Honda VF 750 F

Eine umgebaute V4 von Honda sieht man auf diesen Seiten nicht allzu oft. Und wenn, beschränkt sich das auf die VFR-Reihe aus Hamamatsu. Aber eine VF 750? Ja, jene Produktlinie, die hauptsächlich aus Softchoppern bestand - neben Ballonröcken und Modern Talking eine der schlimmsten Sünden der Achtziger.

Das Gefahrenpotential für Augenkrebs hielt sich bei der hier gezeigten VF 750 F allerdings in Grenzen, war sie doch die sportliche Schwester im Reigen. Optisch zwar noch immer reichlich verunstaltet, schrieb sie jedoch Renngeschichte: Niemand anderer als Freddie Spencer prügelte eine von der Honda Racing Company aufgebaute Vauvier über die Piste. Insofern trägt die nur drei Jahre gebaute Honda Gene der legendären VFR 750 R.

Ja, auf Fast Freddies Spuren zu wandeln… das alles war Michael so ziemlich scheißegal, als er den gammeligen Haufen Japanschrott von seinem Bruder in Empfang nahm. Ursache für diese milde Gabe war ein Streetfighter-Treffen, das 2001 in Frestedt vorausging. Dort hatte Kumpel Thomas von Missile Customs etwas zu tief ins Glas geschaut und fand sich nicht mehr in der Lage, seine Kawa nach Hause zu pilotieren. Und der mit der Überführung betraute Michael war derart von der getunten und gefighterten ZXR 750 angetan, daß er nach Jahren der Abstinenz wieder auf den Geschmack kam. Leider machte die Haushaltskasse der Anschaffung eines neuen Untersatz aber einen Strich durch die Rechnung, also gab Brüderchen André sich einen Ruck und spendete die hier abgebildete VF - in Mitleid erregendem Zustand.

Selbst ist der Mann

Als gelernter Kfz-Mechaniker fand Michael sich in der glücklichen Lage, selbst Hand anzulegen. Aber was mit dem havarierten Klumpen anfangen? Er schleppte das Gerät in den Keller, machte ein Bier auf und überlegte. Es folgten viele, viele weitere Biere, bis sich in seinem Oberstübchen so etwas wie ein Plan manifestierte: Der lange und bis zur Schwingenaufnahme reichende Heckrahmen wurde radikal minimiert. Nun baut das Stahlrohrkonstrukt wesentlich kürzer und schmaler, bereit zur Aufnahme des klassischen Big Bike "Bananenhöckers". "Is' doch gar keiner!", höre ich da von den billigen Plätzen. Is' aber doch: Auf beiden Seiten trennte Michael einen acht Zentimeter breiten Streifen heraus und paßte den Bananenradius dem flacheren Profil an. So entstand ein vollkommen neues Heckteil.

Bei der Beschaffung der Teile saß Michael praktisch an der Quelle. Der oben erwähnte Kumpel Thomas ist nämlich Eigner der Fighter-Schmiede Missile Customs. Der Nachschub an Gebrauchtteilen zum Ausprobieren war praktisch unerschöpflich. So fand eine Fireblade-Schwinge ihren Weg in den Rahmen. Und ja, es ist eine, der Oberzug wurde lediglich abgetrennt. Die Frage nach der Herkunft des Federbeins beantwortete Michael mit: "Aus der Grabbelkiste." Ist ja auch egal, interessant ist allerdings, daß er sein eigenes Pro Link-System mit stehendem Dämpfer gebastelt hat. Statt über Umlenkhebel ist das untere Federbeinauge nun direkt mit der Schwinge verbunden. "War hinten zwar etwas weich, aber nachdem ich die Federvorspannung durch eine Messingbuchse erhöht hatte, fuhr sie super."

Isse doch! Nänänänänää…

Das Hinterrad stammt ebenfalls von einer Blade und wurde zwei bis drei Millimeter versetzt montiert, um ausreichenden Kettenfreigang zu gewährleisten. Am entgegengesetzten Ende steckt ein selbst gedrehter Königsbolzen im Lenkkopf. Er ist fest mit einer Kawa ZXR-Gabelbrücke verpreßt, die eine USD-Gabel desselben Models umklammert. Die obere Brücke stammt von Spiegler, in ihren Klemmböcken steckt ein Hagen-Superbikelenker mit Armaturen der VF.

Das Bodywork besteht aus dem verkleinerten Bananenhöcker, dem originalen Kotflügel (gekürzt) und Bugspoiler, einer Acerbis-Maske und einem Fireblade-Tank. Auch der sieht nicht wirklich danach aus, was daran liegt, daß Michael längsseitig zwei Blechstreifen herausschnitt und ihn anschließend wieder zusammenschweißte, damit er schmaler baut. Bis auf das Alu-Schweißen an der Schwinge erledigte er übrigens sämtliche Arbeiten selbst. Auch die Polierarbeiten und die Fertigung diverser Aluteile entstanden während endloser Nachschichten. Dazu gehören unter anderen das Feilen der Fußrastenplatte und -hebel, der Spiegelarme oder des hinteren Bremsflüssigkeitsbehälters. Letzteres wurde mittels Säge, Bohrer und Feile aus einem Alublock herausgeschält!

Firestarter

Nach zwei Jahren Bauzeit stand die Honda endlich zusammengebaut und mit instandgesetztem Motor im Kellerraum des Vierfamilienhauses. Mit einem Druck auf den Starterknopf stellte Michael sich dem Moment der Wahrheit. Sie lief! Doch dieses Feuerwerk verursachte außer Freude dermaßen viele Verbrennungsrückstände, daß es so aussah, als ob das Haus brennen würde. "Das hatte ich erst gemerkt, als meine Frau runterkam und fragte, ob ich noch alle Latten am Zaun habe. Zwei Tage danach hatte das Haus noch gestunken", erinnert sich Michael. "Da waren die Nachbarn natürlich etwas genervt. Aber ich glaube die waren auch froh, nun nachts nicht mehr von meiner Bohrmaschine oder Drehbank wachgehalten zu werden."

Nachdem Michael die Grundlackierung und Thomas das Airbrush aufgetragen hatte, ging die VF sauber durch die TÜV-Abnahme. Bis auf den Cobra Racing-Dämpfer ist alles eingetragen. Was es bedurfte, aus einer achtziger Jahre-Geschmacksverirrung ein solches Gerät zu zaubern? Zwei Jahre Arbeit, 2.500 D-Mark und vor allem: Den Pioniergeist, der die Szene geprägt hat.


TECHNISCHE DATEN

Modell/Bj.: Honda VF 750 F, B. 83

Besitzer: Michael Paul

Motor: Serie Honda VF 750 F

Wasserkühler: Serie (zwei Kühler)

Auspuff: Krümmer & Sammler Serie, Cobra-Dämpfer

Heckrahmen: umgeschweißt schmaler & höher, gekürzt

Schwinge: CBR 900 ohne Oberzug

Federbein: Herkunft unbekannt, ohne Umlenkung, Vorspannung mittels Messingbuchse erhöht

Gabel: Kawasaki ZXR 750

Gabelbrücken: unten Kawasaki ZXR 750 mit selbst gedrehtem Königsbolzen, oben Spiegler ZX1-Superbikebrücke

Räder:
vorn: Kawa ZXR 750
hinten: Honda CBR 900 RR

Bereifung: Dunlop Sportmax D 207
vorn: 120/70 ZR 17
hinten: 180/55 ZR 17

Lenker/Riser: Hagen SBK

Bremsen:
vorn: ZXR 750
hinten: CBR 900 RR

Fußrastenanlage: Eigenbau-Platte und -Hebel, poliert

Tank: CBR 900 RR umgeschweißt

Maske: Acerbis

Höcker/Sitzbank: Big Bike Banane verkleinert, Plexiglasplatte selbst gefertigt

Kotflügel: Serie, gekürzt

Instrumente: Fahrradtacho

Sonstiges: Spiegelhalter und hinterer Ausgleichsbehälter selbst gefertigt


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