Turnen füllt Urnen

Nachdem Andreas am eigenen Leib erfahren musste, dass Sport Mord ist und mit lädierten Knochen und Kniescheiben auf dem Sofa lag, reifte in ihm die Überzeugung, seinen Lebenswandel in Zukunft deutlich gesünder zu gestalten. Also weg von körperlicher Ertüchtigung, hin zum gepflegten motorisierten Straßenkampf. Der Mann weiß halt, was gut für ihn ist.

Und dass der neue Zossen auf keinen Fall ein Goretex-Geronden-Bomber oder Klappstuhl für Topcase-Trapper werden würde, stand von Anfang an fest wie Eberhard Ginger nach dem nach ihm benannten Salto. Andreas hatte die letzten anderthalb Jahrzehnte bereits reichlich am Motoröl geschnüffelt und diverse Kerzenstecker geraucht, so dass Umbauen auf ihn nicht die abschreckende Wirkung des Synchronschwimmen-Finale der unrasierten russischen Männermannschaft hatte.

Zwei in Eins

Zwar tummelte sich zu diesem Zeitpunkt eine jugendliche 848 Streetfighter in der hauseigenen Garage, die jedoch spontan und hemmungslos versilbert wurde, als Andreas bessere Hälfte den Wunsch äußerte, vom Sozius des V2 hinter den Lenker eines eigenen Krads upgegraded zu werden. Also weg mit der italienischen Eierfeile und her mit einer Sumo für die Holde und einer originalen FZ1 für den Eigenbedarf, der fortan eigennützig und solistisch gestaltet werden konnte.

Flurbereinigung

Kaum war die Ducati weg, tat es Andreas Angetraute ihr spontan gleich. Zum Glück deckte der Erlös der Ducati neben der Anschaffung der Yamaha auch noch die nun unausweichlichen Scheidungskosten mit ab, so dass den Umbauplänen nichts im Weg stand. Nicht mal eine preisintensive Ex-Frau. Wie ernst es Andreas mit seinen Plänen war, zeigte sich direkt nach dem Kauf der Yam. Mehr als eine Runde um den Block überlebte das Teil im Seriendress nämlich nicht, sondern wurde stehenden Fußes direkt auf die Hebebühne verfrachtet, die sich Andreas in der gut ausgestatteten Restaurationswerkstatt eines geneigten Nachbarn temporär unter den Nagel riss.

Anschaffen gehen

Während Andreas mit der Rechten die FZ zerlegte, bediente er mit der Linken die Tastatur seines Laptops und orderte noch in der Zerlegungsphase bei MGM einen ganzen Pulk passender Rohstoffe für sein Vorhaben: Maske, Heck und Bugspoiler hatten es ihm als gut aufgestellte Mannschaft angetan – und so wollte er das Team auch nicht zerreißen und verzichtete auf einen wilden Herstellermix. Für ein schlüssiges Endergebnis nicht die blödeste Voraussetzung. Teamgeist zahlt sich aus. Auch optisch. Vielleicht mal abgesehen von erwähnter haariger Badetruppe aus dem Ostblock. Lassen wir das lieber.

Aftershock

Den Aufbau der Karre begann Andreas so, wie es auch Wowereit am liebsten hat: von hinten. Also weg mit dem originalen Hilfsrahmen und tauglichen Ersatz angeflanscht. Als Andreas den Höcker für eine erste Anprobe auf das Gerüst warf und sich den kargen Platz im Inneren des GFK-Gebäudes besah, wurde es ihm mulmig wie Jan Ulrich vor der Doping-Probe. Da war nicht gerade viel Platz – aber es gab jede Menge elektronische Bauteile, die um Asyl unter dem GFK-Zelt flehten. Und die Schlümpfe mussten auch unbedingt unter Dach und Fach, wollte Andreas nicht auf Pedalantrieb umsatteln. Da ist so ein Motor einfach eine sture Sau.

Sing-Sing

Folglich verbrachte der findige Schrau-Bär einiges an Zeit damit, die Teile so zu drapieren, dass sie nicht nur unauffällig, sondern auch in einem gesunden Umfeld werkeln können. Als der letzte Akt des Elektrodramas gelaufen war und die dicke Frau endlich gesungen hatte, konnte sich Andreas weiter nach vorne durchkämpfen. Fix waren Auspuff und Luftfilterkastenumbau abgefrühstückt, so dass dem Tankcover die nötige Aufmerksamkeit zu Teil werden konnte. In dem Dom tummelt sich blitzsauber der originale Tacho und macht damit den Platz vor und über der Gabelbrücke frei, was der Maske den gewünschten Bewegungsfreiraum verschafft. Die nötigen Montage-Teile schnitzte Andreas durch die Bank selber, was auch für alle anderen Arbeiten und Anfertigungen gilt.

Handicap

Das ist umso erwähnenswerter, als dass Andreas die meiste Zeit, bedingt durch mehrere OPs zur Behebung seiner Sportbeschädigungen, auf Krücken angewiesen war und entsprechend gehandicapt an der Bühne stand. Das Ausmaß der physischen Einschränkung hätte ihn beinahe auf den harten Boden der Tatsachen verfrachtet, als während einer grobmotorischen Aktion die Yamaha ins Wanken geriet und drohte auf den neben der Hebebühne geparkten, frisch restaurierten Oldtimer des Werkstatt-Lehnsherrn zu fallen. Und wie immer in solchen Situation, waren keine weiteren Personen in greifbarer Nähe, so dass weder verzweifelte Rufe nach Mutti, noch nach göttlichem Beistand irgendetwas gebracht hätten.

Fallsucht

Andreas klammerte sich an die Yamaha, wie Axel Schulz an die Fackelmann-Grillzange, um das Debakel irgendwie zu vermeiden. Das schiere Gewicht der Wuchtbrumme sowie der ungünstige Hebel schliffen den bemitleidenswerten Mann auf seinen Krücken über die glatten Fliesen hinweg unerbittlich hinter sich her, bis sich Andreas mit Gehilfe und Extremitäten in der Bühne verkantete und den Zossen der Schwerkraft wieder entreißen konnte. So blieben Laune, Oldtimer und Yamaha weiterhin unangetastet und nachdem Andreas das frei gesetzte Adrenalin in Flaschen abgefüllt hatte, alles beim alten und der Umbau auf seinem eingeschlagenen Weg.

Der war kurze Zeit später auch endlich erfolgreich abgeschritten, nachdem sich ein weiterer Nachbar – seines Zeichens stempelberechtigter KÜS-Ingenieur, der legalisierende Endabnahme annahm. Mit Sport ist Andreas zwar weiterhin durch, umso mehr Zeit widmet er aber der FZ. Ist auch deutlich gesünder. Sieht man ja.


TECHNISCHE DATEN
Marke/Modell/Bj.: Yamaha FZ1 Bj: 2006
Erbauer: Andreas
Luftfilter: K&N
Krümmer/Auspuff: Original/ MIVV Suono black
Lenker/Riser: LSL Fat Bar und Klemmböcke
Hebel: PUIG Brems- und Kupplungshebel
Spiegel: Lenkerendspiegel „Agila“
Bereifung: Michelin Pilot Power 120/70ZR17 vorn, 190/50ZR17 hinten
Bremsleitungen Stahlflex schwarz/gold vorn, Original hinten
Tank: Original mit Tankcover
Instrumente/Anzeigen: in Tank versetzt
Blinker: Shinyo LED in Kühlerblende vorn, Shinyo LED Rücklicht/Bremslicht/Blinker hinten
Lackierung: Schwarz matt (selfmade)
Danke an:
Ronja für die endlose Geduld, Namensgebung und das kalte Bier an heißen Tagen Eugen und Peter für die „Leihwerkstatt“ und sämtliche gute Tipps


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