Rote Ampeln, volle Kassen

Csaba mußte zu Beginn seiner Moped-Karriere rasch feststellen, daß Wünsche, Vorstellungen und finazielle Möglichkeiten drei ungleiche Brüder sind und sich offensichtlich auf den Tod nicht leiden können. So waren seine ersten Schritte in Sachen Umbauerei eher bescheiden, bis zu jenem sonnigen Tag an einer roten Ampel.

No Budget, no Umbau

Los ging die Geschichte anno 2005. Bewaffnet mit einer druckfrischen Fahrerlaubnis und einem kargen Azubi-Gehalt, wollte der seinerzeit Zwangigjährige nicht länger auf artgerechte Fortbewegung verzichten und legte sich auf die Pirsch, um ein taugliches Krad zu erlegen. Eine komplett originale '92er VFR 750 streckte er mit einem gezielten Blattschuß nieder und zerrte das rote Luder nach Hause. Sein äußerst übersichtliches Einkommen versperrte Csaba zwar den Weg zu umfassenden Modifikationen, was ihn aber nicht davon abhalten konnte, zumindest Überflüssiges zu amputieren und ein paar kleinere Eingriffe vorzunehmen.

Karge Zeit der Dürre

Die folgenden zwei Jahre tummelte sich der Jüngling, durchaus begeistert von seinem Gefährt, auf dem heimischen Teer – wenn auch ständig mit dem Drang nach Höherem im Nacken. Eines schönen Tages verweilte unser Held verkehrsbedingt in der Warteschlange vor einer roten Ampel und nutzte die Gelegnheit, um sein Spiegelbild in der neben ihm gelegenen Schaufensterfront zu begutachten, als von hinten ein unaufmersamer Autofahrer mit dem Sehvermögen von Stevie Wonder auf die VFR krachte. Die Honda wurde dabei auf den vor ihr stehenden Wagen geschoben und im Kaltverforungsverfahren negativ modifiziert. Die Gabel war nun krummer, als die Nase von Mike Krüger und auch das Lackkleid umfangreich demoliert.

Hoffentlich Arroganz versichert

Erfreulicherweise ging die Schadensabwicklung schnell über die Bühne und versorgte Csaba mit einer nicht unebträchtlichen Menge Bargeld, von der er sich umgehend einen neuen Plasmafernseher, einen gebrauchten Golf GTI sowie einen zweiwöchigen Urlaub auf Mallorca leistete... Am Arsch! Tatsächlich kratzte der schwer infizierte Zeitgosse die Flöhe zusammen und investierte den warmen Regen vollständig in seien Hobel. Zufällig hatte sich zum gleichen Zeitpunkt ein Kumpel mit seiner RSV auf der Rennstrecke abgeledert und das Teil bis zur Organspende zerdeppert. Csaba sicherte sich flink das vordere Geläuf des Zweizylinders, welches mit Öhlins-Gabel, OZ-Schmiederad und stiftigen Gabelbrücken opulent ausgestattet war.

Vorratskammer

Ein kleiner, unbeheizter Abstellraum im elterlichen Gebäude wurde blitzartig annektiert und in den Rang einer provisorischen Werkstatt erhoben. Diese nicht einmal zehn Quadratmeter wurden für die nun folgenden sechs Monate zum Csabas neuem Zuhause, das er lediglich zum Abkoten verließ. Den Rest der Zeit schraubte, schweißte und dengelte er, als gäbe es einen Krieg zu gewinnen. Nachdem die VFR komplett zerlegt war, schnitt er die grossen Gußplatten des Hauptrahmens zurecht, baute die Motordeckel um und lackierte den V4. Die Aprilia-Gabel wanderte in den Lenkkopf und bekam einen Satz Cover spendiert. Die obere Gabelbrücke wurde gecleant und anschließend schweißender Weise mit Stummeln besetzt. Ein GPT Dashboard ersetzt die originalen Instrumente. Die Armatruren der RSV bestückte Csaba mit Eigenbau-Pötten und tauchte die gesamte Komposition in ein helles, leuchtendes Schwarz.

Kraft durch Tank

Das Spritfaß der Honda kam ebenfalls unters Messer. Ein Hypercharger ist funtional integriert und versorgt die modifizierte Airbox mit Luft. Anfangs nur ein optischer Gimmick, funktioniert die Angelegenheit nach einem guten Jahr Abstimmerei inzwischen auch technisch perfekt und verhilft dem V4 zu ein paar zusätzlichen Pferdchen. An der Erweiterung des Paarhuferbestandes ist auch der Auspuff nicht ganz unbeteiligt, der vollständig aus VA-Rohren gefertigt wurde und einen deutlich größeren Durchmesser aufweist als das Seriengeröhr.

Eingemachtes aus dem Abstellraum

Sitzbank und Heckrahmen strickte der findige Schrauber in Eigenleistung – und selbst das Rücklicht ist nicht etwa dem Zubehör entnommen, sondern ebenfalls Handarbeit. Unterstützt wird die neue Heckansicht vom Umbau der VFR-Schwinge auf Zentralaufnahme unter Verwendung einer NC30-Felge. Diese wurde ihrer originalen Flanken beraubt und anschließend unter Mitwirkung eines fachkundigen Freundes mit den Schüsseln einer BMW M5-Felge auf üppige achteinhalb Zoll verbreitert, was auch in etwa der Breite des Grinsens von Csaba entspricht, wenn er sich sein Gesamtwerk betrachtet oder mit ihm die Straßen unsicher macht. Er besieht sich an roten Ampeln zwar immer noch gerne in den spiegelnden Schaufensterscheiben, behält dabei aber inzwischen auch immer den rückwärtigen Verkehrsraum im Auge. So willkommen der erste Einschlag auch war – einen zweiten wünscht er sich nicht. Kann man verstehen, Geld ist eben nicht alles im Leben.


TECHNISCHE DATEN
Modell/Bj.: HONDA VFR750F , RC36 ’92
Motor: Motordfeckel modifiziert bzw. Eigenbau, schwarz lackiert
Ölkühler: Goodridge Ölleitungen
Vergaser: HONDA RC30 Keihin
Luftfilter: Küriakyn Hypercharger , K&N-Filtereinsatz
Krümmer/Auspuff: VA Eigenbau, Exhaust-Tape
Rahmen: stark modifiziert
Heckrahmen: Aluminium Eigenbau
Schwinge: RC 36 modifiziert, NC 30-Antrieb
Federbein: Öhlins
Gabel: Öhlins mit Cover
Gabelbrücken: RSV modifiziert
Räder vorn: OZ Racing Schmiederad 3,5x17
Rädern hinten: NC 30 mit BMW M5-Schüsseln 8,5x18
Bereifung: Dunlop
Vorn: 120/70/17 D209F
hinten: 240/40/18 D221
Lenker: Eigenbau
Bremsen vorn: Brembo-Radialzangen, 320mm Scheiben, Galfer-Bremsleitungen
Bremsen hinten: Nissin, Galfer-Bremsleitungen
Fußrastenanlage: Lightech
Tank: Eigenbau
Maske/Scheinwerfer: Megatec
Höcker/Sitzbank: Eigenbau
Bugspoiler: Eigenbau
Armaturen/Schalter: RSV Mille
Instrumente: G.P.T. D3
Lackierung: Military design by Guba
Sonstiges: Kellermann-Blinker, Eigenbau Achsspitzen, Eigenbau Fluid-Behälter


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