Oktan statt Lenor

Sie ist eines der besten Beispiele dafür, was aus einer ambitionierten Grundidee werden kann, wenn zu viele Flachzangen ihre illegalen Finger nach ihr ausstrecken und sie aus "marktstrategischen" Gründen verwässern oder gar pervertieren. War Herrn Lazareths ursprünglicher Entwurf einer aus dem Anzug geprügelten Hayabusa noch geeignet beim Betrachter die Hose aufgehen zu lassen, ist das einzige, was sich beim Anblick des späteren Serienverbrechens öffnet, der Klodeckel, damit man ihn nicht vollkotzt.

Die ansehnliche Lazareth-Maske des Prototypen ist am Fließband durch eine gruselige Karikatur ersetzt worden und unter dem Heck tummelten sich zwei monströse Schornsteine, die man im ausgeräumten Zustand auch als Ersatzröhren für den Elbtunnel gebrauchen könnte. Der Anklang beim Publikum war entsprechend bescheiden und die Verkaufszahlen geringer als die des letzten Spice-Girls Albums. Das antiproportionierte Dickschiff verschwand deshalb wenig überraschend dieser Tage aus dem Neufahrzeugangebot von Suzuki.

Mutator

Ein original potthässliches Krad ist aber gleichzeitig immer eine hervorragende Ausgangsbasis für einen aussichtsreichen Umbau. Vor allem, wenn es dazu noch mit einem so ausgezeichneten Reaktor bestückt ist wie Suzukis Großstuhl. Der Vierzylinder sorgt schon in der Hayabusa für amtlichen Vortrieb und ist mit seinem üppigen Drehmoment für eine nackte Maid der ideale Begleiter. Kann man sich also vollends auf Fahrwerk und Optik konzentrieren und dort haltlos austoben.

Supersize Me!

Das fand auch Tommi, der nicht nur von kranken Fantasien gepeinigt wurde, sondern dazu auch über Wege und Mittel verfügt, diese skrupellos und umfassend umzusetzen. Während der durchschnittliche Mitteleuropäer seine sauer verdienten Flocken in weiße Gartenzäune, Eigenheime und langweilige Familienlimousinen versenkt, geht Tommi am liebsten bei Werkstattausrüstern shoppen. So finden sich in seiner Schrauberbude inzwischen diverse Schweißgeräte, Fräs- und Drehbänke, sowie jede Menge Werkzeug. Mit diesem Waffenarsenal baut er weder Türklinken, noch Weihnachtsschmuck, sondern mit Vorliebe großkalibrigen Unfug für Motorräder.

Schrauber-Män

Da Tommi nicht nur schrauben sondern auch sehen kann, brauchte es nicht lange, um die eklatanten Krisengebiete an der angeschafften B-King auszumachen. Insbesondere die Proportionen des Hecks bereiteten ihm Schmerzen, so dass dort die massivsten Eingriffe erfolgen sollten. Das Rad war zu dürftig, der Auspuff zu dominant. Da Viagra bei Rädern nicht wirkt, musste die Pelle per Handarbeit zum Anschwellen gebracht werden. Als hilfreich hat sich dabei gemeinhin eine üppige Felge erwiesen, die Tommi denn auch in Angriff nahm. Nach Amputation der schmächtigen Serien-Schüsseln an der Drehbank, wurden neue in Übergröße angefertigt und sauber angeschweißt. Nicht weniger als 330mm Gummi spannen sich nun über die amtliche Trommel, ganz ohne blaue Pillen.

Neue Heimat

Das opulente Gefüge passte natürlich nicht mehr in die originale Schwinge – und selbst wenn doch, wären die nötigen 15 cm Spurversatz auch für schmerzbefreite Naturen zu viel des Guten. Die Lösung für beide Probleme fand sich in einem gemeinsamen Ansatz – nämlich der Neukonstruktion des kompletten Abteils. Aus Rundrohr formte Tommi ein Stützkorsett, das sich über die beiden Profilarme spannt wie der Wonderbra über Carmen Electras Monster-Möpse. Die Schwinge ist mit einer Zwischenwelle ausgestattet, welche den Verlauf der Kette jenseits der Schwingachsenaufnahme so weit nach außen verlagert, dass die Mörderpelle mittig rotieren kann. Zudem generiert sie einige zusätzliche Zentimeter Radstand.

Walzwerke

Damit die Walze sich nicht hinter, bzw. unter, den Kanonen von Navarone verstecken muss, entsorgte Tommi diese kurzerhand. Alles ab dem Kat wanderte ins Altmetall und wurde frisch gestaltet. Die neue Verlegung und Ausführung konstruierte der Metal-Fanatiker so ausgebufft, dass sie kaum zu sehen ist. Gedeckelt vom Eigenbau-Undertray werkeln die neuen Pötte abgeschottet von neugierigen Blicken in den Tiefen des modifizierten Höckers und machen nur durch die beiden sternförmigen Ausgänge, sowie den daraus entweichenden Tönen auf sich aufmerksam.

Be a King

Um auch an der Front für Ausgewogenheit zu sorgen, pumpte Tommi dort ebenfalls zusätzliche Breite ins Gerüst. Selbst geschnitzte Brücken schaffen den benötigten Platz, um die auf fünf Zoll angewachsene Felge scheuerfrei rotieren zu lassen. Ein 170er Pneu markiert den Dicken unterhalb des verbreiterten Fenders. Zusammen mit dem gestrafften GFK und der dezenten Lackierung in hellem, freundlichem Schwarz ist die B-King so um einiges dichter an der ursprünglichen Studie, als es das Seriengeraffel jemals vermochte. Es ist mit Motorrädern eben wie mit Musik und Unterhosen: Weichgespült und Verwaschen sind alle drei für den Arsch.


TECHNISCHE DATEN
Marke/Modell/Bj.: Suzuki B-King
Besitzer/Erbauer: Tommi
Krümmer/Auspuff: Eigenbau
Rahmen: Serie, modifiziert
Heckrahmen: modifiziert
Schwinge: Eigenbau
Gabelbrücken: Eigenbau
Räder: Suzuki, verbreitert
Bereifung:
vorn: 170/60ZR17
hinten: 330/30VR17
Fußrastenanlage: Pro-Tech
Höcker: B-King modifiziert mit Undertray


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