Remi Demmi

Remi fährt nicht gern weite Strecken. Er hasst es, wenn Kurven seine Fahrbahn verunstalten und ballert bevorzugt geradeaus. Zudem will er auch nicht Länger als zehn Sekunden auf seinen Etappen im Sattel sitzen. Um diese dubiosen Ziele zu erreichen betreibt er einen Heidenaufwand.

Um seinen Ansprüchen gerecht zu werden, braucht der latent Wahnsinnige vor allem drei Sachen: Eine 402 Meter lange Asphaltgerade, ein Motorrad mit der Leistung eines kleinen Personenflugzeugs, sowie einen rostigen Neunzöller im Neocortex. Remi ist damit so etwas wie das größtmögliche Gegenteil zu warnwestentragenden Topcase-Junkies. Entsprechend beinhalten seine Umbaumaßnahmen auch keine am Heck montierten Aluminiumboxen, homoerotische Heizgriffe oder USB-Anschlüsse für Schließmuskelradiatoren. Und eine Hängetittenguzzi als Basis schied sowieso von vorne herein aus.

Unfug

Stattdessen schnappte sich Remi ein Krad, das wie kaum ein anderes für seine Ambitionen geeignet ist: Yamahas Vmax aus erster Generation. Ein testosteronschwangerer Motor auf zwei Rädern, verpackt in einen doppelschleifigen Rahmen, mehr rollender Triebwerkshalter denn Fahrwerk. Verwindungssteif wie vier Pfund frisches Rinder-Mett und in der Gewichtsklasse eines handelsüblichen Schützenpanzers. Es gab also viel zu tun. Dem zauseligen Chassis näherte sich Remi deshalb ohne langes Zaudern mit der großen Flex und schnitt erst mal dessen gesamtes Heckabteil ab. Die wuchtige Kardanschwinge, mit der man bequem Rübezahl von hinten erschlagen könnte, wanderte mit in die graue Tonne, begleitet von den daran hängenden Stereofederbeinen mit ihrer Softchopper-Charakteristik.

Schweißarbeit

Ersatz wurde aus stabilem und ebenso leichtem Aluminium gezeugt. Ein minimalistischer Heckrahmen hält des Fahrers Gesäß im gewünschten Abstand vom Fahrbahnbelag und die erwählte formschöne Aprilia-Bananenschwinge bringt nicht nur mehr Stabilität ins Heckabteil, sondern spart auch ein paar gefühlte Zentner ungefederte Massen. Außerdem sieht sie deutlich geiler aus als das barocke Altteil. Zwischen der modifizierten Umlenkung und der speziell angefertigten oberen Abstützung wird ein Öhlins-Federbein auf Zug und Druck belastet und gleicht Unebenheiten in der Fahrbahndecke aus. Die vordere Radhaltereinheit ging parallel in den Vorruhestand und wurde gegen deutlich jüngere Fachkräfte aus einer Mille abgelöst, gehalten von einem Satz geradezu unanständiger Otec-Gabelbrücken, für die man auch mal gerne die eigene Oma hinter den Bus schubst. OZ-Felgen rotieren leichtgewichtig vorne und hinten und bringen die verbauten Pneus auf zeitgemäße Dimensionen. Vorher war´s hinten zu dick und vorne zu doof.

Ali Baba und die 1540 Diebe

Da Remi, wie eingangs geschrieben, ungern unnötig lange auf dem Hocker residiert, griff er dem V4 kräftig mächtig unter die Ventildeckel. Der Hubraum wuchs auf amtliche 1540 Kubik. Die verbauten Kolben komprimieren die von scharfen Nockenwellen geregelten, arglos angesaugten Frischgase eine ganze Ecke heftiger als in Serie und Carillo-Pleuel reichen das Resultat des Abfackelprozesses an die Kurbelwelle weiter. Damit deren Rotation nicht verpufft wie die Bemühungen eines Milchschäumers im Klärbecken, übernimmt eine Lock-Up Kupplung die vermittelnde Aufgabe der Kraftübertragung ans Getriebe. Die fliehkraftbetätigten Anpressgewichte erhöhen drehzahlabhängig den Druck auf das Lamellenpaket und sorgen dafür, dass die Sekundärkette genug Zug auf die Glieder bekommt.

Kernreaktor

Beatmet wird das Kraftwerk von einem FCR 39 Vier-Gestirn, von dessen offenen Trichtern sich bei laufendem Motor Singvögel und Kleinkinder besser fern halten, wollen sie nicht als Verbrennungsbeigabe in den Zylinderköpfen enden. Entsorgt werden die gasförmigen Rückstände ausgangsseitig über eine Eigenbauanlage, die aus Leo-Vince und Arrow-Komponenten besteht und unter dem Höcker ins Freie bläst. Die knappe Sitzgelegenheit wurde einer RSV 4 entrissen. Nicht weniger ungewöhnlich ist auch die Herkunft des Spritbehälters. Eine Cagiva Mito leistete nur ganz kurz Gegenwehr und muss nun für den Rest ihres kümmerlichen und hubraumarmen Lebens ohne Spritblase auskommen. Carbon-Lenker und Arrow-Fußrastenanlage sorgen für des Fahrers Wohlbefinden und halten den Piloten beim Fluten der Ansaugtrakte an Ort und Stelle, was angesichts des sich entwickelnden Schubes keine leichte Aufgabe ist. Zieht Remi am Kabel, wirft der Hinterradpneu Wellen in den Asphalt, dampft der Belag wie frischer Morgenstuhl und bibbert die Gegnerschaft. Kann die blauweiße GS-Gang nur froh sein, dass Remi auf kurze Ausflüge auf dem Strip steht und nur selten auf die Idee kommt, den orthodoxen Landstraßenverkehr aufzumischen.


TECHNISCHE DATEN
Marke/Modell/Bj.: Yamaha VMax 1200, Bj. 1988
Besitzer: Remi
Motor: 1540 ccm, geschmiedete Carillo Pleuel, High-Kompression Kolben, Ami-Nockenwellen, Dyna 3000, Lock-Up Kupplung, Umbau auf Kettenantrieb, Samco Silkonschläuche, Kurbelgehäuse-Protektoren
Wasserkühler: Sonderanfertigung
Vergaser: Keihin FCR 39
Luftfilter: Trichter
Krümmer/Auspuff: Leo Vince, Arrow, Eigenbau
Rahmen: Verstärkt, Rizoma Protektoren
Heckrahmen: Alu Eigenbau
Schwinge: RSV 1000 R
Federbein/Umlenkung: Öhlins Federbein
Gabel: RSV 1000 R
Gabelbrücken: Otec
Räder: OZ Racing
vorn: 3.5x17
hinten: 6.00x17
Bereifung:
vorn: 120/70ZR17
hinten: 190/55ZR17
Lenker: Carbon
Bremsen: Brembo
Fußrastenanlage: Arrow
Tank: Cagiva Mito 125
Höcker/Sitzbank: RSV 4
Lufthutzen: Carbon
Kotflügel: RSV
Bugspoiler: Carbon
Armaturen/Schalter/E-BOX: Minimalelektrik, Autozündschloss, 19mm Radialpumpen
Lackierung: Matt-schwarz
Sonstiges: Öhlins Lenkungsdämpfer, Rizoma Griffe


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