Alu-Buell

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Buell Metal Jacket

Es gibt da so ein paar Voraussetzungen, die machen dir das Leben nicht unbedingt leichter. Wenn du z.B. als Vegetarier am Steak-Wettessen im örtlichen Schlachthof teilnehmen willst oder dein Geld als Jockey verdienen möchtest, obwohl dich die Gewerkschaft der Sumo-Ringer wegen Übergewicht abgelehnt hat, dann sind die jeweiligen Erfolgsaussichten eher überschaubarer Natur.

Ähnlich ging es Bernd. Der wollte nämlich unbedingt einen Fighter in Komplettausstattung bauen, reagiert auf GFK-Teile aber so allergisch wie Dracula auf Knoblauch. Das hielt den Dickkopf aber nicht davon ab, es trotzdem zu versuchen. Und am Ende auch zu schaffen.

Alle meine Minium

Was man auf den ersten Blick weder erkennt, noch so richtig glauben mag: Mit Ausnahme von Fender und Maske ist das gesamte Bodywork aus feinstem Aluminium getrieben. Und das dermaßen pervers kunstvoll, dass es oberflächentechnisch nicht nachbehandelt werden musste. Denn Irrtum Nummer zwei beim Anblick der Buell ist der Lack: Der ist nämlich gar keiner, sondern gepimptes und teils übergebrushtes Eloxat. Wer schon mal versucht hat, Aluminium auch nur in einfachste Formen zu klöppeln, kann ungefähr erahnen, welche Arbeit in den Teilen und welches handwerkliche Genie dahinter steckt.

Suchet und ihr werdet Dengeln

Allerdings dauerte es auch einige Zeit, bis Bernd einen Kollaborateur gefunden hatte, der Willens und in der Lage war, seine Vorgaben derart penetrant umzusetzen. Nachdem er zuvor in konstruktiver Selbsterkenntnis feststellen musste, dass seine eigenen, eigentlich gar nicht so bescheidenen Handwerkskünste nicht ausreichen würden, um seinem eigenen Anspruch in dieser Hinsicht gerecht zu werden, wurde er bei einigen vermeintlichen Blechzauberern vorstellig. Deren Mojo verpuffte bei näherer Betrachtung jedoch wie Nachbars nasse Katze beim Trocknungsversuch in der Mikrowelle, denn bei dem, was an Spachtelmasse nötig gewesen wäre um den Teilen eine homogene Oberfläche zu verpassen, hätte Bernd die Brocken auch gleich schnöde laminieren lassen können. Das hätte den Kunstharzbedarf auch nicht weiter nach oben getrieben.

An dem Alu eines Mannes erkennt man seinen Johannes

Durch Glückes Geschick geriet Bernd dann an Johannes, der mehr Macht auf seiner Seite hat als Yoda und Luke Skywalker zusammen. Und mit dieser Macht macht Johannes mächtig was los. Am liebsten mit Blech. Und besonders gerne mit Aluminium. Nach Bernds Zeichnungen wurden erst Pappschablonen angefertigt, die dann aus dünnem Leichtmetall nachgebaut wurden, mit Spaltmaßen die selbst bei den Qualitätsmanagement-Beauftragten von Bugatti für feuchte Höschen gesorgt hätten. Die Oberflächen waren gleichzeitig so gleichmäßig und glatt, dass weder Spachtel noch Grundierung auch nur ansatzweise notwendig waren.

Lackallergie

Das führte zu der ungewöhnlichen Idee, die Teile gar nicht zu lacken, sondern spartanisch pornös zu eloxieren. Und so sind sowohl das maßgeschneiderte Monocoque, als auch der Spoiler nichts weiter als zart getönte Handwerkskunst der schier unfassbaren Sorte. Die Maske steuert ein Markenkollege aus der 1125er Serie bei – so musste Bernd teilemäßig nicht mal fremd gehen.

Ich krieg'n Rohr

Für die Gabel hagelte es einen Satz passender Cover sowie Brücken von einer 12er Schwester, während der Motor mit einer Remus-Anlage atemtechnisch hintenraus aufgepäppelt wurde. Analog dazu bekam auch die Lufteinlassseite einiges an Aufmerksamkeit spendiert, was unterm Strich nicht nur Drehmoment und Leistung zu Gute kam, sondern auch die Thermik des Luftikus verbesserte. Und das, in Tateinheit mit den Windleitfähigkeiten des Spoilers derart effizient, dass der Ölkühler ersatzlos weg gelassen werden konnte.

New Wave

Die Bremsanlage bekam wavige Scheiben und die hintere Zange wanderte unsichtbar hinter die massive Schwinge in der gleichzeitig das Öl Gewehr bei Fuß steht. Die Elektrik setzte Bernd auf strenge Diät und verbaute ausschließlich unauffällige LED-Emitter, die dem Bodywork nicht die Show stehlen - was angesichts dessen Talenten sowieso einigermaßen schwierig sein dürfte. Die Buell ist glasklar ein Moped für den zweiten Blick und Leute mit kundigem Auge. Hier regiert die Handwerkskunst, alles primitiv-plakative wurde des Landes verwiesen. Wenn man nur benagelt und kompromisslos genug ist, lassen sich auch scheinbar unüberwindliche Widersprüche in famose Ergebnisse ummünzen.

TECHNISCHE DATEN Marke/Modell/Bj.:Buell XB9R Firebolt 2003 Erbauer:Bernd Ölkühler:eingespart Luftfilter:modifiziert/offen Krümmer/Auspuff:orginal/Remus Heckrahmen:Eigenbau Gabelbrücken:Lackiert/XS12 Gabelcover:Alu, Eigenbau Hebel:V-Trec Spiegel:Shark Räder: Gebrusht, J17 3,5 vorn, J17 5,5 hinten Bereifung: 120/70ZR17 vorn, 180/55ZR17 hinten Bremsscheiben: Braking Wave vorn, Braking Sunstar hinten Bremszangen: 6Kolben Serie vorn, 2Kolben Brembo versteckt hinten Bremsflüssigkeitsbehälter: Serie vorn, Rizoma hinten Bremsleitungen:Stahlflex Tankcover/Sitzbank:Alu handgedengelt, Sitz Eigenbau Bugspoiler:Alu handgedengelt Maske/Scheinwerfer:BuellCR1125 Blinker:Lenkerenden/LED vorn, LED min hinten Rücklicht:LED oval Lackierung: Jaguarschwarz/Airbrush Sonstiges:Aluminium ist Eloxiert und mit Klarlack versiegelt Danke an:Johannes den Blechbildner

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Buell XB9SX

Buell XB9SX

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Mißbrauchsopfer

Wir begrüßen euch zu einer weiteren Sendung von Aktenzeichen XY ungelöst. Bevor wir in unser Züricher Aufnahmestudio zum Geist von Konrad Toenz schalten, bitten wir bei der Aufklärung eines besonders abscheulichen Verbrechens um eure Mithilfe. Ein junges Mädchen wurde ein halbes Jahrzehnt lang gepeinigt und abwechselnd von mehreren Tätern missbraucht. Ihr wurden die Zähne ausgeschlagen, das Gesicht verbeult und sie anschließend in einem dunklen Keller angekettet. Ein abscheuliches Verbrechen, das in seiner ganzen Grausamkeit seines Gleichen sucht. Die Täter sind vermutlich männlich, zwischen 25 und 40 Jahren alt sowie mit einem Aldi-Werkzeugkoffer und zwei linken Händen bewaffnet.

Aufgedeckt wurde die Tragödie von Hille. Nachdem er es mit 28 endlich geschafft hatte, seinen Kradlappen zu erringen, begab er sich sogleich auf die Pirsch nach einem fahrbaren Untersatz. Dessen Marke und Typ waren nicht diskussionsfähig, denn seit er vor zehn Jahren das erste Mal eine Buell hatte vorbeifahren sehen und hören, stand für ihn fest, dass ausschließlich so eine luftgekühlte Polter-Diva mit ihren lasziv gespreizten Zylindern in Frage kommen würde.

Ins Netz gegangen

Im Internet wurde Hille fündig und holte die dort erklickte 9er kurze Zeit später ab. Oberflächlich sah der Stuhl recht passabel aus. Das war jedoch, wie sich recht schnell zeigte eine kosmetische Irreführung. Der Hocker hatte von seinen Vorbesitzern dermaßen was aufs Maul bekommen, dass ihm die fast komplette Schneidezahnreihe des dritten Gangs fehlte. Keine drei Monate nach Erwerb des Vergewaltigungsopfers war es endgültig um die entsprechende Getriebe-Radpaarung geschehen und Hille musste fortan vom Zweiten direkt in den Vierten wechseln, da der Dritte sich zu einem unerwünschten, zusätzlichen Leerlauf gemausert hatte.

Schaltfaul

Notgedrungen und fahrgeil wie Luzie arrangierte sich der frustrierte Neubesitzer mit diesem Manko und bestritt den Rest der Saison mit reduzierter Gangstufen-Auswahl. Im Winter wurde der Patient mit der malträtierten Kauleiste dann aber endgültig aus dem Rahmen auf den OP-Tisch verlegt. Während der Sezierung kamen die umfassenden Auswirkungen des langjährigen Missbrauchs ans Tageslicht. Die Hydros waren nur noch als Schnapsgläser zu gebrauchen, die Nockenwelle eingelaufen wie ein auf 280 Grad gewaschener Feinrippschlüpfer und auch sonst sahen die Innereien aus wie eine 15 Euro-Nutte nach einem Gang-Bang mit Stacheldraht-Kondomen.

Wanderpokal

Nicht ganz ohne Grund hatte die Kiste in den vergangenen drei Monaten viermal den Besitzer gewechselt. Eine Motorrevision schied nach einem groben Überschlag der benötigten Ersatzteile und deren Anschaffungskosten schnell aus, so dass der Weg nur über ein Komplett-Transplantat führen konnte. Und weil die Buell eh gerade desintegriert auf der Bühne stand, konnte Hille auch gleich Nägel mit Köpfen machen und den Rest des Schlegels seinen persönlichen Bedürfnissen anpassen und den langen Leidensweg des Mädchens endgültig beenden.

Botox

Das Heck wurde modifiziert und geliftet, der Rahmen gecleant und im vorderen Bereich so angepasst, dass er einer auf Tuchfühlung gehenden Maske nicht im Weg stehen würde. Die war recht schnell gefunden, gefiel im Anlieferungszustand aber nur bedingt. Zu hoch und zu wuchtig lautete das Urteil. Die Strafe: Zwei Monate Jugendarrest auf der Werkbank. In dieser Zeit modellierte Hille den Brocken um, straffte die glasfaserigen Gesichtszüge, liftete die Stirn und betonte die Wangenknochen.

Coverversion

Neben dem im Tankcover eingelassenen Hypercharger findet auch das Zündschloss dort seinen Platz, so dass die Gabelbrücke bis auf den angehefteten Mintacho keine Last zu tragen hat. Die Stempel des vorderen Radhalters wurden mit sechseckigen Covern verkleidet und zusammen mit den anderen Brocken mit mattem Schwarz abgeduscht, während der eigentliche Lacksatz – also Fender, Tankcover und Maske – mit genauso unglänzendem Sand-Tarn koloriert wurde.

Kabelfernsehen

Da kabelseitig fast kein Stein auf dem anderen blieb und auch noch eine Tastersteuerung Einzug halten sollte, befand Hille, es sei dringend angezeigt, den Elektronen-Highway neu zu teeren. Also raus mit den alten Kabel-Straßen und neue gepflastert. Dazu entwarf der Autodidakt erstmal einen Schaltplan, maß die Trassen zwischen den Bauteilen präzise aus, übertrug diese Werte auf den Wohnzimmerteppich und verlegte auf diesem dann, quasi in einer Art Flokati-Trockendock die neuen Verkehrsadern.

Litzenwitze

Nachdem der zwischenzeitlich neue Motor besorgt und auch sonst alles da war, fügte Hille den Hobel wieder zusammen und erfreute sich auf der Probefahrt an dessen erstklassigem Benehmen – bis er das erste mal zu Blinken versuchte und entsetzt feststellen musste, dass die kleinen gelben Biester einfach nicht leuchten wollten. Nicht nur das – die Kollegen von der Abblendlicht-Sparte waren in den Sympathiestreik getreten. Und auch sonst schickte sich kein elektrischer Verbraucher an, auf Knopfdrücken zu reagieren. Diese Ärsche!

Aufforstung

Es half nichts, der nagelneue Kabelbaum hatte wohl irgendwo eine Macke und musste wieder raus. Das wäre grundsätzlich auch nicht so schlimm gewesen, hätte Hille das Litzen-Pack nicht dergestalt an der Innenseite des Rahmens verlegt, dass für Arbeiten an der Trasse der Motor wieder aus dem Fahrwerk musste. Also zurück zum Wohnzimmerteppich, Kabelbaum 2.0 gestrickt, alles wieder ran an den Hocker, Motor rein, Beten! Diesmal funktionierte alles auf Anhieb.

SoKo TÜV

Die restlichen Kleinarbeiten waren nach der Erlösung schnell abgefrühstückt, die aufgesuchte "Soko Plakette" brachte ihre Ermittlungen zu einem positiven Ende und der Amerikanerin die Straßenlegalität. Von der schweren Jugend, den Vergewaltigungen und Prügelorgien ist inzwischen nichts mehr zu sehen. Hille hat mit seinem ersten Moped-Projekt gleich mal gezeigt, was für eine soziale Ader er hat und dass es sich durchaus lohnen kann, Zeit und Arbeit in die Erziehung von geschundenen Straßenkindern zu stecken. Damit geben wir post mortem jetzt endgültig ab zu Konrad Toenz.

TECHNISCHE DATEN Marke/Modell/Bj.: Buell XB9SX 2006 Erbauer: Hille Einspritzung: geändertes Mapping Luftfilter: Hypercharger mit K&N Sportluftfilter Krümmer/Auspuff: Krümmer schwarz lackiert, Exan Endschalldämper Rahmen: modifiziert Heckrahmen: Heckhöherlegung integriert Gabelcover: Eigenbau Lenker/Riser: ABM Streetbar Hebel: V-Trec kurz Griffe: Alu Schwarz Spiegel: Lenkerendenspiegel Highsider Räder: 3,5x17 vorn, 6x17 hinten Bereifung: 120/70 ZR17 vorn, 180/55 ZR17 hinten Bremsleitungen: Stahlflex Fußrastenanlage: LSL Tank: Geändertes Tankcover für Hypercharger, Zündschloss und Lüftung für m-Unit angepasst Höcker/Sitzbank: aufgepolstert, mit Leder bezogen Kotflügel: MGM Armaturen/Schalter: Taster E-Box: m-Unit V2 Instrumente/Anzeigen: Motoscope Mini Verkleidung/Maske/Scheinwerfer: geänderte Bad Face, mit universal Scheinwerfer Blinker: Lenkerendenblinker Xenolen vorn, Mini LED Blinker hinten Rücklicht: Led Stripe Lackierung: Schwarz matt, Sand matt Sonstiges: gecleantes Heckteil, seitlicher Kennzeichenhalter inkl. Buell Pegasus, Kabelbaum Eigenbau, Motor lackiert, 12er Pulley hinten, geändertes Sprocket-Cover, Zündungsdeckel Airbrush, diverse Teile Pulverbeschichtet Danke an: Sandra für ihre Geduld, Stefan das fleißige Helferlein, Buell Strassenkämpfer, Mike, Harald, Boris, Özlem und allen die mit Rat und Tat zur Seite standen

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XB9SX/SS

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Kanonenschläge

Wer in den Achtzigern amerikanische Schlagbolzen bewegen wollte, musste einiges an Zeit und Geduld mitbringen, denn selbst die von Porsche mitentwickelten Evo-Motoren waren zu bestenfalls homöopathischen Fahrleistungen befähigt. Beschleunigungswerte wie eine über den Tisch rollende Durchfallkapsel und Höchstgeschwindigkeiten im Bereich einer Puch Maxi N mit abgekipptem Luftfilterkasten und angesägtem Klingeldeckel sind nicht gerade geeignet, Endorphine eskalieren zu lassen.

Das ging auch einem gewissen Erik auf die frisch rasierten Eier. Mit Erfahrungen im Rennsport und in der Fahrzeugentwicklung sowie einer ordentlichen Ladung Jack Daniels im Frühstücksmüsli vorbelastet, strickte er deshalb erstmal ein ordentliches Fahrgestell zusammen, auf dem du nicht hockst wie Daniel Küblböck mit Analkrämpfen auf dem Bahnhofsscheißhaus einer evangelischen Autobahnraststätte. Danach nahm er (Erik, nicht Daniel) sich noch den einzubauenden Sportster-Motor zur Brust, der nach dem Doping auf Gasgriffbefehle nicht mehr nur mit einer Änderung der Lautstärke, sondern mit tatsächlicher Leistungsabgabe reagiert. Das Ergebnis war eine Kleinserienmaschine auf HD-Basis, mit der du locker in ein benachbartes Bundesland fahren kannst, ohne dir dafür eine Woche Urlaub nehmen zu müssen. Codename "Buell". Das erste richtige amerikanische Motorrad.

World fastest Rüttelplatte

Das erschloss der Marke eine völlig neue Zielgruppe, die das Gefühl des V2-Poltergeistes mit den Fahrleistungen aktueller Japaner verknüpfen wollte. Hartmut war einer von ihnen und erlitt eine spontane Gashand-Erektion, als er eine, damals noch im Gitterrohrrahmen steckende Buellette das erste mal in freier Wildbahn sah und hörte. Während Hartmut reflexartig Kohle für den Einkauf eines solchen V2 anzusparen begann, entwickelte Erik seine Mopeten munter weiter, bis hin zur XB Ausbaustufe, die sich durch eine fettes Alurahmen-Layout (welches auch den Sprit bunkert) sowie den Radstand und die Handlichkeit eines gestauchten Bonanza-Rads auszeichnet.

Bausparvertrag

Das war sogar noch mehr als der Urspungskandidat nach Hartmuts Geschmack, so dass er vor nunmehr zwölf Jahren bei einem Harley-Hökerer (das sind Klamottenhändler, die nebenbei auch Replikas von Vorkriegs-Schrott verkaufen) durch die Tür trat, an bedrucktem Scheißhauspapier, Fransenjacken und Bison-Penisleder-Satteltaschen vorbei marschierte, mit ausgestrecktem Zeigefinger auf eine XB9SX deutete und "die da!" sagte. Nachdem der Kaufpreis über den Tresen und der Mitgliedsausweis für den HOG-Verein mit einem "Nein Danke" aus dem Weg geschoben waren, karrte Hartmut den Schlegel nach Hause, um in den nächsten Jahren erfreut festzustellen, dass Erwartung und Realität durchaus in Einklang poltern können. Deshalb waren die während dieser ersten Etappe durchgezogenen Umbauten lediglich (Zitat) "Kleinscheiß" und beschränkten sich auf andere Blinker, Spiegel, Sissybar... äh, nein.

Mein statt ein

Dennoch brodelte es ohne Unterlass in Hartmuts Oberstübchen, denn über die technischen und fahrerischen Qualitäten hinaus, war da immer noch so einiges in Sachen Optik, was stark verbesserungswürdig in der Sonne schimmerte. Da war zum einen die aus transparentem, blau getönten Plastik gefertigte Tankabdeckung, die Hartmut nicht so richtig geil fand. Dazu eine Lampenpartie der eher biederen Machart sowie das grundsätzliche Fehlen einer persönlichen Note, die man einfach braucht, damit aus "ein Motorrad" "dein Motorrad" wird. Und das bekommt man nicht mit ein paar Felgenaufklebern oder erzpeinlicher Carbonfolie hin. So ein Hocker ist schließlich keine Schmink-mich-Barbie.

Fertigbau

Zwar bot der Markt einiges an kaufbarem Zubehör, irgendwie aber nicht das, was Hartmut wollte. Als gelernter Industriemechaniker mit allen metallischen Wassern gewaschen, gebrach es ihm bis dato aber noch komplett an Erfahrungen mit Glasfasermatten und klebrigem Kleister. Dem Manko ging der Autodidakt angstfrei an die Unterwäsche und baute sich gleich mal eine Tankabdeckung aus dem bisher unbekannten Werkstoff, mitsamt Einfassung für einen Mini-Tacho. Dessen Einsatz machte im gleichen Zug den Platz vor der Gabelbrücke frei und Serienturmuhr nebst Lichtmast wurden dem Markt überantwortet.

Tauschgeschäfte

Zufälligerweise war der erzielte Gewinn aus der Veräußerung der Teile exakt die Summe, die für die Schwinge eines zwölfer "S" Schwestermodells aufgerufen wurde, welche sich durch ein paar Zentimeter zusätzliche Länge gegenüber dem XB9SX Radhalter hervor tat. Das fand Hartmut geil. Die Montage des Profilteils stellte unseren Protagonisten vor keine besonderen Herausforderungen. Die geänderten Hebelverhältnisse kompensierte er durch ein nach seinen Vorgaben gewickeltes Federbein, während die Felge gleichzeitig um ein Viertel-Zoll in die Breite ging und nun mit 200mm Gummi beplankt ist. Genau wie Frauen findet auch Hartmut, dass lang alleine nicht reicht, dick muss es auch sein.

Frauenquote

Apropos Frauen: Hartmuts gehört nicht nur zur extrem verständnisvollen Sorte, sondern supportete seine Umbauambitionen sogar mit der Dreingabe eines Höckers. Der gefiel Hartmut zwar nicht aus dem Karton, was er aber durch das heimliche Dazuordern eines zweiten, von MGM stammenden Sitzmöbels kompensierte. Beide Bänke wurden zerschnitten und der Heckbereich von Höcker Nr. 2 mit den Flanken von Höcker Nr. 1 verbunden, was zusammen mit dem verlängerten Heckrahmen (jepp, so was gibt es tatsächlich auch) zum vorliegenden und sauber ins Bild passenden Ergebnis führte.

Scareface

Nicht ganz so derbe ging's der Maske ans Gewebe - ihr liegt nur ein Exemplar zu Grunde, anpassen musste Hartmut trotzdem so einiges. Und das nicht nur aus ästhetischer, sondern auch aus technischer Motivation heraus. So ist z.B. das Zündschloss seitlich eingelassen, was mit eingestecktem Schlüssel ein bisschen an Frankensteins Zögling mit den halb herausragenden Sechskantschrauben im Schläfenbereich erinnert.

Staublunge

Nach endlos anmutendem Gekleister, Schleiforgien in deren Folge die Garage aussah wie ein explodiertes Kokain-Zwischenlager eines mexikanischen Drogenkartells und einem von Lösungsmitteln verursachten dauerbreiten Gesichtsgrinsen, war die Anfertigung der flankierenden Alu-Gabelcover die reinste Erlösung. Das galt in der Form auch für den Umbau der Fußrastenanlage, bei deren Besorgungsrunde Hartmut "zufällig" über den Sebring stolperte, der sich in einer unbeobachteten Sekunde klammheimlich in den Einkaufswagen schmuggelte, was Hartmut erst an der Kasse auffiel - und da war es dann auch zu spät, um ihn wieder ins Regal zu hängen. So musste er ihn wohl oder übel mit nach Hause nehmen. Quasi ein Notwehr-Kauf.

Sport ist Mord

Die Montage des erstandenen Zwilling-Schornsteins gestaltete sich nicht ganz einfach, denn dank eines frisch erlittenen Wintersportunfalls lag eine Schulter in Trümmern und Gips, was handwerkliche Bemühungen nicht gerade erleichterte - sie aber keines Falls verhindern konnte. So fügte sich langsam zusammen, was zusammen gehörte. Und nach ein paar weiteren Wochenenden in deren Zentrum die Plackerei mit Kabeln und Elektrik stand, in deren Verlauf Hartmut immer wieder schockiert feststellen musste, über was für ein ihm bislang ungeahnt drastisches Arsenal von Flüchen und Schimpfwörtern er verfügt, fehlte nur noch etwas Kolorierung auf den Brocken. Und weil bis hierhin alles in Eigenregie über die Bühne gegangen war, sollte auch dieser Part - soweit es ging und Sinn machte - selber erledigt werden. Lediglich die Airbrush-Arbeiten übernahm eine eingebundener Künstler.

So entstand dank Erik und Hartmut in vielen kalten Wintern in einer Garage etwas, was Anfang der Achtziger noch undenkbar gewesen wäre: Ein ernsthaftes Motorrad mit Harley-Genen.

präsentiert von:

TECHNISCHE DATEN
Marke/Modell/Bj.:Buell XB9SX 2005
Erbauer: Hartmut
Einspritzung: Serie mit geänderter Software
Luftfilter: Air-Intake mit Piepercross Luftfilter
Krümmer/Auspuff: Serie mit Sebring Twister und db Killer von RRC
Heckrahmen: Serie mit verschweißten Verlängerungen von Hillibilly Motors
Schwinge: XB12SS
Federbein: Wilbers Sonderanfertigung
Gabelcover: selbst gedreht
Lenker: Fehling Straight
Hebel: V-Trec
Griffe: Rizoma
Spiegel: Highsider
Räder: Serie, 3,5x17 vorn, auf 6,25x17 verbreitert hinten
Bereifung: Metzeler, 120/70ZR17 vorn, 200/50ZR17 hinten
Bremszangen: Serie vorn, Brembo mit Bremsadapter für versteckte Bremse hinten
Bremsleitungen: Stahlflex
Fußrastenanlage: Gilles Tooling
Tank: Eigenbau-Cover
Höcker/Sitzbank: Hybrid aus FPR Höcker und MGM-Bikes HE 333
Kotflügel: Megatech 666 modifiziert
Bugspoiler: Serie mit Resten vom MGM Höcker
Instrumente/Anzeigen: Motogadget motoscope mini und motosign mini
Maske: Raptor, modifiziert
Blinker: Kellermann vorn, LED mini hinten
Rücklicht: LED
Lackierung: original Militär Lack shabby Optik mit Airbrush
Sonstiges: Belt Abdeckung aus altem Computer Gehäuse, Achsspitzen, seitliches Nummernschild, Echtleder Sitz mit GFK Schale
Danke an: Meine Frau Doreen für ihr Verständnis und Hilfe und an Ingo Meißner der mit viel Geduld meine wirren Ideen umsetzt

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