In China essen sie Hunde

Anfang April: erbauliches Wetter, entzugsbedingtes Kilometerfressen zum Saisonstart. Bis die Kiste (etwa 90km vom heimischen Hafen entfernt) plötzlich vor einer roten Ampel ausgeht und auf Knopfdruck nicht wieder anspringt. Also rasch auf den Bürgersteig geschoben und die Feld-Fehlerdiagnose begonnen. Zu finden war nix – und nach etwas Wartezeit sprang der Haufen auch wieder an. Also erst mal weiter in Richtung Mittelgebirge. Bei einem kurzen Kontrollblick aufs Cockpit meldet die Tacho-interne Spannungsanzeige spartanische 11,9 Volt.

Büsch’n wenig, gell. Und es wird auch nicht mehr. Messerscharf kombiniert: kein Ladestrom, deswegen ist wohl auch die elektronische Motorsteuerung eben vor der Ampel ausgestiegen. Kack-Piedel-Mist-Scheiß-Fick-Dreck! Hilft nichts, umdrehen, ab nach Hause – oder zumindest so weit wie möglich in diese Richtung. Möglichst schnell, möglichst konstant. Autobahn! Kilometer für Kilometer kann man die Spannung beim Downgrade beobachten. 11,5V… 10,9V… 10,5V…

Ein Wunder, dass der Koffer mit der quasi leeren Batterie überhaupt noch läuft. Mit dem Mut der Verzweiflung und dem Pabst in der Tasche rollt die Kiste tatsächlich mit knapp über 9V bis vor die Garage. Also zumindest kein ADAC und kein Schieben, püüüüüh. Raus aus den Klamotte, rein in den Blaumann und das Multimeter gezückt. Regler ist i.O. (natürlich, denn für den liegt Ersatz im Regal), Lima hat Durchgang gegen Masse, ist also fratze (logisch, denn für die liegt natürlich nix parat). Erwähnte ich schon, dass sich das Dilemma an einem Freitagabend ereignete?! Da vor Montag sowieso nix raus gehen würde, also das Wochenende zur Teile-Recherche genutzt. Originale LiMa: fast 400 Kracher. Leck’o’Mio! Doch dann, per Tipp in einem Forum den Link zu einem Alternativ-Teil asiatischer Herkunft entdeckt. Zu erhaschen bei diversen deutschen Discountern, in der Bucht oder über Amazon. Die Produktbeschreibung liest sich auszugsweise verheißungsvoll:
Um eine optimale Leistung des Lichtmaschinenstators zu gewährleisten, wurden umfangreiche Tests durchgeführt und mit Fahrern aus aller Welt eng zusammengearbeitet. Der Stator ist so konstruiert, dass er nicht nur den OE und Kunden Anforderungen entspricht, sondern aufgrund spezieller Verbesserungen (mehr Wicklungen der Spulen, Drahtgröße, Anzahl der Windungen) sogar übertrifft.
Mehr Wicklungen führen beispielsweise zu einem geringeren Widerstand, was wiederum zu einer höheren Leistung führt bei geringerer Wärmeentwicklung.
- Hochwertige Spulen, Gummidichtungen und Steckverbinder
- Steigerung der Ausgangsleistung bis zu 20% möglich
Produktmarke: ElectroSport


Rechts die defekte OEM-Spule, links das angepriesene Ersatzteil vom DIscounter. Von der verstärkten Wicklungen un der angepriesenen imposanten Drahstärke ist nichts zu sehen. Hab' bestimmt nur die falsche Brille auf




Also nicht nur quasi aus der Weltraumforschung, sondern auch noch stabiler und stärker – und das alles zu einem Viertel des Preises des OEM-Teils. Also bestellt das Teil – und am darauf folgenden Dienstag war es auch schon da. Von den speziellen Verbesserungen (mehr Wicklungen der Spulen, Drahtgröße, Anzahl der Windungen) war aber irgendwie nichts zu sehen. Ganz in Gegenteil. Der Draht ist sogar wesentlich dünner als jener des Originalteils – und das ganze Ding wesentlich spiddeliger. Der Einbau funktionierte zumindest problemlos, die Passform ist sehr gut, die Bohrungen fluchten, das macht Hoffnung.

Der Eibau verlief reibenungslos, an der Passform gibt's nix zu Meckern




Beim ersten Testlauf war sofort wieder Ladespannung zu verzeichnen, auf der ersten Runde fiel jedoch bereits auf, dass sich diese erst jenseits von 2000 U/Min einstellte. Darunter war der Stator nicht in der Lage den Konsumdrang der aktiven Verbraucher zu stillen und die Spannung rutsche auf knapp über 12 Volt (z.B. im Stand vor roten Ampelphasen) ab. Nach Aufnahme der Weiterfahrt ging sie jedoch wieder auf über 14V hoch. Das Phänomen verstärkte sich auf den nächsten Runden zusehends, bis die Spannung auch beim hochtourigen Fahren den 12V-Zenit kaum noch überschritt. Ende es Truppenversuchs!

Nein, das Ding hat nicht auf dem Grill gelegen, sondern ist gerade einmal drei Wochen im Einsatz gewesen. Dann lieber Hunde essen!