Sakrileg

Hauptberuflich sorgt Jouni dafür, dass spätere Generationen nicht auf die Klobrillen strullen, mit geschlossenem Mund kauen und in der Lage sind, ihre Mofas ordentlich zu frisieren. Jouni ist nämlich Lehrer und unterrichtet im mechanisch/technischen Segment – nebenberuflich.

Hauptberuflich hat Jouni nämlich einen mittleren Zaunpfahl im Stammhirn sitzen und sorgt dafür, dass das Wort "vernünftig" zusehends aus dem europäischen Wortschatz verschwindet und der Bedeutungslosigkeit anheim gestellt wird. Dabei lässt er sich weder von Konventionen, kleinkarierten Mitmenschen oder technischen Hürden aufhalten. Wenn die Schulglocke zum Unterrichtsende läutet, schreitet Jouni aus dem Plattenbau, zerreißt sein Hemd und mutiert zu Schraubermän.

HOG-Hunter

Dabei sind seine Eskapaden und Abenteuer nicht unbedingt immer geplant, sondern eher Resultate vorangegangener Unbill des Lebens. So auch bei diesem Projekt. Anno 2005 fühlte sich Jouni endlich alt genug, um mal auf einer Harley Platz zu nehmen. Für Ziegenbocklenker, Sissybar und Satteltaschen aus Ziegenpenisleder war er dann aber doch noch nicht alt oder betrunken genug, so dass er entschied, dass eine sportive Buell aus Erics eiligen Hallen eine gute Wahl wäre. Also importierte er aus den US of A eine verunfallte XB12 mit dem festen Vorsatz, diese wieder herzurichten. Unerfreulicherweise verweigerte der HD-Importeur aber das notwendige Ausstellen der Papiere, so dass die legale Zuführung zum Straßenverkehr noch vor Baubeginn ad acta gelegt werden musste.

Gesocks

Statt sich lange mit dem missgünstigen Gesindel herumzuärgern oder es mit der eigenen Fransenjacke zu erdrosseln, parkte Jouni seinen ausgefahrenen Mittelfinger im Gesicht der Arschmade und machte sich auf, einen eben solchen aus Metall zu bauen. Als eine der größten Todsünden unter Hoggies gilt es, eine Harley mit Brocken japanischer Herkunft zu verunreinigen. Wenn die Hirnis wüssten, was an ihrem Seriengeraffel alles aus japanischer oder chinesischer Fertigung stammt, würden sie sich wahrscheinlich in ihren Leatherman stürzen. Eher lässt sich der Grand Dragon des Ku-Klux-Klan den verrotteten Arsch von Martin Luther King transplantieren, als das ein Hogger sein Moped vorsätzlich mit fernöstlichem Plunder kontaminiert.

FZRXBS

Was also lag näher, als genau dies zu tun?! Und so besorgte sich Jouni für den Gegenwert einer halb leeren Schachtel Fluppen den alten, aber bereits zugelassenen Rahmen einer Kilo-FZR und befahl ihn zur neuen Heimat für den V2. Mit präventiven Vermessungen, ob der Ami-Schlegel überhaupt in die Deltabox passen würde, hielt sich unser Held nicht lange auf – wusste er doch, dass die Nummer so oder so alles andere als P´n`P´ ablaufen würde. Dabei war das Problem weniger, die schlanke Silhouette zwischen die Aluprofile zu bekommen, sondern viel mehr der Platzbedarf der Einspritzung oberhalb des Vau-Zwo.

Nachsitzen

Doch eins nach dem anderen. Nachdem der Motor im Rahmen vermittelt und seine Montageposition festgelegt war, fertigte Jouni einen Satz Halteplatten, mit denen er die Brocken verschraubte. Aus einem Buell Unfallrahmen schnitt er die obere Federbeinaufnahme heraus und schweißte sie dem FZR Rahmen an den Arsch. Da der V2 seine Kraft auf der rechten Seite abgibt, das FZR-Ende diese aber linkerhand erwartet, baute Jouni die Schwinge einfach upside down ein und verlegte so das Kettenrad nach Steuerbord. Noch eben eine Aufnahme für das Buell-Beinchen auf den Zweiarmer geschweißt, den Motor von Belt auf Kette umgerüstet und fertig war die Laube.

YaSuBu

Vorne mischte Jouni Hayabusa- mit Killergixxerteilen und hängte das Ensemble in den Yamaha-Lenkkopf. Zwei radial angesteuerte Bremsscheiben haben leichtes Spiel mit der Leistung des Buell-Reaktors, dessen Output ja deutlich unter dem liegt, was die Stopper normalerweise in Wärme verwandeln müssen. Gelenkt wird über eine Stange von LSL in deren direkter Nachbarschaft sich Motoscope mini, das Zündschloss, sowie ein fetter K&N Filter tummeln. Letzterer ragt aus dem Tank hervor wie die Silikon-Möpse von Pamela Anderson beim 200 Meter Nudisten-Rückenschwimmwettbewerb.

Tank-Man

Apropos Tank: Dieser zählt klar zu den arbeitsintensivsten Brocken an der Mopete. Nach einigen Experimenten mit umgetüdelten FZR-Blasen, stolperte Jouni über den Bottich einer R1, der sich erstaunlich gut für das angedachte Vorhaben geeignet zeigte und dabei auch eine ausgezeichnete Figur machte. Zumindest so lange man auf unötige Brocken wie Luftfilter, Ansaugtrakt und Benzinpumpe verzichten konnte oder wollte. Da Jouni, im Gegensatz zum durchschnittlichen HOG-Heini, sein Moped aber nicht hauptsächlich auf dem Anhänger zwischen Eisdiele, Garage und Vertragshändler bewegen sondern fahren wollte, sah er sich genötigt, ein paar eklatante Veränderungen vorzunehmen. Da der Motor nachhaltig auf einer Gemischaufbereitung beharrte, musste eben der Tank entsprechend modifiziert werden. Dazu amputierte Jouni dessen Boden, beschnitt seine Flanken, integrierte die Benzinpumpe, komplettierte das Ensemble mit den Teilen eines FZR-Tanks, schuf Platz für den Ansaugschnorchel und platzierte das stählerne Ergebnis oberhalb der Köpfe.

Take a seat

Weil Jouni nicht gerne im Stehen fährt, drängte sich abschließend noch irgendwie die Notwendigkeit zum Bau eines Hecks auf. Fertigkrams war auch hier Fehlanzeige. So schwang Jouni erst die Schweißelektrode für den Heckrahmen und dann den Mixstab, um Harz für den Höcker anzurühren. Den klöppelte er nämlich ebenfalls in Eigenregie um den Heckrahmen und die dort gebunkerte Elektrik herum, nachdem Versuche mit der Anpassung von Zubehörteilen weniger erbaulich waren als russisches Roulette mit einer Automatik. Zum Schluss gab´s noch eine Lage Lack aus der eigenen Pistole, sowie die unvermeidliche Abnahme durch die gestrengen Augen der staatlich bestellten Schergen. Dank reichlicher Unterstützung konnte auch diese Hürde sauber genommen werden und so tingelt Jouni inzwischen durch die Lande, fährt im Slalom um und durch HOG-Kolonnen, presst regelmäßig den Fuck-Finger gegen die Schaufensterscheibe eines ganz bestimmten HD-Dealers und sorgt tagsüber weiter dafür, dass auch kommende Generationen seine gesunde Lebenseinstellung praktizieren. Die Welt ist noch nicht verloren.


TECHNISCHE DATEN
Marke/Modell/Bj.: YaSuBu 1200
Motor: Buell 1200 XB Lightning
Ölkühler: Setrab
Einspritzung: Buell 1200 XB Lightning
Luftfilter: K&N modifiziet
Krümmer/Auspuff: Buell Krümmer modifiziert, Micron Schalldämpfer
Rahmen: FZR 1000 modifiziert
Heckrahmen: Eigenbau
Schwinge: FZR Upside down
Federbein: Buell XB12 modifiziert
Gabel: Hayabusa/GSX-R Hybrid
Vorderrad: GSX-R 1000 K7
Hinterrad: FZR 1000
Bereifung: 120/70ZR17 vorn, 180/55ZR17 hinten
Lenker/Riser: LSL
Bremse vorn: GSX-R 1000 K7
Bremse hinten: FZR 1000
Tank: Eigenbau auf FZR und R1 Basis
Maske: KTM
Höcker: Eigenbau
Instrumente: Motoscope Mini
Danke an: MMAF, Niina


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