Buell XXL
Buell XXL
51st STATE

Die Erbauer haben ein Schwingen-Gußteil ersonnen und hergestellt, das nicht nur das flüssige Gold beherbergt, sondern auch Platz für wahre Gummiwalzen bereit hält. Ohne Versatz, versteht sich. Eine Zwischenlagerung des Antriebes macht das möglich und nebenbei auch noch die standardmäßig verbaute Spannrolle so überflüssig, wie einen Intelligenztest im US-Repräsentantenhaus. Die Folge: Von 280 bis 330 Millimeter Lauffläche läßt sich nun jeder Pneu verwenden – und sogar der 360er oder eventuell noch kommende Giganten treffen nicht auf zu enge Arme, sondern sind bereits präventiv berücksichtigt. Um die Fuhre auch jenseits des 60-Meilen Tempolimits sicher bewegen zu können, wurden außerdem Radstand und Nachlauf erhöht. Das erreichte man zum einen durch eine etwas größere Schwingenlänge, und zum anderen durch flockige drei Grad Rake des Lenkkopfes. Während die Schüsseln der imposanten Felgen fremdgefertigt wurden, entstammen Stern und Nabe erneut der hauseigenen Produktion. Schöner Rollen für Fortgeschrittene.

TECHNISCHE DATEN: Modell: Buell XB9SX, Modelljahr 2006 Motor: 984cm³ Ölkühler: Serie Luftfilter: Eigenbau Auspuff: HSA Schwinge: Eigenbau für 280er, 300er oder 330er-Reifen Federbein: Serie Gabelbrücken: Eigenbau Räder: Eigenbau, vorne 5“x17“, hinten 12,5“x17“ Bereifung: Avon, vorne 160/60 ZR17, hinten 330/30 R17 Avon Lenker: Feiling straight Bremsen: Wave-Scheiben, vorne 340 mm (8 Kolben-Sattel), hinten 240 mm (4 Kolben-Sattel) Fußrastenanlage: Eigenbau Tank: Eigenbau Höcker: Eigenbau Kotflügel: Eigenbau Bugspoiler: Eigenbau Armaturen: Motogadget Mini Instrumente: Rebuffini
Sonstiges: Lenkerkabelführungen innenliegend, Antriebs-Offset und Beltrad hinten Eigenbau

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Thunder-Buell
Thunder-Buell
Thunderbuell

Die Technik der XB beruht weitgehend auf Serien-Material, allerdings ist der Mix ein recht interessanter: Um einen kompakteren Hintern hinzukriegen, kombinierte man den "großen" SS-Rahmen mit einem "kleinen" Heck-Gestell – so eins, wie man es beispielsweise an Buells Firebolt-Modellen findet. Doch dafür mußte das Teil nicht nur an seinen Anschlüssen zum Hauptrahmen modifiziert werden. Obendrauf kam dann ein sehr schlankes Solo-Sitzmöbel aus dem Hause Champion, das nach kleinen Anpassungsarbeiten eine sehr schlüssige Tank/Sitzbank-Linie ergibt. Der gelungene Wurf wurde unterseitig mit einem Undertrail sozusagen wasserdicht abgeschlossen.

Der Motor blieb im Prinzip so, wie er einst über'n großen Teich kam. Nur die Peripherie wurde aufgemoppelt: Die Enden der sorgsam polierten Serien-Krümmer münden nun in ein Twister-Duo aus dem Sebring-Programm – die Stereo-Ausgänge sehen da wirklich sehr sexy aus. Auf der Ansaugseite wirkt dagegen Hillbilly-Equipment. Hier werkelt das unheimliche F.A.S.T.-System unter der Tankatrappe, die selbstverständlich Extra-Belüftungen erhielt. Vorn blieb beinahe alles beim alten, nur Buells ZTL-Bremse bekam eine Breaking Wave-Scheibe spendiert, während am oberen Ende eine Acerbis-Maske für den neuen Look sorgt. Im Heck sah man neben der multiplen Einfärbungen verschiedener Technikalien lediglich beim Rad Handlungsbedarf: Das gute Stück wurde auf 6,25" Zoll verbreitert – eine 200er Pelle sollte schließlich schon drin sein.

TECHNISCHE DATEN Modell: Buell XB 12SS, Bj.’07 Luftfilter: F.A.S.T.-System Auspuff: polierte Serien-Krümmer, Sebring-Schalldämpfer Rahmen: Serie, pulverbeschichtet, kurzer Buell-Heckrahmen mit R&R-Ende Schwinge: Serie, pulverbeschichtet Gabel: Serie, Standrohre poliert Gabelbrücken: Serie, pulverbeschichtet Räder: Serie, hinten auf 6,25“ verbreitert Bremsen: vorn ZTL-System mit Breaking Wave-Scheibe und –Hydraulikzylinder, Stahlflexleitungen, hinten Serie, Stahlflexleitung Fußrastenanlage: R&R Tank: Serie, modifiziert Maske: Acerbis Lufthutzen: Serie/Thunderbike Kotflügel: Serie, modifiziert Bugspoiler: Serie

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HD Street-Rod
HD Street-Rod
Frauentausch

Andrea war sowohl glücklich als auch in festen Händen. Genauer gesagt in japanischen. Vier Zylinder in einem gefighterten Chassis trugen sie durch die Gegend und zu Treffen, bis das Chaos über sie kam.

Genauer gesagt der Chaos. So nämlich der (übrigens nicht unverdiente) Nickname ihres inzwischen Angetrauten, der sein Heil in amerikanischen Twins älteren Semesters sucht – und manchmal sogar auch findet. Um den Haussegen nicht aus der Waagerechten zu bringen und neben Fighterpartys optional auch Events der Rüttelplattenjunkies anfahren zu können, musste also ein Zwitter her.

Es fährt

Und Harley hatte tatsächlich mal so etwas wie eine halbwegs brauchbare Basis für so ein Unterfangen im Programm. Mit Fußrasten, die nicht direkt hinter der Vorderradachse montiert sind, einem nicht zu flachen Lenkkopfwinkel und brauchbarer Bodenfreiheit, die sogar Schräglagen jenseits des Parkwinkels auf dem Seitenständer erlaubt. Auf "Street-Rod" hört der Hocker, der sich derart von der üblichen Konzernphilosophie abhebt, dass er bereits nach anderthalb Jahren Bauzeit dem Aussterben anheim gestellt wurde. Nicht weiter verwunderlich, denn wenn das übliche Klientel etwas Fahrbares hätte haben wollen, wären sie ja nicht bei Harley einkaufen gegangen.

Unwanted

Wollte die Dinger neu schon kaum jemand haben, ist ihr Stand auf dem Gebrauchtmarkt noch mal eine Ecke schwieriger. Umso besser für die wenigen Interessierten, lassen sich die Geräte doch für vergleichsweise geringe Beträge vom Markt fischen. Und so lokalisierte unser Paar denn auch recht bald ein solches Maschinchen, zum Verkauf stehend bei einem typischen HD-Dealer. So sehr sich die Marschrichtung der Kiste von den anderen unterscheidet, so gewohnt arrogant und hochnäsig wurden die Chaoten bei dem Versuch behandelt, ihre Knete gegen den Eisenklumpen einzutauschen. Kann man fast schon froh sein, dass nicht noch angespuckt oder beschossen zu werden.

Keine Teile, keine Keile

Nachdem das Drama der Neuanschaffung abgefrühstückt war, tauchte so gleich das nächste am Horizont auf. Die mit für die Selektion verantwortliche Aussicht auf passende Teile aus einer bajuwarischen Schmiede, obgleich noch in Katalog und Online beworben, gab es in natura nicht mehr zu kaufen. Weder für Geld noch für gute Worte. Statt den Kopf in den Sand steckte Familie Kahler den Strohhalm ins Whiskey-Glas und die Nase ins Telefonbuch. Ein paar Telefonate später war der halbe Freundeskreis aktiviert und in die anstehenden Bauarbeiten eingebunden.

Bob, der Baumeister

In Nachbarschaftshilfe entstanden so z.B. Fender als auch Höcker nebst dazugehöriger Änderung des Unterbaus. Eine durchaus ernsthafte Herausforderung, denn da wo der Japaner lediglich Batterie und ein Paar Relais bunkert, sitzt bei dem Amieisen der Spritbehälter. Und den kann man nicht einfach mal eben weglassen, eindampfen oder auch nur grundlegend umgestalten. So musste sich statt dessen die gesamte Peripherie dem E10-Bunker beugen. Dennoch gelang es, das Heck so kurz zu halten, dass es in Höhe der Hinterradachse sein Ende findet.

Ausgeschildert

Das Nummerschild wanderte auf die linke Spielfläche, während auf der rechten ein verstellbares Soundsystem Schallbedürfnis und Schutzmannschaft unter einen Hut zu bringen versucht. Je nach Einstellung mehr oder weniger zufriedenstellend für jeweils eine der Parteien. Man kann es eben nicht allen recht machen.

Gesichter des Todes

Nachdem die Gabel von allem unnötigen und unerwünschtem befreit war, bekam die Front ihr neues Gesicht. Das wird fightertypisch von einer unfreundlichen Maske dominiert, über der sich lediglich eine massive Dragbar auf wuchtigen Risern erhebt. Damit das so bleiben konnte, wanderte das Instrumentarium in den Tank, oder besser das Airbox-Cover. An Gabel und Brücken musste keine Hand angelegt werden, die Dinger sind von Haus aus schon sehr ansehnlich und üppig dimensioniert.

Farb und froh

Blieb letzten Endes nur noch die Frage des Lacks. Und bereits bei der Absprache mit dem Auftrager zeigte sich recht schnell, wie schwierig die verbale Vermittlung visueller Wünsche ausfallen kann. Weiß sollte es werden, aber nicht richtig Weiß. Verpuhl´ das mal jemand. Und so wurde Hände- und Worte ringend um eine passende Beschreibung gefochten, bis sich "Nikotinweiß" als gemeinsam verständlicher Nenner heraus kristallisiert hatte. Dazu gab´s dann noch ein paar lichtschwarze Akzente und fertig war die Laube. Alles in allem keine ganz leichte Geburt mit ganz speziellen Wehen, aber da weder Basis noch Ergebnis zum Durchschnitt zählen, eher logisch denn überraschend.

TECHNISCHE DATEN Marke/Modell/Bj.: Harley Davidson, VRSCR, Street ROD, 2006 Besitzer: Andrea ( Pinky) Erbauer: Pinky & Chaos Vergaser/Einspritzung: Einspritzung OEM Luftfilter: K & N Krümmer/Auspuff: Kess Tech ESM 2 in 1 schwarzmatt Heckrahmen: HSB Lenker/Riser: Fehling Dragbar 82 cm , LSL Riser KC 45 Griffe: Motorcycle Storehouse Bereifung: 120/70 ZR 19 vorn, 180/55 ZR 18 hinten Bremsscheiben:Brembo Bremsleitungen: Stahlflex Tank: 18,9 l unterm Sitz Höcker/Sitzbank: Stahlblech Kotflügel: US Custom E-Box: im Höcker, unterm Airbox Cover Instrumente/Anzeigen: in Airbox Cover eingelassen Blinker vorne: Kellermann BL 1000
Blinker hinten: Micro Blinker LED Rücklicht: LED Lackierung: HSB ,Nikotinweiß mit schwarzen Airbrush, seidenmatt

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FZR-Buell
FZR-Buell
Sakrileg

Hauptberuflich sorgt Jouni dafür, dass spätere Generationen nicht auf die Klobrillen strullen, mit geschlossenem Mund kauen und in der Lage sind, ihre Mofas ordentlich zu frisieren. Jouni ist nämlich Lehrer und unterrichtet im mechanisch/technischen Segment – nebenberuflich.

Hauptberuflich hat Jouni nämlich einen mittleren Zaunpfahl im Stammhirn sitzen und sorgt dafür, dass das Wort "vernünftig" zusehends aus dem europäischen Wortschatz verschwindet und der Bedeutungslosigkeit anheim gestellt wird. Dabei lässt er sich weder von Konventionen, kleinkarierten Mitmenschen oder technischen Hürden aufhalten. Wenn die Schulglocke zum Unterrichtsende läutet, schreitet Jouni aus dem Plattenbau, zerreißt sein Hemd und mutiert zu Schraubermän.

HOG-Hunter

Dabei sind seine Eskapaden und Abenteuer nicht unbedingt immer geplant, sondern eher Resultate vorangegangener Unbill des Lebens. So auch bei diesem Projekt. Anno 2005 fühlte sich Jouni endlich alt genug, um mal auf einer Harley Platz zu nehmen. Für Ziegenbocklenker, Sissybar und Satteltaschen aus Ziegenpenisleder war er dann aber doch noch nicht alt oder betrunken genug, so dass er entschied, dass eine sportive Buell aus Erics eiligen Hallen eine gute Wahl wäre. Also importierte er aus den US of A eine verunfallte XB12 mit dem festen Vorsatz, diese wieder herzurichten. Unerfreulicherweise verweigerte der HD-Importeur aber das notwendige Ausstellen der Papiere, so dass die legale Zuführung zum Straßenverkehr noch vor Baubeginn ad acta gelegt werden musste.

Gesocks

Statt sich lange mit dem missgünstigen Gesindel herumzuärgern oder es mit der eigenen Fransenjacke zu erdrosseln, parkte Jouni seinen ausgefahrenen Mittelfinger im Gesicht der Arschmade und machte sich auf, einen eben solchen aus Metall zu bauen. Als eine der größten Todsünden unter Hoggies gilt es, eine Harley mit Brocken japanischer Herkunft zu verunreinigen. Wenn die Hirnis wüssten, was an ihrem Seriengeraffel alles aus japanischer oder chinesischer Fertigung stammt, würden sie sich wahrscheinlich in ihren Leatherman stürzen. Eher lässt sich der Grand Dragon des Ku-Klux-Klan den verrotteten Arsch von Martin Luther King transplantieren, als das ein Hogger sein Moped vorsätzlich mit fernöstlichem Plunder kontaminiert.

FZRXBS

Was also lag näher, als genau dies zu tun?! Und so besorgte sich Jouni für den Gegenwert einer halb leeren Schachtel Fluppen den alten, aber bereits zugelassenen Rahmen einer Kilo-FZR und befahl ihn zur neuen Heimat für den V2. Mit präventiven Vermessungen, ob der Ami-Schlegel überhaupt in die Deltabox passen würde, hielt sich unser Held nicht lange auf – wusste er doch, dass die Nummer so oder so alles andere als P´n`P´ ablaufen würde. Dabei war das Problem weniger, die schlanke Silhouette zwischen die Aluprofile zu bekommen, sondern viel mehr der Platzbedarf der Einspritzung oberhalb des Vau-Zwo.

Nachsitzen

Doch eins nach dem anderen. Nachdem der Motor im Rahmen vermittelt und seine Montageposition festgelegt war, fertigte Jouni einen Satz Halteplatten, mit denen er die Brocken verschraubte. Aus einem Buell Unfallrahmen schnitt er die obere Federbeinaufnahme heraus und schweißte sie dem FZR Rahmen an den Arsch. Da der V2 seine Kraft auf der rechten Seite abgibt, das FZR-Ende diese aber linkerhand erwartet, baute Jouni die Schwinge einfach upside down ein und verlegte so das Kettenrad nach Steuerbord. Noch eben eine Aufnahme für das Buell-Beinchen auf den Zweiarmer geschweißt, den Motor von Belt auf Kette umgerüstet und fertig war die Laube.

YaSuBu

Vorne mischte Jouni Hayabusa- mit Killergixxerteilen und hängte das Ensemble in den Yamaha-Lenkkopf. Zwei radial angesteuerte Bremsscheiben haben leichtes Spiel mit der Leistung des Buell-Reaktors, dessen Output ja deutlich unter dem liegt, was die Stopper normalerweise in Wärme verwandeln müssen. Gelenkt wird über eine Stange von LSL in deren direkter Nachbarschaft sich Motoscope mini, das Zündschloss, sowie ein fetter K&N Filter tummeln. Letzterer ragt aus dem Tank hervor wie die Silikon-Möpse von Pamela Anderson beim 200 Meter Nudisten-Rückenschwimmwettbewerb.

Tank-Man

Apropos Tank: Dieser zählt klar zu den arbeitsintensivsten Brocken an der Mopete. Nach einigen Experimenten mit umgetüdelten FZR-Blasen, stolperte Jouni über den Bottich einer R1, der sich erstaunlich gut für das angedachte Vorhaben geeignet zeigte und dabei auch eine ausgezeichnete Figur machte. Zumindest so lange man auf unötige Brocken wie Luftfilter, Ansaugtrakt und Benzinpumpe verzichten konnte oder wollte. Da Jouni, im Gegensatz zum durchschnittlichen HOG-Heini, sein Moped aber nicht hauptsächlich auf dem Anhänger zwischen Eisdiele, Garage und Vertragshändler bewegen sondern fahren wollte, sah er sich genötigt, ein paar eklatante Veränderungen vorzunehmen. Da der Motor nachhaltig auf einer Gemischaufbereitung beharrte, musste eben der Tank entsprechend modifiziert werden. Dazu amputierte Jouni dessen Boden, beschnitt seine Flanken, integrierte die Benzinpumpe, komplettierte das Ensemble mit den Teilen eines FZR-Tanks, schuf Platz für den Ansaugschnorchel und platzierte das stählerne Ergebnis oberhalb der Köpfe.

Take a seat

Weil Jouni nicht gerne im Stehen fährt, drängte sich abschließend noch irgendwie die Notwendigkeit zum Bau eines Hecks auf. Fertigkrams war auch hier Fehlanzeige. So schwang Jouni erst die Schweißelektrode für den Heckrahmen und dann den Mixstab, um Harz für den Höcker anzurühren. Den klöppelte er nämlich ebenfalls in Eigenregie um den Heckrahmen und die dort gebunkerte Elektrik herum, nachdem Versuche mit der Anpassung von Zubehörteilen weniger erbaulich waren als russisches Roulette mit einer Automatik. Zum Schluss gab´s noch eine Lage Lack aus der eigenen Pistole, sowie die unvermeidliche Abnahme durch die gestrengen Augen der staatlich bestellten Schergen. Dank reichlicher Unterstützung konnte auch diese Hürde sauber genommen werden und so tingelt Jouni inzwischen durch die Lande, fährt im Slalom um und durch HOG-Kolonnen, presst regelmäßig den Fuck-Finger gegen die Schaufensterscheibe eines ganz bestimmten HD-Dealers und sorgt tagsüber weiter dafür, dass auch kommende Generationen seine gesunde Lebenseinstellung praktizieren. Die Welt ist noch nicht verloren.

TECHNISCHE DATEN Marke/Modell/Bj.: YaSuBu 1200 Motor: Buell 1200 XB Lightning Ölkühler: Setrab Einspritzung: Buell 1200 XB Lightning Luftfilter: K&N modifiziet Krümmer/Auspuff: Buell Krümmer modifiziert, Micron Schalldämpfer Rahmen: FZR 1000 modifiziert Heckrahmen: Eigenbau Schwinge: FZR Upside down Federbein: Buell XB12 modifiziert Gabel: Hayabusa/GSX-R Hybrid Vorderrad: GSX-R 1000 K7 Hinterrad: FZR 1000 Bereifung: 120/70ZR17 vorn, 180/55ZR17 hinten Lenker/Riser: LSL Bremse vorn: GSX-R 1000 K7 Bremse hinten: FZR 1000 Tank: Eigenbau auf FZR und R1 Basis Maske: KTM Höcker: Eigenbau Instrumente: Motoscope Mini Danke an: MMAF, Niina

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RSD XR 1200
RSD XR 1200
Sandskiste

Wenn die üblichen Verdächtigen beim Biker-Piss-Off auf Discovery ihre Poser-Hocker zusammenfegen, kommen am Ende meistens gerade noch soeben von alleine fahrende Klumpen heraus, die den Fahrer in eine Sitzposition zwingen, wie ich sie nicht einmal von Krämpfen geschüttelt während der Durchfallattacke nach einem Dönerwettessen auf dem Scheißhaus einnehme. Aber es geht auch anders.

Wildfang

Roland Sands hatte zwar keine schwere Kindheit, jedoch trotzdem eine denkbar schlechte Ausgangsbasis, denn er gehört zu den wenigen Nachwuchs-Harley-Schraubern, die nicht nur mächtig Bock auf Motorradfahren haben, sondern es auch richtig gut beherrschen und es gerne amtlich krachen lassen. Während der Durschnitts-Hoggie schon einen Herz-Bypass braucht, wenn er mit 20 durch die Spielstraße kriecht und selbst außerorts von kinderwagenschiebenden Nonnen außen überholt wird, driftet, burnt und wheelt Roland fett grinsend durch die Botanik. Was hat so ein Berufswahnsinniger im Alteisenlager und Segment für altertümliche Nachkriegs-Gehhilfen verloren?

Der Eindringling

Aufräumen heißt die Antwort. Zeigen was geht. Alte Zöpfe und notfalls auch pickelige Schwänze abschneiden – wahlweise mit und ohne Bar-Mitzwa. Und das macht der junge Heißsporn inzwischen mit einer so herrlich kackfrechen Selbstverständlichkeit, dass man sich nur tief verneigen kann. Nachdem er bereits Enduros, Chopper und Fulldresser auf den rechten Weg gebracht hat, griff sich der visionäre Metall-Anarchist ungewöhnlich naheliegendes Material in Form einer XR 1200, die vom Hersteller als Sportmotorrad ins Rennen geschickt wird. Nun hat so eine Serien-XR aber mit „Sport“ in etwa so viel zu tun wie Guttenberg mit Doktorarbeiten. Das gilt nicht nur in fahrdynamischer Hinsicht, sondern erst recht für den visuellen Auftritt. „Das geht auch deutlich besser“ – sagte sich Roland und kloppte die Kiste flugs auseinander.

Klumperquatsch

Mit den zum Aussterben selektierten Teilen hätte man zwei Archen füllen können, der für gut befundene Rest passte in den Kofferraum eines Fiat Bambino. Blieb der Motor im Kern von extremeren Eingriffen verschont, erging es dem Rahmen da anders. Gründlich gecleant und mit einem grazilen Heckrahmen versehen, schreit das Teil nun nicht mehr nach Bisonhodenleder-Satteltaschen und schwulen Fransenwerkzeugrollen, sondern nach Kniepads und Racingstiefeln. Damit der Fahrer nicht direkt auf den Rohrern des Heckabteils Platz nehmen muss, gestaltete das RSD-Team einen kantigen Aluminiumhöcker mit integriertem Mini-LED-Rücklicht und spartanischem Sitzpolster. Das rektale Downsizing verpasst dem davor residierenden Spritfass ganz nebenbei eine völlig neue optische Wirkungsweise und erhöht die dynamische Spannung der Fuhre beträchtlich. Der Griff an der Garderobe geht nun gradlinig zum Integralhelm, statt zur verchromten Schirmchen-Eierschale. Gut so!

Fahr-Werk

Dass es Roland mit dem Faxomaten todernst meint verdeutlichen die angebauten Fahrwerkskomponenten. Öhlins vorne und hinten, perfekt abgestimmt und solide wie eine Buchenholz-Parkbank, kommen die Leckereien ihren Aufgaben besser nach als es das Seriengeraffel auch nur im Ansatz vermochte. Ein Satz tief montierter Stummel erhebt den Fahrer aus dem Rang eines Gepäckstücks in den des Flugkapitäns und erlaubt sportive Anwandlungen die man der biederen Basis nicht mal in Bizarro-World zugetraut hätte. Die verbauten Armaturen kommen von Performance-Machine, was nicht nur auf Grund der geistigen, sondern auch realen Verwandtschaft auf der Hand lag, schließlich ist Klein-Roland direkter Spross des Hauses, was man ihm, bzw. seinen Erzeugnissen, auch deutlich ansieht. Wie Vatern hat auch Junior Spaß daran, Leichtmetall in Schlüsselreize zu verwandeln und tobt sich an Dreh- und Fräsbank genauso gerne aus, wie am Schweißbrenner. Heraus kommen unaufdringliche Kunstwerke, vor denen der geneigte Betrachter mehr Zeit verbringen kann, als das pubertierende Rotzblag am Harry Potter-Abend vor der Glotze. Ob nun die schwarzen Felgen, die eigenständigen Bremsscheiben oder der maßgeschneiderte Auspuff – hier wird nicht mit Plattitüden um Aufmerksamkeit gebuhlt, sondern Handwerkskunst mit vornehmer Zurückhaltung präsentiert.

Fast and Furious

Als passionierter Rennfahrer geht Roland dabei keinerlei Kompromisse in Sachen Fahrbarkeit ein und so steht vor der Form immer die Funktion. Das zeigen auch die verbauten Crash-Pads, die außer Roland wohl kein anderer Customizer verbauen würde – was aber auch schlicht daran liegt, dass die Wach-Komatiker, die deren Klumpatsch später bedienen, eher um den umhäkelten Couchtisch cruisen, denn mittels durchdrehender Reifen die Plattentektonik aus den Angeln zu werfen. Wo Rolands Gene verankert sind manifestiert sich auch in der hausgemachten Einarmschwinge. Bekannten Ducati-Exponaten nicht ganz unähnlich und mit einer Umlenkung des italienischen Herstellers versehen, zeigt der Einarmer wo der Frosch die Locken hat. Unterstrichen wird die Aussage durch eine sportive Maske im Startfeld-Look mit dem kleinen DE-Scheinwerfer. Die XR verdient endlich ihren Namen und kann sich glücklich schätzen in Rolands kompetenten Armen gelandet zu sein. Ein echter Straßenbrenner für Kenner und kein Chromdödel für Seuchenvögel.

TECHNISCHE DATEN Marke/Modell/Bj.: Harley XR 1200, Bj. 2009 Erbauer: Roland Sands Motor: XR 1200 modifiziert Ölkühler: RSD Einspritzung: modifiziert, RSD Luftfilter: RSD Krümmer/Auspuff: RSD mit Vance & Hince Schalldämpfer Rahmen: XR 1200/RSD Heckrahmen: RSD Schwinge: RSD Federbein/Umlenkung: Öhlins TTX/RSD/Ducati Gabel: Öhlins Gabelbrücken: RSD Räder: RSD Black OPS/Gregg´s Customs
vorn: 3.50x17
hinten: 6.00x17 Bremsen: 4-Kolben PM Zangen mit RSD Scheiben Fußrastenanlage: RSD Tank: RSD Verkleidung/Maske/Scheinwerfer: RSD Höcker/Sitzbank: RSD Kotflügel: GSX-R 1000 Armaturen/Schalter/E-BOX: PM/RSD Lackierung: Airtrix Sonstiges: Ölschläuche aus dem Flugzeugbau, RSD Öltank, Vortex Kettensatz, Öltank im Bugspoiler




Alu-Buell
Alu-Buell
Buell Metal Jacket

Es gibt da so ein paar Voraussetzungen, die machen dir das Leben nicht unbedingt leichter. Wenn du z.B. als Vegetarier am Steak-Wettessen im örtlichen Schlachthof teilnehmen willst oder dein Geld als Jockey verdienen möchtest, obwohl dich die Gewerkschaft der Sumo-Ringer wegen Übergewicht abgelehnt hat, dann sind die jeweiligen Erfolgsaussichten eher überschaubarer Natur.

Ähnlich ging es Bernd. Der wollte nämlich unbedingt einen Fighter in Komplettausstattung bauen, reagiert auf GFK-Teile aber so allergisch wie Dracula auf Knoblauch. Das hielt den Dickkopf aber nicht davon ab, es trotzdem zu versuchen. Und am Ende auch zu schaffen.

Alle meine Minium

Was man auf den ersten Blick weder erkennt, noch so richtig glauben mag: Mit Ausnahme von Fender und Maske ist das gesamte Bodywork aus feinstem Aluminium getrieben. Und das dermaßen pervers kunstvoll, dass es oberflächentechnisch nicht nachbehandelt werden musste. Denn Irrtum Nummer zwei beim Anblick der Buell ist der Lack: Der ist nämlich gar keiner, sondern gepimptes und teils übergebrushtes Eloxat. Wer schon mal versucht hat, Aluminium auch nur in einfachste Formen zu klöppeln, kann ungefähr erahnen, welche Arbeit in den Teilen und welches handwerkliche Genie dahinter steckt.

Suchet und ihr werdet Dengeln

Allerdings dauerte es auch einige Zeit, bis Bernd einen Kollaborateur gefunden hatte, der Willens und in der Lage war, seine Vorgaben derart penetrant umzusetzen. Nachdem er zuvor in konstruktiver Selbsterkenntnis feststellen musste, dass seine eigenen, eigentlich gar nicht so bescheidenen Handwerkskünste nicht ausreichen würden, um seinem eigenen Anspruch in dieser Hinsicht gerecht zu werden, wurde er bei einigen vermeintlichen Blechzauberern vorstellig. Deren Mojo verpuffte bei näherer Betrachtung jedoch wie Nachbars nasse Katze beim Trocknungsversuch in der Mikrowelle, denn bei dem, was an Spachtelmasse nötig gewesen wäre um den Teilen eine homogene Oberfläche zu verpassen, hätte Bernd die Brocken auch gleich schnöde laminieren lassen können. Das hätte den Kunstharzbedarf auch nicht weiter nach oben getrieben.

An dem Alu eines Mannes erkennt man seinen Johannes

Durch Glückes Geschick geriet Bernd dann an Johannes, der mehr Macht auf seiner Seite hat als Yoda und Luke Skywalker zusammen. Und mit dieser Macht macht Johannes mächtig was los. Am liebsten mit Blech. Und besonders gerne mit Aluminium. Nach Bernds Zeichnungen wurden erst Pappschablonen angefertigt, die dann aus dünnem Leichtmetall nachgebaut wurden, mit Spaltmaßen die selbst bei den Qualitätsmanagement-Beauftragten von Bugatti für feuchte Höschen gesorgt hätten. Die Oberflächen waren gleichzeitig so gleichmäßig und glatt, dass weder Spachtel noch Grundierung auch nur ansatzweise notwendig waren.

Lackallergie

Das führte zu der ungewöhnlichen Idee, die Teile gar nicht zu lacken, sondern spartanisch pornös zu eloxieren. Und so sind sowohl das maßgeschneiderte Monocoque, als auch der Spoiler nichts weiter als zart getönte Handwerkskunst der schier unfassbaren Sorte. Die Maske steuert ein Markenkollege aus der 1125er Serie bei – so musste Bernd teilemäßig nicht mal fremd gehen.

Ich krieg'n Rohr

Für die Gabel hagelte es einen Satz passender Cover sowie Brücken von einer 12er Schwester, während der Motor mit einer Remus-Anlage atemtechnisch hintenraus aufgepäppelt wurde. Analog dazu bekam auch die Lufteinlassseite einiges an Aufmerksamkeit spendiert, was unterm Strich nicht nur Drehmoment und Leistung zu Gute kam, sondern auch die Thermik des Luftikus verbesserte. Und das, in Tateinheit mit den Windleitfähigkeiten des Spoilers derart effizient, dass der Ölkühler ersatzlos weg gelassen werden konnte.

New Wave

Die Bremsanlage bekam wavige Scheiben und die hintere Zange wanderte unsichtbar hinter die massive Schwinge in der gleichzeitig das Öl Gewehr bei Fuß steht. Die Elektrik setzte Bernd auf strenge Diät und verbaute ausschließlich unauffällige LED-Emitter, die dem Bodywork nicht die Show stehlen - was angesichts dessen Talenten sowieso einigermaßen schwierig sein dürfte. Die Buell ist glasklar ein Moped für den zweiten Blick und Leute mit kundigem Auge. Hier regiert die Handwerkskunst, alles primitiv-plakative wurde des Landes verwiesen. Wenn man nur benagelt und kompromisslos genug ist, lassen sich auch scheinbar unüberwindliche Widersprüche in famose Ergebnisse ummünzen.

TECHNISCHE DATEN Marke/Modell/Bj.:Buell XB9R Firebolt 2003 Erbauer:Bernd Ölkühler:eingespart Luftfilter:modifiziert/offen Krümmer/Auspuff:orginal/Remus Heckrahmen:Eigenbau Gabelbrücken:Lackiert/XS12 Gabelcover:Alu, Eigenbau Hebel:V-Trec Spiegel:Shark Räder: Gebrusht, J17 3,5 vorn, J17 5,5 hinten Bereifung: 120/70ZR17 vorn, 180/55ZR17 hinten Bremsscheiben: Braking Wave vorn, Braking Sunstar hinten Bremszangen: 6Kolben Serie vorn, 2Kolben Brembo versteckt hinten Bremsflüssigkeitsbehälter: Serie vorn, Rizoma hinten Bremsleitungen:Stahlflex Tankcover/Sitzbank:Alu handgedengelt, Sitz Eigenbau Bugspoiler:Alu handgedengelt Maske/Scheinwerfer:BuellCR1125 Blinker:Lenkerenden/LED vorn, LED min hinten Rücklicht:LED oval Lackierung: Jaguarschwarz/Airbrush Sonstiges:Aluminium ist Eloxiert und mit Klarlack versiegelt Danke an:Johannes den Blechbildner

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Buell XB9SX
Buell XB9SX
Mißbrauchsopfer

Wir begrüßen euch zu einer weiteren Sendung von Aktenzeichen XY ungelöst. Bevor wir in unser Züricher Aufnahmestudio zum Geist von Konrad Toenz schalten, bitten wir bei der Aufklärung eines besonders abscheulichen Verbrechens um eure Mithilfe. Ein junges Mädchen wurde ein halbes Jahrzehnt lang gepeinigt und abwechselnd von mehreren Tätern missbraucht. Ihr wurden die Zähne ausgeschlagen, das Gesicht verbeult und sie anschließend in einem dunklen Keller angekettet. Ein abscheuliches Verbrechen, das in seiner ganzen Grausamkeit seines Gleichen sucht. Die Täter sind vermutlich männlich, zwischen 25 und 40 Jahren alt sowie mit einem Aldi-Werkzeugkoffer und zwei linken Händen bewaffnet.

Aufgedeckt wurde die Tragödie von Hille. Nachdem er es mit 28 endlich geschafft hatte, seinen Kradlappen zu erringen, begab er sich sogleich auf die Pirsch nach einem fahrbaren Untersatz. Dessen Marke und Typ waren nicht diskussionsfähig, denn seit er vor zehn Jahren das erste Mal eine Buell hatte vorbeifahren sehen und hören, stand für ihn fest, dass ausschließlich so eine luftgekühlte Polter-Diva mit ihren lasziv gespreizten Zylindern in Frage kommen würde.

Ins Netz gegangen

Im Internet wurde Hille fündig und holte die dort erklickte 9er kurze Zeit später ab. Oberflächlich sah der Stuhl recht passabel aus. Das war jedoch, wie sich recht schnell zeigte eine kosmetische Irreführung. Der Hocker hatte von seinen Vorbesitzern dermaßen was aufs Maul bekommen, dass ihm die fast komplette Schneidezahnreihe des dritten Gangs fehlte. Keine drei Monate nach Erwerb des Vergewaltigungsopfers war es endgültig um die entsprechende Getriebe-Radpaarung geschehen und Hille musste fortan vom Zweiten direkt in den Vierten wechseln, da der Dritte sich zu einem unerwünschten, zusätzlichen Leerlauf gemausert hatte.

Schaltfaul

Notgedrungen und fahrgeil wie Luzie arrangierte sich der frustrierte Neubesitzer mit diesem Manko und bestritt den Rest der Saison mit reduzierter Gangstufen-Auswahl. Im Winter wurde der Patient mit der malträtierten Kauleiste dann aber endgültig aus dem Rahmen auf den OP-Tisch verlegt. Während der Sezierung kamen die umfassenden Auswirkungen des langjährigen Missbrauchs ans Tageslicht. Die Hydros waren nur noch als Schnapsgläser zu gebrauchen, die Nockenwelle eingelaufen wie ein auf 280 Grad gewaschener Feinrippschlüpfer und auch sonst sahen die Innereien aus wie eine 15 Euro-Nutte nach einem Gang-Bang mit Stacheldraht-Kondomen.

Wanderpokal

Nicht ganz ohne Grund hatte die Kiste in den vergangenen drei Monaten viermal den Besitzer gewechselt. Eine Motorrevision schied nach einem groben Überschlag der benötigten Ersatzteile und deren Anschaffungskosten schnell aus, so dass der Weg nur über ein Komplett-Transplantat führen konnte. Und weil die Buell eh gerade desintegriert auf der Bühne stand, konnte Hille auch gleich Nägel mit Köpfen machen und den Rest des Schlegels seinen persönlichen Bedürfnissen anpassen und den langen Leidensweg des Mädchens endgültig beenden.

Botox

Das Heck wurde modifiziert und geliftet, der Rahmen gecleant und im vorderen Bereich so angepasst, dass er einer auf Tuchfühlung gehenden Maske nicht im Weg stehen würde. Die war recht schnell gefunden, gefiel im Anlieferungszustand aber nur bedingt. Zu hoch und zu wuchtig lautete das Urteil. Die Strafe: Zwei Monate Jugendarrest auf der Werkbank. In dieser Zeit modellierte Hille den Brocken um, straffte die glasfaserigen Gesichtszüge, liftete die Stirn und betonte die Wangenknochen.

Coverversion

Neben dem im Tankcover eingelassenen Hypercharger findet auch das Zündschloss dort seinen Platz, so dass die Gabelbrücke bis auf den angehefteten Mintacho keine Last zu tragen hat. Die Stempel des vorderen Radhalters wurden mit sechseckigen Covern verkleidet und zusammen mit den anderen Brocken mit mattem Schwarz abgeduscht, während der eigentliche Lacksatz – also Fender, Tankcover und Maske – mit genauso unglänzendem Sand-Tarn koloriert wurde.

Kabelfernsehen

Da kabelseitig fast kein Stein auf dem anderen blieb und auch noch eine Tastersteuerung Einzug halten sollte, befand Hille, es sei dringend angezeigt, den Elektronen-Highway neu zu teeren. Also raus mit den alten Kabel-Straßen und neue gepflastert. Dazu entwarf der Autodidakt erstmal einen Schaltplan, maß die Trassen zwischen den Bauteilen präzise aus, übertrug diese Werte auf den Wohnzimmerteppich und verlegte auf diesem dann, quasi in einer Art Flokati-Trockendock die neuen Verkehrsadern.

Litzenwitze

Nachdem der zwischenzeitlich neue Motor besorgt und auch sonst alles da war, fügte Hille den Hobel wieder zusammen und erfreute sich auf der Probefahrt an dessen erstklassigem Benehmen – bis er das erste mal zu Blinken versuchte und entsetzt feststellen musste, dass die kleinen gelben Biester einfach nicht leuchten wollten. Nicht nur das – die Kollegen von der Abblendlicht-Sparte waren in den Sympathiestreik getreten. Und auch sonst schickte sich kein elektrischer Verbraucher an, auf Knopfdrücken zu reagieren. Diese Ärsche!

Aufforstung

Es half nichts, der nagelneue Kabelbaum hatte wohl irgendwo eine Macke und musste wieder raus. Das wäre grundsätzlich auch nicht so schlimm gewesen, hätte Hille das Litzen-Pack nicht dergestalt an der Innenseite des Rahmens verlegt, dass für Arbeiten an der Trasse der Motor wieder aus dem Fahrwerk musste. Also zurück zum Wohnzimmerteppich, Kabelbaum 2.0 gestrickt, alles wieder ran an den Hocker, Motor rein, Beten! Diesmal funktionierte alles auf Anhieb.

SoKo TÜV

Die restlichen Kleinarbeiten waren nach der Erlösung schnell abgefrühstückt, die aufgesuchte "Soko Plakette" brachte ihre Ermittlungen zu einem positiven Ende und der Amerikanerin die Straßenlegalität. Von der schweren Jugend, den Vergewaltigungen und Prügelorgien ist inzwischen nichts mehr zu sehen. Hille hat mit seinem ersten Moped-Projekt gleich mal gezeigt, was für eine soziale Ader er hat und dass es sich durchaus lohnen kann, Zeit und Arbeit in die Erziehung von geschundenen Straßenkindern zu stecken. Damit geben wir post mortem jetzt endgültig ab zu Konrad Toenz.

TECHNISCHE DATEN Marke/Modell/Bj.: Buell XB9SX 2006 Erbauer: Hille Einspritzung: geändertes Mapping Luftfilter: Hypercharger mit K&N Sportluftfilter Krümmer/Auspuff: Krümmer schwarz lackiert, Exan Endschalldämper Rahmen: modifiziert Heckrahmen: Heckhöherlegung integriert Gabelcover: Eigenbau Lenker/Riser: ABM Streetbar Hebel: V-Trec kurz Griffe: Alu Schwarz Spiegel: Lenkerendenspiegel Highsider Räder: 3,5x17 vorn, 6x17 hinten Bereifung: 120/70 ZR17 vorn, 180/55 ZR17 hinten Bremsleitungen: Stahlflex Fußrastenanlage: LSL Tank: Geändertes Tankcover für Hypercharger, Zündschloss und Lüftung für m-Unit angepasst Höcker/Sitzbank: aufgepolstert, mit Leder bezogen Kotflügel: MGM Armaturen/Schalter: Taster E-Box: m-Unit V2 Instrumente/Anzeigen: Motoscope Mini Verkleidung/Maske/Scheinwerfer: geänderte Bad Face, mit universal Scheinwerfer Blinker: Lenkerendenblinker Xenolen vorn, Mini LED Blinker hinten Rücklicht: Led Stripe Lackierung: Schwarz matt, Sand matt Sonstiges: gecleantes Heckteil, seitlicher Kennzeichenhalter inkl. Buell Pegasus, Kabelbaum Eigenbau, Motor lackiert, 12er Pulley hinten, geändertes Sprocket-Cover, Zündungsdeckel Airbrush, diverse Teile Pulverbeschichtet Danke an: Sandra für ihre Geduld, Stefan das fleißige Helferlein, Buell Strassenkämpfer, Mike, Harald, Boris, Özlem und allen die mit Rat und Tat zur Seite standen

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XB9SX/SS
XB9SX/SS
Kanonenschläge

Wer in den Achtzigern amerikanische Schlagbolzen bewegen wollte, musste einiges an Zeit und Geduld mitbringen, denn selbst die von Porsche mitentwickelten Evo-Motoren waren zu bestenfalls homöopathischen Fahrleistungen befähigt. Beschleunigungswerte wie eine über den Tisch rollende Durchfallkapsel und Höchstgeschwindigkeiten im Bereich einer Puch Maxi N mit abgekipptem Luftfilterkasten und angesägtem Klingeldeckel sind nicht gerade geeignet, Endorphine eskalieren zu lassen.

Das ging auch einem gewissen Erik auf die frisch rasierten Eier. Mit Erfahrungen im Rennsport und in der Fahrzeugentwicklung sowie einer ordentlichen Ladung Jack Daniels im Frühstücksmüsli vorbelastet, strickte er deshalb erstmal ein ordentliches Fahrgestell zusammen, auf dem du nicht hockst wie Daniel Küblböck mit Analkrämpfen auf dem Bahnhofsscheißhaus einer evangelischen Autobahnraststätte. Danach nahm er (Erik, nicht Daniel) sich noch den einzubauenden Sportster-Motor zur Brust, der nach dem Doping auf Gasgriffbefehle nicht mehr nur mit einer Änderung der Lautstärke, sondern mit tatsächlicher Leistungsabgabe reagiert. Das Ergebnis war eine Kleinserienmaschine auf HD-Basis, mit der du locker in ein benachbartes Bundesland fahren kannst, ohne dir dafür eine Woche Urlaub nehmen zu müssen. Codename "Buell". Das erste richtige amerikanische Motorrad.

World fastest Rüttelplatte

Das erschloss der Marke eine völlig neue Zielgruppe, die das Gefühl des V2-Poltergeistes mit den Fahrleistungen aktueller Japaner verknüpfen wollte. Hartmut war einer von ihnen und erlitt eine spontane Gashand-Erektion, als er eine, damals noch im Gitterrohrrahmen steckende Buellette das erste mal in freier Wildbahn sah und hörte. Während Hartmut reflexartig Kohle für den Einkauf eines solchen V2 anzusparen begann, entwickelte Erik seine Mopeten munter weiter, bis hin zur XB Ausbaustufe, die sich durch eine fettes Alurahmen-Layout (welches auch den Sprit bunkert) sowie den Radstand und die Handlichkeit eines gestauchten Bonanza-Rads auszeichnet.

Bausparvertrag

Das war sogar noch mehr als der Urspungskandidat nach Hartmuts Geschmack, so dass er vor nunmehr zwölf Jahren bei einem Harley-Hökerer (das sind Klamottenhändler, die nebenbei auch Replikas von Vorkriegs-Schrott verkaufen) durch die Tür trat, an bedrucktem Scheißhauspapier, Fransenjacken und Bison-Penisleder-Satteltaschen vorbei marschierte, mit ausgestrecktem Zeigefinger auf eine XB9SX deutete und "die da!" sagte. Nachdem der Kaufpreis über den Tresen und der Mitgliedsausweis für den HOG-Verein mit einem "Nein Danke" aus dem Weg geschoben waren, karrte Hartmut den Schlegel nach Hause, um in den nächsten Jahren erfreut festzustellen, dass Erwartung und Realität durchaus in Einklang poltern können. Deshalb waren die während dieser ersten Etappe durchgezogenen Umbauten lediglich (Zitat) "Kleinscheiß" und beschränkten sich auf andere Blinker, Spiegel, Sissybar... äh, nein.

Mein statt ein

Dennoch brodelte es ohne Unterlass in Hartmuts Oberstübchen, denn über die technischen und fahrerischen Qualitäten hinaus, war da immer noch so einiges in Sachen Optik, was stark verbesserungswürdig in der Sonne schimmerte. Da war zum einen die aus transparentem, blau getönten Plastik gefertigte Tankabdeckung, die Hartmut nicht so richtig geil fand. Dazu eine Lampenpartie der eher biederen Machart sowie das grundsätzliche Fehlen einer persönlichen Note, die man einfach braucht, damit aus "ein Motorrad" "dein Motorrad" wird. Und das bekommt man nicht mit ein paar Felgenaufklebern oder erzpeinlicher Carbonfolie hin. So ein Hocker ist schließlich keine Schmink-mich-Barbie.

Fertigbau

Zwar bot der Markt einiges an kaufbarem Zubehör, irgendwie aber nicht das, was Hartmut wollte. Als gelernter Industriemechaniker mit allen metallischen Wassern gewaschen, gebrach es ihm bis dato aber noch komplett an Erfahrungen mit Glasfasermatten und klebrigem Kleister. Dem Manko ging der Autodidakt angstfrei an die Unterwäsche und baute sich gleich mal eine Tankabdeckung aus dem bisher unbekannten Werkstoff, mitsamt Einfassung für einen Mini-Tacho. Dessen Einsatz machte im gleichen Zug den Platz vor der Gabelbrücke frei und Serienturmuhr nebst Lichtmast wurden dem Markt überantwortet.

Tauschgeschäfte

Zufälligerweise war der erzielte Gewinn aus der Veräußerung der Teile exakt die Summe, die für die Schwinge eines zwölfer "S" Schwestermodells aufgerufen wurde, welche sich durch ein paar Zentimeter zusätzliche Länge gegenüber dem XB9SX Radhalter hervor tat. Das fand Hartmut geil. Die Montage des Profilteils stellte unseren Protagonisten vor keine besonderen Herausforderungen. Die geänderten Hebelverhältnisse kompensierte er durch ein nach seinen Vorgaben gewickeltes Federbein, während die Felge gleichzeitig um ein Viertel-Zoll in die Breite ging und nun mit 200mm Gummi beplankt ist. Genau wie Frauen findet auch Hartmut, dass lang alleine nicht reicht, dick muss es auch sein.

Frauenquote

Apropos Frauen: Hartmuts gehört nicht nur zur extrem verständnisvollen Sorte, sondern supportete seine Umbauambitionen sogar mit der Dreingabe eines Höckers. Der gefiel Hartmut zwar nicht aus dem Karton, was er aber durch das heimliche Dazuordern eines zweiten, von MGM stammenden Sitzmöbels kompensierte. Beide Bänke wurden zerschnitten und der Heckbereich von Höcker Nr. 2 mit den Flanken von Höcker Nr. 1 verbunden, was zusammen mit dem verlängerten Heckrahmen (jepp, so was gibt es tatsächlich auch) zum vorliegenden und sauber ins Bild passenden Ergebnis führte.

Scareface

Nicht ganz so derbe ging's der Maske ans Gewebe - ihr liegt nur ein Exemplar zu Grunde, anpassen musste Hartmut trotzdem so einiges. Und das nicht nur aus ästhetischer, sondern auch aus technischer Motivation heraus. So ist z.B. das Zündschloss seitlich eingelassen, was mit eingestecktem Schlüssel ein bisschen an Frankensteins Zögling mit den halb herausragenden Sechskantschrauben im Schläfenbereich erinnert.

Staublunge

Nach endlos anmutendem Gekleister, Schleiforgien in deren Folge die Garage aussah wie ein explodiertes Kokain-Zwischenlager eines mexikanischen Drogenkartells und einem von Lösungsmitteln verursachten dauerbreiten Gesichtsgrinsen, war die Anfertigung der flankierenden Alu-Gabelcover die reinste Erlösung. Das galt in der Form auch für den Umbau der Fußrastenanlage, bei deren Besorgungsrunde Hartmut "zufällig" über den Sebring stolperte, der sich in einer unbeobachteten Sekunde klammheimlich in den Einkaufswagen schmuggelte, was Hartmut erst an der Kasse auffiel - und da war es dann auch zu spät, um ihn wieder ins Regal zu hängen. So musste er ihn wohl oder übel mit nach Hause nehmen. Quasi ein Notwehr-Kauf.

Sport ist Mord

Die Montage des erstandenen Zwilling-Schornsteins gestaltete sich nicht ganz einfach, denn dank eines frisch erlittenen Wintersportunfalls lag eine Schulter in Trümmern und Gips, was handwerkliche Bemühungen nicht gerade erleichterte - sie aber keines Falls verhindern konnte. So fügte sich langsam zusammen, was zusammen gehörte. Und nach ein paar weiteren Wochenenden in deren Zentrum die Plackerei mit Kabeln und Elektrik stand, in deren Verlauf Hartmut immer wieder schockiert feststellen musste, über was für ein ihm bislang ungeahnt drastisches Arsenal von Flüchen und Schimpfwörtern er verfügt, fehlte nur noch etwas Kolorierung auf den Brocken. Und weil bis hierhin alles in Eigenregie über die Bühne gegangen war, sollte auch dieser Part - soweit es ging und Sinn machte - selber erledigt werden. Lediglich die Airbrush-Arbeiten übernahm eine eingebundener Künstler.

So entstand dank Erik und Hartmut in vielen kalten Wintern in einer Garage etwas, was Anfang der Achtziger noch undenkbar gewesen wäre: Ein ernsthaftes Motorrad mit Harley-Genen.

präsentiert von:

TECHNISCHE DATEN
Marke/Modell/Bj.:Buell XB9SX 2005
Erbauer: Hartmut
Einspritzung: Serie mit geänderter Software
Luftfilter: Air-Intake mit Piepercross Luftfilter
Krümmer/Auspuff: Serie mit Sebring Twister und db Killer von RRC
Heckrahmen: Serie mit verschweißten Verlängerungen von Hillibilly Motors
Schwinge: XB12SS
Federbein: Wilbers Sonderanfertigung
Gabelcover: selbst gedreht
Lenker: Fehling Straight
Hebel: V-Trec
Griffe: Rizoma
Spiegel: Highsider
Räder: Serie, 3,5x17 vorn, auf 6,25x17 verbreitert hinten
Bereifung: Metzeler, 120/70ZR17 vorn, 200/50ZR17 hinten
Bremszangen: Serie vorn, Brembo mit Bremsadapter für versteckte Bremse hinten
Bremsleitungen: Stahlflex
Fußrastenanlage: Gilles Tooling
Tank: Eigenbau-Cover
Höcker/Sitzbank: Hybrid aus FPR Höcker und MGM-Bikes HE 333
Kotflügel: Megatech 666 modifiziert
Bugspoiler: Serie mit Resten vom MGM Höcker
Instrumente/Anzeigen: Motogadget motoscope mini und motosign mini
Maske: Raptor, modifiziert
Blinker: Kellermann vorn, LED mini hinten
Rücklicht: LED
Lackierung: original Militär Lack shabby Optik mit Airbrush
Sonstiges: Belt Abdeckung aus altem Computer Gehäuse, Achsspitzen, seitliches Nummernschild, Echtleder Sitz mit GFK Schale
Danke an: Meine Frau Doreen für ihr Verständnis und Hilfe und an Ingo Meißner der mit viel Geduld meine wirren Ideen umsetzt

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