Panigale
Panigale
Das kann man doch nicht machen...

Die allgemeine Akzeptanz von Umbauten auf Basis von potthässlichen Serienwurstbuden ist durchaus hoch. Kein Wunder, stehen rollende Scheißhäuser ja auch nicht unter informellem Artenschutz und erfreuen sich geringerer Attraktivität als eine Darmspiegelung mit anschließendem Angelhakeneinlauf.

Ganz anders sieht die Sache aber aus, wenn man sich unverschämter Weise an Mopeten wagt, die gemeinhin zum Weltkulturerbe gezählt werden – ob nun berechtigt oder nicht. Ausgelobte Heiligtümer, denen man maximal die eine oder andere Carbon-Applikation spendiert oder sie "im Detail veredelt", wie es die Felgenrandaufkleberfuzzis mit dem dicken Stock im Arsch gerne titulieren. Nach ihrem Selbstverständnis gibt es selbst nach dem Überrollen der Monstranz mit einem Sherman keinen Grund, von der gottgegebenen Unantastbarkeit des Fließbands abzuweichen. Notfalls wird eben aus dem verbliebenen Restölfleck unter strengster Verwendung von Originalteilen der Haufen wieder in den Serienzustand versetzt. Verstehe das wer will.

Ikonenfutter

Insbesondere die gehypten Stilikonen aus dem Land des Duce und der belegten Mafiatorten zählen zu den vermeintlich Unantastbaren ihres Genres. Heilige Grale, erschaffen von Menschen, deren Morgenstuhl mehr Design ausströmt als die komplette Entwicklungsabteilung der unwürdigen Mitbewerber. Was also kann es Geileres geben, als sich exakt so einen Vogel zu greifen, ihm den Heiligenschein von der Rübe zu schlagen und ihm die Federn auszureißen?!

Jehova!

Und wenn man die "ans Kreuz mit ihm" Rufe besonders laut drehen will, nimmt man sich nicht nur irgendeine Karre aus dem Programm, sondern reißt das Alpha-Tier. In diesem Fall eine Panigale. Nicht nur, dass der Prügel die technische Speespitze des Konzerns bildet, der Hocker sieht zudem ab Werk trotz Plaste auch noch recht passabel aus. Und spätestens an dieser Stelle wird´s dann kniffelig, denn schließlich soll der Umbau ja keine Verschlechterung werden, sondern auch optisch nach vorne gehen.

Fertigware

Klar, man könnte sich auch einfach eine fertige "Streetfighter S" aus dem Nudelregal ziehen. Aber die ist eben schon fertig. Bäh! Da sich noch nicht ausreichend Menschen mit der Panigale umbautauglich in die Horizontale begeben haben, bleibt nur der Weg über einen werksfrischen Hocker, was die Hemmschwelle zusätzlich liftet. Wer schon mal einen neuzeitlichen Bock entblättert hat, weiß zudem um die Debakel-Serie, die da auf ihn zukommt. Schläuche, Kabelstränge, potthässliche Halterungen und Ausleger, sonst augenschonend per undurchsichtiger Schale vom Sonnenlicht abgeschirmt, malträtieren jetzt hemmungslos die Netzhaut des Schraubers. Das ist dann der Moment wo sich Gedanken wie "Och, sieht original ja doch nicht so Scheiße aus" mit der vorsichtigen Rückmontage der Verkleidung vermischen. Zumindest bei wankelmütigen Naturen. Hartgesottene ziehen das Ding aber erbarmungslos durch.

Schubkarre

So auch in diesem Fall. Neben der Amputation des Bodyworks und der Montage eines knappen String-Tangas inklusive der notwendigen, teilweise massiven Eingriffe in Bordelektrik und Peripherie, ging es auch dem fahrdynamischen Register an die Reizwäsche. Zwar gebricht es der Panigale nicht gerade an Leistung, allerdings ist deren Verlauf alles andere als landstraßentauglich. Unter 7.000 Umdrehungen sieht die Druckkurve aus wie das EKG von Berlusconi auf Xtasy während ihm ein ausgehungertes Saugkalb die ranzige Fleischflöte hartnuckelt. Dabei ist dies genau der Bereich auf den es ankommt... na, Kopfkino? Denn die ehemaligen Zielgebiete Rennstrecke oder Autobahn verströmen auf die Nackte naturgemäß keinerlei Anziehungskraft mehr.

Kraftmeier

Und so wurde dem Motor eine Menge Aufmerksamkeit auf dem Prüfstand zu teil, wo wissenden Hände aus der Berg- und Talfahrt einen homogenen Punch züchteten, der dem Fahrer ab Standgasdrehzahl den erhöhten Lenker ungefragt in die Fresse schlägt. Wozu hätte man den auch sonst montieren sollen?! Gut, ganz nebenbei macht er auch Schluss mit der gebückten Sitzposition, wie sie nur regelmäßige Besucher von Austragungsorten analer Sexualpraktiken kennen und schätzen. Die Griffel finden jetzt in anatomisch gesunden Regionen halt und die Handgelenke schonende Kröpfung tut ein übriges um Gichtanfällen vorzubeugen.

Die Hände zum Himmel

Die deutlich aufrechtere Sitzposition entlastet zudem das Vorderrad, was in Tateinheit mit dem angereicherten Druck aus dem gut bestückten Keller zu einem herrlich unausgewogenen Verhältnis in Sachen Fahrbahnkontakt zwischen Vorder- und Hinterrad führt. Die Kiste sollte also unbedingt mit getöntem Visier gefahren werden, damit einen die Bevölkerung auf Grund des Dauergrinsens nicht für komplett schwachsinnig hält. Ganz auszuschließen ist dies aber ohnehin nicht. Und das ist auch gut so. Wobei sich auch bei Markenfetischisten und Originalheimern angesichts des äußerst veritablen Ergebnisses Verständnis für die Aktion einstellen dürfte. Denn natürlich kann man so was machen. Wenn man´s denn kann.

TECHNISCHE DATEN
Marke/Modell: Ducati 1199 S Panigale Erbauer: Hertrampf Motor: 1199 Panigale, Steuerzeiten feinjustiert, auf Drehmoment abgestimmt, Ventildeckel rot beschichtet Wasserkühler: Serie, System umgebaut für nackten Betrieb, Anströmungsoptimierung durch Leitbleche Einspritzung: ECU abgestimmt, Zünd- und Einspritzkennfelder bearbeitet, Kompensationstabellen angepasst, geänderte Ram Air Aufladung Luftfilter: Umbau für mehr Luftdurchsatz Krümmer/Auspuff: Serie, Auspuff beschichtet in schwarz matt, Auspuffklappensteuerung deaktiviert Rahmen: Serie, Geometrie und Gewichtsverteilung geändert Federbein/Umlenkung: Setting, Kolben und Gehäuserohr umgebaut für aufrechte Sitzposition, Umlenkung mit mehr Progression Gabel: HPC-Power Stufe 3+ Umbau, geändert für aufrechte Sitzposition, Arbeitsweg verlängert, Hydrostop entfernt Gabelbrücken: modifiziert Lenker/Riser: Sonderanfertigung, Öhlins Lenkungsdämpfer Bremsen: ABS angepasst Bugspoiler: Sonderanfertigung Armaturen/Schalter/E-BOX: Serie, modifiziert und verlegt


Bilder: Kai Steinkühler/Hertrampf