Faster, harder, louder

Coverversionen sind eine sensible Angelegenheit – zumindest, wenn sie gut sein sollen. Wenn Johnny Cash Trent Reznors „Hurt“ zum Besten gibt, geht mir das Klappmesser in der Hose auf. Wenn aber Britney Spears „I love Rock ’n‘ Roll“ ins Mikro leidet, bekomm´ ich asthmatischen Würfelhusten und anale Flatulenzen. Die Gefahr eines Desasters nimmt unweigerlich proportional mit der Qualität des Originals zu. Bei Mopeten ist das nicht anders. Einen quietschebunten und megahässlichen Joghurtbecher kann man kaum noch verhunzen. Eine charakterstarke Kultbasis umzubauen ohne einen rollenden Brechreizauslöser zu erschaffen, ist dagegen weitaus schwieriger.

Master of Puppets

Üppige Felgendimensionen sollten fortan Platz im Gerüst finden, ohne dabei überdimensioniert zu wirken. Das Dickschiff bietet dazu reichlich Spielraum, zählt es von Haus aus ja nicht unbedingt zu den magersüchtigen Grazien. 240 Millimeter griffiges Gummi wurden achtern als sachdienlich deklariert, während vorne die serienmäßigen zwölf Zentimeter weiterhin ihren Dienst tun – allerdings auf unkonventionelle vier Zoll Felgenbreite gespannt. Die Schüsseln und Radnarben sind jeweils sechzigfach perforiert und mittels Edelstahlspeichen miteinander verbunden. Um von dem schmucken Geschmeide möglichst viel sehen zu können, wurden die rechten Flanken frei von jeglicher Peripherie gehalten. Vorne war dazu lediglich das Weglassen einer Bremsscheibe nötig, während heckseitig der Aufwand ungleich heftiger ausfiel.

The Memory remains

Antrieb und Bremsanlage mussten nachbarschaftlich auf der linken Seite untergebracht werden, was nicht ganz einfach ist, wenn man auf die aus dem Harley-Sektor bekannten, aber unpraktischen und selbstschmierenden Ritzelbremsen verzichten will. Die Lösung fand sich in einem ebenso einfachen wie genialen Aufnahmesystem, welches den Rotor, ähnlich einer Einarmschwinge neben dem Kettenrad anflanscht. Die Momentabstützung versteckt sich dezent im Zwischenraum des Konstrukts und hält trotz der hohen Besiedelungsdichte des Areals auch die Antriebsseite erfreulich clean.

Garage Inc.

Am hinteren Ende des Sabberfluß erzeugenden Gebildes thronen mächtige Exzenter, die neben der schnöden Kettenspannarbeit auch gleich noch die Heckhöhe variabel gestalten – je nachdem, ob man die Achse in der unteren oder oberen Hemisphäre kreisen lässt. In der Nähe der Schwingenaufnahme findet sich die bekannte Zwischengelegewelle, welche für den benötigten Kettenversatz sorgt und eine mittige Montage des Heck-Pneus gestattet. Das Ganze stützt sich über die XJR-typischen Öhlins-Dämpfer gegen den gekürzten Rahmen ab, eingefasst von vier kleinen Auspufftöpfchen, die das hohe Lied der Entsorgungsvielfalt singen.

Ride the Lightning

Logisch, dass so viel Arbeit durch frontale Maßnahmen begleitet werden muss. Eine R1 Upside-Down Forke, fein verpackt in selbst geschnitzte Brücken und bestückt mit einem V-Rod Scheinwerfer komplettieren die Maßnahmen, begleitet von Rundinstrumenten. Die obere Gabelbrücke ist gleichzeitig Lenkeraufnahme und hält den Pilotenarbeitsplatz sauberer als Else Kling auf Speed die Hausflure in der Lindenstraße. Beim Bodywork ließ man es dezent angehen, schließlich sollte der Song ja noch erkennbar sein, den der Brocken von Haus aus singt. Die serienmäßige Spritblase musste einem Retro-Pendant aus GFK weichen, das direkt auf den XJR-Rahmen passt. Die barocke Dreimann-Sitzbank, die ab Fließbandstapellauf das Heck beplankt, kam ebenfalls in den Keller. Ein schierer Höcker nach klassischem Schnittmuster ersetzt das monströse Original-Furunkel. Die letzten Noten steuert die matte Lackierung bei und macht aus der Melodie eine Symphonie. Play it loud!


TECHNISCHE DATEN
Marke/Modell/Bj.: Yamaha XJR 1300, Bj. 2005
Motor: XJR 1300
Krümmer/Auspuff: Eigenbau
Heckrahmen: modifiziert
Schwinge: Eigenbau mit integrierter Zwischengelegewelle und Unterzug
Federbein: Öhlins
Gabel: YZF R1
Gabelbrücken: Eigenbau , oben mit integrierten Stummellenkern
Räder: 60 Speichen Eigenbau
Bereifung:
vorn: 120/70ZR17
hinten: 240/40 ZR18
Lenker: Eigenbau, in Brücke eingelassen
Bremsen:
vorn: Einscheibensystem
hinten: auf Antriebsseite
Tank: Eigenbau GFK Retro
Scheinwerfer: V-Rod, mit Haltersatz von Eigenbau
Höcker/Sitzbank: Retro Classic
Kotflügel: Eigenbau
Fussrastenanalge: Eigenbau
Instrumente/Anzeigen: Retro, vollelektronisch


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