Sieben

Bayern – das Bermudadreieck Deutschlands. Immer wieder verschwinden hier spurlos ganze Kräder. Schuld sind nicht die Illuminaten, das Wetter, unheimliche Erdstrahlung, Aliens oder Edmund Stoiber – sondern die bekannt eifrige Rennleitung. Insbesondere der so genannte „Kennzeichenmissbrauch“, zu dessen Tatbestand schon ein falscher Neigungswinkel des Kuchenblechs führen kann, resultiert in besagtem Un-Naturphänomen. Thomas kennt da was von, er verlor schon mehrere Mopeten in dem Krisengebiet, hatte nun endgültig die Schnauze voll und eine ungewöhnliche Idee in Petto.

Am Anfang war das teuer

Doch von Anfang an. Gekauft hat Thomas die Gixxer anno 1992, brandneu und ohne einen einzigen Kilometer auf der Uhr, dafür aber schon mit einem gesunden Nagel im Kopf. Der machte dem gelernten Maler mehr und mehr zu schaffen und veranlasste ihn recht schnell, diverse Teile des Plastikbombers zu ersetzen oder zu modifizieren. Anfangs noch zögerlich, nach der Custom and Trade Show 1999 dann vollkommen enthemmt, rückte er der Gixxer zu Leibe. Als Freund gepflegten Vortriebs war ihm die anwesende Leistung von Beginn an zu karg. Als ein spontan anberaumter Leistungsprüfstandslauf dem Gerät gerade einmal 123 echte PS attestierte, platzte dem Kilowatt-Junkie endgültig der Kragen.

Doppelphase

1.215 ccm, Schmiedekolben, ein Dyno-Jet Stage-3 Kit sowie diverse Eingriffe in den Kopf der Dicken linderten zwar die Schmerzen, konnten das Leiden aber nicht vollends besiegen. Ein zweiter Aufenthalt in der PS-Klinik brachte den Luft-Öler auf ordentliche 1.292 Kubik – den Maximalwert, der ohne Umbuchsen und Stroker-Welle machbar war und ist. Schärfere und feinjustierte Steuerzeiten, einige Stunden auf der Wuchtanlage sowie viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung verhalfen dem Big-Block dann endlich zu dem Armauskugel-Potential, welches Thomas als ansprechend und angemessen empfand.

Fahrwerkstuning

Damit die eingehauchte Kraft auch genutzt werden kann, waren ein paar zusätzliche Eingriffe der Gattung „Kompromisslos“ angesagt. Die in dem Zusammenhang bestellte JMC-Schwinge sollte nicht nur Steifheit, sondern auch beruhigende Länge ins Fahrwerk bringen, sorgte aber ein Jahr lang erst einmal für nichts als Frust und Fluchorgien. Grund dafür war ihre konstante Abwesenheit und eine extrem laxe Vorstellung der Briten vom Begriff „Lieferzeit“. Nach dreizehn Monden konnte Thomas das polierte Geschmeide dann endlich in Händen halten und wäre vor Freude am liebsten mit dem Teil wild onanierend über´n Rummel gelaufen. Zum Glück war gerade keiner im Ort.

Messer und Gabel

Ein deutlich schneller angeliefertes Federbein von Öhlins hält den Bewegungsdrang der Schwinge im Zaun und wird am vorderen Ende von den Innereien desselben Herstellers in den Gabel-Holmen unterstützt. Diese stecken in fast schon obszön geilen Billet-Brücken und strahlen mit den gülden eloxierten Oberflächen der unvercoverten Holme um die Wette. Unter der oberen Brücke liegen keine Penner, sondern ein paar tief montierte Stummel. Thomas liebt es lang und gebückt.

Hitzewallungen

Nach den ersten sommerlichen Touren, insbesondere in Stadtverkehr oder Stop`n`Go, zeigte sich schnell, daß der Reaktor ob seiner Kraftkur und der ihn jetzt umgebenden Pulverbeschichtung thermisch sensibel war und zum Überhitzen tendierte. Ein zweiter Ölkühler brachte Linderung. Achtern montiert sollte er werden – weniger aus technischen, als vielmehr aus optischen Gründen. Thomas ist nämlich ein bekennender Anhänger schweizer Erfindungen. Er scheißt zwar auf Ricola, findet Fritz W. Egli aber voll geil, der für seine unkonventionellen Heckbestückungen bekannt ist. Da ragen traditionell gerne mal Batterie, Kühlaggregate oder andere technische Brocken aus den Sitzgarnituren. Und so etwas wollte unser Schrauber ebenfalls.

Stillgelegt

In den anschließenden Zeitraum fiel die eingangs erwähnte unheimliche Begegnung der dritten Art im Süden der Republik, bei welcher ihm das Schergentum zum wiederholten Male eine Kiste unterm Arsch wegbeschlagnahmte, weil das Kennzeichen nicht vorschriftsmäßig von allen Seiten sichtbar gewesen sei. Da sowieso der Neubau eines Sitzmöbels anstand, wollte Thomas nach Auslösung des Krads dessen Heck so bayernsicher wie möglich machen – ohne seine favorisierte Anbauweise aufgeben zu müssen. Also formte er aus Holz einen augenschmeichelnden Rohling, der seinem gestrengen Blick standhalten konnte. Mit viel Geschick, Geduld und Schmackes dengelte er dann ein Metallblech um das Muster herum, bis das Heckteil in Form war. Die dann eingebrachten vergitterten Ausschnitte sorgen nicht nur für ein eigenständiges Design, sondern ermöglichen auch den, zugegeben leicht gesiebten, Blick auf die Kuchentafel. Auch der Ölkühler kann so leichter atmen, was in Summe wohl mehr als ausreichend Argumente für das ungewöhnliche Vorgehen sind, auch wenn es grundsätzlich natürlich keiner bedarf.

No pain, no gain

Man muss nicht viel Phantasie haben um sich vorzustellen, dass Thomas mit den Evolutionsstufen seiner Gixxer in den vergangenen zwei Dekaden so manches erlebt hat. Neben den unerfreulichen bajuvarischen Zwangspausen wäre da z.B. noch ein Haus- und Burnverbot auf dem Lausitzring, welches er zum Teil Brösels Bruder Andi verdankt. Die Sammlung aus Schmerz und Spaß wollte Thomas auch im Lackkleid verarbeitet wissen und entschied sich bei dessen Thema für die sieben Todsünden. Wie heißt es so treffend in der Werbung: Spaß ist ,was du draus machst!


TECHNISCHE DATEN
Marke/Modell/Bj.:Suzuki GSX-R 1100
Erbauer: Thomas Hubert
Motor: 1.292 ccm, Kurbelwelle und Pleuel mitsamt Kolben feingewuchtet, Kolbentaschen gefräst, Ein- und Auslaßkanäle angeglichen, feinjustierte Steuerzeiten über verdrehbare Nockenwellenräder, Kopf- und Fußdichtung Einzelanfertigung
Ölkühler: Dual Ölkühler
Vergaser: Mikuni TMR 36
Luftfilter: K&N Einzelluftfilter
Krümmer/Auspuff: Schüle Krümmer modifiziert, Interferenzrohre und Endtöpfe MAB
Rahmen: Serie, teilpoliert
Heckrahmen: Eigenbau
Schwinge: JMC
Federbein/Umlenkung: Öhlins, auf Fahrergewicht abgestimmt
Gabel: Serie, Versteller und Füße poliert, Standrohre eloxiert, Öhlins Innereien
Räder:
vorn: Serie
hinten: PVM
Bereifung:
vorn: 120/70ZR17
hinten: 190/50ZR17
Lenker/Riser: RT Stummel voll einstellbar
Bremsen:
vorn: 6 Kolben Tokico
hinten: Brembo mit geänderter Abstützung
Fußrastenanlage: RaiRoTec
Tank: GSX-R 750
Verkleidung/Maske/Scheinwerfer: Streetmachines Phantom 2
Höcker/Sitzbank: Eigenbau


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