Ein Weihnachtsmärchen

Draußen vom Aldi, da komm ich grad' her, ich muss es sagen, es dunkelt gar sehr. Dacht erst, ich hätt' nur Pupillen-Gicht, doch dann merk' ich, es schwächelt mein Licht

Zu karg ist das spärlich' H4-Gefunkel, das da kommt aus dem Masken-Furunkel. Es leuchtet nicht, es höchstens glimmt, als ob Nik'laus mir den Lichtstrahl dimmt.

Da stimmt was nicht, ich merk' es schnell, die Straße wird nicht richtig hell. Es mangelt der Karre gar deutlich an Saft, der Lichtmaschin' gebricht es an Kraft.

Zu Hause heile angekommen, der Schweiß ist mir im Helm geronnen, hol mir erstmal 'nen Korn mit Fanta, Prosit Jungs – und scheiß auf old Santa.

Der Typ in Rot muss auf mich verzichten, ich muss erstmal den Fighter richten. Man muss sie halt setzen, die Prioritäten, hab grad keine Zeit, um Säcke zu kneten.

Flugs gezückt ist das Multimeter, ran mit den Klemmen – und schon etwas später, da weiß ich's genau, ich dacht es mir flugs, der Ladestrom, er macht keinen Mucks.

Es fehlt ihm an Volt, zu niedrig die Spannung, verdammte Kacke, ich hatt' so 'ne Ahnung. Irgendwas am Bock ist nicht richtig integer, ich hoffe mal, es ist nur der Regler.

Die Hoffnung darauf ganz plötzlich entschwindet, als sich beim Messen kein Fehler einfindet. Da bleibt wohl nur eins, Asche und Schutt, die Lichtmaschine ist selber im Dutt.

Also weg mit dem Deckel, runter vom Motor, so dass ich heran komm', an ihren Rotor. Er riecht schon ganz streng und auch verkohlt, neu ist was andres, auch frisch überholt.

Nur eins trennt noch Wissen von falschem Glaube, es ist die zenrale Rotor-Halteschraube. Sie drückt die Glocke gegen die Welle, muss also ab – und zwar ganz schön schnelle.

Ich steck auf die Knarre die 17er Nuss, halte sie auf, ganz ohne Verdruss. So sehr ich mich mühe und reiß' wie die Pest, die Schraube macht nix, sie ist und bleibt fest.

Ich nehm' von der Wand, 'nen riesigen Knebel, will ihn benutzen als hilfreichen Hebel. Ich zerre, drücke, würge und ruckel bin rot im Gesicht' wie Eders Pumuckl.

Es wäre doch gelacht, ich werd's jawohl schaffen, greifen wir eben zu stärkeren Waffen. Wenn Muskelkraft nur wirkt wie fauler Zauber, muss er heraus, der große Schlagschrauber.

Ich stelle ihn ein, auf volle Kanne, da zittert sogar die Weihnachtstanne. Es dröhnt, es knarrt wie wild vor sich hin, die blöde Schraube bleibt hartnäckig drin.

Mir schmerzt schon langsam der rechte Arm, her mit dem Brenner, ich mach sie nun warm. Jetzt bin ich so richtig heftig in Fahrt, ihr Kopf lustig glüht, hat wohl tausend Grad.

Jetzt sollte es gehen, jetzt muss sie heraus, so wie Knecht Ruprecht aus dem Freudenhaus. Ich mag es nicht glauben, das kann doch nicht sein, sie bewegt sich kein Stückchen, das saudumme Schwein.

Sie muss aber runter, notfalls mit Gewalt, ich kann sonst nicht fahren durch den finst'ren Wald. Ich geh' mal nach hinten, tief in die Kammer und komme zurück mit 'nem Vorschlaghammer.

Ich dresch' auf sie ein, ich klopfe sie weich, kommt sie nicht heraus, spring' ich in den Teich. Bin nicht begeistert und auch nicht entzückt, die fiese Schraube, sie macht mich verrückt.

Ich drehe gleich durch und werd' immer böser, wo war nochmal mein guter Rostlöser? Rauf mit dem Zeug, nur nicht dran sparen, viel hilft viel – wie beim Autobahnfahren.

Es kann doch nicht sein, was ist denn hier los, was soll ich nur tun, was mache ich bloß? Ich brauche mehr Kraft, Druck und Gewalt, allein schaff ich's nicht, so werd ich nicht alt.

Ich laufe ins Haus und ruf nach der Frau, sie möge mir folgen, aus uns'rem Anbau. Ich sag was hier los ist, erklär ihr die Lag' und das ich die Schraube nicht länger ertrag.

Ich zeig' wie ich drücke, scheiter' und schrei', mir wächst aus der Rübe schon fast ein Geweih. Else sie lacht, sie grinst, gröhlt und schreit, oh Hilfe, oh Gott, jetzt ist es soweit.

Jetzt hab ich's geschafft, jetzt ist sie verrückt, das ist wohl der Grund, warum sie sich bückt. Sie wischt sich die Tränen aus ihrer Rinde, schaut mich doof an und sagt: Linksgewinde.

Ich kann's gar nicht glauben, werd' wieder ganz rot, mein Gott ist das peinlich, ich wünscht' ich wäre tot. Mit einem Ruck, Oh Sorg und Oh Graus, löst sich die Schraube und wandert heraus.

Ich drücke die Else und bau' ihr einen Schrein, nichts wie ins Haus, her mit dem Glühwein. Wenn's mal nicht klappt, nicht gleich verzagen, notfalls auch mal den Hausdrachen fragen.

Auch abseits von Kochen, Poppen und Putzen, haben Frauen durchaus einen Nutzen. Ich sage es hier, jetzt und ganz laut, das beste Werkzeug ist manchmal die Braut!

Euch allen zu Hause, in eurem Nest, wünsche ich ein feines und öliges Fest. Egal ob im Fiat, VW oder Manta, Lasst euch bescheren von Meister Santa.

Für dieses Jahr sei damit hier Schluss, ich kratze die Kurve und nehm' gleich den Bus. Wir sehen uns wieder, die kommenden Tage, Wir sind schließlich Fighter, das steht außer Frage.

Euer R. Leuchtung
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