Einzelkämpfer

Auch wenn an dieser R1 nicht viel dran ist, vereint sie doch alles, was ihrem Besitzer wichtig ist: Druck, Leichtigkeit, Aggressivität und überschaubaren finanziellen Aufwand. Ein Beifahrersitz gehört nicht mehr dazu. Gut so, denn der passt bei dem arbeitsintensiven Neu-Höcker auch nicht ins Konzept...

Die Zeiten, in denen René kaum andere Möglichkeiten hatte, als an Simsons herumzudoktern, sind sowohl aus politischer als auch aus rein alterstechnischer Sicht längst vorbei. Der Thüringer genoss das uneingeschränkte Motorradleben in vollen Zügen, bis das Töchterchen kam und dem einspurigen Treiben erstmal einen Riegel vorschob. Ohne böse Absicht natürlich, weshalb sie dann selbst gerne mitfuhr, kaum dass es ihre körperliche Konstitution hergab und Papa wieder Zeit und Muße fand, sich dem Kradeln zu widmen. Und das, obwohl eine R1 nun wirklich nicht gerade ein Top-Dampfer für ausgiebige Soziusfahrten ist. Aber die XJR davor war René einfach zu brockig, sagt er. Und wenn der Nachbar schon Yamaha-Händler ist und unbedingt eine Vorführmaschine in gute Hände abgeben will...

Time for Revolution

Irgendwann kam der Tag, ab dem der Nachwuchs pubertätsbedingt ohnehin zunehmend auf die Freizeitgestaltung unter Einbeziehung der Eltern verzichtet. Eine gute Gelegenheit, die Mitfahrgelegenheit wegzurationalisieren und überhaupt das ganze Motorrad um seine Plastikpelle und andere unerwünschte Anbauteile zu erleichtern. Um dem zerlegten Bock neues Leben einzuhauchen, schaffte René ihn in die heiligen Hallen von Street Machines - die Tuning-Schmiede lag nicht nur gleich um die Ecke, sondern hatte René auch mit ihren Arbeiten nachhaltig beeindruckt. Der Auftrag war eindeutig: eine klar gezeichnete Fahrmaschine, bei der die Änderungen überschaubar bleiben, aber doch ein komplett neues Motorrad entstehen lassen sollten.

Profis am Werk

Meister Steffen machte sich wie üblich zunächst über den Heckrahmen her - und bekam reichlich Gelegenheit, sein Schimpfwort-Reservoir auszuschöpfen. Mit kürzen war es nämlich längst nicht getan, da die obere Strebe alleine nicht ansatzweise stabil genug ist, um einen ausgewachsenen Menschen sicher über Bodenwellen zu tragen. Also war die Anbringung einer zusätzlichen Verstärkung zwingend. Die dafür nötigen Alu-Schweißarbeiten finden allerdings ohne ein auf einer professionellen Festigkeitsanalyse basierendes Gutachten keinen TÜV-Segen. Ein Labortermin war also unvermeidlich, um Renés Wunsch nach Legalität seiner R nachzukommen. Viel Arbeit also, die aber am Ende zum Erfolg führte. Das Herausfinden des zu verwenden Schweißdrahts und dessen professionelle Verarbeitung erledigte Steffen. Und zwar nicht nur der Strebe wegen: Er musste den fertigen Heckrahmen absägen und später wieder anschweißen, um ihn seinem Auftraggeber zuzuschicken, der über berufliche Wege die Möglichkeit hatte, ein Labor für das Gutachten einzuspannen. Hoch lebe der geschraubte Heckrahmen, den Yamaha erst mit dem 2002er R1-Modell einführte...

Eigene Wege

Flex- und Schweißarbeit stand auch beim Auspuff auf dem Programm - glücklicherweise schon ganz freiwilliger Natur, weil er hinter der rechten Fußraste münden sollte, anstatt seinen Weg bis zur werksseitig vorgesehenen Auspuffhalterung fortzusetzen. Sonst wäre die nicht vorhandene Passgenauigkeit der GP-Tüte umso ärgerlicher gewesen... So aber konnte Steffen nach Herzenslust schnippeln, um sich aus der Anlage lediglich einen Endtopf und ein kurzes Zwischenstück zu generieren, deren Vermählung mit dem Serienkrümmer mittels thermischer Verschmelzung keine ernstzunehmende Hürde darstellte. Das Ergebnis fällt sogar so kompakt und stabil aus, dass der Dämpfer auch ohne zusätzliche Halterung nicht den Wackeldackel macht. Das neue Farbkleid für die Tröte war allerdings schon nicht mehr Steffens Baustelle.

Renés Sprühwerke

Nachdem die mal mehr, mal weniger diffizilen Schweißarbeiten nämlich erfolgreich gemeistert und der platzierungstechnisch im Fighters-Forum umstrittene, an der Schwinge montierte Kennzeichenhalter (nein, laut René schleift da wirklich nix!) angebracht waren, wanderte die R1 umgehend zurück zu ihrem Besitzer, damit der eigenhändig die Vollendung des Werks in die Hand nehmen konnte. Das beinhaltete neben der Umfärbung des Dämpfers auch die Lackierung von Rahmen, Schwinge und Gabel - ebenso simpel wie produktiv mit der Sprühdose. Erfahrungen im akribischen, aerosolbefeuerten Lackauftragen hatte René schließlich in seinen Zeiten als Simson-Veredler schon genug gesammelt... Trotzdem überließ er zumindest das Farbkleid des Bodyworks einem Fachmann.

Covergestaltung

Die Zeit konnte René nämlich viel besser nutzen, in dem er selbst noch einmal Hand an die Gabelcover legte, die ihm Forums-Kollege Sven aus Alurohr gedreht hatte. "R1Heinz" (Begründung für diesen Nickname: ihm sei auf die Schnelle nichts Besseres eingefallen) fand allerdings, dass den Abdeckungen ein paar Löcher im Maschinengewehr-Stil gut stehen könnten. Also warf er die Fräsmaschine an und raspelte sich in dieser Form selten gesehene Cover zurecht. Die Dinger sind gleichfalls ein gutes Symbol für die Maßgabe für diesen Umbau, mit vergleichsweise wenigen Eingriffen extrem viel Effekt zu erzielen. Außer Heckrahmen, den GFK-Bodyworkteilen, Auspuff, Lenker und ein paar Kleinteilen wie Gabelcover oder Tacho ist an diesem Motorrad eigentlich nichts zu finden, was nicht irgendwie der Serie entspringt. Wenn man sich nur genug Mühe gibt und die richtigen Leute kennt, reicht das allemal, um sich einen Bilderbuch-Fighter auf die Weide zu stellen, der für alle landsträßlichen Schandtaten zu haben ist.


TECHNISCHE DATEN

Marke/Modell: Yamaha YZF-R1 RN01, Baujahr 1999

Besitzer: René Leinhos (R1Heinz)

Erbauer: Street Machines

Krümmer/Auspuff: Serie/Speed Products Moto-GP, 300 mm

Rahmen: Serie, lackiert

Heckrahmen: stark modifiziert von Street Machines

Schwinge: Serie, lackiert

Federbein/Umlenkung: Serie, mit Höherlegung

Gabel: Serie, lackiert, mit Cover

Gabelbrücken: Serie

Räder:Serie
vorn: 3,5x17
hinten: 6x17


Bereifung: Bridgestone BT 023

vorn: 120/70 ZR17

hinten: 190/50 ZR17

Lenker/Riser: Dragbar, geteilt/ LSL Sport-Match

Maske/: Street-Machines

Höcker/Sitzbank: Street-Machines

Kotflügel: Street-Machines

Bugspoiler: Big-Bike R1

Instrumente/Anzeigen: Acewell

Sonstiges: seitlicher Kennzeichenhalter, Blinker vorne von Kellermann, Blinker hinten, Rücklicht und Kennzeichenbeleuchtung von Shin Yo, Stahlflexbremsleitungen, kleine Gel-Batterie, Öhlins-Lenkungsdämpfer

Danke an: meine zwei Mädels Michaela und Franziska für die "Toleranzerweiterung", Steffen von Street-Machines, Azubi, Spitzen-Sven, die beteiligten Arbeitskollegen und -kolleginnen, Inno und Frank


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