Generell Seriengeil

Es gibt nur wenige Sachen auf diesem Planeten, denen der natürliche Alterungsprozess nichts anhaben kann. Das weiß man spätestens, wenn man Langzeit-Feldstudien an den erschlafften Quarktaschen seiner 75-jährigen Nachbarin durchgeführt hat. Superbike-Granaten aus den frühen Achtzigern sind dagegen auch heute noch mit dem hocherotischen Nimbus eines angstfreien Freddy Spencers behaftet und machen Jünger dieser Ära nach wie vor riemig, vor allem wenn sie richtig schön saftig serviert werden. Christian war schon am Aufbau seiner GS maßgeblich beteiligt, noch bevor sie ihm gehörte. Zuvor im Besitz seines Kumpels Holger, nahm er sich der Suzuki selbstlos mit an, bevor sie aufgrund eines drohenden Verkaufs in nicht sachgemäße Hände wandern würde. Im Serienzustand gekauft, baute Holger den Hobel in den letzten Jahren mit der Hilfe des jetzigen Besitzers komplett neu auf, was eine immer währende Verbindung provozieren sollte.

Neumodischer Krempel…

… kommt in der Regel bei einem Klassiker nicht zwischen den Rahmen. Jedoch war bei diesem Umbau ein amtliches Triebwerk aufgrund der fortgeschrittenen Alterung des Serienaggregates durchaus angezeigt. Da sich in der Werkstatt zur Zeit der Überlegungen zufällig ein Motor aus einer Bandit in einem Regal räkelte, galt die geplante Transplantation dieses Schlegels nach einer gewissenhaften Vermessung flugs als besiegelt und wurde umgehend angegangen. Aufgrund der verbauten offenen K&N-Filter erwies sich die Verpflanzung trotz der grundsätzlichen Wurfpassung des feinrippigen Neuzeitlings als millimetergenaue Maßarbeit. Der trotz aller räumlichen Bemühungen konsequent störende Benzinhahn wurde kurzerhand durch ein platzsparenderes Pingelexemplar ohne Unterdruckansteuerung ersetzt.

Explosionsexpansion

Damit motorseitig hinten rausgeht, was vorne reinkommt, wanderte die Suzuki als nächstes mal zum Auspuffbauer. Der verordnete dem Hobel eine amtliche Krümmeranlage mit Delkevic-Endtopf, passte deren Verlauf an die zwischenzeitlich montierte ZRX-Schwinge an und stimmte die Geschichte auf die offenen Luftsiebe ab. Die filigrane Hinterradaufnahme passte übrigens viel einfacher als gedacht zwischen den Suzuki-Rahmen: Lediglichlich ein paar Milllimeter Breite mussten weichen und die Aufnahmen für die Federbeine abgeflext und ein Stück weiter hinten wieder verschweißt werden. Passt nicht nur stimmig ins Gesamtbild, sondern lässt auch mehr Platz für die fünfeinhalber Hinterradfelge. Das Serienteil der GS misst nicht mal deren halbe lichte Weite.

Rantankplan

Das stilprägende Treibstoffbehältnis bekam ebenfalls Aufmerksamkeit spendiert: vom Fachmann der Schweißkunst bearbeitet, verschwand der ursprünglich aufgesetzte rustikale Tankdeckel und wurde durch ein gefrästes Zubehörteil, welches plan mit der Oberfläche abschließt ersetzt. Aufgrund der aufwendigen Anpassungsarbeiten, einer neu gestalteten Entlüftung und Modifikation des Überlaufes musste Holger zwar einige Zeit warten, bis ein zufriedenstellendes Ergebnis in Form eines versiegelten Tanks wieder in die Werkstatt wanderte, die aufgebrachte Geduld hat sich angesichts des Ergebnisses aber gelohnt. Darüber hinaus finden sich am Bock viele weitere feine Details: radiale Brems- und Kupplungspumpen, Wave-Bremsscheiben sowie Griffe und Rasten aus fein zerspantem Leichtmetall.

Wenig später Tachometer

Das Cockpit der GS demonstrierte fast schon mit Vorsatz gegen die in Folge angegangene Neu-Verkabelung: das verbaute Banditgeflecht brachte schlicht zu wenig Kontakte für die Geschwindigkeitsanzeige mit, was dem analogen Doppelauge missfiel. Nach Änderung der PIN-Belegung sowie diverser Stunden Löten und Schrumpfschlauchen ließ sich das Teil schlussendlich doch noch zur ordnungsgemäßen Mitarbeit bewegen. So ein Umbau ist schließlich kein Wunschkonzert. Der Rest der elektrischen Verbraucher fügte sich wesentlich schneller in sein modifiziertes Schicksal. Manchmal muss man einfach mal ein Exempel statuieren um kollektives Revoluzertum zu unterbinden. Zieht augenscheinlich auch bei frechen Litzen.

Classic and excellence

Da von vorneherein die traditionsreiche und klassische Linie der GS beibehalten werden sollte, blieb nicht nur die Kanzel als Stil-Ikone erhalten sondern auch die Lackierung spricht die Sprache der vergangenen Zeit, als Fahrhilfen, ABS, Einspritzung und Co. noch Teufelswerk waren und die Verbrennungsräume noch über offene, mechanische Schiebervergaser an der Umgebungsluft nuckelten . Hilfe bei der Koloration des Bikinis kam von einem befreundeten Lackierer, der die gewünschte Farbgebung passgenau und zur Zufriedenheit aller Beteiligten umzusetzen vermochte. Die schien auch dem amtlichen Prüfer zu gefallen, denn er hatte im ersten Prüfanlauf schon nicht ganz viel an dem alten Bock auszusetzen, dafür aber einen kleinen Tropfen blau-weißen Spermas im Augenwinkel, der ihm hinter der Brille die Wange hinunter lief. Geilen Sachen kann die Zeit einfach nichts anhaben und man klemmt sie sich auch in fortgeschrittenem Alter gerne mal zwischen die Beine. Aber nicht, dass ihr jetzt die Nachbars-Geronten bespringt - für zu lange der Schwerkraft ausgesetzte Fleischtüten gilt das nämlich nicht.


TECHNISCHE DATEN

Marke/Modell/Baujahr: Suzuki GS 1000 S, Baujahr 1979

Besitzer: Christian

Erbauer: Holger

Motor: Suzuki GSF 1200 Bandit mit gefrästen Motordeckeln von Moko und Yoshimura

Ölkühler: Suzuki GSF 1200 Bandit, modifiziert

Vergaser: Suzuki GSF 1200 Bandit mit Dynojet

Luftfilter: Offene K&N Einzelfilter

Krümmer/Auspuff: Sonderanfertigung mit Delkevic Endtopf

Schwinge: Kawasaki ZRX 1100, modifiziert

Federbein/Umlenkung: Suzuki GSX 1400

Gabel: Suzuki GSX-R 1100

Gabelbrücken: ABM oben, Suzuki GSX-R 1100 unten

Lenker: LSL

Hebel: PT- Radial Brems- und Kupplungspumpen

Griffe: Rizoma

Spiegel: SBF

Räder: Suzuki GSXR 1100 W, 3,5x17 vorn, 5,5x17 hinten

Bereifung: Pirelli, 120/70ZR17 vorn, 180/55ZR17 hinten

Bremsscheiben: Braking Wave

Bremszangen: Suzuki GSX-R 1100W vorn, Suzuki GSF 1200 Bandit hinten

Bremsflüssigkeitsbehälter: Brembo

Bremsleitungen: Fren Tubo Kevlar in Blau

Fußrastenanlage: Kawasaki ZZR1100

Tank: Serie modifiziert, CNC Tankverschluss, Pingel Benzinhahn

Höcker/Sitzbank: Serie, modifiziert

Kotflügel: Suzuki GSX-R 1100

Armaturen/Schalter: Suzuki GSF 1200 Bandit

Instrumente/Anzeigen: Serie

Maske: Serie mit blauer Scheibe

Lackierung: Wes Cooley Replika

Sonstiges: gefräste Yoshimura Abdeckungen (Danke an Rübe), Moko Sturzpads, Yoshimura Lenkerenden


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