Basics: Sicherungen und Kabeldurchmesser berechnen

Um Kabeldurchmesser oder benötigte Sicherungsgrößen für unsere Trassen einplanen zu können, muss man die später fließende Stromstärke kennen. Diese wird in Ampere angegeben und richtet sich nach den jeweils angeschlossenen Verbrauchern. Deren Durst wird jedoch blöderweise meistens in Watt ausgewiesen und nicht in Ampere. Schöner Dreck, wäre sonst ja auch zu einfach. Nun kann man zwar unter Zuhilfenahme der Spannung (12 Volt) das eine über das andere berechnen (Ampere=Watt/Volt), was viele Nichtelektriker jedoch schon an den Rand der Verzweiflung treibt.

Mathe ohne Mathe

Für unsere ganz konkrete Mopedpraxis geht das aber näherungsweise (wir brauchen's nicht 100% präzise) ganz simpel ohne Mathe-Studium. Nehmen wir mal an, wir wollen Blinker, Rücklicht und Scheinwerfer über eine Sicherung laufen lassen und deren benötigte Größe nun ermitteln. Dazu addieren wir als erstes einfach die Wattzahlen der Verbraucher (stehen immer in deren Beipackzetteln, auf den Verpackungen oder den Leuchtmitteln selber). Beispiel: Unser Scheinwerfer hat 55/60 Watt (Abblendlicht/Fernlicht), das LED-Brems-Rücklicht 2/2 Watt und jeder der vier verbauten LED-Blinker ebenfalls 2 Watt. Dann hätten wir im schlimmsten Fall also insgesamt 60+4+4 Watt (Fernlicht+Rücklicht/Bremslicht+2 Blinker einer Seite), also insgesamt 70 Watt an gleichzeitig nuckelnden Verbrauchern. Sollte eine Warnblinkfunktion vorgesehen sein, kämen weitere 4 Watt dazu, insgesamt also 74. Hat die Schaltung eine Lichthupenfunktion, so dass Abblend- und Fernlicht auch zusammen brennen können, steigert dies die maximale Wattzahl um weitere 55 Einheiten, also auf insgesamt knapp 130 Watt. Klar soweit, gell.


Um die fliessende Ströme zu kalkulieren, braucht man als erstes die Leistungsaufnahme-Werte der Verbraucher. Diese stehen als Watt-Angaben entweder auf den Verbrauchern selber…



… oder auf den Verpackungen oder Beipackzetteln. Die Werte brauchen wir, um Sicherungen, Schalter und Kabelstärken zu bestimmen




Bis hierher ist also nichts weiter nötig als simples Addieren der angegebenen Wattzahlen der angeschlossenen und gleichzeitig unter Strom setzbaren Verbraucher. Um von Watt auf Ampere zu kommen, teilen wir die Summe nun durch 10. Unser 130 Watt Strang verschlingt also im Betrieb bis zu 13 Ampere. Das ist mathematisch zwar nicht ganz korrekt, reicht für unsere konkrete Betrachtungsweise jedoch völlig aus und baut auch gleich noch ein bisschen Spielraum mit ein. Da 13 Ampere-Sicherungen kaum zu bekommen sind, würden wir in unserem Beispiel zur nächstgrößeren Version greifen – und das wären 15 Ampere.

Aber sicher

Sicherungen gibt es flächendeckend in gängigen Größen mit 3; 5; 7,5; 10; 15; 20; 25 und 30 Ampere. Die jeweilige Sicherung muss natürlich mindestens den fließenden Strom verkraften, logisch. Gerade bei normalen Glühbirnen, Hupen und ähnlichen Verbrauchern muss zudem bedacht werden, dass beim Einschalten kurzzeitig ein wesentlich höherer (Einschalt-)Strom fließt, als der für das Leuchtmittel typische. Deshalb kann in unserem Beispiel durchaus eine 20 Ampere Sicherung die bessere Wahl sein, obwohl die 15er Sicherung mathematisch eigentlich reichen sollte. Das merkt man im Betrieb recht fix, wenn die 15er zu schnell den Flattermann machen sollte. In dem Fall dann einfach auf die 20er umsatteln. Damit wäre das Feld der Stromstärkenberücksichtigung auch schon abgehandelt. Wattzahlen der Verbraucher addieren, Gesamtzahl durch 10 teilen, et voilà.

Es gibt im Netz auch Scripte, die euch das Rechnen abnehmen, z.B. DAS HIER
Einfach die bekannten Werte eintragen, Button anklicken und wie von Geisterhand erscheint der berechnete Wert Spooookyyyy!

Kabel-Gabel

Aber nicht nur die nötige Sicherung haben wir damit bestimmt, sondern auch gleich noch den notwendigen Mindest-Kabelquerschnitt. Denn auch der richtet sich nach dem fließenden Strom. Dafür gibt es folgende Richtwerte, mit denen ihr auf der sicheren Seite seid.


Kabelquerschnitte und Stromstärken:
0,75 mm² bis 5 Ampère
1,0 mm² bis 7 Ampère
1,5 mm² bis 13 Ampère
2,5 mm² bis 16 Ampère
6,0 mm² bis 30 Ampère
10 mm² bis 40 Ampère
16 mm² bis 50 Ampère



Dicke Dinger

Als Zuleitung nehmen wir für unser Beispiel mit den 13 Ampere also mindestens eine 1,5mm² Leitung, eine Nummer größer wählen schadet nicht. Ab dem Verteilerpunkt, von wo aus sich die Kabel auf die einzelnen Funzeln verteilen, also z.B. der Lenkerarmatur, sieht die Sache dann schon anders aus. Selbst die Fernlichtbirne mit ihren 60 Watt, also ~5 Ampere käme locker mit 0,75mm² zurecht. Blinker und Rücklicht sowieso, hier würden gar 0,5mm² langen. So können wir mit unserer simplen Berechnung gleich mal sämtliche Sicherungen, als auch die nötigen Kabelquerschnitte erschlagen und uns ans Einkaufen der Litzen und Sicherungen für den gesamten Kabelbaum machen. Ganz wichtig: Nehmt ausreichend verschieden farbige Kabel. Einfach eine 100-Meter Rolle Schwarz ist eine ganz, ganz doofe Idee. Das Anschließen und Verdrehten wird umso einfacher, je besser die einzelnen Stränge im Baum identifiziert werden können.

Rechenknecht

Unser frisch erworbenes Wissen um die Mächte des Saftes hilft uns auch an einer weiteren Stelle weiter: Denn Schalter – und noch mehr Taster – sind sehr begrenzt in Sachen Belastbarkeit. So ein Schalter/Taster muss mindestens den Strom vertragen, den die an ihm angeschlossenen Verbraucher fressen – ebenfalls plus einen gewissen Sicherheitszuschlag. Wird eine Blackbox oder Tastersteuerung verbaut, muss man sich hierum keine Sorgen machen. Denn dann sendet der Taster lediglich Impulse und keine "echten" Ströme. Deshalb können die Dinger auch mit den kleinstdenkbaren Kabeln angeschlossen werden. Im Taster-Kapitel gehen wir detailliert darauf ein.