Frauentausch

Andrea war sowohl glücklich als auch in festen Händen. Genauer gesagt in japanischen. Vier Zylinder in einem gefighterten Chassis trugen sie durch die Gegend und zu Treffen, bis das Chaos über sie kam.

Genauer gesagt der Chaos. So nämlich der (übrigens nicht unverdiente) Nickname ihres inzwischen Angetrauten, der sein Heil in amerikanischen Twins älteren Semesters sucht – und manchmal sogar auch findet. Um den Haussegen nicht aus der Waagerechten zu bringen und neben Fighterpartys optional auch Events der Rüttelplattenjunkies anfahren zu können, musste also ein Zwitter her.

Es fährt

Und Harley hatte tatsächlich mal so etwas wie eine halbwegs brauchbare Basis für so ein Unterfangen im Programm. Mit Fußrasten, die nicht direkt hinter der Vorderradachse montiert sind, einem nicht zu flachen Lenkkopfwinkel und brauchbarer Bodenfreiheit, die sogar Schräglagen jenseits des Parkwinkels auf dem Seitenständer erlaubt. Auf "Street-Rod" hört der Hocker, der sich derart von der üblichen Konzernphilosophie abhebt, dass er bereits nach anderthalb Jahren Bauzeit dem Aussterben anheim gestellt wurde. Nicht weiter verwunderlich, denn wenn das übliche Klientel etwas Fahrbares hätte haben wollen, wären sie ja nicht bei Harley einkaufen gegangen.

Unwanted

Wollte die Dinger neu schon kaum jemand haben, ist ihr Stand auf dem Gebrauchtmarkt noch mal eine Ecke schwieriger. Umso besser für die wenigen Interessierten, lassen sich die Geräte doch für vergleichsweise geringe Beträge vom Markt fischen. Und so lokalisierte unser Paar denn auch recht bald ein solches Maschinchen, zum Verkauf stehend bei einem typischen HD-Dealer. So sehr sich die Marschrichtung der Kiste von den anderen unterscheidet, so gewohnt arrogant und hochnäsig wurden die Chaoten bei dem Versuch behandelt, ihre Knete gegen den Eisenklumpen einzutauschen. Kann man fast schon froh sein, dass nicht noch angespuckt oder beschossen zu werden.

Keine Teile, keine Keile

Nachdem das Drama der Neuanschaffung abgefrühstückt war, tauchte so gleich das nächste am Horizont auf. Die mit für die Selektion verantwortliche Aussicht auf passende Teile aus einer bajuwarischen Schmiede, obgleich noch in Katalog und Online beworben, gab es in natura nicht mehr zu kaufen. Weder für Geld noch für gute Worte. Statt den Kopf in den Sand steckte Familie Kahler den Strohhalm ins Whiskey-Glas und die Nase ins Telefonbuch. Ein paar Telefonate später war der halbe Freundeskreis aktiviert und in die anstehenden Bauarbeiten eingebunden.

Bob, der Baumeister

In Nachbarschaftshilfe entstanden so z.B. Fender als auch Höcker nebst dazugehöriger Änderung des Unterbaus. Eine durchaus ernsthafte Herausforderung, denn da wo der Japaner lediglich Batterie und ein Paar Relais bunkert, sitzt bei dem Amieisen der Spritbehälter. Und den kann man nicht einfach mal eben weglassen, eindampfen oder auch nur grundlegend umgestalten. So musste sich statt dessen die gesamte Peripherie dem E10-Bunker beugen. Dennoch gelang es, das Heck so kurz zu halten, dass es in Höhe der Hinterradachse sein Ende findet.

Ausgeschildert

Das Nummerschild wanderte auf die linke Spielfläche, während auf der rechten ein verstellbares Soundsystem Schallbedürfnis und Schutzmannschaft unter einen Hut zu bringen versucht. Je nach Einstellung mehr oder weniger zufriedenstellend für jeweils eine der Parteien. Man kann es eben nicht allen recht machen.

Gesichter des Todes

Nachdem die Gabel von allem unnötigen und unerwünschtem befreit war, bekam die Front ihr neues Gesicht. Das wird fightertypisch von einer unfreundlichen Maske dominiert, über der sich lediglich eine massive Dragbar auf wuchtigen Risern erhebt. Damit das so bleiben konnte, wanderte das Instrumentarium in den Tank, oder besser das Airbox-Cover. An Gabel und Brücken musste keine Hand angelegt werden, die Dinger sind von Haus aus schon sehr ansehnlich und üppig dimensioniert.

Farb und froh

Blieb letzten Endes nur noch die Frage des Lacks. Und bereits bei der Absprache mit dem Auftrager zeigte sich recht schnell, wie schwierig die verbale Vermittlung visueller Wünsche ausfallen kann. Weiß sollte es werden, aber nicht richtig Weiß. Verpuhl´ das mal jemand. Und so wurde Hände- und Worte ringend um eine passende Beschreibung gefochten, bis sich "Nikotinweiß" als gemeinsam verständlicher Nenner heraus kristallisiert hatte. Dazu gab´s dann noch ein paar lichtschwarze Akzente und fertig war die Laube. Alles in allem keine ganz leichte Geburt mit ganz speziellen Wehen, aber da weder Basis noch Ergebnis zum Durchschnitt zählen, eher logisch denn überraschend.


TECHNISCHE DATEN
Marke/Modell/Bj.: Harley Davidson, VRSCR, Street ROD, 2006
Besitzer: Andrea ( Pinky)
Erbauer: Pinky & Chaos
Vergaser/Einspritzung: Einspritzung OEM
Luftfilter: K & N
Krümmer/Auspuff: Kess Tech ESM 2 in 1 schwarzmatt
Heckrahmen: HSB
Lenker/Riser: Fehling Dragbar 82 cm , LSL Riser KC 45
Griffe: Motorcycle Storehouse
Bereifung: 120/70 ZR 19 vorn, 180/55 ZR 18 hinten
Bremsscheiben:Brembo
Bremsleitungen: Stahlflex
Tank: 18,9 l unterm Sitz
Höcker/Sitzbank: Stahlblech
Kotflügel: US Custom
E-Box: im Höcker, unterm Airbox Cover
Instrumente/Anzeigen: in Airbox Cover eingelassen
Blinker vorne: Kellermann BL 1000
Blinker hinten: Micro Blinker LED
Rücklicht: LED
Lackierung: HSB ,Nikotinweiß mit schwarzen Airbrush, seidenmatt


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