht nur ein bunter Hund in der Werkstatt, sondern auch ein mittlerweile chronisch unterversorgter Schrauberkumpel. Der war nämlich immer noch ausschließlich zweispurig unterwegs, was schon alleine am Fehlen einer passenden Fahrerlaubnis für die radreduzierte Gattung lag. Aber Marco hatte während des Aufbaus der Kawa dermaßen Blut geleckt, dass er alles stehen und liegen ließ und sich anschickte, in Rekordzeit des Moped-Lappens habhaft zu werden. Schlaf wurde zur Nebensache erklärt. Die Suche nach einem Basiskrad zur Priorität. Für alles andere gab es den Pizza-Dienst.

Ente gut, alles gut

Die Schnitzeljagd endete eigentlich schon wieder bevor sie richtig begonnen hatte, denn in einer staubigen Ecke lagen ja noch die Gebeine der als Teileträger angeschafften zweiten Kawa. Präzise handelte es sich mehr um einen Torso als ein Krad. Rahmen, Motor, eine Schüssel voll rostiger Schrauben, mehr war von ihr nicht geblieben. Eigentlich ein Fall fürs Zusammenfegen und ab in die Tonne.

Reizstoffe

Aber zum einen sollte die Geschichte schon einigen schrauberischen Reiz haben und zum anderen war es nicht das blödeste, für sein eigenes Erstlingswerk auf die mit Kais Stuhl gesammelten Erfahrungen zurück greifen zu können statt in neue unbekannte Gewässer hinaus zu schwimmen. Also den nächsten Bonus-Block für Pizza-Lieferungen voll gemacht und ran an den Teig.

Kurzarbeit

Marcos Ambitionen in Sachen Radstandsverlängerung hielten sich eher in Grenzen, so dass er es beim normalen Fahrwerkssetup beließ. Nicht aber, ohne die Gräten komplett in grelles Gelb zu tauchen, denn als logische Konsequenz und Ausdruck der Verbundenheit sollte aus der Baustelle auf jeden Fall ein optischer Bruder von Kais Karre werden. Statt auf gleißendes Rot setzte Marco auf helles freundliches Lichtschwarz, was den Gesamteindruck vergleichsweise entschrillt. Bei der Maske griff er ebenfalls zu einem Klassiker, der Höcker sowie sein Tragwerk entstammen den eigenen Händen. Die formten auch den Auspuff, dessen Endtopf nur noch wenige Grad von der Vertikalen entfernt ist.

Brandschäden

Natürlich lief nicht immer alles glatt. Bei beiden Krädern spielten zwischenzeitliche Feuersbrünste eine entwicklungshemmende Rolle. Während Kai dem natürlichen Haarausfall mit einer Infusionsflasche, die für einen Probelauf in der Werkstatt den Job eines provisorischen Tanks übernahm spontan der Meinung war, so eine Selbstentzündung wäre doch mal 'ne ganz dufte Abwechslung und einiges an Haarpracht in stinkenden Rauch verwandelte, spielte sich Marcos Debakel mehr untenrum ab. Nein, er hat sich keine Schrittrasur mit der Schrubbscheibe verpasst, dafür aber die Rauchentwicklung des frisch mit Auspufftape umwickelten Krümmers fehlgedeutet. Denn dort gaste nicht das feuchte Gewickel langsam aus, sondern brennbare Ablagerungen auf dem Auspuff hatten sich entzündet. Scheiße passiert halt.

Nimm Zwei

Unnötig zu sagen, dass sich mit Inbetriebnahme der Mopeten der Werkstattschwerpunkt eklatant in Richtung Zweiräder verschoben hat. Inzwischen sind bereits einige andere Projekte durchs Rolltor geschoben worden. Mit Motorrädern ist es aber nun mal wie mit Frauen: Den ersten Fick vergisst Du nicht. Deshalb bleiben diese beiden Diven auch wo sie sind, der Sex war einfach viel zu gut und entgegen dem weiblichen Geschlecht stehen Motorräder dem Thema Polygamie deutlich aufgeschlossener gegenüber.

TECHNISCHE DATEN [schwarze] Marke/Modell/Bj.:Kawasaki ZXR 750 1989 Besitzer: Marco Erbauer: Marco und Kai Wasserkühler:leicht modifiziert Luftfilter: K&N Krümmer/Auspuff: Modifizierte Orginalanlage mit Hurric Endtopf Heckrahmen: Eigenbau Gabelbrücken: ABM schwefelgelb gepulvert Lenker/Riser: Fehling Typ LD9HD 970 mm Griffe: ABM Spiegel: Highsider mit Blinkern Bremsleitungen: Stahlflex Tank: Orginaltank mit geänderten Lufteinlässen Höcker/Sitzbank: HC-Fighter modifiziert Kotflügel: Eigenbau Bugspoiler: Eigenbau E-Box: Orginal mit komplett neu aufgebautem und angepasstem Kabelbaum Instrumente/Anzeigen: Asura Maske: MGM LM666 Blinker hinten: LED Rücklicht/-Blinker Einheit Dual Lackierung: Ford Pantherschwarz mit Blauschimmer

TECHNISCHE DATEN [gelbe] Marke/Modell/Bj.:Kawaski ZXR 750 H1 1989 Besitzer: Kai Erbauer: Kai und Marco Wasserkühler: modifiziert Vergaser: Orginal mit Dynojet kit Luftfilter: K&N Krümmer/Auspuff: modifiziert mit IXIL Hyperlow Dualexit Endtopf Heckrahmen: Eigenbau Schwinge: verlängert um 180 mm (Strassenmeister Berlin) Gabel: Orginal mit progressiven federn Rot gepulvert Lenker/Riser: Spiegler Griffe: Huppi Hellish-Bikes Spiegel: Highsider mit Standlicht Bremsflüssigkeitsbehälter: Rizzoma Bremsleitungen: vorn: TM Rennsport hinten: Fischer Höcker/Sitzbank: HC-Fighter modifiziert Kotflügel: Eigenbau Bugspoiler: Eigenbau Armaturen/Schalter: Original Instrumente/Anzeigen: Koso Scheinwerfer: MT 03 Blinker: Kellermann Rücklicht: Ghost Lackierung: Schwefelgelb Sonstiges: Bugspoiler ist beleuchtet, Hinterradabdeckung Spy-Rear von Street-Maschines

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Kompressor-Z

Kompressor-Z

32 Fotos

Ü30 PARTY

Resteficken

Sie boomen, wie wohl noch nie zuvor. Sie finden an den merkwürdigsten Plätzen statt, und die Teilnahme ist nur Personen mit einem Alter jenseits der magischen 30 gestattet. In ihrem Mittelpunkt stehen alkoholische Exzesse und rhythmische Balzrituale. Doch was sich zunächst so anhört, wie ein Softporno unter der Regie von Erich von Däniken, ist in Wahrheit ein echtes Trauerspiel, das überall in unserer Republik Woche für Woche erneut von unzähligen Laiendarstellern aufgeführt wird. Los geht das Spektakel pünktlich um 20 Uhr: Die Luft ist erfüllt von einer beißenden Mischung aus kölnisch Wasser und Tosca. Der Schwerkraft deutlich verfallene Körper (in viel zu enge Jeans gezwängt), Fönfrisuren, Dauerwellen und Schnurbärte prägen das Bild. Aus den Boxen dröhnt Nena, Talk Talk und die frühen U2. Um 23:00 ist der Zenit erreicht und alle versammeln sich zu BAPs „Verdammt lang her“ auf der Tanzfläche. In die Höhe gerissene Arme geben unbarmherzig tellergroße Schweißflecken auf den kakifarbenen Pullunderachseln preis, und der Geruchsteppich mutiert durch die ausgeschiedenen Flüssigkeiten zu einem Mittelding aus Urinsteinen und brennenden Mottenkugeln. Wer jetzt nicht rechtzeitig wegkommt, wird von verzweifelten, inzwischen dreimal geschiedenen Trockenpflaumen unbarmherzig gejagt und im ungünstigsten Fall erlegt – und zum mitternächtlichen Geschlechtsverkehr auf dem siffigen Klo der Bauerdisco genötigt. Die Gedanken kreisen um den Wunsch nach Sterbehilfe und die Beherrschung des Brechreizreflexes. Ja, es ist wieder Ü30-Party im Land.

Mit dreißig hat man noch Träume

Mario ist zwar über 30, aber derartiges Treiben liegt ihm fern. Naja, eigentlich auch nicht. Denn auch er hat sich schon eines Abends mal in einen ländlichen Schuppen begeben und ein paar Endzwanziger abgeschleppt. Seine Trophäen waren jedoch frei von Zellulitis und sahen auch am nächsten Tag noch gut aus, obwohl der Alkohol inzwischen seine illusionierende Wirkung verloren hatte. Kein peinliches Schweigen im Bett, kein verlogenes „Ich ruf dich an“, kein Bedauern. Marios Mädchen kam aus dem guten Hause Frankenstein, bestand völlig aus edlem Stahl und hörte auf den klangvollen Namen „GPz-Fahrwerk“. Irgendwo daneben lagen auch der dazugehörige Triebsatz und die Lackteile. Mit letzteren verhielt es sich dann aber wie mit den ganz fiesen Geschossen aus dem Zappelbunker: Die konnte man sich wirklich nicht schön trinken, egal, wieviel Alkohol zur Verfügung steht. Also soll die mal ruhig jemand anders abschleppen. Bäh!

99 Luftballons – Aus dem Tagebuch einer Brustvergrößerungsklinik

Nachdem nun Motor und Rahmen schon mal da waren, konnte auch der Aufbau in Angriff genommen werden (erst einmal ohne konkrete Vorstellungen für das Endergebnis). Quasi auf dem Schrott fanden sich dann Reste einer ZX7R und einer betagten dreiviertel ZXR. Beides nicht gerade erste Wahl bei Begattungsgesuchen, aber als Teilespender für das Begonnene gut genug. Mario schlug sie also aus dem Anzug und beraubte sie ihrer Arme und Beine. Diese wanderten nach entsprechender Anpassung in das Fahrwerk der Unitrack und erlaubten schon mal forschere Gangart. Der Motor selber war jedoch bestenfalls für einen ruhigen Schwoof zu gebrauchen. Da fehlte irgendwie einfach Druck. Wenn du von einer Horde von Torschlußpanik Befallener flüchten mußt, ist der alte Kawa-Schwede einfach zu zahm im Antritt. Da muß mehr gehen. Mit der Brechstange unter dem Arm und der Brieftasche in der Hand trieb es Mario also erneut auf den Schrottplatz. Dort riß er mit seinem Meinungsverstärker einem jungen Daimler zuerst gehörig Arsch und Motorhaube auf – und dann den Kompressor ab.

Verdammt, ich schieb dich, ich schieb dich nicht

Mit der Beute in den heimischen Stall zurückgekehrt, suchte Mario im Fahrwerk nach einem geeigneten Unterbringungsplatz für das Gebläse. Bei der gewünschten, trockenen Aufladung kam jedoch nur das Rahmendreieck in Frage. Ein weiter Weg für den Riemenantrieb, aber nach anfänglichen Bedenken stellte sich diese Lösung also ebenso interessante wie einmalige Sache heraus, die Reiz und Druck miteinander verbindet. Der Riemen flanscht außen, hinter den Zündungspickups an und wird per Umlenkrolle und zweitem Gurt an den Flügellader weitergereicht. Dieser schnüffelt frische Luft auf der linken Seite des Krades und füttert damit den Charger. Das drückt im Gebälk und macht aus der lahmen Achtziger-Party eine prickelnde Cross-Over-Session. Move, sucker, move!

Rage against the machine – Die Wut der Maschine

Nachdem die kantige und langweilige Fönwellen-Optik des Urkrades (wie schon erwähnt) keine Gnade fand, und Mario ein bekennender Anhänger der klassischen Linien ist, wurden das Gerät auf die Optik einer Z 1000 getrimmt. Der Tank läßt kaum noch erahnen, welche Arbeit in ihm steckt. Er ist komplett selbst gedengelt und besteht aus nicht weniger als vier einzelnen Teilen. Ohne viel Heckmeck machte Mario auch das Heck weg. Das Stahlwerk wurde achtern kurz hinter den unteren Streben eingekürzt und bekam ein freches Bürzel mit runden Leuchten verpaßt. Die Farbe für das abschließende Finish rührte Mario selber an, und wo er grad schon mal dabei war, tünchte er mit ihr auch gleich den restlichen Minimal-Lacksatz. Wer schöner ist, ist geschminkt!

KOMPRIMIERTE DATEN
Modell: Kawasaki Z 1000 Kompressor
Besitzer: Mario
Motor: GPz 1100 UT, modifiziert mit Mercedes-SLK-Kompressor
Ölkühler: Serie
Luftfilter: Twister
Auspuff: Marving
Rahmen: GPz 1100 UT
Schwinge: ZXR 750 H
Federbein: ZX 7R
Gabel: ZX 7R
Gabelbrücken: ZX 7R
Räder: vorne ZX 7R, hinten ZXR 750 H
Bereifung: vorne 120/70-17, hinten 180/55-17
Lenker: Lucas
Bremsen: vorne ZX 7R, hinten ZXR 750 H
Fußrastenanlage: Gimbel, modifiziert
Tank: Eigenbau
Höcker: Eigenbau
Seitendeckel: Eigenbau
Kotflügel:ZX 7R
Bugspoiler:Speed Tripple
Armaturen: ZX 7R
Instrumente: ZX 7R
Lackierung: Orange (Eigenmischung)

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ER-6N HH

ER-6N HH

40 Fotos

Die kleinen Unterschiede

Man braucht sich nicht hinter dem Stufenführerschein zu verstecken, wenn man nach Ausreden sucht, warum ein stockschwuler Softchopper auf der Auffahrt steht statt eines amtlichen Brecheisens. Christian ist dem Teenie-Alter zwar schon mehrfach entwachsen, zeigt mit seiner ER-6N aber mal eben auf die ganz Lässige, dass sich auch aus Mittelklassemopeten erstklassige Umbauten fertigen lassen. Also aufgemerkt und zugeschaut, ihr Heisssporne da draussen!

Wahlverhalten

Kaum jemand weiss besser als Christian, dass Motorräder, auf denen man hockt wie auf ´nem Tiefspüler, keinen Spaß machen - er hatte nämlich selber bereits einige dieser Roll-Klos unterm Hintern - erfreulicherweise ohne dauerhaften Schaden zu nehmen. Nach diversen Eskapaden auf tauglicheren Untersätzen sowie einer hausbaubedingten Zwangspause, kam 2008 dann eine nagelneue ER-6N auf die frisch gepflasterte Einfahrt. Da Nadine, Christians zierliche Göttergattin, ebenfalls Anspruch auf ein Familienkrad anmeldete, fiel von vornherein allzu großkalibriges und schwergewichtiges Gerät aus. Zudem versprach die Kombination aus durchaus kräftigem Zweizylinder nebst niedrigem Gewicht und superbem Handling jede Menge Spaß im kurvigen Gelände, was Christian wichtiger war als mit 300 km/h geradeaus fahren zu können.

Baustopp

Obwohl frisch aus dem Laden und noch nicht mal eingefahren, machte sich der Herr des frisch gebauten Hauses daran, die Kawa nach und nach umzustricken. Bis Nadine eines Tages in Notwehr ihr Veto einlegte, wollte sie doch auch mal fahren mit der Anschaffung und sie nicht nur zerlegt in der Garage bewundern. Damit Christian nicht auf kreativen Entzug geriet, beschloss das Paar, unterstützt durch Kollege Zufall, eine zweite ER-6N zu kaufen. Eine rechtsseitig verunfallte Maschine wagte sich in einem unvorsichtigen Moment zu weit in Christians Sichtfeld. Der zögerte nicht lange und erlegte das scheue Tier mit drei Salven aus dem nächsten Geldautomaten.

Suchtverhalten

Das Wrack war noch nicht ganz in der Garage, da zerpflückte es der ambitionierte Bastler bereits in seine Einzelteile. Nachdem der Heckrahmen deutlich verkürzt und umgeschweisst war, wurde der ausgesuchte GFK-Höcker angepasst. Diese Aufgabe übernahm Nadine, die nicht nur ihre Freude an filigranen Basteleien hat, sondern auch die dazu nötige Ruhe und Geduld. Wo sie in vertrackten Situationen noch mit Puls 60 munter dremelt, hätte Christian schon lange mit mittelgroßen Gegenständen um sich geworfen oder wäre ins nächstgelegene Waldstück gerannt, um ein bis zwei Hirsche zu erdrosseln.

Hängt ihn höher

Damit das Heck weit genug in den Abendhimmel ragt, kommt das Federbein einer Versys zum Einsatz, was einige zusätzliche Zentimeter Achterdeck-Erektion erlaubt. Da die Zweisitzigkeit fortan ins Reich der Geschichte gehörte, gab es auch keine Notwendigkeit mehr, die monströsen Soziusfußrastenausleger mit sich herumzuschleppen. Um dennoch die stilbildende Grundplattenform behalten zu können, beschnitt Christian die Teile soweit, bis sie nur noch dem Fahrer dienlich waren. Unter den Resten ruht ein angepasster Leo-Auspuff und entlässt die verbrannten Altgase noch vor dem Hinterrad ins Freie. Bei dem vergleichsweise übersichtlichen Hubraum des Twins sind hier keine monströsen Resonanzvolumen von Nöten, so dass die knackig-kurze Lösung nicht zu Lasten der Leistung geht, wie dies bei Großwild gerne mal der Fall ist.

Käs-Modda

Auf der Suche nach einem brauch- und bezahlbaren Kühlwasser-Ausgleichsbehälter mußte Christian feststellen, dass es nichts Kaufbares am Markt gab, das seinen Vorstellungen entsprach. "Zu teuer" oder "zu scheiße" lauteten meist die spontanen Urteile des Suchenden, bis er durch Zufall in einem Elektronikfachgeschäft in der Computerabteilung fündig wurde. Zwischen Gayboy, Blähstation und Wixbox fanden sich astreine Bauteile, die ursprünglich für Wasserkühlungen von CPUs gedacht waren. Günstig, stabil und modular zeigten sich die Brocken. 20 Euronen später hatte Christian den selektierten Korpus nebst Deckeln und Anschlüssen in seinen Händen und machte sich daran aus den Einzelteilen einen ansehnlichen Behälter zu zaubern - mit Erfolg.

Beulenpest

Der Tank sah dank des Unfalls aus, als hätte sich Yokozuna auf ihn gesetzt. Nur noch mit einem Bruchteil seines ursprünglichen Volumens versehen und verknittert wie das Gesicht von Uschi Glas während einer Durchfallattacke, war er eigentlich ein Fall für die Tonne. Und dort wäre der Behälter auch gelandet, hätte sich nicht ein Kollege von Christian der Blase angenommen und erst die Beulen herausgezogen und das Ergebnis anschließend verzinnt und verspachtelt. Da die Entbeulung unglaublich sorgsam durchgeführt wurde, reichten hauchdünne Schichten zur abschließenden Oberflächenvergütung, so dass kaum zusätzliches Gewicht in Kauf genommen werden muss.

Mach's dir selbst

Einen Fallstrick der besonderen Sorte brachte der Fußrastenumbau mit sich, wollte Christian in dem Zuge gleich die Schalthebelanatomie etwas variieren. Dazu bereitete er alles vor, fertigte Pedal und Auslieger an um diese dann von einem Fachmann verschweissen zu lassen. Der drehte die Teile aber vor dem Gebrutzel so oft hin und her, dass sie zum Zeitpunkt der Verbindung um 180 Grad verkehrt auf dem Schweiss-Tisch lagen. Das sah nicht nur doof aus, sondern schaltete sich auch unglaublich scheiße, befand sich das Pedal doch nun auf der Innenseite des Hebels, also zum Motor hin. Es gab nun zwei Lösungswege: Entweder so lange Yoga machen, bis Christian mit seinen Greten zwischen Motor und Schalthebel kommen würde - oder die Sache selber in die Hand nehmen. Also alles wieder zerflext und dieses Mal in Heimarbeit komplettiert. Yoga is´eh kacke!

Vorbau

Deutlich unkomplizierter zeigte sich der Umbau des Kawa-Gesichtsfeldes. Der postmoderne Kawa-Flak-Scheinwerfer wanderte in die Tonne und eine Alien-Maske an seine Stelle. Auf das prägnante Hauptinstrument eine Etage höher wollte Christian nicht verzichten, sondern verlegte sich stattdessen darauf, es von seiner Verkleidung zu befreien und neu zu positionieren. Ein LSL Superbike-Lenker in freundlichem Schwarz nebst farblich passender Griffe und Hebeleien macht den Arbeitsplatz heimeliger und passt wunderbar zur klassisch orange-schwarzen Tätowierung der Mopete. Aufgepeppt wird das Farbschema durch subtile Race-Flag-Applikationen, die sich teilweise auf den Innenseiten der Lackteile verstecken. Nadine gefällt der Umbau inzwischen so gut, dass ihre eigene ER-6N dem eingeschlagenen Pfad folgt und einem vergleichbaren Prozess unterzogen wird.

Konklusion

Es mag wohl Motorräder geben, die alleine mehr Hubraum haben als die beiden Kawas des Paares zusammen, das heißt aber noch lange nicht, dass man mit den Dickschiffen auch nur halb so viel Spaß haben muss, wie die verkannten Mittelhubraumer anrichten. Die Einheit von Spaß ist nämlich nicht Liter. Also traut euch ruhig was, der Stufenführerschein allein kann spätestens ab heute nicht mehr als Ausrede gelten.

TECHNISCHE DATEN
Marke/Modell/Bj.: Kawasaki / ER-6N / 2006
Erbauer: Christian
Motor: 650 ccm Viertakt-Zweizylinder
Wasserkühler: Kühlflüssigkeitsausgleichsbehälter für PC außenseitig verbaut
Krümmer/Auspuff: Krümmer original poliert / Auspuff LeoVince SBK
Heckrahmen: gekürzt und neu aufgebaut
Federbein: Kawasaki Versys
Räder: Leichtmetall Guss mit sechs Speichen und orangenen Felgenstreifen

vorn: 17 x 3,5

hinten: 17 x 4,5
Bereifung: BT 16

vorn: 120 / 70 ZR17

hinten: 160 / 60 ZR 17
Lenker/Riser: LSL Streetbar A00
Bremsen: Doppelscheibenbremsen, gelocht

vorn: Saito Sinter

hinten: Saito Sinter
Fußrastenanlage: gekürzte Fußrastenplatte mit Buell Fußrasten
Tank: original mit eigen angefertigtes Verschlusslogo
Verkleidung/Maske/Scheinwerfer: Lampenmaske New Alien mit Xenon Kit
Seitenverkleidung innen im Raceflag-Design lackiert, passend zum Bugspoiler
Höcker/Sitzbank: Super Shorty mit eingefassten LED-Blinker und LED-Rücklicht
Kotflügel: stark modifiziert
Kühlerblende: Edelstahl mit ER-6N Schriftzug
Instrumente/Anzeigen:Serieninstrument ohne Verkleidung
Lackierung: Pearl Wildfire orange mit schwarzen Streifen
Sonstiges: Lenkerendenspiegel matt schwarz, Katzenauge in Rücklicht eingelassen, Griffe CNC gefräst, matt Schwarz, verstellbarer Kennzeichenhalter Edelstahl mit Er6N Schriftzug, Motorbeleuchtung mit Fernbedienung
Danke an: Meine Frau Nadine, dass sie nicht nur mit geschraubt hat, sondern auch die Geduld mit mir hatte und mir erlaubt hat meine kleine Fighter an Weihnachten im Wohnzimmer wieder zusammen zubauen, an unseren Lackierer Martin, an die Forumsmitglieder des ER-6N-Forums, die uns mit diversen Teilen ausgeholfen haben und alle anderen die ich jetzt vergessen hab.

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ZX-6R Battle Ox

ZX-6R Battle Ox

37 Fotos

YU-GI-OH! 600

Who killed Pikachu?

Wenn man mit Batman, Tom&Jerry, Saber-Rider und den Schlümpfen aufgewachsen ist, kann man schnell einen synaptischen Kollaps erleiden, wenn man Sonntags zu früher Stunde die Glotze anschaltet und an einen Cartoon-Sender gerät. Gut, Teletubbies sind bekannt: Eine Horde geistig behinderter Plüschzombies, denen irgendwer Werkzeug zur Hälfte in die Schädeldecke gerammt hat. Auch an die Transformers hat man sich spätestens seit der ausgewachsenen Verfilmung gewöhnt. Aber jenseits davon stockt der Speichelfluß schon mal, und die Stirn legt sich in besorgte Falten. Was zum Teufel ist DAS denn? Pinkelmon und Dunkelbiermon?! Antisepticons?! Und was zum Teufel treiben die da seltsames? Früher war das irgendwie einfacher: Katze zersägt Maus. Roadrunner verstümmelt Koyoten. Das Ganze ordentlich brutal und gradlinig inszeniert. Selbst mit acht ATÜ auf dem Kessel war man intellektuell noch in der Lage, der Handlung zu folgen. Die Dialoge waren kürzer und kompakter - selbst in französischen Oral-Pornos wurde mehr gelabert.

Cartoon Nett-Wörk

JJ ist als Vater eines fernsehtauglichen Sohnes tief involviert in die aktuelle Cartoonwelt und (mehr oder weniger freiwillig) entsprechend leidgeprüft. Aber manchmal wird aus Schmerz und Leid auch Erfreuliches geboren - und das war in seinem Fall die namensgebende Inspiration für sein Motorrad. Junior ist gnadenloser Fan der Yu-Gi-Oh!-Serie. Für Nichteingeweihte: Eine Mischung aus skurrilem Comic und Kartenspiel. Und genau von letzterem lagen eines Tages einige Exemplare auf dem Küchentisch herum - ganz oben: Die Karte "Battle Ox". Der Anblick des bedruckten Papp-Rechtecks beeindruckte den Herrn Papa dermaßen, daß er den "Battle Ox" spontan als Ausgangspunkt für sein nächstes Krad-Projekt erwählte. Ungewöhnlicher Werdegang. Aber egal. Mit Konventionen hat JJ eh nicht viel am Kopf...

Eckenwetzer

Mitte der Neunziger entdeckte JJ seine Begeisterung für schnelle 600er Kawas. Mit ihnen kann man herrlich Dickschiffe durch kurviges Gehölz scheuchen und dabei auch gerne einmal vernaschen. So kaufte er sich eine just eingefahrene 96er ZX6R, die ihm nach zwei Jahren frecherweise geklaut wurde. Da ein Umstieg aufgrund äußerster Zufriedenheit nicht in Frage kam, schaffte sich JJ als Ersatz erneut das gleiche Modell an, diesmal jedoch vom Jahrgang '98. Und er besitzt das Teil nach über acht Jahren noch immer - das spricht wohl für sich. Allerdings hat das Teil heuer kaum noch etwas mit der einstigen Basis gemein.

Aus Kawamon wird Digi-Ox

Nach einigen Jährchen der unangetasteten Existenz begann JJ anno 2003 langsam mit dem Umbau seines Räubers. Die Racer-Linie blieb dabei anfangs erhalten. Lediglich Auspuffanlage und übliche Gimmicks setzten die Startmarke. Kurz darauf begann auf der Leipziger Mopedmesse der unvermeidliche Stilwechsel mit dem simplen Kauf einer Superbike-Gabelbrücke. Erschwerend hinzu kam das unkontrollierte Betrachten diverser Exponate an einem Stand mit großem "F" im Titel. Im nun folgenden Schritt wanderte ein ZX7-R Heckteil auf den Hilfsrahmen. Doch JJ behauptet im Nachhinein, daß der einzig positive Aspekt dieses Hinterns die Tatsache war, daß er nicht lange am Krad verweilte. Voluminös wie eine Doppelhaushälfte und so dezent wie die Frisur von Marge Simpson, paßte das Monstrum einfach nicht zum Stil des schlanken Flitzers, wohl aber zum ebenfalls ersten Maskenversuch (denn auch dieser war alles andere als minimalistisch und kräftig überdimensioniert).

Dragonballs

JJ erkannte das Debakel aber recht schnell, riß in der kommenden Umbausaison die Plastikverbrechen wieder herunter und ersetzte sie durch entscheidend filigranere Bauteile. Sie stammen aus dem benachbarten Betrieb von Kumpel Thommie, der mit Missile Customs die passende Manufaktur und maßgeschneiderten Lösungen parat hatte. Mit einem Kofferraum voller GfK-Juwelen ging es dann zurück in die eigene Garage, wo aus grauem Laminat feine Anbauteile erwuchsen. Die Lackierung führte anschließend wieder Thommie aus, wobei dieser auf satte Töne mit sehr feinem Flammenairbrush zurückgriff. Auch eine Anspielung auf eine Düsseldorfer Kapelle und die Battle Ox-Idee finden sich auf der Japanerin wieder. Da kann man wohl froh sein, daß JJs Junior aus dem Teletubbies-Alter raus ist. Wer hätte schon gerne eine aufgepumpten Plüschrübe mit Korkenzieher im Kopf auf seinem Krad prangen?!

TECHNISCHE DATEN
Modell: Kawasaki ZX6R Ninja (Bj.'98)
Besitzer: JJ (Battle Ox)
Motor: Serie
Wasserkühler: Serie, Eigenbau-Ausgleichsbehälter
Auspuff: Remus Viper, gekürzt
Rahmen: Serie (lackiert), Eigenbau-Heckrahmen
Schwinge: Serie, lackiert
Federbein: Serie, lackiert
Gabel: Serie
Gabelbrücke: Lucas
Räder: Serie

Bereifung: vorne 120/60 17, hinten 180/55 17
Lenker: ABM
Bremsen: Serie
Fußrastenanlage: Serie, 96er Rastenkörper
Tank: Serie
Verkleidung: Missile Customs (Einzelanfertigung)
Höcker: Missile Customs
Kotflügel: ZX6R ('96), gekürzt
Bugspoiler: Missile Customs
Armaturen: Serie
Instrumente: Motogadget mini
Lackierung: Missile Customs
Danke an: meine verständnisvolle Frau, meine Kinder, die vielen kleinen Helfer und besonders an Thomas

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ZX-10R K34N

ZX-10R K34N

26 Fotos

Kommander Kean

Nachdem Kean bereits im zweiten Jahr seiner noch jungen Mopedkarriere ungewollt abchecken musste, ob seine ZX-6R stabiler als guter deutscher Asphalt ist - mit erwartungsgemäß eher ungünstigem Ausgang für die 600er -, schickte er sich an, nach Ersatzware Ausschau zu halten.

Motivation für die Marktsondierung war jedoch weniger die Fortsetzung seiner unfreiwilligen Testreihe, als viel mehr die Rückkehr zum ursprünglichen Einsatzzweck des Mopetenwesens: dem Fahren. Und so leicht sich auch die Suche nach amtlichem Nachfolgegestühl abwickeln lies, an deren Ende sich eine originale Zehner auf der heimischen Einfahrt räkelte, so scheiße gestaltete sich die Fahrerei mit dem Fließband-Bückstück.

Ich hab Bein

Das lag weniger daran, dass mit dem Hocker etwas nicht gestimmt hätte, als viel mehr an den Folgeschäden aus besagtem Unfall, die Kean akute Beinprobleme beim Zusammenfalten auf der Zehner bereiteten. Da eine mögliche Amputation der extravaganten Extremität sich als Lösungsansatz nicht so recht durchsetzen konnte, musste also mopedseitig etwas passieren. Und so schloss Kean mit dem Kapitel ZX-10R bereits nach wenigen Tagen wieder ab und machte sich auf die Suche nach einer Buell, deren sanft massierende Vibrationen in Tateinheit mit einer kommoden Sitzposition und gediegener Leistung genau das richtige für einen Frühversehrten zu sein schienen.

Zu kalt für alt

Zumindest für den Bruchteil eines irregeleiteten Augenblicks. Gott sei Dank trat zu diesem Zeitpunkt nämlich eine beratende Instanz auf den Plan und eröffnete Kean die Alternative der Tugendverschmelzung. Also die ungestüme Haue der Kawa mit dem komfortablen Körper-Arrangement eines Nackttierchens zu kreuzen. Nach kurzem Probesitzen auf einem Exemplar der mutierten Gattung Fightzilla zündete es gewaltig in Keans Oberstübchen, was sich in einem spontanen Bestellgewitter garstiger GFK-Ware entlud.

Gegengeschäfte

Die Originalbrocken versilberte Kean, um die Kontoschmerzen zu lindern, schloss sich alsdann mit den Resten in seiner Werkstatt ein und machte sich ans Werk den Ofen nach seinen frisch gewonnenen Fantasien umzugestalten. Und obwohl es der erste Umbau für den jungen Triebtäter war, ging er von vorne herein zielgerichtet, als auch planvoll wie ein alter Hase vor. So schnitzte er alle Halter, Träger und Hilfsrahmen in einem ersten Durchgang erst einmal aus billigem und leicht zu bearbeiteten Baustahl und dokterte so lange an den Brocken herum, bis sich mit seinen ehrgeizigen Ansprüchen in Einklang befanden und machte sich erst dann daran, die finalen Einheiten aus Alu oder Edelstahl zu fertigen.

Der Fux

Nicht weniger fuchsig ging unser Schlemihl an die Anpassungen der GFK-Ware heran. Der Begriff "Universal" ist gerade im Zusammenhang mit Höckern schnell mal leicht irreführend und weniger als "überall passend", denn als "nirgends passend" zu verstehen, erfordert also fast immer massives Eingreifen seitens des ausführenden Mechanikers. Und das war in diesem Fall eben Kean. Zum Tank hin passte der erstandene Höcker weniger als ein T-Shirt in Größe M zu den Wildecker Herzbuben. Und statt sich in drei Ebenen einen haarigen Wolf zu laminieren, besorgte sich Kean einfach zusätzlich eine kostengünstige Racing-Version des originalen Schemels.

Zwei in eins

Die passte wunderbar an den Tank und konnte auch mit dessen eher rundlicher Formensprache umgehen. Und so beschnitt Kean den Racing-Stuhl kurz hinter der Sitzfläche, tat es dem Extremebikes-Höcker gleich und laminierte beide Fragmente dann an den Amputationsnarben zusammen. Das ersparte eine Menge Modelliererei und vereinfachte die Verschmelzung der sehr kantigen Heckformen mit den fließenden des Vorderbaus. Trotzdem kommentiert Kean diesen Arbeitsschritt rückblickend mit einem eindringlichen "nie wieder!". Besonderen Einfluss auf diese Bewertung hatten insbesondere die gefühlten zehn Kubikmeter Schleifstaub, die sich nicht nur bis in den letzten Winkel der Werkstatt verteilten, sondern auch in Körperöffnungen eindrangen, von denen unser Protagonist nicht einmal ahnte dass es sie überhaupt gibt. Alleine die Hochzeit der beiden Heckfragmente hat gute zwei Wochen Intensivarbeit verschlungen, was angesichts der Rekordzeit für die gesamte Aktion von gerade einmal derer sechs zeigt, wie intensiv sich diese Phase gestaltete. Dagegen war selbst der Kriegsschauplatz Elektrik eher harmloser Natur. Mit Werkstatthandbuch, Schaltplan und den Fähigkeiten eines praktizierenden Industriemeisters ausgestattet, griff Kean den Litzen unter die Isolierung. Dabei wollte nicht nur das Motogadget-Zentralorgan Anschluss finden, sondern auch der Hauptelektrodenstrom nach dem Wegfall der sichtschützenden Verschalung auf neue Pfade gebracht werden. Blinker und Beleuchtung waren dagegen leicht zu nehmende Hürden. Redselig

Damit die Kawa am Ende nicht als überteurer Küchenhocker enden musste, stand Kean in ständigem Kontakt zu einem kooperativen TÜV-Prüfer, der die einzelnen Schritte observierte und auf Legalisierbarkeit hin beurteilte. Dass es zum Ende hin doch noch einmal spannend wurde, lag nicht an einer spontan auf den Plan getretenen technischen Hürde, als vielmehr an dem Intensiv-Verfahren des Umbaus selber. Diverse unersetzliche Originalschrauben und Bolzen hatten im Getümmel die Flucht aus dem Sichtfeld angetreten und mussten in zeitraubenden Suchaktionen wieder lokalisiert werden. Hatte ein bisschen was von der Suche nach amerikanischen Kriegsgefangenen in Vietnam, war teilweise auch genauso blutig wie zeitaufwendig und scheinbar aussichtslos. Kean dachte auch schon über eine unterstützende Brandrodung besonders heikler Garagenabschnitte mittels Napalm nach, fand dann aber doch noch rechtzeitig ohne Intervention die vermissten Vigilanten.

Womit mal wieder bewiesen wäre, dass man sich nicht widerstandslos den von der Industrie verordneten Bückhaltungen beugen muss. Man muss sich nur zu wehren wissen, dann kann auch auf verzweifelte Kompromissanschaffungen verzichtet werden.

TECHNISCHE DATEN
Marke/Modell/Bj.: Kawasaki / Zx10r / Bj. 2008
Erbauer: Kean Kardanski
Kühlflüssigkeitsbehälter: CNC-Behälter von MGM-Bikes
Luftfilter: K&N
Krümmer/Auspuff: Krümmer mit Thermoband / Ixil Hyperlow (Schwarz Lackiert)
Heckrahmen: Edelstahlrahmen mit Carbon-Blenden
Gabelbrücken: Spiegler (Schwarz Lackiert)
Lenker/Riser: ProTaper EVO
Hebel: Pazzo - Hebel Kurz (Schwarz)
Griffe: Rizoma Lux
Spiegel: HIGHSIDER Lenkerendenspiegel "Victory"
Bereifung: Pirelli Diablo Rosso II
Bremsflüssigkeitsbehälter: Rizoma vorn, MGM-Bikes hinten
Bremsleitungen: Spiegler in Weiß
Fußrastenanlage: Gilles Schwarz Eloxiert
Höcker/Sitzbank: Eigenbau auf Bandero-Basis von Extremebikes
Kotflügel: Street-Machines KOM.A-TG
Instrumente/Anzeigen: Motogadget "motoscope pro"
Maske: IMPERATOR von Gemo-Fighters
Blinker: Motogadget m-blaze vorn, Kellermann hinten
Rücklicht: Kellermann
Lackierung: Schwarz / Weiß

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