Cerberus

Nein, Cerberus ist keine Figur aus einem Asterix-Comic, so wie Haudraufundschluss, Keinentschluss oder Redkeinstuss. Cerberus ist eher so etwas wie das satanische Gegenstück zu Lassie, Boomer oder den Fußhupen der Jakob-Sisters. Total unniedlich, kein Stück knuddelig und nur sehr bedingt kuscheltauglich, schnappt Luzifers Wauzi lieber grimmig zu, als artig Pfötchen zu geben.

Er strotzt vielmehr vor bestialischen und garstigen Eigenschaften, die auch dem Grundcharakter Yamahas Vmax nicht ganz fremd sind. Die ist ab Werk, insbesondere in der ersten Generationswelle ebenfalls alles andere als ein plüschiger Wonneproppen zum problemlosen Liebhaben für Jedermann. Das Ding ist ein garstiger Straßenköter, der weder Nachsicht noch Mitleid mit zu zaghaften Herrchen kennt, gerne mal gegen Hydranten pinkelt sowie kleine Pinscher und unvorsichtige Welpen wegschlickert wie Garfield seine Montags-Lasagne.

Hellraiser Driving School

Das hielt Rolf kurz vor der letzten Jahrtausendwende aber nicht davon ab, sich so einen 145 PS-Prügel mit übellaunigem Vboost-System in der kanadischen Carbon-Version als Fahrschulmoped taufrisch anzulachen. Cruise Missiles waren wohl gerade ausverkauft. Wer auf so einem Tierchen das Fahren erlernt, für den hält das Leben keinen Schrecken mehr parat. Wenn du den Koloss durch die Pylonen bei der Ausweichübung wringen kannst, bekommst du auch einen Containerfrachter in drei Zügen am Steg des Ruderclubs "Kleine Pinne Rhauderfehn" rückwärts eingeparkt.

Who let the dogs out?

Der Unweichspühlgang wurde nicht unbedingt softer, als Rolf auch noch begann, das Tierchen langsam umzubauen und damit eine ganze Generation von Fahrschülern in den Wahnsinn und anschließenden Harakiri zu treiben. Deshalb wurde das Krad ganz fix aus dem Lehramt entlassen und fortan nur noch zur Umsetzung Rolfs ganz privater kranken Fantasien benutzt.

Willi Wuff

Und die wurden mit den Jahren immer obszöner und haltloser. 2001 kam der erste grobe Rundumschlag, in dessen Verlauf der Stuhl nach dem bereits erlittenen Verlust seiner Fahrschullizenz auch noch den des Soziusplatzes zu feiern hatte. Fahrten waren ab sofort reine Zwiegespräche zwischen der Max und ihrem Bändiger. Anno 2005 fand ein solches mal wieder auf einem etwas heftigeren Ausflug statt: "Ich krach' jetzt in den Asphalt" – "Machst Du nicht!" – "Mach ich wohl" ging es hin und her, bis das bockige Dickschiff seinen Willen durchsetzte und in einer Art gripbefreiter Selbstmordkommando-Aktion (zum Glück ohne vorher umgeschnallten Sprengstoffgürtel) in Richtung Nirwana hinweg detonierte und sich wie ein Pitbull in den Teer verbiss. Höchst effektiv und äußerst erfolgreich!

Mach Männchen

Dank der seinerzeit montierten vorderen Verstrebungen, blieben Motor und Rahmen jedoch weitestgehend unverletzt und wurden nach kurzem Aufenthalt auf der Intensivstation wieder entlassen. Den Angehörigen der restlichen Anbauteile konnte Rolf nur noch Beileidskarten schicken. Da war ohne Schmiedefeuer und Schmelzofen nichts mehr zu machen. Wir kondolieren ebenfalls nachträglich. Rest in pieces.

Buddelkiste

Rolf verbuddelte die abgenagten Knochen im heimischen Garten, begann alsbald mit dem Neuaufbau des malträtierten Kutters und nutzte die Gelegenheit zu einem erneuten Update des zu ersetzenden Metallgebrösels. Diese Stufe funktionierte auf fast schon perfide Art und Weise derartig gut, dass sich bis auf weiteres von alleine keine neue Gelegenheit zu weiteren Maßnahmen ergab, verdammt! Rolf musste 2014 in Notwehr einen leergefahrenen Tank zum Totalschaden deklarieren, um endlich wieder einen Grund zum Schrauben zu haben.

Zur Hölle mit dem Bock

Damit die Fahrt zum Gehörnten nicht allzu viel Zeit in Anspruch nehmen würde (man hat ja noch andere Dinge auf dem Zettel als Audienzen beim Schwefel-Dealer), gab's erstmal ordentlichen Druck auf die Kessel. 1350er Laufbuchsen, bestückt mit hochverdichtenden Schmiedekolben nuckeln per überarbeiteter Kanäle an durchsatzfreudigen Gasfabriken und geben die Kräfte des Bösen an die Barnett-Kupplung weiter, die sich redlich bemüht, den flammenden Zorn der vier Götter in Zaum zu halten. Ein Dreh am rechten Lenkerende zieht selbst bibelfesten Christen die Falten aus dem Sack und die Mundwinkel in die Länge, bis sie sich am Hinterkopf berühren.

Hells Bells – Höllenkläffer

Die bemitleidenswerte Kardanwelle (sie hatte schon keine leichte Kindheit) rotiert in einer heidnischen OTEC-Schwinge, die auch dafür sorgt, dass ausreichend Auslauf für einen weiteren Spross der Familie bereit steht: eine acht Zoll breite Leichtmetall-Felge. 240 Millimeter feinsten Metzeler-Gummis spannen sich über die Schultern der Alu-Trommel, stets bereit, das ihnen aufgebürdete Drehmoment demütig zu verköstigen. "Schnauze halten und runterschlucken" ist hier die Devise. Wir sind schließlich nicht auf dem katholischen Kirchentag – auch wenn auf solchen den Ministranten von ihren Dekanen oftmals dasselbe gesagt wird.

Andersrum

Da die Vmax vorne eine recht lange Forke zwischen den Zähnen trägt, taugt übliches USD-Stempelwerk nicht ohne massive Längenkompensation zur Montage, es sei denn, man will mit dem Bugspoiler Furchen in den Teer ziehen. Rolf riss deshalb lieber einer hochbeinigen KTM die Füllungen aus den Brücken, montierte ob des wesentlichen höheren Fahrzeugsgewichts der Yamaha verstärkte Federn und steckte die überarbeiteten Pressorgane anschließend in einen Satz mächtiger Raats-Brücken. Von dem holländischen Spezi stammen übrigens auch die vordere als auch hintere Felge.

Leinenzwang

Den Rohrrahmen verkürzte Rolf hinten kräftig, schweißte einige Verstärkungen ein und montierte wieder ein Paar der sich bereits sehr dienlich erwiesenen Verstrebungen. Der aufgestülpte Lacksatz besteht in erster Linie aus einem charakteristischen Monocoque nebst dazu passender Maske und Motorwanne sowie einem Tandem organisch geformter Lufthutzen.

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Das übliche Instrumentarium sitzt im Dashboard des Monocoques, lediglich der Tacho macht zusammen mit einem Schaltblitz vor der oberen Brücke artig Platz. Die wird von einer klassischen Dragbar per Hebelkraft im Lenkkopflager umgerührt und ist clean als auch schlicht gehalten. Das Thema Fahrschularbeit ist selbst für extrem leidensfähige Aspiranten spätestens seit der letzten Evolutionsstufe kein ernsthaftes mehr, in Anfängerfingern hat der Stuhl auch wahrlich nichts zu suchen. Die Gefahr besteht auch kaum, denn Rolf gibt ihn nicht aus den seinen. Das ist auch gut so, denn zur Hölle fährt am Ende doch jeder ganz für sich alleine.


TECHNISCHE DATEN
Marke/Modell/Bj.: Yamaha / Vmax 2LT / 1998
Erbauer: Rolf
Motor/Motortuning: Vmax 2LT, Motor überarbeitet mit 1350 Laufbuchsen und Stage 7, Barneth Schraubenfederkupplung mit Klarsichtdeckel
Vergaser: Stage 7
Luftfilter: K&N Einzelluftfilter
Krümmer/Auspuff: Leistungskrümmer / BSM-Vampire
Rahmen: gekürzt, modifiziert mit Knotenblechen, verstrebt
Schwinge: OTEC 250
Federbein: Koni
Gabel: KTM USD-Gabel mit verstärkten Federn
Gabelbrücken: Raats
Lenker/Riser: Dragbar
Hebel: original
Spiegel: Highsider Lenkerendenspiegel
Räder: Georg Deget, 3,5 x 18 vorn, 8 x 18 hinten
Bereifung: Metzeler Roadtec Z8, 120/70 R18 vorn, 240/40 R 18 hinten
Bremsscheiben: schwimmend gelagert Brembo
Bremszangen: 4-Kolben R1 vorn, 2-Kolben Brembo hinten
Bremsleitungen: Stahlflex
Fußrastenanlage: Raats
Höcker/Sitzbank: Monocoque
Instrumente/Anzeigen: Motoscope Mini von Motogadget
Blinker: Shin Yo vorn, Kellermann hinten
Rücklicht: MV Agusta
Lackierung: Ronin Art Airbrushdesign – schwarz-blau matt Grundfarbe


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