Kanonenschläge

Wer in den Achtzigern amerikanische Schlagbolzen bewegen wollte, musste einiges an Zeit und Geduld mitbringen, denn selbst die von Porsche mitentwickelten Evo-Motoren waren zu bestenfalls homöopathischen Fahrleistungen befähigt. Beschleunigungswerte wie eine über den Tisch rollende Durchfallkapsel und Höchstgeschwindigkeiten im Bereich einer Puch Maxi N mit abgekipptem Luftfilterkasten und angesägtem Klingeldeckel sind nicht gerade geeignet, Endorphine eskalieren zu lassen.

Das ging auch einem gewissen Erik auf die frisch rasierten Eier. Mit Erfahrungen im Rennsport und in der Fahrzeugentwicklung sowie einer ordentlichen Ladung Jack Daniels im Frühstücksmüsli vorbelastet, strickte er deshalb erstmal ein ordentliches Fahrgestell zusammen, auf dem du nicht hockst wie Daniel Küblböck mit Analkrämpfen auf dem Bahnhofsscheißhaus einer evangelischen Autobahnraststätte. Danach nahm er (Erik, nicht Daniel) sich noch den einzubauenden Sportster-Motor zur Brust, der nach dem Doping auf Gasgriffbefehle nicht mehr nur mit einer Änderung der Lautstärke, sondern mit tatsächlicher Leistungsabgabe reagiert. Das Ergebnis war eine Kleinserienmaschine auf HD-Basis, mit der du locker in ein benachbartes Bundesland fahren kannst, ohne dir dafür eine Woche Urlaub nehmen zu müssen. Codename "Buell". Das erste richtige amerikanische Motorrad.

World fastest Rüttelplatte

Das erschloss der Marke eine völlig neue Zielgruppe, die das Gefühl des V2-Poltergeistes mit den Fahrleistungen aktueller Japaner verknüpfen wollte. Hartmut war einer von ihnen und erlitt eine spontane Gashand-Erektion, als er eine, damals noch im Gitterrohrrahmen steckende Buellette das erste mal in freier Wildbahn sah und hörte. Während Hartmut reflexartig Kohle für den Einkauf eines solchen V2 anzusparen begann, entwickelte Erik seine Mopeten munter weiter, bis hin zur XB Ausbaustufe, die sich durch eine fettes Alurahmen-Layout (welches auch den Sprit bunkert) sowie den Radstand und die Handlichkeit eines gestauchten Bonanza-Rads auszeichnet.

Bausparvertrag

Das war sogar noch mehr als der Urspungskandidat nach Hartmuts Geschmack, so dass er vor nunmehr zwölf Jahren bei einem Harley-Hökerer (das sind Klamottenhändler, die nebenbei auch Replikas von Vorkriegs-Schrott verkaufen) durch die Tür trat, an bedrucktem Scheißhauspapier, Fransenjacken und Bison-Penisleder-Satteltaschen vorbei marschierte, mit ausgestrecktem Zeigefinger auf eine XB9SX deutete und "die da!" sagte. Nachdem der Kaufpreis über den Tresen und der Mitgliedsausweis für den HOG-Verein mit einem "Nein Danke" aus dem Weg geschoben waren, karrte Hartmut den Schlegel nach Hause, um in den nächsten Jahren erfreut festzustellen, dass Erwartung und Realität durchaus in Einklang poltern können. Deshalb waren die während dieser ersten Etappe durchgezogenen Umbauten lediglich (Zitat) "Kleinscheiß" und beschränkten sich auf andere Blinker, Spiegel, Sissybar... äh, nein.

Mein statt ein

Dennoch brodelte es ohne Unterlass in Hartmuts Oberstübchen, denn über die technischen und fahrerischen Qualitäten hinaus, war da immer noch so einiges in Sachen Optik, was stark verbesserungswürdig in der Sonne schimmerte. Da war zum einen die aus transparentem, blau getönten Plastik gefertigte Tankabdeckung, die Hartmut nicht so richtig geil fand. Dazu eine Lampenpartie der eher biederen Machart sowie das grundsätzliche Fehlen einer persönlichen Note, die man einfach braucht, damit aus "ein Motorrad" "dein Motorrad" wird. Und das bekommt man nicht mit ein paar Felgenaufklebern oder erzpeinlicher Carbonfolie hin. So ein Hocker ist schließlich keine Schmink-mich-Barbie.

Fertigbau

Zwar bot der Markt einiges an kaufbarem Zubehör, irgendwie aber nicht das, was Hartmut wollte. Als gelernter Industriemechaniker mit allen metallischen Wassern gewaschen, gebrach es ihm bis dato aber noch komplett an Erfahrungen mit Glasfasermatten und klebrigem Kleister. Dem Manko ging der Autodidakt angstfrei an die Unterwäsche und baute sich gleich mal eine Tankabdeckung aus dem bisher unbekannten Werkstoff, mitsamt Einfassung für einen Mini-Tacho. Dessen Einsatz machte im gleichen Zug den Platz vor der Gabelbrücke frei und Serienturmuhr nebst Lichtmast wurden dem Markt überantwortet.

Tauschgeschäfte

Zufälligerweise war der erzielte Gewinn aus der Veräußerung der Teile exakt die Summe, die für die Schwinge eines zwölfer "S" Schwestermodells aufgerufen wurde, welche sich durch ein paar Zentimeter zusätzliche Länge gegenüber dem XB9SX Radhalter hervor tat. Das fand Hartmut geil. Die Montage des Profilteils stellte unseren Protagonisten vor keine besonderen Herausforderungen. Die geänderten Hebelverhältnisse kompensierte er durch ein nach seinen Vorgaben gewickeltes Federbein, während die Felge gleichzeitig um ein Viertel-Zoll in die Breite ging und nun mit 200mm Gummi beplankt ist. Genau wie Frauen findet auch Hartmut, dass lang alleine nicht reicht, dick muss es auch sein.

Frauenquote

Apropos Frauen: Hartmuts gehört nicht nur zur extrem verständnisvollen Sorte, sondern supportete seine Umbauambitionen sogar mit der Dreingabe eines Höckers. Der gefiel Hartmut zwar nicht aus dem Karton, was er aber durch das heimliche Dazuordern eines zweiten, von MGM stammenden Sitzmöbels kompensierte. Beide Bänke wurden zerschnitten und der Heckbereich von Höcker Nr. 2 mit den Flanken von Höcker Nr. 1 verbunden, was zusammen mit dem verlängerten Heckrahmen (jepp, so was gibt es tatsächlich auch) zum vorliegenden und sauber ins Bild passenden Ergebnis führte.

Scareface

Nicht ganz so derbe ging's der Maske ans Gewebe - ihr liegt nur ein Exemplar zu Grunde, anpassen musste Hartmut trotzdem so einiges. Und das nicht nur aus ästhetischer, sondern auch aus technischer Motivation heraus. So ist z.B. das Zündschloss seitlich eingelassen, was mit eingestecktem Schlüssel ein bisschen an Frankensteins Zögling mit den halb herausragenden Sechskantschrauben im Schläfenbereich erinnert.

Staublunge

Nach endlos anmutendem Gekleister, Schleiforgien in deren Folge die Garage aussah wie ein explodiertes Kokain-Zwischenlager eines mexikanischen Drogenkartells und einem von Lösungsmitteln verursachten dauerbreiten Gesichtsgrinsen, war die Anfertigung der flankierenden Alu-Gabelcover die reinste Erlösung. Das galt in der Form auch für den Umbau der Fußrastenanlage, bei deren Besorgungsrunde Hartmut "zufällig" über den Sebring stolperte, der sich in einer unbeobachteten Sekunde klammheimlich in den Einkaufswagen schmuggelte, was Hartmut erst an der Kasse auffiel - und da war es dann auch zu spät, um ihn wieder ins Regal zu hängen. So musste er ihn wohl oder übel mit nach Hause nehmen. Quasi ein Notwehr-Kauf.

Sport ist Mord

Die Montage des erstandenen Zwilling-Schornsteins gestaltete sich nicht ganz einfach, denn dank eines frisch erlittenen Wintersportunfalls lag eine Schulter in Trümmern und Gips, was handwerkliche Bemühungen nicht gerade erleichterte - sie aber keines Falls verhindern konnte. So fügte sich langsam zusammen, was zusammen gehörte. Und nach ein paar weiteren Wochenenden in deren Zentrum die Plackerei mit Kabeln und Elektrik stand, in deren Verlauf Hartmut immer wieder schockiert feststellen musste, über was für ein ihm bislang ungeahnt drastisches Arsenal von Flüchen und Schimpfwörtern er verfügt, fehlte nur noch etwas Kolorierung auf den Brocken. Und weil bis hierhin alles in Eigenregie über die Bühne gegangen war, sollte auch dieser Part - soweit es ging und Sinn machte - selber erledigt werden. Lediglich die Airbrush-Arbeiten übernahm eine eingebundener Künstler.

So entstand dank Erik und Hartmut in vielen kalten Wintern in einer Garage etwas, was Anfang der Achtziger noch undenkbar gewesen wäre: Ein ernsthaftes Motorrad mit Harley-Genen.


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TECHNISCHE DATEN

Marke/Modell/Bj.:Buell XB9SX 2005

Erbauer: Hartmut

Einspritzung: Serie mit geänderter Software

Luftfilter: Air-Intake mit Piepercross Luftfilter

Krümmer/Auspuff: Serie mit Sebring Twister und db Killer von RRC

Heckrahmen: Serie mit verschweißten Verlängerungen von Hillibilly Motors

Schwinge: XB12SS

Federbein: Wilbers Sonderanfertigung

Gabelcover: selbst gedreht

Lenker: Fehling Straight

Hebel: V-Trec

Griffe: Rizoma

Spiegel: Highsider

Räder: Serie, 3,5x17 vorn, auf 6,25x17 verbreitert hinten

Bereifung: Metzeler, 120/70ZR17 vorn, 200/50ZR17 hinten

Bremszangen: Serie vorn, Brembo mit Bremsadapter für versteckte Bremse hinten

Bremsleitungen: Stahlflex

Fußrastenanlage: Gilles Tooling

Tank: Eigenbau-Cover

Höcker/Sitzbank: Hybrid aus FPR Höcker und MGM-Bikes HE 333

Kotflügel: Megatech 666 modifiziert

Bugspoiler: Serie mit Resten vom MGM Höcker

Instrumente/Anzeigen: Motogadget motoscope mini und motosign mini

Maske: Raptor, modifiziert

Blinker: Kellermann vorn, LED mini hinten

Rücklicht: LED

Lackierung: original Militär Lack shabby Optik mit Airbrush

Sonstiges: Belt Abdeckung aus altem Computer Gehäuse, Achsspitzen, seitliches Nummernschild, Echtleder Sitz mit GFK Schale

Danke an: Meine Frau Doreen für ihr Verständnis und Hilfe und an Ingo Meißner der mit viel Geduld meine wirren Ideen umsetzt


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